Kein Plan B!

WerteEvent: Premiere am neuen Schauplatz

WerteEvent-Unterstuetzer
© loris.tv – Thomas Loris

Bis 2016 hieß das beliebte Branchenevent Werte 2.0 und erstmals seit diesem Jahr läuft es unter dem neuen Namen WerteEvent und gleichzeitig auch an einem neuen Schauplatz. Premiere war am 14. Juni in den Dortmunder Westfalenhallen und besonders die langjährigen „Schloss Montabaur-Nostalgiker“ waren gespannt, ob das neue Format nicht nur verspricht, was das alte immer gehalten hat.

Die Veranstalter Estrel Berlin, Hotel Schloss Montabaur und Hauptinitiator Bernd Fritzges zeigten sich jedenfalls zufrieden, denn die überwiegend aus der Veranstaltungswirtschaft kommenden Teilnehmer (es hätten mehr sein können!) erlebten ein intensives Kongressprogramm und hatten formattypisch wieder viel Raum für den persönlichen Austausch.

„Wir freuen uns sehr, das Werte-Event dieses Jahr ausrichten zu dürfen“, erklärte Henrik Bollmann, Projektbereichsleiter Messe Westfalenhallen Dortmund GmbH und glänzte mit überzeugenden Leistungen. Mit einem frischen Setup mit Lounge Sesseln, Konferenzstühlen, Stehtischen und einer in den Raum gerückte Bühne, auf der ein Pokertisch steht. Dieser war einerseits Symbol für einen Vortrag, andererseits aber auch ein Charity-Pokertisch. Der Erlös wurde vollständig an die Stiftung RTL – Wir helfen Kindern e. V. gespendet. Seit 2010 haben die Veranstalter bereits fast 60.000 Euro dem Spendenmarathon durch das Format zuführen können!

Die Moderatorin Sabine Altena bat sodann für die Begrüßung den Gastgeber Bernd Fritzges, die ehrenamtliche Projektleiterin Annegret Steglich und Günter Mainka, Geschäftsführer Twilight Events, locker an den Pokertisch zum Gespräch.

Die Zuhörer im Saal erfuhren, warum Ralf Kleinheinrich als Hoteldirektor Schloss Montabaur weiterhin zu den Veranstaltern zählt, obwohl er den Staffelstab als Veranstaltungsort der letzten sechs Jahre an die Westfalenhallen abgegeben hat. „Wir sind nach wie vor vom Thema überzeugt, unterstützen dieses Event und wollten dem Format auch mit einem neuen Standort die Chance auf Weiterentwicklung geben“, so Kleinheinrich. Zuvor hatte Initiator Bernd Fritzges mit einem „All In“ die Pokerterminologie aufgegriffen, um deutlich zu machen, dass er heute das Experiment eingehen werde, Gambling und Werte zu verbinden. Theresa Pritzke berichtete als Stellvertreterin für Heike Klein, wie in ihrem Haus, dem Estrel Berlin, auf Basis des zum letztjährigen Event vorgestellten Werte-Kodex ein Leitbild gemeinsam mit dem Hotel-Team entwickelt wurde.

Lokale Unternehmen für WERTE-Statements abgeholt

Am Ende dieser Gesprächsrunde blieb nur noch Günter Mainka an der Seite der quirligen Moderatorin auf der Bühne und berichtete, dass er für seine Premiere bei dieser Veranstaltung eine ganz besondere Aufgabe übernommen hatte. Als eine Art rasender Reporter war er am Vortag in Dortmund unterwegs und hatte unterschiedliche Unternehmen spontan zu ihrer Einstellung zum Thema Werte, Ethik und Moral interviewt. Im Laufe der Veranstaltung wurden dann vier Interviews eingeblendet, die eine illustre Bandbreite von unterschiedlichen Unternehmen und Statements widerspiegelten. Dr. Winfried Materna, Firmengründer und Beiratsmitglied Materna GmbH, Edzard Bennmann, Leiter Unternehmenskommunikation der Signal Iduna Gruppe, Hans Herrmann und Felix Krämer, Inhaber der Kornbrennerei Krämer und Sir Hannes Smith, Bandleader „The Idiots“ und „Honigdieb“, waren seine Gesprächspartner.

„Unterschiedlicher und besser hätte die Auswahl nicht sein können“, freute sich Mainka, dem man anmerkte, dass seine Aufgabe im Zuge der Veranstaltung ihm sehr viel Freude bereitete. So entpuppen sich Altena und Mainka im Laufe des Tages zu einem starken Moderationsduo.

Keine Trophäen, sondern Mahnmale

Die Keynote hielt Stephan Kalhamer, der als Poker-Weltmeister, Unternehmensberater, Bestsellerautor und Diplom-Mathematiker angekündigt wurde. Fast überheblich stellte der Regensburger seine größten Pokale auf den Pokertisch und sagt: „Das sind keine Trophäen, das sind Mahnmale!“ Denn Anerkennungen aus der Vergangenheit bringen keinen Vorteil für Entscheidungen in der Gegenwart und bergen die Gefahr in sich, unachtsam zu werden. Oftmals fallen provozierende Aussagen wie „ich gehe an den Pokertisch und investiere in ein feindliches Umfeld“, so dass man sich im ersten Moment fragt, was das mit Werten zu tun haben soll. Schnell wird jedoch deutlich, dass seine Vorgehensweise am Spieltisch als Mathematiker sehr viele Parallelen zum wertvollen Umgang im geschäftlichen Alltag hat.

Kalhamer kritisiert sehr deutlich die rein ergebnisorientierte Haltung unserer Gesellschaft und zeigt auf, dass wir uns mehr auf die Entscheidungsqualität besinnen sollten. „Arbeitet nur mit Plan A, wer noch einen Plan B besitzt, signalisiert seinem Umfeld, dass Plan A schlecht ist“, so der Poker-Experte. Menschen, die die Zeit rückwärts lesen, gibt es viele, jedoch im Hier und Jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, darauf komme es an. Naja, sagt der Rheinländer: Wer schwätzt hat recht …

Diese Steilvorlage nutzte nach der ersten Netzwerkpause auch gleich der nachfolgende Redner und Experte für emotionale Intelligenz Markus Hornung. Anhand aktuellster neurowissenschaftlicher Untersuchungen zeiget Hornung auf, wie Bauchgefühl und Intuition auf Basis von Erfahrungen greifen und schlug Brücken zu Kalhamers Vortrag. Nur wenn uns die Erfahrungen fehlen, kann uns das Bauchgefühl einen Streich spielen war eine der Lektionen aus dem Vortrag des Münchners.

Im Anschluss teilte sich die Gruppe im Saal in die anliegenden Vortragsräume. Man folgte entweder Gertrud Hansel, der Unternehmensberaterin und Trainerin der Schule für Unternehmer oder Doreen Biskup, die in der MICE-Branche als Dozentin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des VDVO bekannt ist.

WerteEvent-Teilnehmer
© loris.tv – Thomas Loris

Hansel analysierte die drei vorhandenen Stimmen in unseren Köpfen: der Unternehmer, der Manager und die Fachkraft. Alle drei arbeiten in uns und sind in jedem Unternehmen zu finden. Welche Stärken die einzelnen Charaktere haben und wie sie in Einklang gebracht, eine wertvolle und nachhaltige Unternehmensstruktur fördern, gab die sympathische Augsburgerin mit Hilfe der drei Freunde von Helme Heine in ihrem mit Beispielen angereicherten Vortrag weiter.

Unter dem Titel „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – Warum BarCamp, World Café und Co. mehr Mut als Verstand erfordern“ durften drei Gruppen in dem Workshop von Doreen Biskup die größten Herausforderungen für die Durchführung partizipativer Veranstaltungsformate mit Lego nachbauen. Wie diese Problemstellungen gelöst werden, wurde anschließend gemeinsam erarbeitet – interaktiv, versteht sich.

Es folgte die nächste Match-Making Pause, die bei den Teilnehmern der Werte-Gemeinschaft immer mehr Gefallen findet. Mehr als 250 Termine wurden so bereits im Vorfeld der Veranstaltung vereinbart und sorgten für zwanglose, persönliche und koordinierte Gespräche im 20-Minuten-Takt.

Das Coming Out

Um 17 Uhr kamen die Teilnehmer letztmalig im Plenum zusammen. Der Pokertisch auf der Bühne musste inzwischen Saxophoe, Keyboard, Schlagzeug und Kontrabass weichen und Sabine Altena moderierte den letzten Redner des Tages an. Prof. Dr. Hans Rück, Dekan der Hochschule Worms begrüßte die gespannten Zuhörer im Saal und verwies darauf, dass Bernd Fritzges ihn am Vorabend spaßig fragte, ob der heutige Vortrag sein Coming Out als leidenschaftlicher Musiker sei. Denn in der Tat ist Rück vielen Fachleuten als Event-Experte im wissenschaftlichen Zusammenhang bekannt, als aktiver Jazzer hingegen nur wenigen.

In seinem Vortrag „Das Jazz-Prinzip: Improvisation als Erfolgsfaktor im Management“ erläuterte er, wie das Zusammenspiel in einer Jazzband auf Basis von Bauchgefühl bestens funktioniert. Und spätestens als der Professor seine Mitstreiter auf die Bühne bat und charmant den beginnenden Einsatz der einzelnen Instrumente fachlich moderierte und selbst zum Solo am Saxophone einstieg, wurde klar: Heute gibt es Jubelstürme für den Event-Fachmann und die Anzahl der Fans der Jazzmusik wird steigen.

Nach diesem begeisternden Auftritt wurde es wuselig im Saal. Die Moderatorin bat Fritzges noch einmal auf die Bühne, der sich in einer kurzen Ansprache auf die Aussage des Poker-Weltmeisters bezog: „Bei der Modernisierung des WerteEvents und dem damit verbundenen WerteKodex gab es niemals einen Plan B. Wir haben auf Basis der Zusagen zum Werte Kodex nach der letzten Veranstaltung die Budgetierung aufgesetzt und nicht daran gerüttelt. Leider blieb es bei vielen nur bei Lippenbekenntnissen. Das änderte und ändert jedoch nichts, wir machen weiter, es gibt nur Plan A“, so Fritzges.

Es schien zu diesem Zeitpunkt eine emotional positiv geladene Stimmung im Raum zu herrschen, so dass man sich zwangsläufig die Frage stellt, was man tun soll. Und dies wird sicherlich die Herausforderung für Steglich, Fritzges & Co in der Zukunft sein: Klarer kommunizieren, verbindliche Committments zum WerteKodex einholen und frühzeitig Unterstützer und Partner für dieses Event binden. Am Ende der Veranstaltung kam durch das Engagement der Partner, Redner und Veranstalter ein Betrag in Höhe von 4.150 Euro zustande zugunsten des RTL-Spendenmarathons.

WerteEvent-Poker
© loris.tv – Thomas Loris

Show & Charity

Finale Grande wie jedes Jahr, nur erstmals an anderem Schauplatz: Alle wurden vom Silbersaal im Kongresszentrum in das direkt anliegende Mercure Hotel geleitet. Barbecue, Pokertisch und Cocktailbar sorgten für chillige Atmosphäre im Restaurant und auf der Terrasse. Und während Stephan Kalhamer am Charity-Pokertisch seiner Favoritenrolle gerecht wurde, sorgt George Michael alias Lee Garcia aus dem Stars in Concert Ensemble des Berliner Estrel für Las-Vegas Feeling. Bis nach Mitternacht tauschte sich die Werte-Gemeinschaft aus und es wurde bei generell unbestreibarem Zwang zu ständiger Optimierung deutlich: Dieses Event braucht keinen Plan B.

Wer mehr zum WerteEvent und dem WerteKodex erfahren möchte oder sich als Unterstützer dieses Projekts beteiligen möchte, findet weitere Informationen unter www.werte.foundation.

Wichtige Schlussbemerkung der Redaktion:

Soweit die weitgehend wertfreie Chronologie einer Veranstaltung, die wir immer noch für eine der WERTvollsten in der Branche halten. Wegen ihrer tendenziell unkommerziellen Entspanntheit, wegen der anhaltenden Wichtigkeit des Themas und dieser sympathischen Form einer Art „Familientreffens“ der sich einerseits festigenden, aber andererseits noch aufzubauenden Werte-Community.
Im Auge behalten muss man immer, dass dieser jährliche Event letztlich “nur” der Face2Face-Ankerpunkt einer ganzjährigen Plattform ist, die sich den Ausbau werteorientierten Verhaltens auf die Fahne geschrieben hat. Die Veranstaltung als solche ist Teil eines sich entwickelnden Gesamtkunstwerkes rund um das Thema „Werte orientiertes Verhalten im Geschäftsleben“. Diese Werte interpretiert jede/r anders. Im Rahmen des ihm/ihr Möglichen. Wie bei der Sustainability. Moralisches Verhalten ist ein Ziel, zu dem man sich auf den Weg machen muss. Denn im Grunde dreht sich alles um die Erkenntnis, dass niemand ganz weiß oder ganz schwarz ist. Wir sind alle Zebras. Mit unterschiedlich breiten schwarzen und weißen Streifen. Wir können im besten Falle alle wohl nur daran arbeiten, dass die weißen Streifen breiter werden. Genau das ist Sinn und Zweck der Werte-Community. Und so treffen sich einmal im Jahre viele von denen, die das Thema grundsätzlich für sich anzunehmen bereit sind. Das macht den besonderen Charakter eines solchen Treffens aus. Und eines soll bei aller WERTschätzung nicht unter den Teppich gekehrt werden: Es muss thematisch manches „schärfer“ werden, der rote Faden muss deutlicher sichtbar sein. Aber es ist doch schön, dass noch Einiges zu tun bleibt. Alle Jahre wieder.


Über die WerteFoundation

Aus der Überzeugung heraus, dass in der Veranstaltungsindustrie ein zunehmender Werteverfall festzustellen ist, wurde 2010 ein Veranstaltungsformat ins Leben gerufen, welches Akteure der Branche dazu einlädt, sich mit den Themen Werte, Ethik und Moral auseinanderzusetzen. Im Kontext dieser Veranstaltung hat sich im Jahr 2015 ein Gremium aus Branchenvertretern gefunden, die sich die Erarbeitung eines Kodex für die Eventbranche im Sinne des ehrbaren Kaufmanns auf Basis von Integrität und Partnerschaft zur Aufgaben gemacht hatten. Der 2016 vorgestellte WerteKodex gibt seitdem in Form von Leitsätzen, Anreize für einen werteorientierten Umgang. Die Entstehung der WerteFoundation ging auch mit der Umbenennung zu WerteEvent (ehemals Werte 2.0) einher, welches am 14. Juni 2017 erstmalig im Kongresszentrum der Dortmunder Westfalenhallen stattfand, nachdem das Format die letzten Jahre im Hotel Schloss Montabaur durchgeführt wurde.

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