WerteEvent

Klartext, Herr Fritzges: Wohin geht die Reise?

WerteEvent_Bernd-Fritzges

Bernd Fritzges ist eine jener Branchenpersönlichkeiten, die in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus öffentlicher Wahrnehmung geraten sind. Der 40-jährige ist geschäftsführender Gesellschafter bei fiylo International, ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender beim Verband der Veranstaltungsorganisatoren, Moderator und Vortragsredner und sein Name ist untrennbar verbunden mit dem Engagement beim Wertekodex und der Renommierveranstaltung WerteEvent, vormals Werte 2.0.

Nach nunmehr sieben WerteEvents hat er bereits 60.000 Euro an Spendenvolumen für den RTL – Spendenmarathon eingefahren, in den ersten Jahren noch für seinen damaligen Arbeitgeber intergerma. Ein gutes Level ist erreicht, sowohl in punkto Qualität als auch in Hinblick auf Community-Building und Wertigkeit der Wahrnehmung. Das betrifft gleichermaßen die Live-Veranstaltung WerteEvent und die Wertekodex-Plattform werte.foundation.

Aber auch Probleme müssen angesprochen werden. Unter anderem der von Einigen vermutete Interessenskonflikt zwischen unternehmerischer Tätigkeit, Vorstandsvorsitz VDVO und federführendem Engagement beim Thema WERTE in der Veranstaltungsbranche. events Herausgeber Hans Jürgen Heinrich sprach mit Bernd Fritzges:

Next Level, wie geht es weiter, Herr Fritzges? Warum ist das Commitment der Branchenakteure zum Wertekodex bislang trotz aller Lippenbekenntnisse und Anerkennung noch nicht so überzeugend, wie man es angesichts der vielen unverbindlichen Bekundungen annehmen dürfte?

Bernd Fritzges: Ich höre immer wieder: Wenn man ein Bekenntnis zum Thema Werte abfordert, dann kann man da kein Preisschild dranhängen. Das WERTE-Commitment kostet schließlich 190,- Euro. Dafür gibt es eine Urkunde, das Grafikpaket, den Eintrag auf der Website und die Teilnahme am WerteEvent. Das ist nicht einmal kostendeckend und dann wird moniert, dass ein Preisschild dran hängt.

Nun, in einer Neidgesellschaft ist man schnell bei der Hand mit Verdächtigungen, dass Sie sich das „in die Tasche stecken“…

Bernd Fritzges: Das ist unglaublich. Jeder vernünftige Mensch muss doch sehen, dass der Aufbau der Website, die Eventorganisation, die enormen Präsenz- und Messekosten alleine für die freie Mitarbeiterin Annegret Steglich irgendwie gegenfinanziert werden müssen. Von meiner Arbeit gar nicht zu reden. Da ging es nie, nie um Gewinn. Und genau deshalb werde ich den Spieß jetzt umdrehen und sage: Auf die 190 Euro kann ich dann auch noch verzichten. Das Commitment mit dem gesamten Paket wird ab sofort kostenfrei gestellt.

Wie weit muss man denn betriebswirtschaftlich bereit sein zu sinken, um eine vernünftige Sache, die bereits niedrig ausgepreist ist, nun ganz kostenlos zu machen. Idealismus pur?

Bernd Fritzges: Ja, das ist richtig. Der Wert ist viel höher. Aber ich will zeigen: Wenn ich das selbst subventioniere, dann führt sich das unglaubliche Argument, ich würde mich möglicherweise selbst bereichern, endlich ad absurdum. Man darf nicht vergessen: Ich habe immer für absolute Transparenz gesorgt, alle Erträge gingen in das RTL-Spendenkonto. Wenn das Geld jetzt die letzte Hürde sein sollte, dann nehme ich die auch noch und bin sehr gespannt, wie die Branche sich dazu verhält. Es gibt nämlich dann keinen erkennbaren Grund mehr, warum kein Commitment erfolgen kann.

Die nächste Änderung: Das WerteEvent wird ebenfalls von Teilnehmergebühren freigestellt und es ist nur noch ein freiwilliger Kostenbeitrag der Teilnehmer vorgesehen. Was ist dem Teilnehmer persönlich das WertEvent wert?

Bernd Fritzges: Wer sich zum Kodex bekennt, wird bevorzugt zugelassen. Dabei geht es nicht um Wichtigkeit der Person sondern um das Thema. Und wer das Ganze nur unterstützt oder mit veranstaltet, weil er seinen eigenen Unternehmensvorteil listig anpeilt, der hat zwar mein Verständnis, aber ich werde mich um diese Art von Unterstützern nicht gesondert bemühen. Und sie im Zweifelsfall eben verlieren. Ich mache eben keine Akquise wie ein Messeveranstalter, sondern in der Regel kommen Menschen auf mich zu, weil sie eine klare thematische Affinität und Sympathie für die Sache haben. Ich habe genau so viele potentielle Partner in den letzten Jahren abgelehnt, wie angenommen. Es muss einfach passen.

Ist das jetzt das Öffnen eines trotzigen Notausganges aus purem Frust? Ist das gar die endgültige Aufgabe eines Business-Modells?

Bernd Fritzges: Ich habe nie vor gehabt, daraus ein Businessmodell zu machen. Jeder weiß: Ich habe auch ein ehrenamtliches Engagement beim VDVO – das frisst auch gewaltige zeitliche Ressourcen, die mir ebenfalls keiner vergütet.

Das ist doch ein Investment in die Marke Bernd Fritzges, die sich ja über Imagetransfer auszahlt, oder?

Bernd Fritzges: Das ist ja der Knackpunkt: Es wird gehässig behauptet, ich finanzierte mir die Selbstvermarktung. Quatsch. Die Motivation war schon da, als ich noch beim Mitveranstalter intergerma tätig war. Der gute Rat eines Freundes lautete kürzlich: „Bernd: Ruhm und Ehre hast Du jetzt genug gehabt, Du solltest dich jetzt auf die Dinge konzentrieren, die Dir entweder Geld bringen oder richtig Spaß machen!“ Und da muss ich sagen: Das Thema WERTE hat mir immer richtig Spaß gemacht. Aber das wird es weiterhin nur, wenn es auch so funktioniert, wie ich mir das vorstelle: Ich möchte ein Zeichen setzen und eine organisch wachsende Community bilden, die sich mit dem Thema ernsthaft auseinander setzen will.

Jede organisch wachsende Community braucht eine Keimzelle. Und zwar in diesem Falle eine moralisch und intellektuell reputierliche, um die sich die anderen Schäflein versammeln können. Wo sind die Botschafter des Themas, Menschen die mit Strahlraft im inneren Kern dieser Idee stehen? Es kann ja nicht einfach eine Begrifflichkeit eingezäunt, nach Belieben die Schafe hineingetrieben werden und das nennt man dann die „Werte-Gemeinschaft“ …

Bernd Fritzges: Mein Beitrag, den ich bis jetzt leisten konnte, ist erbracht. Ich war gerade in Österreich unterwegs und bin unglaublich oft auf das WerteEvent angesprochen worden. Wir haben schon viel Reputation im Markt, mit dem was wir tun. Aber richtig, jetzt ist Zeit, das alles zu professionalisieren. Da braucht es noch weitere Kräfte, nicht nur den Lonely Wolf, und die möchte ich mit der radikalen Öffnung gewinnen. Ja, ich baue eine Akquise-Plattform für Unterstützer der nächsten Schritte.

Für sowas braucht man auch Geld. Bernd Fritzges verabschiedet sich aber gerade von der Preisliste und greift zum Klingelbeutel. Das heißt: Er gefährdet zunächst die finanzielle Grundlage. Soll der nächste WerteEvent denn nur über Sponsoren finanziert werden, oder welcher Deus ex Machina soll herbeigerufen werden?

Bernd Fritzges: Teilnehmergebühren und Kostendeckungsbeiträge für das WERTECommitment waren der geringste Teil der Einnahmen. Und weil das offenbar der Hauptkritikpunkt ist, sage ich einfach: Das geht im Zweifelsfall dann zunächst „auf meinen Deckel“. Dann sehen wir weiter.

Was hat der Sponsor denn nun genau davon, – und ich formuliere das jetzt einmal sehr kess! – einmal im Jahr beim WerteEvent mit um den Wertebaum zu laufen?

Bernd Fritzges: Ein positives Bild in der Öffentlichkeit. Viele „weiche Effekte“, nach innen und außen. Da lasse ich unseren Mitveranstalter der ersten Stunde, Heike Klein vom Berliner ESTREL gerne mal zu Wort kommen, die mir unlängst gesagt hat: „Lieber Bernd, ich würde in der Corporate Business Welt gar nicht mehr die Termine und Akzeptanzen erhalten, ohne mein authentisches Engagement bei WERTE!“ Der WerteEvent war im Übrigen die Initialzündung für die Erstellung eines eigenen Leitbildes bei ESTREL.

Ist Dortmund als Veranstaltungsort gesetzt für die nächsten Jahre?

Bernd Fritzges: Ich bin noch im Gespräch mit den Mitveranstaltern Schloss Montabaur und dem ESTREL, denn Schloss Montabaur hatte sich die Option gesichert auf das nächste Jahr. Ich tendiere derzeit dahin, das Angebot der Westfalenhallen wieder anzunehmen. Denn die Zusammenarbeit war super, das Sponsoringpaket entspricht unseren Vorstellungen und: Aufgrund unserer Video- und Interviewaktion bei Dortmunder Unternehmen in diesem Jahr bekamen wir aus der dortigen Wirtschaft gute Signale, sich auch mit Sponsoring für 2018 beteiligen zu wollen.

Gehen Sie dabei teilnehmerseitig aus dem engen MICE-Rahmen hinaus?

Bernd Fritzges: Es gibt viele Querverbindungen zu anderen Communities, die Affinitäten zu einem Wertekodex und durchaus Schnittmengen mit der Veranstaltungsbranche haben. Die suche ich auch. Aber: Bernd Fritzges kann MICE. Und auf meinem Heimatspielfeld brauchen wir zunächst einmal eine professionelle Unterstützung!

Gehässiges Zitat: „Der Fritzges packt ja die Mitgliederversammlung VDVO immer vor sein Werte-Event, um da Teilnehmer zu bekommen…“

Bernd Fritzges: Eigentlich ist es genau umgekehrt: Viele Mitglieder sind ja bereits Stammteilnehmer beim Event. Also packe ich eine MGV dorthin, wo die Mitglieder ohnehin schon sind. Die süffisanten Anwürfe, man müsse aufpassen, dass es da keine Interessenkonflikte gibt, kann ich nur belächeln. Ich habe in diesem Jahr in einer Vorstandssitzung bei der Entscheidung, wo die nächste Mitgliederversammlung stattfinden soll, gegen die Platzierung im Vorfeld von Werte gestimmt. Es gab eine 3:1-Abstimmung und die Gegenstimme war meine.

Sie sind selbständig. Wären Sie Angestellter, würde man Sie für ehrenamtliches Engagement loben. Auch wenn es zu positiven Rückkopplungen für das von Ihnen vertretene Unternehmen käme. Sie müssen sich von manchen vorwerfen lassen, sie nähme eine unappetitliche Interessenverquickung vor. Um es klar zu sagen: Ich halte das für eine anmaßende Unverschämtheit. Wie stehen Sie dazu?

Bernd Fritzges: Wer da glaubt, sich an mir abarbeiten zu müssen, hat sicherlich selbst ein Problem. Es plustern sich oft gerade die mächtig auf, die mit ihren neunmalklugen Verdächtigungen selbst auf der Jagd nach Beachtung sind, weil sie sonst wenig zu melden haben. Das ist alles schon sehr merkwürdig. Das hat aber auch zur Folge, dass ich ganz konkret entscheide, mit wem ich noch zusammen arbeiten und meine Zeit verbringen möchte und wovon ich mich trenne. Das habe ich in diesem Jahr konsequent getan. Sonst würde ich das alles nicht schaffen.

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