Interview mit Heike Mahmoud, Chief Operating Officer CCH

Große Pläne mit dem CCH

CCH_Hamburg_Außenansicht(Bild: Planung Arbeitsgemeinschaft agnLeusmann mit TIM HUPE Architekten, Hamburg)

Das CCH-Congress Center Hamburg wird derzeit für die stolze Summe von 200 Millionen Euro umgebaut und erweitert. Nach der für 2020 geplanten Eröffnung werden dann hochmoderne Kapazitäten für bis zu 12.000 Teilnehmer in 50 Sälen bereitstehen für den Eintritt in eine neue Dimension der Kongressakquisition in der Hansestadt.

Ein repräsentativer Glaspavillon wird als neuer Eingangsbereich drei Gebäudeteile harmonisch synchronisieren und kein Geringerer als Münchens Edel-Caterer Käfer wird kulinarisch unterstreichen, dass man hier mit Konsequenz bis ins letzte Detail Maßstäbe setzen will. Auf die Kommandobrücke des neuen CCH haben sich die Hanseaten dafür als Nachfolgerin von Edgar Hirt eine international erfahrene und hoch geschätzte Navigatorin geholt: Heike Mahmoud.

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Sie soll und wird innen das Tafelsilber polieren und außen den neuen Glanz gekonnt auf der Weltbühne zum Strahlen bringen. Nach fast genau 200 Tagen im Amt haben wir mit Heike Mahmoud über ihre ersten Erfahrungen und ihre ehrgeizigen Ambitionen gesprochen. Denn immerhin: 300.000 Kongressteilnehmer pro Jahr und 20 Millionen Euro Umsatz hat sie für 2025 ins Auge gefasst.

Heike-Mahmoud-CCH-Hamburg
Heike Mahmoud

Heike Mahmoud im Interview:

events: 16 Jahre auf der Kommandobrücke des Berliner Conventionbüros und nun neue Direktorin des ebenfalls bald völlig neuen Congress Center Hamburg: Wie fühlen sich die neue Stadt, die andere Mentalität nach fast 200 Tagen „so ganz privat“ für Sie an?

Heike Mahmoud: Berlin hat mich geprägt: Es waren über 16 spannende Jahre im Berlin Convention Office. Jedes Jahr kamen neue Projekte hinzu, wo wir die Stadt intensiv weltweit vermarktet haben. Jetzt bin ich in Hamburg und kann mein Know-how für ein neues spannendes Projekt einsetzen. Das ist eine einmalige Chance und es freut mich sehr, daran Anteil haben zu dürfen. Das neue Congress Center Hamburg als eines der größten Congress Center in Europa am Markt, vor allem international erfolgreich zu platzieren, ist eine tolle Motivation für mich. Die Hansestadt ist in der Wirtschaft und Wissenschaft sehr gut aufgestellt. Die Netzwerke funktionieren hervorragend und ich konnte schon viele Persönlichkeiten und Key Player aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft persönlich kennenlernen. Der Wille zum Erfolg, etwas Positives zu schaffen, Menschen zu verbinden: Das ist Hamburg. Eine absolut positive Erfahrung.


„Ich bin im Moment am richtigen Ort!“


Die Offenheit der Menschen hier in Hamburg, das aufeinander Zugehen, das überrascht mich, das hatte ich nicht so erwartet. Ich fühle mich wirklich sehr willkommen in der Stadt.

CCH_Hamburg_Eingangshalle(Bild: Planung Arbeitsgemeinschaft agnLeusmann mit TIM HUPE Architekten, Hamburg)

events: Das neue CCH wird nach Abschluss der 200 Mio. Euro Investition endlich nicht nur wegen seiner besonderen innerstädtischen Filetlage wohl das Flaggschiff unter Deutschlands Kongresszentren sein. Welche akquisitorischen Ziele verfolgen Sie bei Kongressen – a: typologisch?

Heike Mahmoud: Hamburg war schon immer Austragungsort für medizinische und wissenschaftliche Kongresse. Das CCH betreute in den vergangenen Jahrzehnten viele wichtige Kongress-Veranstaltungen.

Auf diesem Know-how werden wir aufbauen. Die sehr enge Zusammenarbeit mit den verschiedensten Professoren und Ärzten des Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Zu den Forschungsschwerpunkten des UKE gehören die Neurowissenschaften, Herz-Kreislauf-Forschung, Versorgungsforschung, Onkologie sowie Infektionen und Entzündungen. Weitere Potenzialbereiche des UKE sind die molekulare Bildgebung und die skelettbiologische Forschung. Hier gibt es viele Anknüpfungspunkte, um neue Kongress-Themen für Hamburg zu akquirieren.

Auch ein weiteres Thema hat für Hamburg internationale Strahlkraft: DESY. DESY zählt zu den weltweit führenden Beschleunigerzentren. Mit den DESY-Großgeräten erkunden Forscher den Mikrokosmos in seiner ganzen Vielfalt – vom Wechselspiel kleinster Elementarteilchen über das Verhalten neuartiger Nanowerkstoffe bis hin zu jenen lebenswichtigen Prozessen, die zwischen Biomolekülen ablaufen. Die Beschleuniger wie auch die Nachweisinstrumente, die DESY entwickelt und baut, sind einzigartige Werkzeuge für die Forschung: Sie erzeugen das stärkste Röntgenlicht der Welt, bringen Teilchen auf Rekordenergien und öffnen völlig neue Fenster ins Universum.


„In den kommenden Jahren wird ein Wissenschafts-Campus in Hamburg entstehen und somit wird die Hansestadt noch mehr zur Drehscheibe für Tagungen und Kongresse zum Thema Röntgenlicht.“


Das CCH wird die Kräfte mit dem Hamburger Convention Bureau bündeln, um weitere Kongresse in diesem Feld für die Hansestadt zu akquirieren. Enge Anknüpfungspunkte gibt es auch bei der Universität Hamburg. Ziel ist es in der Zukunft, sich gemeinsam für verschiedene wissenschaftliche Weltkongresse gemeinsam zu bewerben. Durch die geografische Nähe der Universität zum CCH – nur durch eine Hauptstraße getrennt – können viele Synergien genutzt werden: von der Nutzung der Kongresskapazitäten im CCH sowie Audimax und Seminarräume der Universität.

Verbandskongresse, national und international, aber auch Corporate-Veranstaltungen in der ganzen Bandbreite, von Hauptversammlung, Produktpräsentation bis zur Gala-Veranstaltung, das sind die wichtigsten Zielgruppen, die wir fokussieren wollen. Ein weiteres Anliegen, was uns sehr wichtig ist, ist die Öffnung des CCH für die Hamburger und Gäste der Stadt. Somit werden auch wieder Konzerte, kulturelle und gesellschaftliche Veranstaltungen einen Platz im neuen CCH haben.

CCH_Hamburg_Saal_1(Bild: Planung Arbeitsgemeinschaft agnLeusmann mit TIM HUPE Architekten, Hamburg)

events: b: hinsichtlich der Quellregionen?

Heike Mahmoud: Mit über 80% war Deutschland bisher der wichtigste Markt. Unsere Strategie zielt in der Zukunft auf mehr Internationalität, neben unseren Stammkunden und wichtigen Verbandskongressen. Wir verdoppeln jedoch auch unsere Kongress-Kapazitäten mit der Neueröffnung des CCH. Dann haben wir mehr Flexibilität für unsere Kunden und können beispielsweise drei Veranstaltungen parallel stattfinden lassen. All das gibt uns die Möglichkeit, international aktiver zu agieren und eine große Vielfalt von Kongressen für Hamburg einzuwerben. Unsere Mitgliedschaften bei internationalen Verbänden in unserer Industrie, wie z.B. der ICCA sowie Aktivitäten mit PCMA, MPI, GCB, EVVC werden uns helfen, gezielt unsere Kunden ansprechen zu können.

Des Weiteren werden wir auch internationale Netzwerke der Stadt Hamburg, wie z.B. die „HamburgAmbassadors“ oder Rotary International aktivieren, vor allem mit dem Ziel einer erfolgreichen Rotary Convention mit ca. 25.000 Teilnehmern 2019 in Hamburg. Wir als Hamburg Messe und Congress GmbH sind aktiver Partner und stellen das gesamte Messegelände zur Verfügung. Die HamburgAmbassadors sind ein internationales Netzwerk der Freien und Hansestadt Hamburg, durch das die Bekanntheit der Stadt weltweit weiter gesteigert wird. Wer das Ehrenamt ausüben möchte, muss strenge Kriterien erfüllen.

CCH_Hamburg_Saal_3(Bild: Planung Arbeitsgemeinschaft agnLeusmann mit TIM HUPE Architekten, Hamburg)

events: c: zahlenmäßig pro Jahr?

Heike Mahmoud: Die Ziele sind hochgesteckt: Die Aufgabe ist es, zusammen mit meinem sehr engagierten Team, die Zahl der Kongresse und die Zahl der Teilnehmer bzw. den Umsatz bis 2025 mehr als zu verdoppeln, d. h. auf mehr als 300.000 Teilnehmer pro Jahr und 20 Mio. Umsatz. Dies ist sehr ambitioniert und eine große Motivation zugleich.

events: Mit dem neuen CCH werden Sie in der Lage sein, hinsichtlich der Teilnehmerzahlen in andere Dimensionen vorzustoßen. Die Hamburger Hotellerie ist allerdings bereits gut ausgelastet. Sehen Sie im Bereich Hotelkapazitäten möglicherweise eine künftige Schwachstelle? Wenn ja: Was muss getan werden? Welche neuen Hotelprojekte sind im Gespräch?

Heike Mahmoud: Wir arbeiten sehr, sehr eng mit dem DEHOGA Hamburg und der gesamten Hotellerie der Hansestadt zusammen. Seit Beginn meiner Tätigkeit habe ich mich mit vielen Akteuren ausgetauscht, wie wir unser Netzwerk in der Stadt stärken können, wie unsere Serviceleistungen, wie z. B. schnelles Einwerben von Hotelkontingenten für CCH-Kongresse, und die gegenseitige Kommunikation noch effektiver und schneller organisiert werden können. Wir wollen eine Win-win-Situation erreichen.

Hamburg ist sehr stark in der Privathotellerie. Somit haben wir hervorragende Partner, die eine enge Bindung zur Hansestadt haben. Aber auch die Kettenhotellerie ist sehr aktiv und ergänzt das Hotelangebot, vor allem bei größeren Hotelzimmer-Kapazitäten. Dies ist eine sehr gute Grundlage für unseren Servicegedanken im CCH: wir möchten unseren Kunden alle Serviceleistungen und Netzwerke zur Verfügung stellen, welche zum Erfolg einer Veranstaltung beitragen. Hotellerie in Hamburg ist somit ein wichtiges Thema. Das Angebot in Hamburg steigt stetig. Viele neue Hotels werden innerhalb der kommenden zwei Jahre noch hinzukommen. Das bedeutet über 6.000 zusätzliche Hotelzimmer.


Weit über 6.000 neue Hotelzimmer in Hamburg

Per Ende 2018 werden in Hamburg neue Hotels mit insgesamt etwa 2.700 Zimmern entstanden sein, darunter als Flaggschiff das Luxushotel „The Fontenay“ mit 133 Zimmern. Für 2019 sind weitere Neueröffnungen geplant mit nochmals über 2.000 Zimmern. Zusätzliche 2.000 Zimmer sind in der engeren Planung für die kommenden Jahre, so dass die zu erwartenden Akquisitionserfolge des neuen CCH übernachtungstechnisch abgesichert sein dürften.

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