Die wichtigsten Fragen und Antworten

Hotel-Knigge: Mit diesen 10 Tipps benehmen Sie sich in jeder Situation ideal

Mann in Bademantel in einer Lobby
Muss man auf dem Weg zum SPA die große Lobby des Hotels durchqueren, sollten man sich erst in der Kabine im SPA-Bereich umziehen. (Bild: Tyler Olson - stock.adobe.com)

Wie benehme ich mich am besten und höflichsten im Hotel? Karin Schleines, renommierte Etikette-Beraterin für Unternehmen und CEOs und HRS Gastautorin, beantwortet die häufigsten Kundenfragen zum Thema Hotel-Knigge im Interview.

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1. Frau Schleines, was darf man aus dem Hotelzimmer mitnehmen?

Karin Schleines: Hätten Sie vielleicht nicht gedacht, aber aus Hotelzimmern darf man generell gar nichts mitnehmen. Viele Hoteliers möchten ihren Gästen den Aufenthalt so angenehm wie möglich gestalten, indem sie ihnen Duschgels, kleine Shampoofläschchen oder auch Nähkits, wie auch Kugelschreiber oder Notizblock bereitstellen. Diese Dinge dürfen im Zimmer genutzt werden, das heißt aber nicht, dass man sie mitnehmen darf. Die Einmalschuhe sind für die Nutzung im möglich vorhandenen SPA gedacht und verbleiben nach Nutzung im Hotel.

Deshalb hier meine Tipps: Nachfragen ist besser als mitnehmen. Fragen Sie doch am besten an der Rezeption nach, ob Sie die kleine Seife oder das angebrochene Shampoofläschchen mitnehmen dürfen, wenn Sie das Hotel verlassen. In den meisten Fällen wird es Ihnen gestattet. Fragen kostet nichts, es ist nur höflich, und Sie sind auf der sicheren juristischen Seite.


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Kosmetik im Hotelshop nachkaufen: Große internationale Hotelketten bieten Shampoo und Duschgel in 100 ml-Größe zum Kauf an, wenn Sie den schönen Duft auch zu Hause genießen möchten. Ich habe mir schon einmal einen Raumduft über den Hotelshop bestellt. Es ist herrlich, weil ich immer mit dem Duft den schönen Hotelaufenthalt assoziiert habe.

2. Darf man etwas vom Frühstücksbuffet mitnehmen und wenn ja was, es ist doch bezahlt?

Karin Schleines: Sämtliche Lebensmittel verbleiben im Frühstücksraum oder im Restaurant, unabhängig davon, ob Sie „nur“ Müsli zum Frühstück zu sich nehmen oder Ihr Frühstück ausgefallener ausfällt. Jedes Hotel kalkuliert die Preise für das Frühstücksbuffet, was heißt, dass ein Brötchen, dass Sie sich schmieren und mitnehmen möchten, nicht inkludiert ist.

Mein Tipp: Möchten Sie gerne ein Lunchpaket mitnehmen, weil Sie z. B. vor einer längeren Reise stehen, dann fragen Sie doch einfach im Restaurant oder in der Hotelküche nach und klären das ab. Ich habe es sogar schon erlebt, dass man mir für die Wegzehr einen kleinen Joghurtdrink angeboten hat, den ich mitnehmen durfte. Das war aber dann ein Goodie vom Hotel.

3. Kann ich den Wellness- und Fitnessbereich auch nach dem Auschecken nutzen?

Karin Schleines: Erhebt das Hotel für die Nutzung des Wellness- und Fitnessbereichs eine Eintrittsgebühr, auch für Hotelgäste, so könnten Sie sich bis zur Abfahrt eine Eintrittsmarke kaufen und dann die Bereiche nutzen. Sind die entsprechenden Bereiche im Hotelaufenthalt inkludiert, so verhält es sich grundsätzlich so, dass man nach einem Check-Out diese Bereiche nicht mehr nutzen kann. Allerdings gibt es viele Hotels, die Gästen, die z. B. einen späten Transfer haben, den Aufenthalt im SPA oder Fitnessbereich ermöglichen, insbesondere wenn diese Bereiche nicht so hoch ausgelastet sind. Zumeist wird dies proaktiv vom Hotelier angeboten.

Mein Tipp: Auch hier gilt: Fragen kostet nichts. Klären Sie ab, ob es nach dem Auschecken möglich ist, noch das SPA zu nutzen. Viele Hotels sehen das als Goodie für ihre Gäste an und haben nichts dagegen.

4. Kann ich mit dem Bademantel ins SPA gehen? Und wie pünktlich ist eigentlich pünktlich bei einem Massagetermin im hoteleigenen SPA?

Karin Schleines: Müssen Sie auf dem Weg zum SPA die große Lobby des Hotels durchqueren, dann sollten Sie sich erst in der Kabine im SPA-Bereich umziehen. Es gibt aber viele Hotels, die einen direkten Aufzug bzw. Zugang zum SPA anbieten (inklusive „Bademantelzugang“), ohne dass man die anderweitigen öffentlichen Bereiche des Hotels betritt. Hier könnten Sie dann auf direktem Wege in legerer Kleidung in den SPA-Bereich gelangen, auch im bequemen Bademantel. Und sollten Sie einen Massagetermin haben, dann ist es höflich, sich wenigstens eine Viertelstunde vor dem jeweiligen Termin an der SPA-Rezeption eingefunden zu haben. Viele SPAs bieten nach dem Einchecken noch einen Tee an, um Ihnen die restliche Wartezeit zu versüßen.


“Ein Nichtraucherhotel ist eine komplett rauchfreie Zone, dazu gehört auch der Balkon. Aus diesem Grunde sollten Sie auch dort, wie auch in allen anderen Bereichen des Hotels, den Glimmstengel auslassen.”


5. Kann ich fremdes Essen mit aufs Zimmer nehmen?

Karin Schleines: Mitgebrachte Speisen verzehren Sie bitte nicht auf dem Zimmer. Bewahren Sie diese auch nicht in der Minibar auf. Bietet Ihr Hotel einen Gastroservice an, dann nutzen Sie bitte diesen. Sollten Sie dennoch auf dem Zimmer speisen möchten, dann nehmen Sie den Roomservice in Anspruch, den viele Hotels anbieten.

6. Das Zimmer gefällt nicht, wie oft darf ich umziehen?

Karin Schleines: Wenn Ihnen Ihr Zimmer aufgrund von Mängeln, wie z. B. Schimmel oder ähnliches nicht gefällt, dann informieren Sie das Hotel und bitten höflich um ein alternatives Zimmer. Wie oft Sie umziehen dürfen, das hängt m. E. dann davon ab, ob es auch in den anderen Zimmern Mängel gibt oder nicht. Haben Sie über einen Reiseveranstalter gebucht, sollten Sie diesen auch informieren. In der Regel kommt die Reiseleitung ins Hotel und klärt Ihre Anliegen mit dem Hotelier.

7. Wie viel Trinkgeld gibt man im Hotel?

Karin Schleines: Ein Trinkgeld für die Zimmerreinigung sollte sich m. E. danach richten, wie viel Arbeit man mit der Säuberung des Zimmers hat. Einen konkreten Betrag möchte ich hier nicht ausmachen, allerdings kann für eine Woche Aufenthalt ein Betrag von 10 EUR Trinkgeld für das Zimmermädchen drin sein. Ich mache es dann so, dass ich das Geld in einen Umschlag stecke, und mich für den Service kurz schriftlich noch bedanke.

Trinkgelder im Restaurant belaufen sich bei uns etwa auf 10 % der Rechnung. Auch hier kommt es natürlich darauf an, wie es Ihnen geschmeckt hat, und wie zufrieden Sie mit dem Service gewesen sind. Jeder kann ein Trinkgeld erwarten, der für Sie persönlich Wege macht, also etwas trägt (2 Euro pro Gepäckstück) oder das Auto parkt und bringt (2 bis 3 Euro).

8. Darf ich Freunde mit aufs Zimmer nehmen und, dürfen die auch übernachten? Muss ich da jemanden anmelden?

Karin Schleines: Ich sehe es so, dass dies allein das Hotel zu entscheiden hat. Melden Sie Ihren Besuch an der Rezeption an und fragen Sie, ob es erlaubt ist, dass am Nachmittag zum Beispiel ein Freund oder eine Freundin mit auf Ihr Zimmer darf, etwa wenn jemand sich das Hotelzimmer einmal anschauen möchte. Kann tagsüber möglicherweise ein Kurzbesuch erlaubt sein, ist das Übernachten von Dritten nicht gestattet. Sie können aus einem Zweibettzimmer durch zwei weitere Gäste also kein Vierbettzimmer machen.

Es gibt auch eine juristische Seite. Mitreisende Gäste müssen laut dem Bundesmeldegesetz angemeldet werden. Möchte also ein Freund oder eine Freundin oder ein befreundetes Ehepaar gerne in Ihrem Hotel übernachten, so sollten sie einfach nach einem weiteren Zimmer fragen.

9. Darf ich in einem Nichtraucherhotel auf dem Balkon rauchen?

Karin Schleines: Ein Nichtraucherhotel ist eine komplett rauchfreie Zone, dazu gehört auch der Balkon. Aus diesem Grunde sollten Sie auch dort, wie auch in allen anderen Bereichen des Hotels, den Glimmstengel auslassen. Befinden Sie sich in einem Hotel, in dem im Zimmer Rauchverbot herrscht (Sie sehen das durch das Schild „Rauchen nicht gestattet“) so rate ich Ihnen, im Hotel nachzufragen, ob auf der Terrasse oder dem Balkon geraucht werden darf. Bedenken Sie, ein Zimmernachbar könnte sich durch den Rauch auf dem Balkon gestört fühlen.

10. Wann ist ein Rausschmiss gerechtfertigt?

Karin Schleines: Ein Rausschmiss ist dann aus meiner Sicht gerechtfertigt, wenn sich der Gast nicht an die Hausordnung hält, andere Gäste beeinträchtigt und belästigt und sich nicht an Regeln und Gesetze hält. Ein Gast ist zwar Kunde, allerdings kann er nicht schalten und walten wie er möchte. Das Personal in Hotels und Restaurants möchte dem Gast jeglichen Service bieten, allerdings hat sich der Gast auch zu benehmen. Sehen Sie als Kunde das Servicepersonal bitte nicht als Ihre „Dienerschaft“ an. Kommunizieren Sie auf Augenhöhe, und dann kommt auch der folgende Ausspruch gut zur Wirkung: „Wie Du kommst gegangen, so wirst Du empfangen.“

Machen Sie es dem Hotelpersonal auch so einfach wie möglich. Sonderwünsche, wie die Zimmerart, sollten Sie bereits bei der Buchung anfragen bzw. angeben. Geben Sie beim Check-In auch sämtliche Informationen preis, die für die Abrechnung und den Check-Out relevant sind. Beurteilen Sie auch fair. Sollten Sie Ihr (Business) Hotel im Internet beurteilen, dann denken Sie bitte daran, eine ehrliche und differenzierte Beurteilung abzugeben. Sollten Sie Beanstandungen haben, so klären Sie alles direkt vor Ort, denn nur so kann auch schnell Abhilfe geschaffen werden. Und denken Sie daran, es gibt auch positive Kritik! [5027]


karin-h-schleinesKarin H. Schleines ist selbstständige Unternehmensberaterin und Dozentin. Ihr Spezialgebiet: aktuelle Umgangsformen. Da sie ständig unterwegs ist, widmet sie sich insbesondere Reiseknigge-Themen und weiß genau, wie man sich unterwegs im Hotel, im Flieger und Co. angemessen verhält. Zu ihren Kunden gehören CEOs, Führungskräfte und deren Assistenten vor allem aus dem Mittelstand, von Ministerien und Verbänden.

Kommentare zu diesem Artikel

  1. Das klingt doch alles sehr “hotelorientiert” und blauäugig!

    Ich habe ca. 1500 Hotelerfahrungen in Deutschland gemacht.
    Wenn das Hotelpersonal so wäre, wie es beschrieben wird, gäbe es 1. weniger Mängel, 2. keine Beanstandungen und 3. zufriedenere Gäste!

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  2. Was darf man aus dem Hotelzimmer mitnehmen?
    Sehr geehrte Frau Schleines,
    zu Punkt eins habe ich ein paar Fragen. Bei nicht genutzten Produkten kann ich Ihre Argumente nachvollziehen. Aber was ist, wenn ich etwas benutzt habe? Werden die Einmalschuhe wirklich mehrfach verwendet? Das widerspricht schon dem Namen und wie werden sie gesäubert? Wenn ich sie mal benutzt habe, ist die Sohle schmutzig und bei anderen Gästen habe ich dann eventuell den Fußpilz im Schuh!
    Sollte ich aus dem Nähkit den schwarzen Nähfaden und den Reserveknopf verwendet haben, ist der Personalaufwand um den Inhalt aufzustocken teurer, als ein neues Nähkit.
    Die Shampoo- und Duschgel-Fläschchen können doch aus hygienischen Gründen nicht wieder aufgefüllt werden. Es ist niemals nachvollziehbar, was der Gast damit gemacht hat.
    Bei dem Gedanken muss ich mir überlegen, ob ich demnächst die zur Verfügung gestellten Produkte wirklich nutze.
    Vielleicht können Sie meine Bedenken ausräumen.

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    1. Sehr geehrte Frau Capello,

      rechtlich scheint es tatsächlich so zu sein, dass man gar nichts aus dem Hotelzimmer mitnehmen darf – das bedeutet ja aber in der Praxis nicht, dass deswegen Fläschchen aufgefüllt, Schuhe erneut benutzt oder ein Nähkit aufgestockt wird.

      Dieser Artikel beleuchtet den rechtlichen Aspekt etwas näher: https://anwaltauskunft.de/magazin/leben/freizeit-alltag/darf-man-shampoo-flaeschchen-aus-hotels-mitnehmen

      Es wäre aber vor diesem rechtlichen Hintergrund tatsächlich interessant, mal einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und zu fragen, was denn mit den benutzen und/oder angebrochenen Produkten passiert und ob es dann nicht “besser” wäre, wenn der Gast sie einfach mitnimmt.

      Viele Grüße aus der Redaktion
      Anna Habenicht

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