Interview mit Maritt Goedhart, BCD Meetings & Events

International agierende Agenturen dominieren den Markt

Der große Boss frisst den kleinen Geschäftsmann(Bild: ra2 studio - Fotolia)

Wie national, wie global ausgerichtet ist das Geschäft mit Meetings, Incentives und Events? Wie muss man sich positionieren, um die wachsende Nachfrage großer Unternehmen zu befriedigen? Welche Chancen haben kleine Agenturen und wie groß ist der Einfluss, den der Einkauf heutzutage ausübt?

events sprach mit Maritt Goedhart, VP Client Operations EMEA, BCD Meetings & Events darüber, wie das Unternehmen die aktuelle und die künftige Marktsituation einschätzt.

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Marritt-GoedhartNach Abschluss ihrer Ausbildung an der Hotel Management School in Maastricht, Niederlande, arbeitete Maritt Goedhart zunächst als MICE-Vermittlerin bei einer großen westeuropäischen Immobilienfirma. Dabei kam sie auf den Geschmack und wechselte ins Projektmanagement einer großen niederländischen Eventagentur, die auf Sportveranstaltungen mit bis zu über 1.000 Teilnehmern spezialisiert ist.

Nach drei Jahren ging sie zu Center Parcs Europe, wo sie sechs Jahre lang im Vertrieb und Account-Management im Bereich MICE tätig war. Heute ist Maritt Goedhart Vice President Operations Mainland Europe bei BCD M&E, einer globalen Agentur mit über 600 Mitarbeitern alleine in der EMEA-Region. Im Jahr 2016 wurde das „Fusionsprojekt“ gestartet und sämtliche Einheiten international zusammengeführt. Inzwischen haben sich einige der „Silos“ zu großen Organisationen entwickelt, die zu den führenden Akteuren im Markt gehören.

events: Wie beurteilen Sie die aktuelle Nachfrage im Bereich Meetings & Events?

Maritt Goedhart: Wir sehen bei Unternehmenskunden den Trend hin zu einem zentralisierten Einkauf. Dadurch werden die herkömmlichen Vertriebs- und Marketingwege schwieriger. Für Agenturen bedeutet dies, dass sie ein gutes Preis-Leistungsverhältnis bieten müssen, aber auch Vordenker in der Branche sein und strategische Unterstützung bieten sollten. Und eine globale Aufstellung ist bei global operierenden Kunden immer wichtiger.

Daher findet derzeit bei den Agenturen durch Übernahmen und die Bildung strategischer Partnerschaften eine deutliche Konsolidierung statt. Wir bewerten diese Entwicklung als positiv, solange die Agenturen noch einen kreativen, individuellen und persönlichen Ansatz bei der Umsetzung von Events verfolgen, der auf die Vorteile der Kaufkraft großer Firmen, die globale Reichweite und die Flexibilität ausgerichtet ist, individuell auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen.

BCD M&E hat mehrere „kleinere“ Unternehmen mit komplementären Stärken in der EMEA-Region übernommen. Wir haben diese gewählt, da wir der Meinung waren, dass wir deren Kunden einen Mehrwert bieten oder weitere Produkte, Know-how oder Dienstleistungen für unseren eigenen Kundenstamm gewinnen können. Sogar müssen!

BCD M&E ist natürlich nicht die einzige Agentur, die diesen Ansatz verfolgt, und es ist interessant zu beobachten, dass andere große Reiseveranstalter wie AMEX, die Banks Sadler und HRG übernommen haben, folgen. Wir glauben nicht, dass diese Phase schon abgeschlossen ist, und wir sind gespannt, was die nächsten 18 Monate für die Agenturen bringen werden.

Man könnte voraussagen, dass es für die kleineren Agenturen noch schwieriger wird. Doch wir sind fest davon überzeugt, dass sie weiterhin eine Rolle spielen werden und es Anlass zu Optimismus gibt. Größere konsolidierte Agenturen werfen mehr „Gewicht“ in die Waagschale und können bessere Praktiken in der Branche durchsetzen, von denen am Ende aber alle profitieren.


“Es reicht inzwischen nicht mehr aus, ein Event zu organisieren. Wir müssen uns Gedanken über den Zweck einer Veranstaltung machen und was die Kunden durch das Event erreichen möchten”

Maritt Goedhart, BCD Meetings & Events


events: Welche Unternehmen haben Sie übernommen?

Maritt Goedhart: Wir haben zwei Agenturen mit Sitz in Großbritannien übernommen, Zibrant und Grass Roots M&E, und unsere Teams in Europa wurden dadurch um 350 M&E-Experten verstärkt. Beide Unternehmen haben einen beeindruckenden Ruf. Mittlerweile verfügen wir über 1.400 Mitarbeiter weltweit an Standorten in über 50 Ländern. Es sind gerade wirklich spannende Zeiten bei BCD M&E.

events: Wie beurteilen Sie die Situation im Eventbereich?

Maritt Goedhart: Es reicht inzwischen nicht mehr aus, ein Event zu organisieren. Wir müssen uns Gedanken über den Zweck einer Veranstaltung machen und was die Kunden durch das Event erreichen möchten, das im Zentrum ihrer Kommunikationsarchitektur steht. Wir müssen sicherstellen, dass alle Mitarbeiter Teil der Marketingbotschaft sind und sich entsprechend einbringen, sodass die Kernbotschaften weiterhin relevant bleiben, auch wenn die Veranstaltung längst zu Ende ist.

events: Spielt die oft falsch verstandene Digitalisierung von Events eine wichtige Rolle bei der komplexen Begleitarchitektur?

Maritt Goedhart: So entwickeln sich die Dinge nun einmal, und wir finden dies spannend. Bisher musste man sich nach Partnern umsehen. Doch inzwischen möchten Kunden alles aus einer Hand. Dafür benötigt man die richtigen Mitarbeiter mit umfassendem Know-how im eigenen Unternehmen.

events: Welche Rolle spielt das Instrument der Incentivereisen noch, nachdem es aus vielerlei Gründen diskutiert wurde, teilweise auch zu Unrecht? Sind Incentivereisen als isoliertes Projekt zu betrachten oder sind sie in einen größeren Rahmen eingebettet?

Maritt Goedhart: Wir sehen sie als Teil des Eventangebots, sie können einzeln oder als Bestandteil von größeren strategischen Programmen für Führungskräfte eingekauft werden. Wir sind diesbezüglich gut aufgestellt und können beides anbieten. Doch solche Incentivereisen im Premiumsegment sind normalerweise auf kleine, exklusive Teilnehmerkreise begrenzt. So etwa 30 Teilnehmer.

Lange Zeit wurde Incentivereisen keine Aufmerksamkeit seitens der Firmen geschenkt, da sie Bedenken in Bezug auf die Wahrnehmung und die Kosten für das Unternehmen hatten. Doch wir beobachten einen echten Aufwärtstrend in diesem Geschäft, und die Nachfrage nach exotischeren Reisezielen wächst, insbesondere im deutschen Markt. Länder wie Ruanda erscheinen nun neu auf dem Radarschirm.

events: Was ist die durchschnittliche Dauer von Fernreisen als Incentive?

Maritt Goedhart: Wir beobachten wieder eine Zunahme bei der Länge, die inzwischen bei sechs Nächten liegt. Doch wie gesagt, die tatsächliche Teilnehmerzahl ist eher niedrig. Unternehmen nutzen zudem eher Linien- anstelle von Charterflügen. Doch ganz gleich, was sie anbieten, es muss ein einzigartiges Erlebnis vermitteln.

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