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Wo ist die stereotype deutsche Gründlichkeit?

Studie untersucht Umsetzung der Corona-Verhaltensregeln innerhalb der G7-Staaten

Corona_Mundschutz(Bild: Polina Tankilevitch - Pexels)Kantar, ein Unternehmen für Data Science, Insights und Consulting, hat Mitte April in einer zweiten Befragungswelle (Erhebungszeitraum vom 09. bis 13. April) die Auswirkungen und Einschränkungen der Coronakrise auf die Bevölkerung der G7-Staaten, zu denen Deutschland, Italien, Frankreich, Großbritannien, Japan, Kanada und die USA gehören, untersucht. Dabei stellte sich heraus, dass die Deutschen die Umsetzung der Verhaltensregeln zur Eindämmung der Pandemie in einigen Punkten weniger ernst nehmen als andere Länder.

Bereits Mitte März hatte eine erste Befragungsreihe von Kantar ergeben, dass Deutschland im weltweiten Vergleich nicht ganz so hart betroffen war wie z. B. die USA oder Italien. Der milde Verlauf scheint die Menschen hierzulande durchaus etwas unbekümmerter sein zu lassen, denn nicht mal zwei Drittel (62 Prozent) der deutschen Bevölkerung ab 16 Jahren sind laut der Studie besorgt, dass sich das Virus negativ auf die eigene Gesundheit auswirken könnte. Anders reagierten die übrigen G7-Staaten: Hier äußerten mehr als drei Viertel der Bevölkerung Besorgnis. Bis auf in Italien ist diese Sorge sogar in allen Ländern gestiegen. In Deutschland machen sich jedoch 72 Prozent (im März waren es noch 78 Prozent) Sorgen um Familienangehörige und 76 Prozent um die Menschen im Land allgemein (81 Prozent im März).

Besorgnis über COVID-19(Bild: Kantar)

Umsetzung der Verhaltensregeln in Deutschland

Laut Kantar mache die G7-Studie sichtbar, dass die Deutschen verglichen mit den anderen Ländern in ihren Verhaltensanpassungen nicht die vielleicht stereotypische deutsche Gründlichkeit an den Tag legen. Ein Grund dafür könnte die geringere Besorgnis um die eigene Gesundheit und die anderer sein: Nur 41 Prozent haben sich nach Ausbruch des Virus in Selbstisolierung begeben. Andere Länder nehmen diese Maßnahme ernster. Das deutlich größere Ausmaß der Auswirkungen ändert z. B. in Italien das Verhalten der Bürger grundlegend und sorgt dort für eine neue soziale Normierung. So isolieren sich fast drei Viertel (74 Prozent) zu Hause. Noch mehr (81 Prozent) tragen inzwischen einen Mundschutz und sogar fast neun von zehn Italienern (86 Prozent) gaben an, sich häufiger und länger die Hände zu waschen. Ein gründlicheres Händewaschen bestätigten auch 73 Prozent der Deutschen. Einen Mundschutz tragen hingegen lediglich 27 Prozent – dies wird sich aber auch in Deutschland mit der Maskenpflicht, die ab dem 27. April gelten wird, verändern. Jedoch auch in Kanada, Frankreich und Großbritannien werden die Masken bisher nicht mal von der Hälfte der Bevölkerung angenommen. Allein in Italien, Japan (79 Prozent) und den USA (54 Prozent) wird die 50 Prozent-Marke diesbezüglich geknackt.

Großes Vertrauen in öffentliche Infrastruktur

In Zusammenhang mit den geringeren Sorgen könnte auch die öffentliche Infrastruktur stehen: Insgesamt glauben 64 Prozent der Deutschen, dass die öffentlichen Dienste im eigenen Land sehr gut oder zumindest ziemlich gut darauf vorbereitet sind, mit der Epidemie und ihren Folgen fertig zu werden. Auch Großbritannien (63 Prozent) und Kanada (62 Prozent) teilen diese Ansicht für ihr jeweiliges Land. Im Vergleich dazu sind die Franzosen, Italiener, Japaner und US-Amerikaner deutlich weniger zufriedener.

Veränderungen beim Einkommen

Insgesamt gaben 58 Prozent der Deutschen an, dass sich die Coronakrise bereits auf ihr persönliches Einkommen ausgewirkt habe (24 Prozent) oder es in Zukunft wahrscheinlich noch tun werde (34 Prozent). Deutlich mehr Menschen sind hingegen in den anderen G7-Staaten betroffen. Mit 85 Prozent hat es die Italiener am schlimmsten erwischt.

Soziale Absicherungen wie Kurzarbeitergeld und Soforthilfen sorgen dafür, dass in Deutschland nicht einmal 20 Prozent der abhängigen Beschäftigten mit Einkommensverlusten zu kämpfen haben, die mehr als die Hälfte des eigenen Einkommens ausmachen. In den USA haben z. B. 25 Prozent der Bevölkerung ihr Einkommen sogar komplett verloren und in Kanada 24 Prozent.

Breite Masse ist mit Maßnahmen der Regierung zufrieden

Insgesamt konnte im Rahmen der Studie festgestellt werden, dass 67 Prozent der Deutschen mit den von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie sehr bzw. einigermaßen zufrieden sind. Im März waren es noch 58 Prozent. Auch die Kommunikation von Informationen zum Ausbruch des Coronavirus durch die Bundesregierung bewerten die meisten Deutschen als sehr oder ziemlich gut (72 Prozent). Ebenso werden die finanziellen Unterstützungsleistungen für Menschen und Betriebe, die Einkommens- bzw. Umsatzeinbußen oder gar Schließungen hinnehmen müssen, von fast zwei Dritteln der Deutschen als (sehr) gut befunden.

Verschiedene Erwartungshaltungen für die Zeit nach Corona

Im Hinblick auf die weitere Dauer der Pandemie und des Zeitpunkts, wann sich die jeweiligen Länder von der Krise erholt haben und die Menschen ihr gewohntes Leben wieder aufnehmen können, ist man sich in allen G7-Staaten uneinig. Im Durchschnitt glauben nur 22 Prozent, dass es bis Juli oder August eine Rückkehr zum „normalen“ Leben geben wird. Von den deutschen Studienteilnehmern schätzen hingegen 41 Prozent, dass die Normalität in weniger als sechs Monaten erreicht sein wird. 20 Prozent gehen davon aus, dass dies erst frühestens nächstes Jahr der Fall sein wird.

Dauer der Krisenbewältigung(Bild: Kantar)

Mit den in Deutschland ins Auge gefassten Lockerungen der Corona-Maßnahmen wird die genaue Beobachtung der Entwicklung der Infektionszahlen einhergehen. Bislang sind die meisten Deutschen (73 Prozent) der Auffassung, dass sie selbst als Bürger (sehr) gut an der Eindämmung mitwirken.

Leiter der G7-Studie gibt zu bedenken…

„Wir sind in Deutschland in der Coronakrise bislang auf einem guten Weg. Gerade der Blick über den nationalen Tellerrand macht jedoch auch deutlich, dass wir uns nicht in einer trügerischen Sicherheit eines leistungsstarken Gesundheitssystems wiegen dürfen“, gibt Ingo Leven, deutscher Leiter der G7-Studie von Kantar, zu bedenken. „Denn auch solch ein leistungsstarkes System kann zukünftig allzu schnell an seine Grenzen geraten, wenn die Lockerung der Maßnahmen von zu wenig Bereitschaft zur Einhaltung der dabei erforderlichen Verhaltensregeln begleitet wird. Vielmehr sollten wir alle gemeinsam die kleinen Erweiterungen unsere Möglichkeiten aufgrund der Lockerungen bewusst genießen. Denn nur so können wir im weiteren Verlauf Schritt für Schritt die nächsten Erweiterungen in den Blick und nicht vorwegnehmen.“

Zur Methodik:

Zwischen dem 09. und 13. April 2020 wurden insgesamt 7.006 Online-Interviews mit Erwachsenen (16+) durchgeführt, die in den G7-Staaten Kanada (1.000), Frankreich (1.000), Deutschland (1.000), Italien (1.001), Japan (1.003), Großbritannien (1.001) und den USA (1.001) leben. Die Interviews wurden online mit dem Kantar-Online-Panel als Stichprobenquelle durchgeführt.

Die Daten wurden nach Alter, Geschlecht und Bildung für jedes Land im Bezug auf die Bevölkerungsgröße gewichtet. Für die Ergebnisse über alle G7-Länder hinweg wurden die Länder entsprechend ihrer Bevölkerungsgröße gewichtet.

Hier geht’s zur Studie

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