Andrew, row the boat ashore!

Im Interview: Jochen Andrew Lohmar, neuer Geschäftsführer des Bodenseeforum Konstanz

Bodenseeforum Konstanz Team
Bodenseeforum Konstanz

Jochen Andrew Lohmar (54) ist der frisch bestellte Geschäftsführer des Bodenseeforum in Konstanz. Damit beginnt eine neue Zeitrechnung für das im November 2016 eröffnete Haus, nachdem der Eröffnungsgeschäftsführer Dr. Thomas Karsch bereits kurz nach der Inbetriebnahme ausschied und nur eine Interimsführung installiert wurde.

Der Berliner mit schottischen Wurzeln war langjähriger Geschäftsführer der prestigeträchtigen AXICA am Potsdamer Platz und ist nach Stationen im Gräflichen Park Bad Driburg und bei Kofler & Kompanie nun tief im Badischen vor Anker gegangen. Rudern ist seine alte Leidenschaft. Das Bodenseeforum nach vorne zu bringen soll seine neue werden. Wir haben mit ihm gesprochen. Das Team ist alles, meint er und besteht auf einem Teamfoto. Jochen Lohmar: oben ganz links im Bild.

events: Wie fühlt sich der Süden der Republik für einen Berliner an?

Bodenseeforum Konstanz, Aussenansicht Uferpromenade am Seerhein,
Bodenseeforum Konstanz / Guido Kasper

Jochen Andrew Lohmar: Lost in Translation (lacht!). Für mich ist das hier eine einmalige Chance, meine Handschrift gemeinsam mit einem Team in so einem Paradies auflegen zu dürfen. Ein Paradies landschaftlich, kulinarisch und wirtschaftlich. Hier hat der liebe Gott zweimal hingegriffen. Ich habe viele interessante Menschen in den letzten 6 bis 8 Wochen kennen gelernt. Viele Mentalitäten und Nationen kommen hier zu einer besonderen Interpretation von Gastfreundschaft zusammen. Gegenüber dem dreckigen Berlin, das sich vollkommen überheblich mit arm und sexy präsentiert und vielleicht 2020 immer noch keinen Flughafen haben wird, fühle ich mich hier gut aufgehoben.

events: Was wollen Sie als erstes tun?

Jochen Andrew Lohmar: Im Augenblick stellen wir die Organisation wieder auf die Füße, bringen – sozusagen wie bei der Armee! – alle wieder zum Marschieren. Damit schaffen wir die Basis für das, was wir in der Zukunft machen wollen. Nämlich Höchststandards zu schaffen und das dann auch zuverlässig nach innen abbilden zu können.

events: Danach kommt das Konzept für die Vermarktung, nach einer Zeit des Stillstands, oder?

Jochen Andrew Lohmar: Unbedingt. Ich persönlich glaube, dass die Zukunft darin liegen wird, unseren Kunden Lösungsansätze für ihre Probleme zu schaffen. Über die Raumfrage hinaus. Wir müssen Solution Provider werden, verstehen, was die wirtschaftlichen Zielsetzungen des Kunden für Live Kommunikations-Maßnahmen sind und aus dieser Perspektive heraus Lösungen um den Content herum anbieten. Das wird uns differenzieren gegenüber so manchem Anbieter. Dabei sind Integrität und Kompetenz enorm wichtige Keywords. Wir müssen wissen, wo sich unsere Industrie hin entwickelt und dieses Wissen mit dem Kunden teilen. Mehr noch: Es ihm als Business-Paket anbieten, das ihm Marktvorteile schafft. Der Kunde wird sich immer besonders gerne an Partner binden, die ihm kontinuierlich neue Lösungsansätze bieten.

events: Da hilft Ihnen sicherlich die Expertise aus Ihrer Zeit bei der Berliner AXICA …

Jochen Andrew Lohmar: Ich denke ja. Aber auch als wachsame Beobachter von Veranstaltungen in unserem Hause werden wir in gewisser Weise zu Benchmark-Trägern, erleben viele Umsetzungsvarianten, die wir für unsere neuen Kunden nutzbar machen können. Wir wollen als Inkubatoren und Katalysatoren für Kommunikationsprozesse wirken.

bodenseeforum optionen

events: Welchen Mitarbeitertypus wünschen Sie sich?

Jochen Andrew Lohmar: Aus- und Fortbildung werden ein Kernbestandteil unserer Unternehmensphilosophie sein. Nur so schaffen wir es in unserer Region, die richtigen Menschen für das Business zu gewinnen. Weiterbildung bindet an das Unternehmen und wenn gut ausgebildete Mitarbeiter irgendwann das Unternehmen verlassen, haben sie wieder Vorteile im Wettbewerb um einen neuen Job. Das setzt aber auch Wissbegierigkeit und die Bereitschaft, sich auf etwas einzulassen, voraus. Es wird überall viel mit der Gießkanne in Marketing, Infrastruktur, Messen investiert und dabei allzu oft vergessen, dass Mitarbeiter das wichtigste Kapital sind. Für das eigene Unternehmen und den Kunden.

events: Ein Buzzword heißt Industrie 4.0 – wie würden Sie denn Sales 4.0 interpretieren?

Jochen Andrew Lohmar: Sales 4.0 geht nur über die Mitarbeiter und nicht über die Gegebenheiten, die das Haus bietet. Das Herz, das ein Haus bietet, das macht es aus. Hinsichtlich der Gegebenheiten sind wir top ausgestattet – besser geht’s nicht. Es muss nun mit Herz und Verständnis für die Bedürfnisse des Gegenübers verkauft werden. Dafür braucht es neue konzeptionelle Ansätze. Sorgfältige Diagnose, intelligente auf den Patienten individuell abgestimmte Therapie und nicht Verkauf von IGeL-Leistungen um jeden Preis. Um einen Vergleich aus dem medizinischen Bereich zu benutzen.

Intelligentes Netzwerken ist heute wichtiger als „plumpes Verkaufen“. Menschen kennen lernen, die Entscheidungen treffen. Sie mit Ideen zusammen schmieden, Konzepte gemeinsam weiter entwickeln können, das macht den neuen Verkäufertypus aus. Niemand hat mehr Lust auf den wievielten Verkaufsbesuch, auf Präsentationen, die man sich überall herunter laden kann und die live gespielt meistens nur Zeitdiebe sind. Dem General Sales Agent, dem „Vertriebsnomaden“ gehört meiner Ansicht nach die Zukunft. Das sind die wenigen charismatischen Trüffelsucher, die aus eigenem Antrieb permanent auf den Zehenspitzen sind. Fest installierte Vertriebsmannschaften alter Prägung wird es vielleicht innerhalb des nächsten Jahrzehnts schon nicht mehr geben.

Bodenseeforum Konstanz Saal
Bodenseeforum Konstanz

events: Was kann das Bodensee-Forum eigentlich besonders gut?

Jochen Andrew Lohmar: Ein Leistungsversprechen abgeben, das es auch halten kann. Alle USPs, die es hier gibt, vereinen. Das Haus mit seiner Variabilität, die erstklassige Lage, Innovationskraft und das Kooperationsnetzwerk. Wir bieten Heimat und sind trotzdem weltläufig. Wenn ein Kunde geht, muss er sagen: Ich habe mich wohlgefühlt. Ich war aufgehoben. Und nicht nur, dass es in Ordnung war. Das ist es aus meiner Sicht. Der USP zeichnet sich dadurch aus, dass wir künftig in der Lage sein müssen, Maßkonfektion anzubieten und nicht Copy & Paste. Wir wollen in Märkte hineingehen, in Industrie-Segmente, die genau so etwas suchen. Es gibt kein Dry Aged Steak zum Preis einer Boulette und auch keine Maßkonfektion von der Stange.

events: Möchten Sie jetzt in den Ruf geraten, besonders teuer zu sein?

Jochen Andrew Lohmar: Nein, es geht um ein stimmiges Preis-/Leistungsverhältnis und nicht darum, sich Realitäten schön zu lügen. Preis wert muss so geschrieben werden.

events: Welche Assets wirft denn das Haus an sich in die Wettbewerbsschlacht?

Jochen Andrew Lohmar: Wir sind nicht zwingend ein Haus, das Dinge kann, das andere nicht können. Aber wir sind ein ganz neues Haus. Ein modernes Haus. Und unter „modern“ verstehen wir in erster Linie die technische Ausstattung und die Variabilität. Es ist nicht nur vom Reißbrett entstanden, sondern die perfekte Metamorphose von einem Solarindustrie-Bau in ein Licht durchflutetes Veranstaltungshaus, das sich mit der IHK ein Gebäude teilt und das 1.500 Menschen Platz bietet. Nicht zu vergessen: der eigene Bootssteg, den wir ab Herbst hier haben werden und über den wir die Gäste stimmungsvoll über die Wasserseite heran bringen können. Die Stadt ist dynamisch. Das bringt schon die Lage mit sich. Hohe Kommunikationsfähigkeit zeichnet das Vierländer-Eck aus. Dieses Tempo nehmen wir mit auf.

Bodenseeforum-Saal
Bodenseeforum Konstanz

events: Es gibt den Trend, aus nackter Informationsflut Wissen zu machen. Wie stellen Sie sich darauf ein?

Jochen Andrew Lohmar: In Konstanz existiert eine der größten Gründerszenen der Region und die Exzellenz-Universität Nummer 1 in Deutschland. Auch davon werden wir profitieren, wenn wir uns in der richtigen Form einbringen.

Zu Ihrer Frage im Detail: War früher ein Kongress ein reiner Informationsaustausch, frontal mit 28 Power Point-Präsentationen, geht es heute darum, sich zu treffen und aus reiner Information Wissen zu machen. Mit modernen didaktischen Formaten. Wissen entsteht immer dann, wenn man Information teilt. Das ist etwas, was sich in unseren Konzepten unbedingt wiederfinden muss. Das gilt für lokale Abibälle genauso wie für internationale Architektenkongresse. Alles, was aus unserer Feder an die Kunden geht, folgt diesem Trend. Die Ideen, Dinge spannend und damit nachhaltig im Sinne wirksamer Wissenstransfers zu machen, müssen von uns initiiert werden.

events: Abgesehen von der unbestreitbar notwendigen handwerklichen Grundkompetenz auf dem jeweiligen Aktionsfeld geht es beim Mitarbeitertypus der Zukunft um andere Dinge. Müssen heute zumindest die tragenden Säulen in einem modernen Veranstaltungshaus nicht mehr von Kommunikation und Marketing verstehen als von Hospitality?

Jochen Andrew Lohmar: Ja, aber noch wichtiger sind die Softskills: Empathie, Herzlichkeit, Integrität. Das andere versteht sich von selbst. Zuhören, um verstehen zu können und nicht Präsentieren um jeden Preis. Das macht am Ende für den Kunden den Return of Experience aus.

events: Wovon träumen Sie gerade?

Jochen Andrew Lohmar: Wenn ich an die hervorragende Wort-/ Bildmarke der AXICA denke, dann möchte ich so etwas gerne für das Bodenseeforum entwickeln. Unverkennbar, nicht nachahmbar und unmittelbar assoziierbar.

Die Redaktion wünscht gutes Gelingen und verabschiedet sich – passend zum alten Konzil-Standort Konstanz und zur Headline – mit der Schlusszeile des Harry Belafonte-Klassikers: „Some more business on the way, Hallelujah!“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Sie auch interessieren: