Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
Managementpraxis: Die fünf wichtigsten Trends der Event-Branche +++ Agenturen: 30 Jahre Planworx +++ Destinationen: Schmelztiegel Jamaika +++
Sektor mit Aufholbedarf:

Nachhaltigkeit in der Eventbranche – der Zugzwang wächst!

Nachhaltigkeit_Recyclingkonzept(Bild: voinsveta - stock.adobe.com)Der Veranstaltungssektor hinkt beim Thema Sustainability noch immer hinterher. Über Nachhaltigkeit wird zwar viel gesprochen, aber entsprechende Aktivitäten basieren viel zu häufig auf taktischen Überlegungen und es fehlt vielerorts – trotz exzellenter Beispiele und Bemühungen – an der Implementierung von Nachhaltigkeitskonzepten. Dabei kann die Tagungs- oder Veranstaltungswirtschaft ein wesentlicher Treiber für nachhaltige Entwicklung sein!

Nachhaltige Entwicklung als große Herausforderung: Ängste, Aggressionen, Veränderungen und Bewegungen. Eine Welt im Umbruch. Sie transformiert. Digitalisierung, Globalisierung, Klimakrise, Sinnsuche beim Menschen und in Unternehmen, Strukturwandel, Migration, streikende Schüler. Alte Strukturen werden aufgebrochen und ein neues Bestreben nach echter und bewusster Nachhaltigkeit in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik gewinnt zunehmend an Bedeutung.

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Was aber heißt nachhaltige Entwicklung? Es bedeutet, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen (Quelle: Deutscher Rat für Nachhaltige Entwicklung). Die 17 Nachhaltigen Entwicklungsziele der Agenda 2030, die von den UNO-Mitgliedstaaten 2015 verabschiedeten Ziele – auch international als die Sustainable Development Goals (SDGs) bekannt – sollen unsere Welt lebenswerter machen. Die Agenda gibt einen Orientierungsrahmen für eine weltweite nachhaltige Entwicklung vor mit den Zielen, die Armut zu beseitigen, Ungleichheit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen und den Klimawandel einzudämmen.

Märkte und Sektoren verlangen nach mehr Nachhaltigkeit

Nachhaltigkeit_Illustration(Bild: flyalone - stock.adobe.com)Wie tief SDGs in der Geschäftswelt verankert sind, zeigt die Tatsache, dass zum Beispiel mehr als 90% der 169 SDG-Ziele internationale Kernarbeitsnormen und Menschenrechte reflektieren (Quelle: The Danish Institute for Human Rights). Auf federführenden Konferenzen wie Sustainable Brands, auf der Vorreiter und weltweit führende Marken, Start-up-Unternehmen, Nichtregierungsorganisatoren sowie Industrie- und Beratungsunternehmen teilnehmen, sind Sinnhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit Kernthemen. Die führenden Unternehmen haben die SDGs in ihre Geschäftsstrategie integriert und entwickeln Produkte und Services, die zu einer nachhaltigeren Welt beitragen. Im State of Greenbiz Report 2018 heißt es:

„Die neue Generation der Unternehmensziele zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht nur eine Angelegenheit des Managens ist. Nachhaltigkeit ist in diesen Modellen tief in der Geschäftsstrategie verankert, und trägt in Zeiten, in denen der Anspruch nach etwas Höherem, einem Sinn, für den Konsumenten wichtiger werden, zum Mehrwert der Marke dar.“

Nachhaltigkeit als fester Bestandteil der Geschäfts- und Event-Strategie

Bedenkt man den ökonomischen, ökologischen und sozialen Impact, wird klar, dass Veranstaltungen unter dem Aspekt der nachhaltigen Entwicklung zu betrachten sind, und es gilt dementsprechend zu handeln. Die Olympischen Spiele 2024 in Paris implementieren eine umfassende Nachhaltigkeitsstrategie, die in die gesamte Ausrichtung der Spiele verankert ist. Das Organisationskomitee hat die Emissionsstrategie als eine der Kernziele definiert und nach dem Pariser Abkommen ausgerichtet. Die IMEX, eine der größten internationalen Fachmessen für den Meeting-Markt, ist ein weiteres Beispiel, wie nachhaltige Maßnahmen zur Sensibilisierung für das Thema Nachhaltigkeit genutzt werden kann. Auf Unternehmensseite ist Oracle mit Oracle Openworld, eine große IT-Konferenz für Kunden, Partner, Entwickler und Mitarbeiter eines der besten Fallbeispiele für ein umfassendes Nachhaltigkeits-Management mit langfristigen Zielen und festgelegten Kennzahlen sowie transparentem Reporting. Während des österreichischen EU-Ratsvorsitzes in 2018 wurde durchgängig ein nachhaltiges Veranstaltungs-Management angestrebt und ein Großteil der Events mit dem Österreichischen Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events zertifiziert. Auch in Agenturen und Destination Management Companies (DMCs) spielt Nachhaltigkeit eine immer einflussreichere Rolle. Nachhaltige Unternehmensführung wird immer wichtiger, denn Geschäftsbetriebe erkennen immer mehr den Mehrwert verantwortlicher Geschäftsprozesse.

Nachhaltige Unternehmensführung wird immer wichtiger, denn Geschäftsbetriebe erkennen immer mehr den Mehrwert verantwortlicher Geschäftsprozesse.

Kuoni Congress hat seine Büros in Barcelona, Kopenhagen und Genf nach der globalen Norm ISO 20121 (Nachhaltiges Management-System für Veranstaltungen) zertifizieren lassen, und die Event-Agentur Vagedes & Schmid nach EMAS (Eco Management and Audit Scheme, ein Instrument für Unternehmen, die ihre Umweltleistung verbessern wollen). Auch für Destinationen ist das Thema ein wichtiger Wettbewerbsfaktor geworden. Das Beispiel Sustainable Meetings Berlin zeigt, wie eine Plattform Planern dabei helfen kann, Veranstaltungen verantwortlich durchzuführen. Und wie in der Ausgabe events 03/2017 berichtet, ist der globale Nachhaltigkeitsindex Global Destination Sustainability Index eine Möglichkeit bei der Selektion von Destinationen einen Einblick zu erhalten.

Events und nachhaltige Entwicklungsziele

Es wird deutlich, dass eine systematischere Herangehensweise zur Nachhaltigkeit in der Branche an Bedeutung zunimmt. Als hilfreicher Fahrplan dienen die neuen Principles for Sustainable Events. Leider wird ein weitreichender Teil von Events immer noch nicht nachhaltig geplant und durchgeführt. Das war u. a. ein Grund für das Entstehen dieser internationalen Initiative. Auf der entsprechenden Webseite finden sich die Prinzipien, jeweils den SDGs zugeordnet, und ein Formular, um eine Unterstützungserklärung abzugeben.

International anerkannte Rahmenwerke

Idealerweise wird mit prozessorientierten Ansätzen begonnen, die durch Management-Systeme geleitet werden (ISO 20121, EMAS). Diese müssen jeweils an die Ziele und die aktuelle Situation der Veranstaltung, der Organisation und die vorherrschenden Gegebenheiten und Prozesse angepasst werden. Für das ISO 20121 gibt es auch das einzige vorzertifizierte Event-Management-System-Tool (Sustainable Meeting Planning Program® – SMPP®), das mit einem Handbuch und relevanten Listen hilft, ISO 20121 konform zu organisieren. In der nächsten Phase der Implementierung helfen sogenannte „Checklisten-Ansätze“. Hier wird ein Kriterienkatalog abgearbeitet, wie z. B. die internationalen Events Industry Council Sustainable Event Standards (vormals APEX/ASTM), das Österreichische Umweltzeichen für Green Meetings und Green Events. Beide können zertifiziert werden. Oder aber es werden Leitfäden verwendet wie das des BMU Bundesministerium für Umwelt oder der „Sustainable Events Guide“ der Vereinten Nationen. Und für das Reporting können die Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) Event Organizers Sector Disclosure helfen.

Ausblick

Der Peer Review 2018 zur Nachhaltigkeitsstrategie Deutschlands sagt: „In der Zukunft wird es ohne Nachhaltigkeit keine Wettbewerbsfähigkeit geben.“ Es besteht eine Dringlichkeit für nachhaltiges Handeln und es ist unabdingbar, die Erreichung der Ziele der Agenda 2030 voranzutreiben. Was wir brauchen, ist einen Kulturwandel der Veranstaltungswirtschaft in Richtung gelebter Nachhaltigkeit. Mit systematischen, konzertierten und messbaren Beiträgen kann dieser Sektor nicht nur einen positiven, sondern auch signifikanten Beitrag leisten und Teil der Lösung sein!

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