Blog des Chefredakteurs

Winds of Change

Deutschland wird in diesen Tagen unvorbereitet überrollt von einer über viele Jahre ignorierten oder verschlafenen Thematik: Einer tsunamiartigen Migrationswelle. Hektisch wird von der Politik u. a. auch nach Unterbringungs-Lösungen gesucht.

Heinrich

Das sind Schalmeienklänge in den Ohren mancher Hoteliers, die in verstaubten Bettenburgen mit Investitionsstau nun einfacheres, schnelleres Geld wittern. Das Maritim-Hotel in Halle ist für drei Jahre von der Landesregierung Sachsen-Anhalt als Flüchtlingsunterkunft angemietet worden, der Hotelbetrieb wird im Eiltempo gegen Null gefahren. 700 Flüchtlinge im Maritim-Hotel Halle – eine plakative Wahrnehmung und doch nicht mehr als eine der marktgängigen Transformationen im Bereich der Old Economy.

Denn wir sollten den Blick rechtzeitig auf andere „Wellen“ richten, die längst nicht mehr weit draußen sind, sondern mit ersten Zungen bereits an unseren Stränden lecken. Wir erleben eine dramatische Dynamisierung im Technologischen, die unser Denken und Arbeiten radikaler verändern wird, als wir im Alltagstrott geneigt sind uns vorzustellen. Deren Interaktions- und Weiterbildungsbedarf einen rasant wachsenden Anteil am Tagungs- und Kongressgeschäft gewinnt. Virtual-Reality-Brillen, die in fortschrittlichen Reisebüros schon im Einsatz sind, werden wohl schon bald viele traditionelle Site-Inspections überflüssig machen. Sie sollen sogar „emotionalisieren“ können! Roboter-Technologie ersetzt in einem japanischen Hotel bereits teure Arbeitskräfte auf gestern noch für unersetzbar gehaltenen Positionen. 3-D-Simulation auf der Bühne ist längst aus dem exotischen und teuren Experimentierfeld herausgetreten und auf dem Exerzierplatz moderner Kongress- und Event-Formate angekommen. Kaum eine Messe, kaum ein Event-Format mehr ohne Apps, Social-Media-Einbindung, digitale Reichweiten-Verlängerer…

Internationale Start-Ups bedrohen traditionelle Platzhirsche in den Heimatmärkten schneller, als diese gegensteuern können – denken wir nur an Airbnb und booking.com. „Projekte mit mehr als sechs Monaten Laufzeit riskieren, noch in der Projektphase überholt zu werden“, zitiert die fvw Ralf Usbeck von der Firma traveltainment und liefert damit eine beängstigende Perspektive auf ein Tempo, das uns stark belasten und viele sogar überfordern wird. Das GCB, große Hotelgruppen und Kongresszentren haben die Notwendigkeit technologischer Marktführerschaft erkannt und den Zwang, hier nun mindestens im gleichen Tempo, aber mit ungleich höheren Investitionen aktiv zu werden, als dies beim Thema „Green Meetings“ der Fall war. Was angesichts dieser wirklich hoch markterfolgsrelevanten Herausforderung fast schon wie eine rührende Turnübung in einer alten Turnhalle wirkt. Einer der wesentlichen Dreh- und Angelpunkte neuer Strategien, mit denen wir erreicht werden und umgehen sollen, liegt in unserer Hand, klein, fein und in Zeiten von Hacker-Hochkonjunktur auch leicht bedrohlich: das Smartphone.

Das und mehr hat auch unsere Verlagsgruppe längst erkannt und arbeitet seit fast einem Jahr unter dem Oberbegriff „New Ebner“ an einer komplexen, digitalen Begleitstrategie des traditionellen Geschäftsmodells. Mit einem hohen Erfahrungsvorsprung im Vergleich zu anderen Verlagen, der nun Zug um Zug auf den operativen Ebenen umgesetzt wird. Unser CEO Gerrit Klein postet dazu gerade von der Content Marketing World in Cleveland, USA: „Der Sportwagen steht vor unserem Haus. Zunehmend nehmen die Leute das auch wahr. Der Motor läuft. Jetzt müssen die PS auf die Straße!“ Ich freue mich darauf, Ihnen in der November-Ausgabe einen Ein- und Ausblick auf die vor uns liegenden Veränderungen geben zu können. Von denen unser Daily Newsletter erst ein bescheidener Anfang ist.

Dass und wie die Ebner Verlagsgruppe energisch ein Bein in die Zukunft stellt, verfolge ich fasziniert und mit großem Optimismus. Dass die gute alte Tante Print dabei nicht unter die Räder kommt, ist und bleibt mir ein Herzensanliegen.

Hans Jürgen Heinrich

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