Produkt: events Magazine 01/2019
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Hans Jürgen Heinrich spricht Tacheles

Wer hat eigentlich Angst vorm alten weisen Mann?

Daumen_Gegensätze(Bild: geralt - pixabay)Liest man den Beitrag „MICE-Branche: Mehr Frauen ans Rednerpult” – hier wird ein geschlechtsspezifisches Ungleichgewicht auf dem Vortragspodium thematisiert – kritiklos vor sich hin, so könnte man meinen: Siehste! Nein, eben nicht. Zunächst muss es erlaubt sein, das Zitat des Schweizer Abgeordneten Wermuth ideologisch richtig zu verorten. Der wurde als Juso-Chef landesweit bekannt, als er während einer Parteitagsrede einen Joint rauchte oder in Baden, wo er damals lebte, ein leerstehendes Hotel besetzte. In der Wochenzeitung „Die Zeit“ wird er als „Marx im Schafspelz“ bezeichnet. Apropos Marx: Der war alles andere als ein Frauenfreund!

Sodann muss man sich gedanklich einmal mehr klar machen, dass die wahren Ursachen einer nicht paritätischen Geschlechterverteilung (wie blödsinnig dieses Postulat auch immer ist!) in den meisten Fällen nicht in der Diskriminierung, sondern auf ganz anderen Feldern liegen. Daher operiert die auch für viele selbstbewusste und erfolgreiche Frauen langsam nervig gewordene „Frauenquote“ ganz im Sinne des Zeitgeistes am Symptom herum und verengt ein komplexes Ursachenbündel zu einer einfachen (Un)Wahrheit. Klar ist: Überall dort, wo es wirklich zu einer Diskriminierung auf Grund des Geschlechts kommt, muss das entschieden geoutet und bekämpft werden.

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Es gibt allerdings zahlreiche individuelle Beweggründe, warum hoch qualifizierte Frauen bestimmte Endstufen auf der Karriereleiter einfach nicht anstreben. Auch, weil sie den Preis dafür nicht zu zahlen bereit sind. Oft wollen die nicht, die es prima könnten und dafür wollen, die, die es nicht können umso mehr und: lauter! Damit entstehen neue und ganz andere Diskriminierungsrisiken: Statt eines besser qualifizierten, oder komplexer ausgedrückt, geeigneten Mannes wird eine Frau eingestellt, nur um die Quote zu erfüllen. Aber bitteschön: Dann hätten wir die Quote auch gerne im Kindergarten und bei der Müllabfuhr. Verkehrskontrollen dürfen nur abwechselnd nach Geschlecht durchgeführt werden und es müssen gleichviele Frauen wie Männer im Gefängnis sitzen…

Ich mag starke Frauen. Aber schwache Frauen in starken Positionen schaden sich und der eigenen Sache. Von dieser Sorte „Fehlbesetzung“ gibt es leider schon genug Männer.

Willkommen bei den Sprach-Panschern

Identitätspolitische Aktivisten verschiedener Minderheiten und deren Claqueure bedrohen auch schon längst die Sprache. Der Linguist Peter Eisenberg, Sigmund-Freud-Preisträger und Autor mehrerer Standardwerke zur Grammatik, zürnt in der FAZ: „Wann begreifen die Leute endlich, dass das grammatische Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht nichts zu tun hat? Manipulation des Sprachgebrauchs, Manipulation der Sprachnorm und Ridikülisierung der Grammatik: Der Preis, der für eine Anbiederung an den Zeitgeist gezahlt wird, ist hoch.“

Und weiter: „Ein ,Gesäugter‘ ist nicht das gleiche wie ein ,Säugling‘ und ein ,Flüchtling‘ nicht dasselbe wie ein ,Geflüchteter‘. Ein ,Studierender‘ eo ipso nicht das gleiche wie ein ,Student‘.“ Stimmt: Die Arbeiter haben irgendwann Feierabend, die Arbeitenden nie.

In einer allgemeinen Niveau- Verflachung fällt es Eiferern und Nacheiferern natürlich schwer, so etwas zu erkennen. Und auch in unserer Branche finden sich zunehmend Correctness- Besorgte, die modernistisch auf den Zug der Sprachverhunzung aufspringen.

Nur ein Beispiel dafür, welche skurrilen Blüten der Gender- Wahn treiben kann: „Der Name der/des Absender/in/s ist uns (w/m) nicht bekannt und er kann folglich auch nicht als ArbeitnehmerIn, SelbstständigeR oder Beamter/Beamtin eingeordnet werden.“

Liebe Leute: Die deutsche Grammatik verhindert mit Sicherheit nicht die Gleichstellung von Männern und Frauen! Die Mehrheit der Deutschen (m/w/) fühlt sich Untersuchungen zufolge von der Gender- Sprache, die in Behörden und Universitäten auf dem Vormarsch ist, eher belästigt. Dazu zitiere ich eine Schriftstellerin: „Die meisten Menschen wollen nicht von einer fanatischen Minderheit in Universitäten und Rathäusern gezwungen werden, in einer verunstalteten, mit unaussprechbaren Sternchen dekorierten und sogar falschen Sprache zu sprechen.“

Sie fragt sich, wie lange solche Maßnahmen noch von der Politik unterstützt und finanziert werden. Nicht einmal Orwell sei auf die Idee gekommen, ein Staat könnte Hand an die Grammatik legen. Manipulativen Gender-Sprech kann man nämlich weder sprechen noch lesen und er verstößt gegen das normale Sprachempfinden.

Ein Graus: Geschuldet sein

Eine weitere Unsäglichkeit sind der inflationäre Gebrauch und die epidemische Ausbreitung von „ist geschuldet“. Der verstorbene Wolf Schneider, Träger des „Medienpreises für Sprachkultur“ und meistgelesener Stil-Lehrer deutscher Sprache, hat bereits vor vielen Jahren geschrieben: „Das ist ein seminarmarxistisches Versatzstück, das in der journalistischen Sprache nichts zu suchen hat!“ Das Verb „schulden“ hat nämlich die Bedeutung „verpflichtet sein“ und nimmt auf Ideelles und Materielles Bezug. Es ist daher in den meisten Fällen falsch gebraucht und gedankenlos nachgeplappert und -geschrieben. Sprachpanscherei.

Aber es ist eben bequem: Man nehme eine Wendung für alles und umgeht mit dem Verb „sein“ und dem simplen Dativ kompliziertere Konstruktionen. Man muss nicht mehr wählen zwischen „bedingt durch“, „zurückzuführen auf“, „verursacht durch“ usw.. Die faulen Zähne sind nicht der mangelnden Zahnpflege „geschuldet“, sondern darauf zurückzuführen.

Ich bin ja nur ein „alter weißer Mann“. Manchmal ist der von allerlei Dummen gerne herabsetzend geschmähte „alte weiße Mann“ aber einfach nur der alte weise Mann. Wer hat eigentlich Angst vorm alten weisen Mann? Oder der alten weisen Frau? Dreimal dürfen Sie raten!

Produkt: events Magazine 04/2018 digital
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