Eine Annäherung:

Wer ist eigentlich Mr. mbt?

Alexander R. Petsch
© Franz Pfluegl

Der mbt Meetingplace baut nach der erfolgreichen Platzierung in München nun einen zweiten Standort in Frankfurt auf und transformiert soeben auch die Swiss Office Management Messe in Basel zu einem weiteren mbt Meetingplace in der Schweiz. Alleinveranstalter ist mittlerweile die boerding-Messegesellschaft in Mannheim. Aber wer ist der Kopf, der dahinter steht? Eine Annäherung.

Eigentlich will Alexander R. Petsch gar nicht ins Rampenlicht. Es war ihm immer wichtig, dass die Firma und der Projektleiter im Vordergrund stehen. Wer die Fäden dahinter zieht, das ist für ihn in der Außenwirkung zweitrangig. Und so hat er sich förmlich überreden lassen müssen zu einem kleinen Porträt.

Der gebürtige Saarländer Petsch ist Mitte 40, verheiratet, zwei Kinder. In Mannheim hat er BWL studiert und bereits während des Studiums Unternehmer-Gene in sich entdeckt, Veranstaltungen mit bis zu 1.500 Teilnehmern organisiert. O-Ton:

Wenn da was schief gegangen wäre, hätten wir unsere Autos verkaufen müssen!

Mit Anfang 20 arbeitete er schon als Projektleiter für eine private deutsche Messegesellschaft, wenig später für eine andere Messegesellschaft auf Auslandsmessen in Zentralasien, Russland, Kasachstan.

Damals war das noch sehr wild und dort waren nur die weltweit richtig Guten unterwegs, um dort ihre Claims abzustecken. Ich habe mich also schon in jungen Jahren mit den Großen messen und lernen dürfen.

Mit diesem Rüstzeug hat er sich mit etwa 26 Jahren selbständig gemacht und als erstes eigenes Format eine Fachmesse für kommunale Beschaffung ins Leben gerufen, die zweite war dann die „Zukunft Personal“ mit am Ende 680 Ausstellern und 15.000 Besuchern.

Sie wurde noch unter dem Label „Spring Messen“ geführt – diese Gesellschaft hat Petsch vor vier Jahren an die Deutsche Messe AG verkauft. Den „kleineren Teil“ behielt er und daraus sind unter dem neuen Namen Boerding Messen nun auch schon wieder 15 weitere Messen, allerdings mit Konzentration auf den deutschsprachigen, bzw. deutsch-französischsprachigen Raum.

Etwa 55 fest angestellte Mitarbeiter bewältigen das Portfolio, dessen stärkstes Format wieder Schweizer Fachmessen für Personalmanagement sind. Zusätzlich ein Cluster aus Marketing-, Online- und e-Commerce-Messen. Seit 2016 veranstaltet zusammen mit dem Weltverband der Zeitungsverleger die IFRA, World Publishing Expo und Digital Content Expo, die sich sehr dynamisch entwickelt.

Diese Messe gibt es seit 47 Jahren, eine Art Grand Dame, die er weiter entwickelt und die seit dem vergangenen Jahr Wachstumssprünge zwischen 50 und 100 Prozent macht. Von den 6.000 Besuchern, die jährlich nach Berlin kommen, reist die Hälfte aus 100 Ländern an!

Der unermüdliche Strippenzieher hat den alten Speed von zwei neuen Messen mittlerweile wieder voll eingetaktet. Weitere spannende Produkte stehen an: Es gibt nämlich im Portfolio der großen Messegesellschaften kleinere Formate, die gut funktionieren, aber von einem großen Apparat unter den eigenen Deckungsbeitragsrechnungen nicht wirtschaftlich durchzuführen sind. Petsch hat andere Kostenstrukturen und kann solche Nischenthemen erfolgreich führen und ausbauen:

Dann wechselt das Format aus der Eigenveranstaltung in eine Gastveranstaltung, das Messezentrum erzielt einen Mietertrag, bspw. 100.000 Euro Hallenmiete, und damit wird das für die Messe schwarz und erfreulich. Den Rest machen dann wir. Dieses Knowhow können nicht viele anbieten und von daher können wir wohl in den nächsten sieben bis acht Jahren überproportional wachsen.

Bei kleinen und mittleren Fachmessen geht es für ihn darum, das Thema zu verstehen, mit den wichtigsten Köpfen auf Du und Du zu sein, zu spüren, was die Zielgruppen interessiert, wo die kommenden Themen liegen. Das ist viel persönlicher, als eine Dickschiff-Messe mit 2.500 Ausstellern.

Petsch erklärt:

Da kann man andere Dinge, aber das kleinere eben nicht mehr so gut. Als freier Messeveranstalter habe ich die große Freiheit mir zu überlegen, auf welcher Bühne ich welches Thema platziere und ob ich mit dem jeweiligen Thema Champions-League, Bundesliga oder zweite Liga spielen will und muss!

Wie sieht er den mbt-Meetingplace?

In der allerersten Fachbeiratssitzung damals in Bad Kreuznach, als mich noch niemand kannte, habe ich gesagt, was ich heute noch sage: Es gibt Bedarf und genug Themen für eine professionelle Plattform auf dem Planungsfeld Seminare, Tagungen, Events. Das habe ich nie als Modeerscheinung betrachtet, sondern als handfestes Thema. Dabei wollte ich nie eine Messe schaffen, die versucht über vordergründige Attraktionen möglichst viel Masse zu ziehen, sondern eine Veranstaltung, die auf klassische Messequalitäten einzahlt. Ich war und bin der der Überzeugung, dass eine Messe für handfeste Inhalte stehen muss, und das hat sich bis heute nicht verändert, egal wer da kam, ist, kommt und geht.

Als Learning bezeichnet er die Erkenntnis, dass es wohl derzeit im MICE-Segment nicht möglich ist, auf ein Zweitagesformat zu gehen. Was er persönlich besser findet.

Aber am Ende vom Tag stehen wir dafür, eine attraktive Plattform etablieren zu wollen für alle, die sich auf einer professionellen Ebene für die Buchung von Veranstaltungen interessieren und natürlich auf der anderen Seite all jene, die ein passendes Angebot bereithalten. Wir wollen keine Veranstaltung sein für Leute, die Rhetorik, Persönlichkeit entwickeln wollen. Das heißt, die edukativen Begleitformate sollen fachgebunden bleiben, auch wenn man mit sogenannten „freieren“ Themen vielleicht Leute ziehen könnte. Trennschärfe ist mir wichtig – mit einer Einschränkung: Es gibt Keynotes, von denen wir glauben, dass sie auch für Veranstaltungsplaner spannend sind, weil von ihnen ja auch Speaker gebucht werden, dann aber aus einem anderen Blickwinkel: Ist das jemand, der zu meiner Veranstaltung passen könnte? Nicht für die persönliche Entwicklung des Messebesuchers.

Petsch hat Konkurrenz im Bereich eintägiger VA-Formate. Was macht er anders?

Wir haben betriebswirtschaftlich einen rundum professionellen Ansatz. Wir sind vermutlich inhaltlich breiter aufgestellt und vor allem: Wir fahren deutschlandweite Besucher-Kampagnen.

Und warum fährt er nun Frankfurt und München so nah beieinander?

Die zeitliche Nähe zwischen den Messen in Frankfurt und München ermöglicht dem Besucher eine gute Auswahl, welche Messe er besuchen will und vor allem auch zeitlich besser kann. Wir bringen an beiden Messen die gleichen Themen und Keynotes und der Kunde kann mit der gleichen Eintrittskarte entweder Frankfurt oder München besuchen. Wir fahren für beide Messen eine deutschlandweite Fachbesucher-Kampagne und arbeiten auf einen Punkt hin als Jahres-Highlight.

Petsch bezeichnet sich als „partnertreu“, unterstützt bewusst Firmen und Menschen, die seit Jahren dabei sind. Er erlaubt sich den Luxus

… mit Leuten zu arbeiten, die wir gut finden und die wir mögen!

Mit dem derzeitigen mbt Meetingplace-Buchungsstand ist er im Plan:

Wir haben gute Kunden der ersten Jahre wiedergewonnen, die irgendwo im Marketing-Besteckkasten unterwegs waren und nun zum Thema klassische Fachmesse zurückkommen.

Was motiviert ihn?

Ich möchte was bewegen, sehen ob Ideen funktionieren, möchte hungrig bleiben, Dinge zu lernen. Ich will aufbauen und entwickeln und nicht nur verwalten. Ich verstehe mich eher als Gärtner denn als Baumfäller. Es geht nämlich nicht darum, das größte Stück Holz aus dem Wald zu tragen. Ich mag es, Messen zu entwickeln, die gut verwurzelt sind, tolle Ausprägungen haben, auf verschiedenen Themen fußen. Die sich, auch wenn’s stürmisch wird, gut im Wind neigen und wenn die Sonne wieder scheint, wieder wie eine Eins da stehen!

Welche Botschaft hat er für potenzielle Aussteller?

Wir haben versucht, es dem Aussteller leicht zu machen, sich zu professionalisieren und Stand-Pakete entwickelt für alle Größen und Bedarfsformen. Die bieten wir turnkey an. Das Spannende ist, dass der Aussteller beim gleichen Grundstand alle Flächen frei gestalten kann. Er macht das Kreuzchen an der richtigen Stelle, braucht für alles andere nur noch den Grafiker. Das künftig auch in Größenordnungen bis 80 oder 100 qm. Damit können Kunden wieder an Bord gehen, die eigentlich keine Ressourcen dafür haben!

Womit wir bei der Bedeutung des Namens Boerding- Messen wären. Boerding war zwar einmal ein Mannheimer Mode-Label, aber der skandinavische Begriff steht eigentlich für „an Bord nehmen“, „an Bord gehen“. Man könnte sich als Passagier bei einem erfahrenen Messe-Kapitän wie Petsch, der sich gerne auf der Brücke „versteckt“, recht gut aufgehoben fühlen …

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