Social Media, Authentizität und sozial verantwortliches Handeln

Deutschlands erster DSDS-Superstar Alexander Klaws im Gespräch mit events

Alexander Klaws

Alexander Klaws wurde 2003 Deutschlands „Superstar“ bei DSDS. Im vergangenen Jahr setzte er sich auch bei Let’s Dance als Sieger durch. Mitte Oktober hat er sein neues Album “Auf die Bühne, fertig, los!” veröffentlicht. events sprach mit dem Sänger und Schauspieler über Social Media, Authentizität und sozial verantwortliches Handeln.

events: Phil Collins sagt Ihnen einen unbändigen Willen nach. Warum ist gerade der für die Karriere so wichtig?

Alexander Klaws: Den unbändigen Willen musst Du im Blut haben. Da gibt es keinen An- und Ausschalter, der ist immer da. Wie ein Motor, der Dich anspornt. In meinem Fall ist es so, dass ich etwas Besonderes auf der Bühne zeigen, die Menschen ein wenig aus ihrem Alltag lösen und mit mir auf die Reise nehmen will. Dafür muss man immer an sich arbeiten und nach Perfektion streben.

events: Durch Ihre Engagements müssen Sie viel reisen. Was stört Sie an einem Hotel?

Alexander Klaws: Egal, ob ich privat oder fürs Business unterwegs bin: Ich ärgere mich über Hotels, die 30 Euro für eine Stunde WLAN nehmen. Vor allem aber der Kunde, und damit meine ich jeden Hotelgast, sollte König sein. Oft habe ich miterlebt, dass z. B. Promis oder vermeintlich Reiche schneller und zuvorkommender bedient wurden als andere. Nach zwölf Jahren buche ich mich gerne auch in einem Apartment Hotel ein. So kann ich ungestört meinen eigenen Rhythmus leben.

events: Was ist für Sie das wichtigste Merkmal eines guten Hotels?

Alexander Klaws: Guter Service. Menschlichkeit.

events: Ich hatte jetzt eher die Bandbreite des Frühstücksbuffets oder der Minibar erwartet …

Alexander Klaws: Nein im Ernst. Wichtig ist, dass man sich im Hotel nicht fremd sondern gut angenommen fühlt. Keine künstliche, aufgesetzte Freundlichkeit. Keine leeren Worthülsen. Und auch kein ständiges Abschotten: „Bitte nicht den Herrn Klaws jetzt und hier ansprechen!“

Sieger DSDS

events: CSR und ökologisch verantwortliches Handeln sind in unserer Branche gerade en vogue. Wo drückt sich das in Ihrem Leben aus?

Alexander Klaws: Natur und umweltbewusstes Handeln sind für mich grundsätzlich wichtig, vor allem, seitdem ich im Musical „Tarzan“ gespielt habe und mich viel mit dem Regenwald und der Erhaltung bedrohter Tierarten auseinandergesetzt habe. Wenn ich z. B. Urlaub auf den Malediven mache, gehe ich dort in kein Resort, in dem tonnenweise chemisches Shampoo im Wasser verklappt wird. Ich achte darauf, dass möglichst viel biologisch abbaubar ist bzw. aus natürlichen Essenzen besteht. Mich interessiert immer das Konzept eines Hotels: Wie ist es entstanden? Wurden für den Bau zig Riffe und natürlicher Lebensraum vernichtet? Viele Resorts informieren auf ihren Webseiten darüber, obwohl man leider nicht sicher sein kann, ob das alles auch so stimmt. Last but not least: Ich bin ja leidenschaftlicher Taucher, und wenn mir unter Wasser Müll entgegenschwimmt, dann fische ich ihn raus und nehme ihn mit nach oben. Ich mache das, weil ich mir wünsche, dass meine Kinder später noch die schöne Natur erleben können.

Zitat Alexander Klaws

events: Man sagt Ihrer Generation nach, sie hätten ein „fünftes Körperteil“, nämlich das Smartphone. Wie ist das bei Ihnen?

Alexander Klaws: Ich würde mir wünschen, dass es wieder ein wenig back to the roots geht. Alles hat eine rasante Geschwindigkeit angenommen, sodass man kaum noch hinterher kommt. Wenn man unterwegs ist, wird erwartet, dass man ständig erreichbar ist. Früher konnte mal ein Tag vergehen und man meldet sich dann. Das Gute an meinem jetzigen iPhone 6+ ist: Es ist zu groß, um es abends z. B. zum Essen mitzunehmen. Das hat den Vorteil, dass ich mich ungestört unterhalten kann. Vor einiger Zeit traf ich mich mit Freunden. Einige von ihnen schickten sich während des Zusammenseins untereinander Nachrichten und Videos über Whats App …! Das will ich nicht.

events: Welche Rolle spielt Social Media in Ihrem Leben? Frisst Sie das auf, sind Sie weitgehend abstinent oder lassen Sie machen?

Alexander Klaws: Ich habe mich lange gegen den Social Media Hype gewehrt und war bei Facebook ein Spätzünder: Aber irgendwann kam der Punkt, wo ich es einfach machen musste. Sonst wirst Du nicht wahrgenommen. Aber: „Mmmm, guck mal, ein Teller Nudeln, wie lecker!“, solche Nachrichten gibt es bei mir nicht. Mittlerweile ist jeder sein eigener Paparazzo, selbst Leute, die nirgendwo richtig stattfinden, finden sich selbst ganz wichtig und posten und posten. Es ist ein Massenzwang geworden. Früher habe ich bei Autogrammstunden gesagt, dass mein neues Album an Tag X rauskommt. Heute habe ich das Gefühl, wissen die Fans das schon vor mir. Man weiß gar nicht mehr, was man erzählen soll, es ist ja alles im Netz. Das ist schade, denn die Wertigkeit geht damit ein wenig verloren: in puncto Kommunikation und auch einen Künstler live zu erleben. Man kann ihn ja schließlich fünfmal am Tag in Facebook oder auf YouTube sehen, wenn man will.

events: Sie sind Westfale und im Sternzeichen Jungfrau geboren – beides Anzeichen für hohe „Bodenhaftung“. Wie kommen Sie mit dem unsteten Leben eigentlich klar, wo sind Ihre Fixpunkte?

Alexander Klaws: Ich skype täglich mit meiner Freundin und mit meinen Eltern. Ich bin ein Familien- und Harmoniemensch und die Kontakte geben mir Kraft, noch besser zu sein. Als Gegengewicht zur Welt des schönen Scheins und des Superstars! Oder ich gehe einfach mit Freunden in die Kneipe und rede über Fußball und Gott und die Welt.

events: Apropos Jungfrau – das steht u. a. für Streben nach Perfektion, Ordnung, Sauberkeit. Stört Sie eigentlich Ihr Saubermann-Image? Müssen Sie nicht manchmal lachen, wenn Ihnen vorgeworfen wird, alles immer perfekt zu machen?

Alexander Klaws: Am Anfang hat mich mein Image mehr beeinflusst, mittlerweile bin ich da viel entspannter. In diesem Land tut man sich irgendwie schwer, dem anderen einmal etwas zu gönnen oder seine Leistung anzuerkennen. Hätte ich bei Let’s Dance schlecht getanzt, hätte jeder gesagt: „Guck mal, der kann’s nicht!“ Wenn ich gut getanzt habe, hieß es „Oh, ist ja langweilig, ist ja alles viel zu perfekt!“ Diese Haltung ist auch ein Grund dafür, dass die Entertainmentbranche manchmal ein Stück weit ins Lächerliche gezogen wird oder auch nicht so wächst, wie sie wachsen könnte. Die Amerikaner machen es anders vor. Sie feiern ihre „Stars“. Deutschland hält seine Stars lieber klein, bevor sie zu viel Macht bekommen.

Zitat Alexander Klaws

events: Womit steht und fällt Ihrer Ansicht nach eine gute Inszenierung, wenn es um maximales emotionales Involvement des Publikums geht?

Alexander Klaws: Ich glaube, das Wichtigste ist, dass es echt rüberkommt und nicht überdramatisiert wirkt. Diesen Wandel macht auch das Musicalgenre gerade durch. Schauspiel und Musical rücken immer näher zusammen. Es ist filmischer geworden. Regisseure, die früher Tatort drehten, machen jetzt Musical-Inszenierungen. Besonders bei meiner Zusammenarbeit mit Roman Polanski habe ich diese Entwicklung hautnah miterlebt. Es ist zwar Theater und muss alles größer sein, aber die Emotion wird anders transportiert: Du sollst nicht sauer spielen, sondern Du sollst sauer sein! Wenn das Publikum das spürt, ziehst Du es in Deinen Bann. Bei einer Vorstellung von „Jesus“ wurde ich einmal zur Kreuzigung abgeholt und ich sah, wie sich eine Dame in der ersten Reihe bekreuzigte. Das ist es! Eine gute oder schlechte Inszenierung ist aber auch immer Geschmackssache, weil sie auch die Sicht des Regisseurs widerspiegelt und der will manchmal auch bewusst anecken und polarisieren.

events: Sie haben in vielen Theatern und auf vielen Bühnen gespielt. Welches Haus hat Ihnen von der Ausstrahlung her am besten gefallen?

Alexander Klaws: Die Neue Flora in Hamburg, die werde ich bestimmt nie vergessen. Ich bin von der Decke gesprungen, durch die Halle geflogen, ich habe quasi jeden Winkel genutzt in der Luft und am Boden. Außerdem war das Team wunderbar und dreieinhalb Jahre lang so etwas wie eine Familie für mich.

events: Sie sind zahlreichen Förderern, Kollegen, Managern und Regisseuren begegnet. Wer hat Sie am meisten beeindruckt und warum?

Alexander Klaws: Es gibt große Namen, die in meiner Karriere immer eine Rolle spielen werden, wie Dieter Bohlen, Roman Polanski und Phil Colins. Polanski hat meinen Weg noch einmal in eine andere Richtung gelenkt. Mit ihm hatte ich mein Musicaldebut. Und als mich Phil Colins für die Rolle Tarzan ausgesucht hat, war das wie ein Ritterschlag für mich. Aber auch Leute, die der Öffentlichkeit vlt. nicht so bekannt sind, wie Gil Mehmert, der das Musical „Jesus“ inszeniert hat, oder Ulrich Wiggers, mit dem ich den „Schuh des Manitu“ gemacht habe. Alle haben wichtige Akzente in meiner Karriere gesetzt.

events: Wann werden Sie eigentlich richtig sauer und vor allem: Können Sie es sich leisten, das auch zu sagen?

Alexander Klaws: Ich sage immer meine Meinung und wenn mich etwas nervt, dann spreche ich das auch aus. Ich bin ein direkter Typ. Wenn ich zum Beispiel mit Freunden unterwegs bin und jemand möchte ein Autogramm haben oder ein Foto machen, dann lehne ich das auch schon einmal ab, weil ich privat sein möchte. Was ich gar nicht leiden kann, sind arrogante Menschen und Intoleranz. Das macht mich wirklich wütend.

events: Und wie sieht es aus, wenn Sie etwas in der Presse lesen, was Ihnen nicht gefällt?

Alexander Klaws: Mit der Zeit habe ich mir ein dickeres Fell zugelegt und es ärgert mich nicht mehr. Ich finde es witzig, was in den Medien steht. Ich kann damit spielen und es für mich nutzen.

events: Was ist Ihr Lebensmotto?

Alexander Klaws: Behandle Deine Mitmenschen so, wie du selber gerne behandelt werden möchtest. Wenn man das als grundsätzliche Einstellung hat, kommt man sehr weit, denn darauf baut sich vieles andere auf.

events: Was sind für Sie die Merkmale eines Stars?

Alexander Klaws: Garantiert nicht, wie viele Skandale man hat. Ganz einfach: dass man auf dem Teppich bleibt. Ein Star ist für mich jemand, der hart arbeitet und es schafft, durch Ausstrahlung Menschen in seinen Bann zu ziehen. Es gibt Leute, die stehen oben auf der Bühne und Du bleibst einfach an ihnen dran. Du kannst gar nicht anders.

Jesus Christ Superstar
© Theater Dortmund
Alexander Klaws als Jesus im Musical “Jesus Christ Superstar”

events: Haben die Rollen, ob „Tarzan“ oder „Jesus“ Ihre Persönlichkeit verändert? Schüttelt man Rollen ab und schlüpft dann gleich in die nächste …?

Alexander Klaws: Unterschiedlicher als „Jesus“, „Tarzan“ oder in „Der Schuh des Manitu“ können Rollen fast nicht sein. Und natürlich haben diese Rollen auch immer eine Nuance von mir, gleichzeitig erweitern sie auch meinen Horizont. Ich sehe manche Dinge im Nachhinein anders. Für „Jesus“ habe ich z. B. als Vorbereitung sehr viel in der Bibel gelesen und wenn man spielt, wie man gekreuzigt wird, dann wird man auch ein Stück weit ehrfürchtiger.

events: Gibt es eine Rolle, die Sie nicht spielen könnten?

Alexander Klaws: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Aber was ich gerne einmal machen würde, wäre, in einem Kinofilm mitzuwirken. Um mich weiterzuentwickeln und auch noch einmal eine andere Seite von mir zu zeigen.

events: Als Vertreterin eines Print-Magazins muss ich als letzte Frage unbedingt los werden: Lesen Sie eigentlich noch Zeitungen und Zeitschriften oder holen Sie sich alle Informationen online?

Alexander Klaws: Ich habe einen Google Alert, damit ich weiß, wo ich wann stattfinde (lacht). Aber morgens beim Frühstück bin ich eher der Radiohörer. Leider habe ich es mir zunehmend auch angewöhnt im iPad zu lesen, was in der Welt geschieht.

Ein kleines Fazit:

Nett und „normal“ sein ist keine Schande. „Schwiegermutters Liebling“ kein Schimpfwort. Abermillionen Mütter können nämlich nicht dumm sein. Intellektualität ist kein Wert an sich. Authentizität schon eher. Gesundes Leistungsstreben ist die Mutter des Erfolges und Neid muss man sich verdienen. Und was wir schon immer gewusst haben: Antrainierte Freundlichkeit in vielen Hotels stößt eher, ab als sie berührt. Events müssen berühren. Die digitale Welt berührt nicht. Durchaus berührend aber ist es immer, netten und normalen Menschen zu begegnen, denen der Erfolg nicht zu Kopf steigt.

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