Zu breite Alleen und leere Stände

ibtm china floppt und verkommt zur Kleinmesse

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Daniel Tschudy

Die Energie ist weg und die Freude irgendwie auch. Reed’s ibtm china hat sich innerhalb von zwölf Jahren zu einer Kleinstmesse ohne Flair entwickelt.

ICCA’s Asia-Pacific Regional Director, Noor Ahmad Hamid, stellte nach seinem Besuch an der laut Ausstellerkatalog „largest and most mature international expo in Asia“ ernüchtert fest:

Mein Abschlussbericht betreffend unseres Auftrittes und Engagements an der ibtm china erforderte keine 15 Minuten.

In der Tat hat man diesem Event schnell abgearbeitet und wer als Aussteller zwei Tage verpflichtet war, musste sich doppelt fragen, warum er überhaupt dabei war. Reed Travel Exhibitions hatte im Vorfeld die involvierten Projekt-Teams sowohl am Hauptsitz in England wie auch an der Peking-Zentrale durcheinandergewirbelt und das merkte man ziemlich schnell. Was vor einem Dutzend Jahren noch eine vibrierende Plattform für das gesamte damals noch junge chinesische MICE-Spektakel war, verkam zu einer lieblosen Veranstaltung mit zu breiten Alleen und leeren Ständen.

Gerade einmal 63 Hauptaussteller fanden sich Ende August im China National Convention Center ein zusammen mit ein paar Dutzend Untermietern. Weder war China als komplette Destination anwesend, noch die doch relevanten Nachbarländer Japan, Malaysia und Indonesien. Ebenso fehlte beispielsweise Thailand. Einzig Südkorea stellte sich groß auf und dazu sehr dezent Neuseeland und Sri Lanka. Für ausländische Besucher, ob eingeladen oder auf Eigeninitiative, lohnte sich ein Besuch bei diesen Verhältnissen schlicht überhaupt nicht.

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Daniel Tschudy

Denn entweder sollten sie eine breite Palette von panasiatischen Anbietern und Meinungsträgern treffen (was dann dem selbst formulierten Anspruch der Veranstalter entspräche), oder dann wenigstens die gesamte MICE-Industrie Chinas. Aber so waren das nur wenige Zufallsanbieter, die beispielsweise aus Nanjing, Wuxi oder Hangzhou kamen. Wenn wenigstens das komplette Peking anwesend gewesen wäre! Aber auch da gab es nur ein Dutzend Stände aus dieser doch immerhin 21,5 Millionen Einwohner starken Metropole. Dass das aus internationaler Perspektive nicht reicht, ist klar. Wenn das so weitergeht, dürfte diese Messe auch national nicht überleben. Oder nur, weil sie weiterhin mittels lokalpolitischem Druck am Leben gelassen wird.

Wenige sehen es trotzdem positiv; beispielsweise South Africa Tourism. Björn Hufkie, Manager Marketing Services, hatte einen prominenten Auftritt mit vielen Unterausstellern und zeigte sich entsprechend zufrieden. Irgendwie war Südafrika die große ausländische Star-Destination, direkt am Eingang platziert, und das zahlte sich aus. Da gab es schon ein bisschen Bewegung, ähnlich wie bei Macau oder eben Korea. Ob das zu spezifischen Anfragen oder gar Buchungen reicht, mag trotzdem bezweifelt werden.

Zusammengefasst fällt die Bewertung negativ aus: ibtm china war ein lokales Branchentreffen ohne Energie und mit wenigen Besuchern. Das Fazit wiegt schwer: Für europäische Besucher gibt es in dieser Form keinen Grund, nach Peking zu reisen. [2283]

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