Was ist geschehen?

Baselworld: Stürmische Zeiten für den Messeschlager von einst

Dunkle-Wolken-über-dem-Messestandort-Basel
Dunkle Wolken über dem Messestandort Basel (Bild: Basel Tourismus)

Die Uhren- und Schmuckmesse in Basel verkleinert sich um die Hälfte, der Branchenkrösus Swatch will nicht mehr mitmachen, die Messe-Chefin warf das Handtuch und jetzt ist auch noch der Chef der MCH-Gruppe, der Baselworld-Organisatorin, gegangen. Und so ist es nur naheliegend, dass auch der Aktienkurs der MCH einbrach. Ende August 2017 stand er noch bei 79 Franken; einen Sommer später praktisch bei der Hälfte. Was ist geschehen …?

Die Hauptursache der Entwicklung liegt im schwierigen konjunkturellen Umfeld der Uhrenindustrie. Exporte brachen ab 2015 ein und so konnten sich kleinere Marken aus dem unteren und mittleren Preissegment die hohen Standmieten auf der Baselworld schlicht nicht mehr leisten.

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Die Baselworld ist die wohl führende globale Messe der Uhren- und Schmuckindustrie und findet jährlich im Frühling statt. Ausgestellt werden Produkte aus den Bereichen Uhren, Schmuck, Edelsteine und verwandten Branchen. Im Vergleich zum Vorjahr fehlten auf der diesjährigen Messe jedoch nicht weniger als 600 Aussteller (!). Darunter auch Top-Marken wie Hermès oder Ulysse Nardin.

Die einen wollen vermehrt eigene PR-Veranstaltungen durchführen, andere wandern an den viel kleineren Genfer Uhrensalon ab. Die erste Konsequenz war, dass man in Basel nicht mehr alle Hallen nutzen konnte und die Messe um zwei Tage verkürzen musste.

Nun sagt auch Swatch adieu

Und als wenn das für die Messemacher nicht schon genügend Herausforderungen wären, vernahm man Mitte des Sommers eine neue Hiobsbotschaft: Auch die Swatch Group, eine der größten Uhrenproduzenten der Welt, hat sich entschieden, künftig nicht mehr in Basel aufzutreten. Ein herber Verlust, denn Swatch trat jeweils mit 18 Marken auf und investierte in Basel jährlich ein Messebudget von über 45 Millionen Euro.

Der Verlust dieses Prime-Ausstellers gefährde die Existenz des Uhrensalons aber nicht, erklärte der neue Messechef Michel Loris-Melikoff den Medien. Noch sind im kommenden Jahr 650 Aussteller dabei, aber man wird sich kreativ, innovativ und flexibel zeigen müssen, um weiteren Aderlass zu verhindern. Und man wird sich der Frage stellen müssen, wie sehr der globale Online-Handel und die sozialen Medien, speziell in Asien, die klassischen Messegeschäfte tangieren oder sogar umgehen.

Früher waren solche Messen ein geeigneter Ort, um einmal pro Jahr konzentriert Neuheiten zu zeigen. Die Aussteller erreichten so nicht nur das Fachpublikum, sondern auch die internationale Presse. Internet-Kanäle erlauben es nun, neue Produkte unabhängig von Messeterminen und Medien zu bewerben. Was speziell für die jüngeren Zielgruppen interessant ist.

Auch der CEO tritt ab

Letztlich werden die Zahlen sprechen: Schon 2017 hatte der Bedeutungsverlust der Baselworld die MCH Group das erste Mal in ihrer Geschichte in die roten Zahlen geführt. Ob das nun der passende Zeitpunkt für einen substanziellen Führungswechsel in der Muttergesellschaft MCH ist, darf zumindest bezweifelt werden: Nach der neuen Messechefin geht nun also auch CEO René Kamm. Er und sein Verwaltungsrat seien einvernehmlich zur Überzeugung gelangt, dass angesichts der fundamentalen Transformationsphase in der Geschäftstätigkeit der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel an der operativen Spitze der Unternehmensgruppe gekommen sei. Obwohl Kamms Verdienste unbestritten sind. In seiner fast 20-jährigen Tätigkeit hatte er den Messeplatz Basel entscheidend mitgeprägt.

IAPCO 2019 in Basel

Immerhin gibt es auch Positives zu berichten. Im Februar 2019 findet die 50. Jahrestagung der International Association of Professional Congress Organisers, IAPCO, im Congress Center Basel statt. Basel steht für die globale Kongressveranstalter-Branche vier Tage lang im Rampenlicht und kann so vielleicht die eine oder andere neue Anfrage auslösen.

www.baselworld.com | www.mch-group.com
www.congress.ch | www.iapco.org

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