Gute Gedanken in schönster Kulisse

6. Trend Dialog Hotel im Conparc Hotel & Conference Centre Bad Nauheim

Trend Dialog Hotel Conparc Hotel Conference Centre

Das ehemalige Dolce Bad Nauheim heißt jetzt Conparc Hotel & Conference Centere Bad Nauheim. Ansonsten ist alles beim Alten geblieben. Auch die gute Idee von GM Michel Prokop, einmal im Jahr eine hochkarätig besetzte Runde auf der Bühne des Jugendstiltheaters zu einem Experten-Dinner-Talk zusammen zu führen, fand im April 2017 ihre sechste Fortsetzung.

Trend Dialog Conparc TeilnehmerlisteBühnenbild, Musik und Kulinarik drehten sich ausgesprochen gekonnt um Wien, quasi en passant als kleine Hommage an die österreichische Heimat des Hoteldirektors. Die Themen betrafen das Hotelgewerbe, waren international und durchaus ernster Natur. Der Wiener Schmäh blieb ausgesperrt.

Was für ein Bühnenbild und was für ein Table d’Hôte! Die feinen Klänge zur Einstimmung servierten Violine und Flügel stilecht mit Kaiserwalzer und Caprice Viennois. Die nicht minder feinen und gleichfalls k&k-inspirierten vier Gänge mit begleitenden Weinen kamen aus der gut aufgelegten Küche.

Die Geistesblitze aus einer illustren Tischrunde. Der 6. Trend Dialog hatte mit 18 Teilnehmern nicht nur eine hohe Meinungsvielfalt, sondern auch eine breite Themen- Spreizung zu bieten. Peter Maurer von der „Immobilien Zeitung“ moderierte, vor und zwischen den einzelnen Gängen flogen die Bälle munter hin und her zwischen den Topics, die da waren:

  • Das chinesische Engagement im deutschen Hotelmarkt
  • Digitalisierung in der Hotellerie
  • Was bedeuten Brexit oder Terrorismus für die Hotellerie
  • Das Design-Wettrüsten

In der europäischen Tourismusindustrie und Hotellerie setzt sich der Einkaufsreigen von Investoren und Mischkonzernen aus dem Reich der Mitte fort. Nachdem im vergangenen Jahr der Fosun-Konzern erst den feinen Club Med übernahm und sich danach am britischen Reisekonzern Thomas Cook beteiligte, waren auch die HNA Group und Jin Jiang (Louvre Hotels!) in Europa auf Einkaufstour:

HNA Tourism Group übernimmt Carlson Hotels

Während sich der HNA-Konzern, zu dem auch Fluggesellschaften und der Airport Frankfurt-Hahn gehören, die Hotelbetreiber Carlson und NH Hotels einverleibte und konsequent den Weg zu einem globalen Player beschreitet, ist Jin Jiang bei der französischen AccorHotels-Gruppe engagiert. Auch Waldorf Astoria und 25% von Hilton gehören mittlerweile den Chinesen, die in den vergangenen Jahren viertgrößte ausländische Investoren in Deutschland waren und Zug um Zug ihre touristischen Portfolios arrondieren.

Beteiligungsgesellschaften und Fonds bilden die beliebtesten Anlageformen der fast ausschließlich state owned Enterprises, die vom Staat mit Kapital gefüttert werden, um es anzulegen. Dabei sind die Chinesen in der Regel „off lands“, wie Roland van der Graaf (Rezidor) und Roland Paar (Plateno) betonen: Sie belassen das Geschäft in den Händen derer, die sie übernommen haben.

Plateno bringt die Budgetmarke 7 Days Premium nach Europa, ist seit 12 Jahren am Markt und von Null auf Hundert dynamisch gewachsen aus einem einzigen Privathotel heraus. Roland Paar beschreibt, wie kulturelle Unterschiede und andere Denk- und Verhaltensweisen schon so manches Geschäft vereitelt oder belastet haben – Deal-Breaker können Respektlosigkeit und Arroganz westlicher Geschäftspartner sein. Dafür besteht kein Grund:

die Chinesen wären nicht in so kurzer Zeit so erfolgreich gewesen, wenn sie nicht die richtige Mentalität dafür hätten. Wie käme eine chinesische Hotelgruppe in kürzester Zeit zu 137 Hotels, wenn sie nicht dynamischer in den Markt ginge und Entscheidungen träfe, als das die Europäer mit ihrer Check & Balance-Mentalität tun?

– so die provozierende Frage in die Runde vor dem Süppchen mit Paradeiser und Sauerrahm …

Den Abschluss der Erörterungen bildete die Frage: Haben wir es bei der „gelben Invasion“ eigentlich mit einer gefährlichen Entwicklung zu tun? Einhelliger Tenor: Nein, das ist weit überzogen! Denn wenn immer mehr Chinesen reisen, bedeutet das eine Riesenchance für die gesamte Wertschöpfungskette. Andere Asiaten werden nachziehen und – so eine These – Mitteleuropa zu einer Art Freilichtmuseum der Welt machen.

Was das bedeuten kann, erleben derzeit schon die Deutsche Märchenstraße und der Karl-Marx-Geburtsort Trier, vielleicht auch bald Wuppertal, die Geburtsstadt von Friedrich Engels.

Schnitt und Übergang ins nächste Thema, kurz vor dem Hauptgang: gebackenen Kalbsbackerln, Carfiol, jungen Möhren und Kartoffel-Kräuter-Pürèe.

conparc trend dialog

Wie werden sich Brexit und IS-Terror auswirken?

Der Brexit ist wohl derzeit keine fassbare Risiko-Größe. Allenfalls könnten sich britische Firmen in volatilen Zeiten bei kontinentalen Investments etwas zurückhalten, der Großraum Frankfurt möglicherweise leicht profitieren. In Hinblick auf die veränderte Sicherheitslage sieht das anders aus.

Der RevPar und die Umsätze in Paris, Brüssel und Nizza hatten dramatische Einbrüche zu verzeichnen. Zwar ist der Impact in der Regel nach drei bis vier Monaten verrauscht, aber mehrfach-Tatorte bleiben länger im Gedächtnis. Für MICE gilt das in besonderem Maße. Dirk Schuldes von der Commerzbank:

Der Terror ist die größte Geißel für die Hotellerie und zu-nehmend ein Bewertungskriterium für die Hotel-Finanzierung an bestimmten Risiko-Standorten!

Die Radisson- Hotels sind in Afrika die am stärksten wachsende Marke. Roland van der Graaf postuliert daher ganz klar:

Hotels müssen in Zukunft sichere Häfen sein! Kettenhotels sind immer potentielle Ziele. Deshalb müssen wir das sehr ernst nehmen!

Seine Hotelgruppe ist konsequenterweise als erste internationale Kette eingestiegen bei der Safe Hotels-Allianz.
www.safehotels.com

Das Wachstum der nächsten zehn Jahre kommt wohl im Hospitality-Sektor hauptsächlich aus China. Was Sicherheit angeht, gelten die Chinesen aber als „scheues Volk“. Sie sind exzellent vernetzt, die meisten Hotelbuchungen werden über WeChat gemacht, sie wissen sofort wann und wo etwas passiert und: Sie sind zunehmend Frankreich skeptisch. Da ist Osteuropa mittlerweile in Hinblick auf Sicherheitsbedenken leicht im Vorteil.

Michel Prokop erzählt, dass bei größeren Konferenzen immer öfter ein Sicherheitskonzept nachgefragt werde. “Wir werden umdenken müssen“, so sein Fazit und alle meinen, dass der Terror die Gesellschaft nachhaltig verändern werde.

Bittere Themen vor dem süßen Kaiserschmarren mit Zwetschgenröster und Topfeneis.

Digitalisierung ist Commodity – nicht mehr und nicht weniger

Europas Datenschutz-Fetischismus hemmt an vielen Stellen die Entwicklung und die neuen Bezahlsysteme werden viele Hotels überfordern. Konsens erzielte auch die These, dass man nicht jedes Zimmer yielden könne und man gewisse Prozesse sicherlich weiter digitalisieren müsse, aber die Digitalsierung nicht die Seele des Geschäfts sei. „Wir haben vielleicht etwas zu wenig auf Relevanz geachtet. Und auf das Produkt, das gepflegt werden muss. Warum schmeckt der Kaffee in einem Fünfsternehotel schlechter als bei mir zuhause? Ich akzeptiere das nicht mehr!“

Wie wahr, wie wahr …! Wir beschließen die Chronik eines lebendigen Themenabends in schöner Kulisse und bei gutem Essen und Trinken mit zwei Kernsätzen zum Thema „Designhotels“. Petra Bierwirth trifft den Nagel auf den Kopf:

Wenn man nur Design hat, dann hat man ein schönes Möbelhaus!

Design als „Rattenfänger“ ohne Seele und Hospitality-Anspruch geht nicht. Ein anderer Teilnehmer aus der Runde bringt es mit der entspannten Schlussbemerkung in anderer Weise auf den Punkt:

Das habe ich zuhause vielleicht nicht und wenn ich unterwegs bin, finde ich das mal ganz spannend!

Nicht mehr und nicht weniger.

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Conparc Hotel & Conference Centre kehrt zur Dachmarke Dolce Bad Nauheim zurück

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