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Ein Sicherheitskonzept muss Teilnehmer und Personal gleichermaßen schützen. Erfahren Sie, warum Eventsicherheit daher immer auch Arbeitssicherheit beinhaltet.
MICE braucht eigene Stufenkonzepte

Licht am Ende des Tunnels für MICE-Veranstaltungen?

Blauer Tunnel(Bild: Frank Pizzacalla – pixabay)Eigentlich ist schon (fast) alles gesagt, was für den Ausstieg aus dem Exit, das Ende des Lockdown, das stufenweise Anfahren öffentlicher Veranstaltungen erforderlich bzw. sinnvoll ist. Die Bundeskanzlerin und die Ministerpräsidenten*innen könnten bei ihrer nächsten Videoschalte zur verantwortungsvollen Öffnung von Veranstaltungen einen konstruktiven Beschluss fassen.

Die politischen Fakten liegen bereits auf dem Tisch, z. B. im Rahmen der „Vierten Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Sachsen“ vom 16. April 2020. In anderen Bundesländern finden sich vergleichbare Regelungen.

Das Beste: Der Verordnungsgeber hat bereits unmissverständlich deutlich gemacht, welche Anforderung er an „Veranstaltungen, Versammlungen, Zusammenkünfte und Ansammlungen“ stellt, damit sie schon jetzt vom Verbot ausgenommen sind bzw. werden können. Und das Allerbeste: Eine Reihe von MICE-Formaten wie Seminare, Tagungen, Kongresse aber auch bestimmte Fachmessen können diese Hürde unschwer nehmen.

Die 4. Sachsen-Anhalt-Verordnung vom 16. April 2020 weist den Weg

Die Verordnung sieht folgendes vor:

  • Basis-Verhalten: Distanz, Hygieneregeln, Husten- / Nies-Etikette, kein Händeschütteln / Umarmungen, (ggf.) Mund-Nase-Schutz(-maske) (siehe Präambel)
  • 1,5 m Mindestabstand (§2, Abs. 4, Pkt. 1)
  • Anwesenheitsliste (§2, Abs. 4, Pkt. 2)
  • Ausschluss von symptomatischen Personen COVID-19-Erkrankung (§2, Abs. 4, Pkt. 3)
  • Teilnehmerbefragung / Fragebogen nach Corona-Risikofaktoren und ggf. Ausschluss (§2, Abs. 4, Pkt. 4)
  • Die Genehmigungsbehörde kann weitere Auflagen verfügen (§2, Abs. 4, Pkt. 5)
  • Zugangsbeschränkungen / Einlasskontrollen, Vermeidung von Warteschlangen (§7 Abs. 1, 3, 5)
  • Personendichte max. 1 Kunde auf 10 qm Verkaufsfläche (§7 Abs. 5, Pkt. 2)
  • Vermeidung von Warteschlangen / Ansammlung mit mehr als 5 Personen, z. B. im Kassenbereich (§7 Abs. 5, Pkt. 4)
  • Reinigungs- und Desinfektionsplan, „verstärktes Regime“ (§7 Abs. 5, Pkt. 3)
  • PSA – Persönliche Schutzausrüstung (§7 Abs. 3)
  • Informationen zur „Corona-Sicherheit“ z. B. durch Aushänge, Durchsagen (§7 Abs. 5)

Für die Profis im Veranstaltungs-, Kongress- und Messewesen sollte es kein wirkliches Problem sein, diese Auflagen zu erfüllen und die gesetzten Standards einzuhalten. Auch für Kongresse können wir diesen Katalog praktisch 1:1 übernehmen. Gestaltet man das Ganze als Tabelle mit vier Spalten (Item, Ja, Nein, z. K. / zur Klärung) und versieht die Beurteilungsmöglichkeiten mit den Ampelfarben Grün, Rot, Gelb, dann können Veranstalter und Agenturen diese Checkliste als Planungshilfe nutzen und die Behörden hätten eine gute Prüfliste für die Genehmigung von Veranstaltungen.

Eng werden könnte es allenfalls bei der landesspezifischen Forderung zur „Personendichte max. 1 Kunde auf 10 qm Verkaufsfläche (§7 Abs. 5, Pkt. 2)“. Nun kann man ein Verkaufsgeschäft z. B. nicht mit einer Kongresslocation vergleichen. Hier könnte auf die Formel 4 qm / Teilnehmer zurückgegriffen werden, ohne dabei die Zielsetzungen Eindämmung der Pandemie, Vermeidung der Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 und Unterbrechung der Infektionsketten zu gefährden.

Und wenn eine Forderung doch einmal nicht vollumfänglich 1:1 realisiert werden kann, dann besteht die Möglichkeit der „individuellen Verhältnismäßigkeitsprüfung“ (§2 Abs. 4, Pkt.53). Als Lösung müssten Kompensationsmaßnahmen realisiert werden, wie sie in vielen Rechtsgebieten vorgesehen sind und wie wir sie auch beim Brandschutz kennen.

Auf Basis weiterer Vorgaben sowie einer individuellen Risikoanalyse und Gefährdungsbeurteilung kann der genannte Katalog um zusätzliche Maßnahmen erweitert werden, z. B. täglich mehrmaliges intensives Durchlüften der Räume, dokumentierte Unterweisungen, ausschließlich Papierhandtücher. Diese Thematik bleibt einem weiteren Artikel vorbehalten.

MICE braucht eigene Stufenkonzepte

Es ist kaum zu erwarten, dass die Politik Veranstaltungen als Ganzes, in jeder Form und gleich welcher Größe ab dem 1. September uneingeschränkt freigeben wird. Für einen schrittweisen Übergang in die verantwortungsvolle Normalität bietet sich ein Stufenkonzept an, wie es dem Grunde nach ja bereits für die Einzelhandelsgeschäfte und bei den Schulen angewendet wird. Einen Stufenplan wendet auch Schleswig-Holstein für die Öffnung des Tourismus an. Unter bestimmten Voraussetzungen und ggf. mit Auflagen ist vorgesehen:

  1. die Nutzung eigener Ferienwohnungen oder -häuser (nur zur Eigennutzung!)
  2. die Vermietung von Ferienwohnungen / -häusern (in denen man autark leben kann)
  3. Öffnung von Hotels (ggf. mit definierter maximaler Belegung) und Gastronomie
  4. Gestattung des Tagestourismus

Denkbare Szenarien für eine Öffnung im MICE-Sektor

Auch hier kann die Veranstaltungswirtschaft der Politik und Verwaltung eine Brücke bauen. Ein Stufenkonzept MICE müsste plausibel sein, ggf. mit Auflagen wie begrenzter Teilnehmerzahl, abhängig von der Zielgruppe, Art der Veranstaltung, Infrastruktur, Umfeld u.a.m. Diese, so wie auch andere Vorschläge und Diskussionsbeiträge, bedürfen der (fach-)öffentlichen Diskussion und der Konsensbildung.

  1. In geschlossenen Räumen (Indoor) sollten Kleinveranstaltungen wie beispielsweise Seminare, Workshops, Qualitätszirkel oder Balintgruppen möglich sein.
    Voraussetzung sind professionelle Veranstaltungsräume, ein geschlossener Teilnehmerkreis, nur Tischplätze, gekennzeichnete Sitzplätze, eine Teilnehmerliste und eine Dauer von nur wenigen Stunden.
  2. Geschlossene Indoor-Veranstaltungen wie Fachtagungen und Fachmessen, die ebenfalls in professionellen Veranstaltungsräumen stattfinden mit einem definierten Teilnehmer-/ Besucherkreis, Teilnehmerliste, ggf. nur Tischplätzen, nummerierten Sitzplätzen, Begrenzung des Einzugsgebiets (Teilnehmer, Aussteller) und nur eintägiger Dauer.
  3. Indoor, wie 2. und ggf. mit Übernachtung bei einem erweiterten Einzugsgebiet und mehrtägiger Dauer.
  4. Unter freiem Himmel (Outdoor) bei abgegrenztem Veranstaltungsbereich wie (Fußball-) Stadion, Festivalgelände – mit personalisierter Teilnahme / Teilnehmerliste. Keine Zelte, Campingwagen. Dauer wenige Stunden, max. eintägig.
  5. Outdoor im offenen Veranstaltungsgelände. No limits – z. B. Jahrmärkte / Rummel, Stadtfeste, Musik-Festivals, Publikumsmessen, alle Sportveranstaltungen, Marathon usw.

Für die Veranstaltungswirtschaft würde das bedeuten: Zunächst bevorzugte Öffnung der kleineren Veranstaltungen, bevor auch mittelgroße und Großveranstaltungen wieder in den Markt gehen.

The never ending story: Was ist „groß“ und was ist „klein“?

Boxhandschuhe(Bild: Elias Sch. – pixabay)Bei eindimensionaler Betrachtung geht es um die Abgrenzung: Was ist eine Großveranstaltung, eine mittlere und eine kleine Veranstaltung? Egal wo man die Grenzen zieht, es gibt keine Evidenz. Die Grenzwerte sind willkürlich.

Kleinveranstaltungen sind z. B. Seminare und Workshops – geprägt vom Face-to-Face-Kontakt. Nimmt man die bereits genutzten Grenzwerte von Einzelhandelsgeschäften, dann könnten das 10 oder 20, max. 40 Personen sein.

Für Großveranstaltungen stehen die Zahlen 1.000 und 5.000 Teilnehmer im Raum (die M-VStättVO lässt grüßen). Sprachlich etwas ungehobelt könnte man z. B. festlegen, mehr als 1.000 Teilnehmer „Großveranstaltung-klein“, über 5.000 Teilnehmer „Großveranstaltung-mittel“. Und „Großveranstaltung-groß“ könnten dann vielleicht bei mehr als ca. 40.000 / 50.000 Teilnehmern beginnen, so dass ggf. auch die (meisten) Bundesliga-Fußballstadien berücksichtigt werden.

Mittelgroße Veranstalten hätten demnach über 40 (20, 10) bis 1.000 Teilnehmer.

Solange mit den Zahlen keine funktionellen Spezifitäten der Veranstaltungstypen einhergehen, haben die Grenzwerte keine Evidenz. Es sind pragmatische Setzungen, wobei man die Grenzen genauso gut an anderer Stelle ziehen könnte. Damit würde es aber auch nicht besser.

Über den Autor:

Dr. Frank Mücke(Bild: Alex Talash)Dr. Frank Mücke ist Geschäftsführer der Kodex-zertifizierten Full-Service-Agentur comed GmbH in Köln und bietet 30 Jahre Erfahrung in der Veranstaltungsorganisation, speziell in den Bereichen Pharma, Medizintechnik, Wissenschaft und Verbände. Die Agentur organisiert „kleine und feine“ Veranstaltungen ebenso wie Kongresse mit mehreren Tausend Teilnehmern.

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von Dr. Frank Mücke.

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