Lieber den Moment genießen

Nicht immer “smart”: Handynutzung bei Konzerten

Handy beim Einsatz auf Konzerten(Bild: Piatrouski - fotolia.com)Laut einer aktuellen Studie von Eventbrite (NYSE:EB), einer globalen Plattform für Ticketing und Veranstaltungen, findet eine große Mehrheit der Veranstaltungsteilnehmer beim Besuch von Konzerten, dass im Publikum zu viel fotografiert oder gefilmt wird. Dieser Meinung sind auch viele Veranstalter, Clubbetreiber und Musiker (64 Prozent). Von den befragten Besuchern, die im Laufe eines Jahres einen Musikevent besucht haben, stört es 72 Prozent, wenn andere Fotos und Videos während einer Performance machen. Vor allem 18- bis 29- und 30- bis 39-Jährige nehmen Videos auf bzw. schießen Fotos (66 Prozent beziehungsweise 69 Prozent).

 

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Weitere Ergebnisse:

75 Prozent zeigen sich offen für Regeln im Umgang mit dem Smartphone: Über ein Drittel gibt an, dass sie schon einmal das Gefühl hatten, etwas von einer Musikveranstaltung zu verpassen, weil sie zu sehr damit beschäftigt waren, Bilder oder Videos davon zu machen. 39 Prozent finden, dass Besucher während eines Auftritts keine Video oder Bilder aufnehmen sollten. Trotzdem gibt die Hälfte der Befragten an, selbst Bild- und Videoaufnahmen bei Auftritten zu machen.

“Einzelne Fotos oder kurze Filmaufnahmen können an ein schönes Ereignis erinnern und schaden dem Erleben sicher kaum. Nimmt das Aufzeichnen jedoch einen großen Raum ein, sollte man sich die ernsthafte Frage stellen, warum genau man dieses Event besucht”, erklärt Detlef Scholz, erster Vorsitzender des Fachverbandes Medienabhängigkeit e.V. im Rahmen einer Expertenbefragung.

Viel Raum für Veränderung

Auch wenn sich die deutliche Mehrheit einen anderen Umgang mit Smartphones wünscht, wissen Veranstalter und Besucher anscheinend noch nicht so recht, wie sie auf die Beeinträchtigung des Eventerlebnis durch Smartphones reagieren sollen. 30 Prozent der befragten Veranstalter, Clubbetreiber und Musiker haben momentan Regeln zum Umgang mit dem Smartphone eingeführt. Auf der anderen Seite zeigen sich 75 Prozent der Besucher offen für Regeln. Allerdings sind lediglich 16 Prozent für ein striktes Smartphone-Verbot durch den Veranstalter.

Die Sicht der Musikindustrie

Kommerzielle Künstler wie Adele, Alicia Keys, Nick Cave, Kendrick Lamar und Prince haben Fans bereits darum gebeten, den Moment zu genießen und während der Performance keine Smartphones zu verwenden. Die Komiker Chris Rock, Kevin Hart und der ehemalige White Stripes Leadsänger, Jack White haben Handys schon komplett von ihren Auftritten verbannt. Auch das Feedback von Branchenexperten, eingeholt mit Unterstützung des VUT, der Live Musik Kommission, der Berlin Music Commission und weiterer Event-Organisationen, bestätigt das Problem: Unter den 115 befragten Musikprofis geben rund zwei Drittel an, dass es sie stört, wenn Besucher Bild- oder Videoaufnahmen während eines Auftritts machen, trotzdem hat die deutliche Mehrheit (70 Prozent) keine Regeln für die Nutzung von Smartphones.

“Gar keine Regeln für Handys zu haben ist ganz offensichtlich auch keine Lösung”, sagt Ole Feltes, Strategic Account Management Eventbrite. “Für Veranstalter ist das die wohl wichtigste Erkenntnis der vorliegenden Studie: Die Fans sind genervt von den vielen Handys, wollen aber gleichzeitig ihr eigenes Handy benutzen. Und das scheint der Erfahrung aller im Publikum zu schaden – inklusive ihrer eigenen. Ein guter erster Schritt wäre hier der offene Dialog zwischen Künstlern und Publikum dazu, wann es in Ordnung ist, Bilder zu machen und wann nicht. Wir wären auf jeden Fall zufrieden, mit dieser Studie genau diesen Dialog anzuregen.”

“Veranstalter haben das Hausrecht. Es steht ihnen zu, darüber zu entscheiden und damit ist es grundsätzlich gerechtfertigt, wenn sie das Nutzen des Smartphones unterbinden. Auch einige Gäste wünschen sich dies. Persönlich fände ich es aber schade, wenn das Smartphone überall unterbunden wird. Es wäre schön, wenn nicht alle den gleichen Weg einschlagen. Vielleicht gibt es eine technische Lösung oder einen Kompromiss”, erklärt Olaf Kretschmar, Vorstandsvorsitzender Berlin Music Commission, in einem Statement.

Über die Studie:

Sie stützt sich auf eine repräsentative Umfrage unter 1.000 volljährigen Deutschen, eine nicht-repräsentative Befragung von 115 Profis in der deutschen Musikbranche sowie qualitative Interviews mit Experten aus der Musikszene, Akademikern und Branchenkennern

Weitere Informationen unter  www.eventbrite.de.

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