Die kleinen Rendite-Killer

Was steckt eigentlich alles im Hotelzimmer-Preis?

Kosten-Rechnung(Bild: Pexels)

Abgesehen von dem, was der Gast landläufig an Kosten kennt, die sozusagen „im Zimmerpreis drin stecken“, gibt es eine Fülle verborgener Renditekiller. Zudem neue Richtlinien und Verordnungen, die die Situation der Hoteliers in den letzten Jahren weiter zum Negativen verändert haben.

events hat mit Gerd Ripp, Besitzer des 4-Sterne–Hotel Schloss Rheinfels und Tagungshotelier des Jahres, einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

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Gerd Ripp
Gerd Ripp

Herr Ripp, Sie haben gesagt: „Wir wollen hier nicht klagen, denn es macht unseren Beruf aus, uns der wachsenden Bedürfnislage unserer Kunden zu stellen!“ Dennoch ist es vielleicht interessant, einmal etwas Licht ins Dunkel der versteckten Kosten zu bringen …

Gerd Ripp: In der heutigen Zeit muss man vor allem über hohe Vermittlungsprovisionen als Kostentreiber reden. Wir sind alle gefangen in den Reservierungssystemen. Marketing ist ein steigender Kostenblock. Früher haben wir 1,5-2 Prozent für Marketing aufgewendet. Heute spielen wir notgedrungen auf allen Kanälen und sind teilweise bei vier bis fünf Prozent vom Umsatz angekommen! Dann das Thema Kreditkarten-Provisionen. Ein einfaches Beispiel: Bei fünf Millionen Euro Umsatz und drei Prozent Provision reden wir alleine hier über 150.000 Euro. Das dazugehörige Maschinenwerk kostet ebenfalls Geld.

Und wenn der Gast kommt und bar zahlt, will er Skonto?

Gerd Ripp: (Lacht) Ja, bekommt er dann auch. Auch die Personalkosten sind überproportional gestiegen, trotz des oft kritisierten niedrigen Lohnniveaus in Hotellerie und Gastronomie. Eigentlich müssten wir längst das Wiener Schnitzel für 40 Euro verkaufen!

Wie hoch sind denn die Personalkosten bei einem Haus Ihrer Größenordnung?

Gerd Ripp: Sie sollten die Marke von 46 % nicht übersteigen. Dienstleistung wird aber immer teurer.

Kommen wir noch einmal zum Bürokratie-Aufwand bitte.

Neue Reglementierungen wie beispielsweise aktuell die Datenschutz-Verordnung treffen uns ständig. Wir vergeben die verpflichtende Position des Datenschutzbeauftragten an einen externen Dienstleister und haben neue Kosten von etwa 7.000,- Euro pro Jahr. Damit ist die Person bezahlt, noch nicht der flankierende Aufwand. Übrigens: Würden wir einen Mitarbeiter damit offiziell beauftragen, wäre er unkündbar. Was auch die Wenigsten wissen.

Dann kommen die Reglementierungen und kostenpflichtigen Kontrollen im Wellnessbereich. Alleine die vierwöchige externe Pool-Kontrolle kostet uns jedes Mal 800,- Euro. Wir haben eine relativ kleine Aufzugsanlage und die unterliegt natürlich einer Wartungsverpflichtung. Das kostet uns 30.000 Euro pro Jahr und ist nur ein Beispiel, für die vielen belegungsunabhängigen Belastungen. Und so weiter …

Was müssen Sie für GEMA-Gebühren aufwenden?

Gerd Ripp: Da gibt es viele unterschiedliche Berechnungsparameter pro Raum und Art der Musik. Im Wellnessbereich wird anders berechnet als in der Bar und im Restaurant wieder anders. Das ist prozessual aufwändig mit komplexen Listings von gespielten Titeln. Im Januar diesen Jahres hat die GEMA ihre Gebühren um 18 Prozent erhöht. Wenn ich unsere öffentlichen Konzerte und Musikgruppen bei Veranstaltungen einmal herausnehme und nur die Musikanlagen in sechs verschiedenen Outlets heranziehe, dann zahlen wir alleine dafür 8.000,- Euro im Jahr. Es geht so weit, dass die GEMA sogar Einblick möchte in die Preisgestaltung von Arrangements wie Silvesterfeiern o.ä. und versucht, eine separate Gebühr als prozentual Resultierende zu erheben. Für SKY mit drei Programmen in 65 Zimmern fallen jährlich etwa 5.000,- Euro an.

Das sind ja nun aber alles für sich genommen keine exorbitanten Beträge …

Gerd Ripp: Aber sie addieren sich! Sie werden lachen: Wir geben sogar – bedingt durch die historische Anlage, die sauber gehalten werden muss – für einen Kammerjäger jedes Jahr 5.000,- Euro aus!

Was müssen Sie aufwenden für einen vermeintlichen Kleinposten wie Bad-Utensilien?

Gerd Ripp: Das sind stolze acht bis zwölf Euro pro Zimmervermietung.


„Wir benötigen jedes Jahr bei 65 Zimmern 60 neue Bademäntel. Und kurioserweise 90 neue Bademantel-Gürtel!“


Was fällt eigentlich monatlich an Wäsche-Kosten an?

Gerd Ripp: Wir haben uns für ein Leihwäsche-System entschieden und zahlen dafür monatlich elf bis 14.000 Euro. Das heißt: Etwa 180.000 Euro pro Jahr!

Im Hotel wird viel „geklaut“. Geben Sie uns bitte ein paar Beispiele …

Gerd Ripp: Wir benötigen jedes Jahr bei 65 Zimmern 60 neue Bademäntel. Und kurioserweise 90 neue Bademantel-Gürtel! In den öffentlichen Toiletten haben wir ausschließlich kleine Textilhandtücher. Auch davon brauchen wir vier bis fünfhundert im Jahr! Es verschwinden aber auch größere Dinge: Es wurden bereits drei BOSE-Anlagen mitgenommen, Fernseher, Teppiche. Es ist manchmal unfassbar.

Nun hat die Politik der Hotellerie doch vor einigen Jahren das schöne Mehrwertsteuer-Geschenk gemacht. Damit ließ sich doch Etliches abfangen, oder?

Gerd Ripp: Damit haben wir endlich einmal vernünftigere Löhne zahlen und investieren können! Schauen Sie sich doch einmal um, welche Renovierungsstaus gerade in der Privathotellerie bestehen und die damit verbundenen Probleme der Nachfolge-Regelung! Im Klartext: Das hat uns im Jahr etwa 120.000 Euro gebracht. Aber wir haben es dringend gebraucht: 2/3 sind an die Mitarbeiter gegangen, 1/3 haben wir investiert und investieren wir.

Damit wird klar, wo die deutsche Hotellerie stünde, die im internationalen Vergleich ohnehin recht niedrige Raten erzielt, wenn dieses „Geschenk“ nicht gekommen wäre …

Ja, mit dem Rücken an der Wand!

Maler, Gärtner, Handwerker, Blumenschmuck – all diese Petitessen lassen wir mal außen vor. Neben dem Thema Instandhaltung besteht der Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit auch in regelmäßiger Erneuerung der Hardware …

Ja, wir reden jetzt nicht von den laufenden Renovierungen. Aber bei einem Hotelzimmer gehen wir von der Notwendigkeit einer Komplett-Erneuerung in einem 8-10 Jahres-Zyklus aus. Das kostet pro Zimmer in unserer Kategorie – vor allem mit den teuren Badezimmern! – etwa 30 bis 35.000 Euro. Damit stehen jährlich pro Zimmer 3.500 Euro als Abschreibung mit im Kostenblock.

Schlussfrage: Wobei geht Ihnen regelmäßig neu der Hut hoch?

Gerd Ripp: Wenn ich an die völlig überzogenen und teilweise unangemessen ängstlichen Auslegungen von Compliance denke. Das hat uns nicht nur Umsatz gekostet, sondern auch die Beziehung zu unseren Kunden massiv geschwächt. [5051]

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