Interview mit Matthias Schultze

Quellmarkt China: wichtig für das Wachstum der MICE-Branche

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China ist eine wichtige Region für das zukünftige Wachstum der deutschen Tagungs- und Konferenzbranche. Jedoch stellen unterschiedliche Geschäftskulturen, Denkweisen und Konventionen trotz guter und intensiver Beziehungen zwischen beiden Ländern, die im Markt aktiven Unternehmen immer wieder vor Herausforderungen.

GCB German Convention Bureau Matthias Schultze
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events hat mit dem Geschäftsführer des GCB German Convention Bureau, Matthias Schultze, über Aktivitäten, Erfolge, Probleme und Prognosen im Geschäft mit chinesischen MICE-Gruppen gesprochen.

events: Herr Schultze, Sie haben bereits im Herbst 2015 eine eigene Repräsentanz in Peking eröffnet, die zweite nach New York. Das zeigt auf, wie wichtig das GCB diesen Quellmarkt nimmt. Wie ist die deutsche Position als Reiseziel im europäischen Vergleich?

Matthias Schultze: Laut IPK World Travel Monitor haben im Jahr 2016 Chinesen (15 Jahre und älter) insgesamt 1.459.000 Reisen mit mindestens einer Übernachtung in Deutschland durchgeführt. Davon waren 400.000 Geschäftsreisende. Auf das Reiseziel Deutschland entfielen damit 3% der Auslandsreisen und 18% aller Europareisen der Chinesen. China ist damit für Deutschland – nach den USA – der zweitgrößte Geschäftsreisemarkt (außerhalb Europas) und eine wichtige Region für das zukünftige Wachstum der Tagungs- und Konferenzbranche in Deutschland und weltweit. Frankfurt und München gehören mit zahlreichen täglichen Flugverbindungen zu den gefragtesten Destinationen für MICE-Reisen aus China.

events: Welche Erfolge konnten Sie seit der Einrichtung der Repräsentanz in Peking akquisitorisch verbuchen?

Matthias Schultze: Im Mai 2017 wurde die bisher größte Incentive-Gruppen-Reise aus China nach Deutschland durchgeführt. Die ca. 2.700 Teilnehmer verbrachten drei Nächte in Frankfurt und drei Nächte in München und haben ein umfangreiches Programm in Deutschland absolviert. Die Gruppe wurde im Vorfeld intensiv durch unser Büro in Peking betreut – bis hin zu einem Treffen auf Geschäftsführerebene. Darüber hinaus habe ich die gesamte Gruppe bei der Abschlussveranstaltung in Schloss Kaltenberg persönlich begrüßt.

Im Februar 2018 wurde ein Kongress eines Corporate-Kunden mit 2.200 Teilnehmern in Frankfurt durchgeführt. Auch hier fand eine Unterstützung durch unser Büro in Peking statt. Darüber finden regelmäßig viele kleinere Meetings chinesischer Veranstalter in Deutschland statt.

events: Welche besonderen Schwierigkeiten sind speziell mit der Bearbeitung des chinesischen MICE-Segmentes verbunden, unabhängig vom normalen Tourismusgeschäft?

Matthias Schultze: Kulturelle Unterschiede z. B. bei der Verhandlungsführung. Teilweise sehr kurzfristige Lead-Times. Die Kunden erwarten von den Anbietern eine besonders hohe Flexibilität für kurzfristige Änderungen.

events: In welchem Teilbereich liegen die höchsten bzw. relevanten Potenziale: Incentive, MeetCentive, Kongress oder Marketing-Events und warum?

Matthias Schultze: Anfänglich hat der Incentive-Bereich überwogen. Mittlerweile kommen aber auch zunehmend Anfragen aus dem Meeting- und Kongressbereich. Generell beobachten wir, dass die Verbindung von Tagungen mit Sightseeing und/ oder Shopping-Programm sehr gefragt ist.

events: Wie schätzen Sie die Entwicklung der nächsten Jahre ein und was muss Ihrer Ansicht von deutscher Seite getan werden, um optimal für chinesische Anforderungsprofile aufgestellt zu sein?

Matthias Schultze: Wir erwarten eine positive Entwicklung des chinesischen Marktes. Um besser auf die Bedürfnisse chinesischer Planer eingehen zu können, hat das GCB eine gemeinsame Studie mit der Strategic Alliance of the National Convention Bureaux of Europe erstellt: „Image and Business Opportunities for Europe as a Mice Destination ex China“. Diese enthält Handlungsempfehlungen für die Vermarktung europäischer Standorte in China und steht GCB-Mitgliedern kostenlos zur Verfügung. Die Empfehlungen reichen von dem in China wichtigen Beziehungsaufbau, den wichtigen chinesischen Kommunikationskanälen und Empfehlungen für chinaspezifische Angebote bis hin zu Nachweisen von Best-Practice-Beispielen, dass deutsche Anbieter in der Lage sind große Gruppen zu handeln.

Als unbedingte Voraussetzung, um chinesische Konferenzen und Events nach Deutschland zu holen und erfolgreich zu veranstalten, setzt das GCB German Convention Bureau bei der Bearbeitung dieses Marktes auf maßgeschneiderte Programme und Inhalte, die die spezifischen sprachlichen und kulturellen Anforderungen berücksichtigen. So besucht Henghong Yang als Leiter des GCB Büros in Peking regelmäßig Kunden und potenzielle Kunden in wichtigen Städten wie Schanghai und Guangzhou, um zusätzlich Unterstützung bei den Auswahl- und Planungsprozessen zu bieten.

Zudem sind die chinesische Version der GCB Website, www.germanymeetings.cn sowie eine chinesische Ausgabe des GCB Newsletter wertvolle Informationsquellen für chinesische Veranstaltungsplaner, die in Betracht ziehen, ihre Gruppen nach Deutschland zu bringen.

Das GCB unterhält auf WeChat auch eine Social-Media-Präsenz namens Great China Region Germany-Meetings, mit vielen Followern aus den größten chinesischen Städten wie Peking, Schanghai, Guangzhou und Shenzhen. Deutsche MICE-Dienstleister und GCB-Mitglieder bieten außerdem verstärkt Angebote, die speziell auf chinesische Gäste zugeschnitten sind, wie mit einem chinesischen Fernsehkanal, einer Auswahl an entsprechenden Gerichten und Getränken sowie populären chinesischen Bezahlmethoden. [4144]

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