Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
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Die gläserne Decke

MICE-Branche: Mehr Frauen ans Rednerpult

Gleichberechtigung_Frau Mann(Bild: Ricochet64 - stock.adobe.com)Im Gegensatz zu vielen anderen Industrien liegt der Frauenanteil im klassischen MICE-Sektor seit Jahrzehnten und weltweit hoch. Eine Ausgangslage, die aber nicht automatisch dazu führt, dass es für beide Geschlechter gleichwertige Anstellungs- und Karrieremöglichkeiten gibt.

Auch am Rednerpult ist eine Ungleichheit sichtbar und die Konferenz-Veranstalter müssen noch lernen, einen relevanteren Anteil Frauen auf die Bühne zu bitten. Hintergrund ist u. a., dass sich Programmverantwortliche gerne aus dem Pool von Professoren/innen und dem von Verwaltungsräten/innen bedienen. Denn dort liegt das Know-how, dort denkt man über Strategie und Zukunft nach, und dort finden sich die „Opinion Leader“ zu spezifischen Themen oder Branchen.

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Und genau da hapert es am Frauenanteil. An der Universität Zürich beispielsweise liegt die Quote an Professorinnen bei 23 Prozent, auch wenn die Verwaltung kürzlich erklärte, sie strebe einen Frauenanteil von mindestens 25 Prozent an. Damit läge sie immer noch vor den anderen Schweizer Bildungsinstituten.

Auch die deutschen Hochschulen bemühen sich seit einigen Jahren um mehr Gleichstellung; sie beschäftigen Frauenbeauftragte und nehmen an Frauenförderprogrammen teil. Denn obwohl die Hälfte aller Hochschulabsolventen weiblich ist, wird auch in Deutschland nur knapp jede vierte Professur von einer Frau besetzt. Das zeigt eine Umfrage des Bildungsanbieters WBS, der sich bei den größten Hochschulen umhörte. Danach ist die Freie Universität Berlin die frauenfreundlichste; an der FU Berlin sind stolze 37,8 Prozent der Professoren weiblich. Die Hochschulen in Berlin, Hamburg und Bremen weisen die besten Gesamtwerte aus; Mecklenburg-Vorpommern, Saarland und Bayern stehen am Ende der Liste. Einzelschlusslicht ist laut dieser Analyse jedoch die Technische Hochschule Mittelhessen mit einem Frauenanteil von knapp zehn Prozent.


„Wenn es um die Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses geht, werden Frauen seltener berücksichtigt als Männer.“


Wenn es um die Rekrutierung des wissenschaftlichen Nachwuchses geht, so der Eindruck nach eingehender Internet-Recherche, werden Frauen seltener berücksichtigt als Männer und auch bei neuen Berufungen fördert die dominierende Männerwelt bevorzugt Männer. Im konservativen Bayern scheint dies offenbar besonders häufig der Fall zu sein.

Knapp ein Viertel Frauen

Bei den Verwaltungsräten zeigt sich diese Ungleichheit noch deutlicher. Der schweizerische Schilling-Report berichtet von ähnlich niedrigen Werten. Der Frauenanteil bei den Schweizer Aktiengesellschaften stieg zwar 2018 von 19 auf 21 Prozent, liegt aber dennoch zu tief. Und auch dieser Wert hat Einfluss auf die Arbeit der Event- und Tagungs-Planer. Denn aus den Pools von Verwaltungsräten ergeben sich halt auch viele der gefragtesten Redner.

Würde auch die MICE-Branche wenigstens dieses Viertel an „Fachfrauen“ berücksichtigen, läge der Anteil von Gastreferentinnen wenigstens eben bei diesen 25 Prozent. Die Realität ist jedoch eine andere, denn weltweit kommen nur wenige Events auf einen Anteil von über zehn Prozent Frauenvorträge. Ohne despektierlich sein zu wollen: Nicht selten wird der Faktor Frau mit einer „dekorativen“ Moderatorin gelöst.

Auch Analysen aus den USA decken die geschlechtsspezifischen Unterschiede auf. Ein Bericht zur Situation an fünfzig Forschungseinrichtungen hält fest, dass männliche Sprecher doppelt so viele Kolloquiums-Vorträge hielten wie Frauen. Die Studie identifiziert eine Art Diskriminierung, gegen die Wissenschaftlerinnen immer stärker Einwände erheben. In der Schweiz wird z. B. immer häufiger der branchenspezifische Hashtag #manel genutzt. Er steht für „male panel“, also Referenten-Panels, die ausschließlich aus Männern bestehen.

Wünschenswert

Im Februar fand in Davos ein jährlicher Ärztekongress statt. Die Hauptvorträge und Spezialkurse wurden von insgesamt 36 Männern und gerade einmal vier Frauen bestritten. Ein Schweizer Politiker, der Nationalrat Cédric Wermuth, äußerte sich kürzlich mit folgender Aussage: „Ich nehme an öffentlichen Diskussionsrunden und Tagungen nur noch teil, wenn auch eine Frau auf dem Podium ist“.

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