Laxenburger Appell

Österreichische Eventbranche fordert eindeutige Compliance-Bestimmungen

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(Bild: © WK NÖ)

Ist eine Compliance-Verletzung schon Korruption? Wie wirkt sich die Gesetzgebung auf Konzern-Regularien aus und gibt es bereits negative Folgeerscheinungen für die heimische Wirtschaft durch ausufernde Compliance-Regularien? Diese und weitere Fragen sollten bei der Austrian Compliance Enquete am 14. November 2017 in Laxenburg geklärt werden. Nun meldet sich die Branche mit einem Appell und drei Forderungen an den Gesetzgeber.

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Der Austragungsort der Austrian Compliance Enquete sei nicht zufällig gewählt worden, so Gert Zaunbauer, Obmann der Fachgruppe Freizeit- und Sportbetriebe in der Wirtschaftskammer Niederösterreich (WKNÖ) und Veranstalter der Veranstaltung:

In unmittelbarer Nähe der Internationalen Laxenburger Anti-Korruptionsakademie wollen wir als Eventbranche ganz bewusst einen Kontrapunkt setzen.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Niemand wolle die Anti-Korruptionsgesetze abschaffen. Jedoch sei der Evenbranche der Kragen geplatzt. Schuld daran ist der Generalverdacht, dass Einladungen zu Events und in Konzert-Logen unmittelbar zur Korruption dienen. Daraus resultiert ein aktueller Gesetzesrahmen, bei dem sich, wie es ein Teilnehmer der Enquete ausdrückte, „niemand mehr auskennt“. Für viele Veranstalter seien die gesetzlichen Bestimmungen nichts anderes als eine Blendgranate, die nur von der eigentlichen „im Hinterzimmer stattfindenden Korruption“ ablenken soll.

Neues Compliance-Seminarangebot für Mitarbeiter in Locations und Agenturen

Nicht außer Acht gelassen werden dürfe dabei die volkswirtschaftliche Komponente des Veranstaltungswesens. Schätzungen zufolge, so Obmann Zaunbauer, trage die Branche 7,3 Mrd. Euro an Umwegrentabilität zum BIP bei und sei ein ganz wesentlicher Image- und Werbeträger im Ausland für den heimischen Tourismus.

Seit der im Jahre 2012 erfolgten Novellierung des österreichischen Korruptionsstrafrechts sieht sich aber das Veranstalterwesen buchstäblich in die Ecke gedrängt. Laut WKÖ-Experte Artur Schuschnigg würden die schwammig formulierten Bestimmungen bei den Kunden durchwegs zu Verunsicherung führen. Für eine strafrechtliche Materie, die als Ultimo Ratio des Gesetzgebers zu gelten hat, sei das vollkommen unzulässig. Günther Ofner, Vorstandsmitglied Flughafen Wien und Präsident des NÖ Management Clubs, betont weiter, dass diese Unsicherheit viele Vorstände und Geschäftsführer dazu veranlasst, Eventeinladung zur Gänze aus dem Sales- und Marketing-Mix zu streichen.

Angst, mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten

Obwohl Sponsoring absolut zulässig ist, hat allein die Angst, unter Umständen mit dem Gesetz in Konflikt geraten zu können, zu firmeninternen „Null Toleranz Compliance Regelungen“ geführt, die ihrerseits einen drastischen Rückgang der Kartenbestellungen zur Folge hatten. Sogar Veranstalter von Großereignissen, wie etwa Sportlegende Hubert Neuper, der seit 1993 das Skifliegen am Kulm organisiert, sind verzweifelt. Wenn Unternehmen sich aus Angst, straffällig zu werden, nicht mehr trauen, Kontingente für ihre Geschäftskunden zu bestellen, bliebe ihm nichts anders übrig, als betteln zu gehen. Und das, „um eine Veranstaltung, die 48 Millionen Menschen in aller Welt erreicht und eine Visitenkarte für unser Land ist, am Leben zu erhalten“.

Ein Appell – drei Forderungen

Bei der Austrian Compliance Enquete, so Zaunbauer, ginge es darum, aufzuzeigen, was in der Praxis falsch läuft und so auf die Probleme der Eventbranche aufmerksam zu machen. Ergebnis ist nun der „Laxenburger Appell“, in dem die Branche ein Commitment zu Events vom Gesetzgeber bzw. der Bundesregierung fordert.

Konkret äußert die Branche drei Hauptforderungen:

  1. Klarere Bestimmungen im Korruptionsstrafgesetz, mit denen Firmen sowie Veranstalter gleichermaßen arbeiten können.
  2. Events sollen im Gesetz explizit behandelt werden und als verbotene Geschenkannahme herausgenommen werden.
  3. Der Begriff „Amtsträger“ muss konkretisiert werden, da fast 50% aller ÖsterreicherInnen vor dem Gesetz Amtsträger ist und somit die Hälfte aller Bürger eigentlich nicht zu Veranstaltungen eingeladen werden dürfen.

Auch in Deutschland müssen Mitarbeiter in der Location-Vermarktung und im Eventmanagement Beratungskompetenz in Sachen Compliance aufbauen.

Für Mitarbeiter im Vertrieb/Verkauf und Eventmanagement von Hotels, Veranstaltungsstätten und in Agenturen bietet events deshalb in Kooperation mit Certified und Prof. Dr. Hans Rück von der Hochschule Worms eine neuartige Seminarreihe an.

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