Produkt: events Jahresabonnement Digital
events Jahresabonnement Digital
Entdecken Sie das Fachmagazin events als digitale Ausgabe auf Ihrem Smartphone, Tablet und PC.
Pointiert digital kommunizieren:

Remote-Kommunikation braucht das Zielsatz-Prinzip!

Vortrag(Bild: Manfred Steger – pixabay)Wie werden wir nach der Krise kommunizieren? Es spricht alles dafür, dass wir es so tun werden wie schon in diesen Tagen: mehr remote, weniger face to face. Das kann man bedauern, muss aber die Fähigkeiten dazu (parat) haben, die auch nach der Coronakrise verlangt werden.

Im Remote-Modus wird seit Wochen mit der größten Selbstverständlichkeit so ziemlich alles kommuniziert: Ein Mitarbeiter- oder Führungskräfte-Meeting steht an, ein Gespräch mit der Bank, eine Abstimmung mit einer Behörde. Das Team soll trotz räumlicher Trennung enger zusammenrücken. Ein Webinar soll ausgerichtet, ein Pitch gewonnen und ein Konflikt beigelegt werden. Oder die Geschäftsführung will mit den Aufsichtsgremien Einigkeit erzielen. All das wird jetzt digital praktiziert und sicherlich auch nach der überstandenen aktuellen Krise sehr viel öfter auf diesem Wege stattfinden.

Handwerkszeug für Remote-Kommunikation

Drei Dinge müssen Manager können und beachten, wenn sie in den nächsten Wochen oder gar Monaten fast ausschließlich im Remote-Modus via Zoom, Webex, Skype oder Microsoft Teams kommunizieren: Nähe, Attraktivität und Kürze. Das alles vereint ein Bild (siehe Abbildung unten): ein Trichter – oben offen und breit für hohe Themen mit großer Anziehung, Substanz natürlich und nach einigen Sätzen ein Punch.

Pointierung(Bild: Stefan Wachtel, Das Zielsatz Prinzip. Wie Pointierung unsere Wirkung erhöht. Frankfurt a. M. 2020)

Nähe: Wo räumliche Nähe fehlt, bleibt nur die Sprache. Es gibt Formulierungen, die Zugang schaffen, z. B. „Sie fragen sich…, Sie sind erstaunt…, ich könnte mir vorstellen…, Sie wollen sicherlich nicht…“. Solche Sätze schaffen Nähe, wo reale Nähe fehlt.

Attraktivität: Wirkung entsteht aus Bedeutung und Relevanz: Argumente aus großer Flughöhe, ein Rahmen, ein Dach über allem, etwas 1.000 Jahre Altes oder etwas in die Zukunft Weisendes. Das sollte nach dem Intro gleich an den Anfang gestellt werden und gibt der Argumentation Flughöhe.

Kürze: Wo das Gesamtbild, Haltung und Gestik fehlen, wo es nur gesprochenes Wort gibt und wenig Aktion im Raum, ist die Kürze entscheidend. Wie entsteht der Eindruck von Kürze? Erstens muss man vor Mikrofonen und Bildschirmen aus dem “Erklärbär-Modus” heraustreten. Zweitens gelingt das durch Struktur. Wir brauchen in der Vorbereitung dessen, was wir sagen wollen, ganz klare Linien und gezielte Stichwortkonzepte. Drittens entsteht der Eindruck von Kürze durch Pointierung, durch eine wirkungsvolle Anordnung der Argumente. Und dies vor allem durch den entscheidenden letzten Satz. Remote-Statements und Antworten sollten nach dem „Zielsatz-Prinzip“ formuliert sein:

Strengere Vorbereitung, Moderation & Kamerapräsenz

Das alles mündet in den großen Imperativ der Remote-Kommunikation: eine klare und stringente Vorbereitung. Besonders die Eingangsworte sollten in Stichworten formuliert sein, schließlich braucht Remote disziplinierte Gesprächsführung. Abläufe müssen genauer geplant und vermittelt werden. Außerdem braucht es strenge Regeln und deren Kommunizierung sowie Unterbrechungstechniken und Aufforderungsformeln. Auch die Besonderheiten wie Kamerawinkel, Licht, Hintergrund etc. müssen bekannt sein und bedacht werden.

Das Zielsatz-Prinzip

Online wird der Inhalt noch wichtiger, Verständlichkeit wird existenziell. Bei Remote-Sessions muss man sich folglich noch mehr auf den Inhalt konzentrieren. Aufbau und Struktur sind deshalb hier wichtiger als etwa Körpersprache. Ob jemand eine starke Stimme oder einen Dialekt hat, ist oft weniger entscheidend als wir denken, grammatikalische Korrektheit ist es noch weniger. Entscheidend ist am Ende, ob jemand abholend beginnen, spitz enden kann. Ob sie oder er die Kunst der Pointierung beherrscht.

Pointierung heißt: auf den Punkt sprechen. Auf den Punkt sprechen kann man nicht, wenn man mit ihm beginnt. Deshalb ist die Pyramide (das Wichtigste zuerst sagen, dann wird alles detaillierter) nicht zum Überzeugen geeignet, allenfalls zum Informieren. Chartfolgen kann man so aufbauen, Rede und Antwort eher nicht.


“Das Remote-Rede-Prinzip heißt: Nähe herstellen, dann in größere Höhe gehen – und zum Ende auf den Zielsatz.”


So entstehen klare Struktur und Pointierung in Remote-Sessions. Beim Sprechen in eine Kamera hat sich das Zielsatz-Prinzip besonders bewährt.

Fazit:

Die Online oder Remote-Kommunikation verlangt noch bessere Redefähigkeiten als bei realen Präsentationen oder Moderationen. Man muss den Teilnehmer einer virtuellen Veranstaltung nah zu sich holen, anschließend das Thema, die Rede in einen großen Rahmen setzen und Argumente mit Flughöhe platzieren. Und dann nach wenigen Sätzen auf einen Punkt zielen: Punch! So entsteht eine Art Trichter. Gute Antworten sind Trichter und gute Reden bestehen aus einer Folge von Trichtern. Dahinter steht ein universales Prinzip: Erst das Fremde, dann das Eigene, erst das Bekannte, dann das Neue, erst breit, dann spitz.


Remote Regeln

Wer wirklich dauerhaft in dieser Remote-Welt überzeugen will, sollte die folgenden Regeln beherzigen.

1. Ein klares Bild haben:
Sich seiner Remote-Wirkung bewusst werden.

2. Im richtigen Film sein:
Heraus aus dem “Experten-Erklärbar-Modus” in den „Executive-Modus“.

3. In der Rolle bleiben:
Authentizität managen und Rolle klar machen.

4. Mündliche Sprache verwenden:
Je größer die Entfernung, desto näher muss die Sprache sein. Schriftdeutsch und Schriftenglisch („Antworte im ganzen Satz!“) erschweren das Zuhören.

5. Haltung und Gestik sparsam verwenden:
Aufgerichtete Haltung für die Präsenz und die pointierte Formulierung.


Über den Autor:

Stefan Wachtel(Bild: Guido Werner)Sprechwissenschaftler und Coach Dr. Stefan Wachtel bereitet seit Beginn der Krise Klienten auf Remote-Sessions vor. Medienrhetorik-Erfahrung: u. a. sechs Jahre bei ARD und ZDF als Moderatorencoach oder als Trainer für Pilotenansagen. Autor „Die Kunst des Authentischen“ und „Das Zielsatz-Prinzip“.

www.executive-modus.de

 

Sie wollen noch mehr über das Zielsatz-Prinzip wissen?

Das gleichnamige Werk finden Sie unter der ISBN 978-3000636646 sowie bei Amazon.

Wachtel_Zielsatz-Prinzip

Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
Managementpraxis: Die fünf wichtigsten Trends der Event-Branche +++ Agenturen: 30 Jahre Planworx +++ Destinationen: Schmelztiegel Jamaika +++

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren