Aufgespießt …

Gedankensplitter aus einem Gespräch mit Christian Mutschlechner

„Losgelöst vom täglichen Geschäft gibt es immer wieder die sogenannten „sexy periods“ und sexy wird eben jedes Mal anders definiert!“, sagt Christian Mutschlechner vom Wiener Convention-Büro und beschreibt damit leicht amüsiert die wechselnden „Trend-Themen“ in der Meeting-Industrie. Und teilt ein paar An- und Einsichten zu Branchenthemen.

Christian Mutschlechner
Christian Mutschlechner

Zum Thema „Trends und Risiken für die traditionelle Begegnungskultur“

Das Telefax wurde seinerzeit sozusagen der Fetisch der modernen Büro-Organisation und jeder hat gesagt: Mit dem Fax-Gerät wird die ganze zwischenmenschliche Begegnung sterben! Das war nicht der Fall. Dann kam das Internet, die absolute Mega-Gefahr und die Befürchtung, dass die Leute überhaupt nicht mehr reisen. Auch daran haben wir uns gewöhnt und wir reisen nach wie vor. Dann kam die Grün-Phase. Der Mega-Hype. Alles musste „green“ sein. Keiner hat aus seiner Box herausgeschaut. Jeder hat gesagt: Ich bin innerhalb meines Wirkungskreises „grün“. Was ich nach außen darstelle, kümmert mich nicht mehr, Hauptsache ich bin „grün“. Die regionale Nachhaltigkeit war überhaupt nicht gegeben. Und jetzt wird alles digitalisiert, aber keiner kann sich etwas Genaues darunter vorstellen. Customer Journey – ein anderer wunderbarer Begriff.

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Ganze Kongresse werden mit diesen Dingen abgehalten. All das hat natürlich zur Qualitätsverbesserung von Meetings beigetragen. Aber es gab bis dato und – ich bin überzeugt auch in der Zukunft! – nichts, was die persönliche Begegnung ersetzt. Ein Besuch im Wiener Kaffeehaus, wo ich mich mit meinem Freund treffe, ist durch nichts zu ersetzen und das wird auch immer so bleiben. In der langen Branchen-Erfahrung kennt man die Schweinezyklen. Veränderungsdruck war immer da, real oder künstlich erzeugt. Eines blieb immer gleich: Menschen mussten sich treffen um neue Dinge voranzubringen, zu besprechen.

Zum Thema „Marketing mit digitalen Instrumenten“

Es hat sich eigentlich nichts geändert. Natürlich kann ich Hunderttausende in digitale Werbung pumpen. In unserem Geschäft beweist sich immer wieder neu, wie wichtig der persönliche Kontakt ist zum Entscheidungsvorbereiter und zum Letztentscheider. Da spielt das alles keine Rolle. Sie können jedwede Technologie einsetzen, um einen Raum, eine Stadt, eine Struktur darzustellen. Sie müssen das letztendlich spüren. Sie müssen in dem Raum sein, um entscheiden zu können, ob er passt oder nicht. Das ist wie beim Autokauf. Man glaubt, dass ein Auto mit einem Motor, einer Bremse und vier Rädern fahren kann. Ob das mein Auto ist, weiß ich aber erst, wenn ich drinsitze!

Zum Thema „Treiber von Kongressen“

Die Treiber gehen uns nicht aus. Pro Jahr werden über 700 Verbände neu gegründet. Wir sind nämlich nicht die Treiber von Entwicklung, wir bedienen Entwicklungen, die aus dem Markt und der Wissenschaft kommen. Und die sind unerschöpflich.

Zum Thema „Der moderne Mensch an sich“

Irgendwie sind wir im anthropologischen Sinne multisensorisch konditioniert. Ja, wir sind Menschen. Obwohl man sich durchaus die Frage stellen kann, ob wir ganz am Ende nicht doch kaum etwas anderes als Viecher sind. Manchmal hat man schon den Eindruck, dass die modernen Tools die Menschen degenerieren. Weil keiner uns beigebracht hat, wie man sinnvoll mit solchen Dingen umgeht. Wir sind einfach da hineingefallen. Und leider haben wir sehr wenig Selbstkontrolle und Selbstdisziplin.

Zum Thema „Digital-Giganten“

Diese Giganten tragen nichts zur Wertschöpfungskultur von Gesellschaften bei. Die Frage ist doch: Warum wehren wir uns nicht, beziehungsweise schalten wir diese Dinger nicht einfach ab?

Das ökonomische Modell von Apple ist ja durchaus faszinierend: Mehr als 50% Gewinnspanne und die zahlen nicht einmal Steuern. Eigentlich sind wir als Menschen teilweise auch blöd. Anders gesagt: Wenn diese Konzerne in ähnlicher Form Steuern zahlen würden wie der kleine Unternehmer in einem Land, der keine Möglichkeit hat, außer Landes zu gehen – seien wir einmal bescheiden und sagen: 25%. Dann könnten wir der Menschheit schon viel Gutes tun. Was tun die eigentlich mit dem ganzen Geld? Die tun überhaupt nichts. Weil in dem Augenblick wo sie was tun, müssen sie Steuern zahlen. Das sind inaktive Milliarden, mit denen man auch im Bereich Klimaschutz oder Soziales Einiges bewegen könnte.

Zum Thema „Moderne Meeting-Formate“

Es wird immer Plenarvorträge geben, aber die spannende Frage wird sein, ob man den Vortragenden findet, der nicht sich selber spielt, sondern sich einfach auf die Bühne stellt und eine Aura ausströmt und Dinge so sagt, dass es mucksmäuschenstill wird im Saal.

Ich stelle erfreut fest, dass durch das zunehmende Involvement professioneller Moderatoren mit didaktischer Ausbildung die Realität von wissenschaftlichen Kongressen besser wird. Die Teilnehmer gehen wieder gerne zu einer Eröffnungssitzung. Traditionelle Elemente werden neu designt. Wissenschaftliche Gesellschaften machen auch mehr und mehr eigene Fortbildungen und die Vortragenden müssen durch ein Präsentations-Curriculum gehen. Früher haben Wissenschaftler einfach Wissen weitergegeben – wie immer das auch passierte. Da ist neue Qualität entstanden und vor allem: Professionalisierung.

Zum Thema „Hardselling“

20% der Kundengespräche drehen sich ums Faktische, um Bread & Butter sozusagen. Aber 80% drehen sich um gemeinsame Überlegungen und Strategien, wie Kommunikationsziele am effektivsten und auch kostenvernünftigsten erreicht werden können. Wir vermieten und verkaufen ja nix. Wir haben günstige Ratschläge. Und die sind umsonst.

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