Facettenreich: Die TV-Frau mit dem Hang zur Perfektion

events im Interview mit Judith Rakers

Judith Rakers(Bild: Anatol Kotte)

Politisch korrekt kennt man sie seit 2005 als „Tagesschau“-Sprecherin. Doch sie kann auch äußerst charmant und redegewandt sein – ob als Co-Gastgeberin der Fernseh-Talkshow „3 nach 9“ von Radio Bremen oder bei verschiedenen anderen Unterhaltungsformaten. Für die Moderation des Eurovision Song Contest in Düsseldorf zusammen mit Anke Engelke und Stefan Raab erhielt sie den Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „Beste Unterhaltung“. Auch in der Tourismusbranche fühlt sich Judith Rakers zuhause, z. B. bei der Eröffnungsgala der ITB Berlin 2018 oder bei der Dokumentation fremder Länder und Regionen, die sie in einer eigenen Reportage-Reihe portraitiert. Grund genug für events die TV-Moderatorin einmal näher kennen zu lernen …!

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Judith Rakers ist Journalistin, Fernsehmoderatorin und Sprecherin der Tagesschau im Ersten Deutschen Fernsehen. Schon während ihres Studiums (Publizistik und Kommunikationswissenschaft, Deutsche Philologie und Neuere und Neueste Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster) stellte sie die ersten Weichen für ihre mediale Präsenz: als Hörfunk-Moderatorin bei den NRW-Lokalsendern Radio Hochstift und Antenne Münster. Das Medium Magazin zeichnete Judith Rakers als eine der 100 Journalisten des Jahres 2010 aus. In ihrer Freizeit sucht die entspannte TV-Frau das Glück auf dem Rücken der Pferde.


events: Sie selbst sind ein Nordlicht. In Ihrer eigenen Reportage-Reihe für das NDR-Fernsehen portraitierten Sie z. B. die nordischen Inseln Rügen, Sylt, Föhr, Norderney, Amrum und Usedom. Was fasziniert Sie an den Inseln entlang der Nord- und Ostküste Deutschlands und was ist Ihre persönliche Lieblingsdestination?

Judith Rakers: Die Schönheit der Natur im Norden fasziniert mich. Und ihre Vielfältigkeit. Während das landschaftlich eher karge Sylt mit traumhaften Stränden und Dünen besticht, begeistert Rügen mich immer wieder mit den riesigen Wäldern, der Kreideküste und den satten und fruchtbaren Feldern und Wiesen. Bevor ich angefangen habe, die Nord- und Ostseeinseln für meine NDR-Reportagen zu erkunden, habe ich am liebsten Urlaub auf den Malediven, in Malaysia oder auf den Philippinen gemacht. Ich wusste schlichtweg nicht, was unsere eigenen Küsten zu bieten haben. Jetzt zieht es mich immer wieder nach Rügen, auf meine Lieblingsinsel. Das Gute liegt manchmal so nah.

events: Neben Ihrer Präsenz im TV als Tageschau-Sprecherin, Talkshow-Moderatorin und Reporterin ist Ihr zweites Standbein die Event-Moderation in ganz Deutschland. Worauf legen Sie bei einem Hotel wert? Was ist Ihnen nicht so wichtig? Worüber können Sie sich richtig ärgern?

Judith Rakers: Mir ist in erster Linie wichtig, dass ich im Hotel genauso gut schlafe wie zuhause. Ein ruhiges Zimmer mit einem bequemen Bett und frischer Luft macht mich eigentlich schon ziemlich glücklich. Ärgern kann ich mich über Fenster, die nicht zu öffnen sind, oder Klimaanlagen, die sich nicht ausschalten lassen. Und nachts über eine Minibar, die keine Schokoriegel enthält.

events: Und wie reisen Sie am liebsten?

Judith Rakers: Ich fahre sehr gern Zug, weil ich die Zeit dort immer ungestört zum Arbeiten nutzen kann. Und ich steige in den verschiedenen Städten gern in den mir bekannten Lieblingshotels ab. Dann ist die erste Nacht im fremden Zimmer nicht ganz so fremd.

ITB Berlin 2018 - Eröffnungsgala - Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern (r.) im Gespräch mit Judith Rakers, TV-Moderatorin
TV-Moderatorin Judith Rakers (l.) sprach auf der Eröffnungsgala der ITB mit Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern (r.). (Bild: Messe Berlin GmbH)

events: Bei Galas und auf Messen wird gerne opulent dekoriert, werden Promis eingeflogen, auf hohem Niveau bewirtet und leider auch ein großer Teil der Verkostung im Nachhinein wieder entsorgt. Was bedeutet für Sie das Thema Nachhaltigkeit? Wo versuchen Sie selbst umweltbewusst und ressourcenschonend zu sein? 

Judith Rakers: Nachhaltigkeit ist ja nicht nur in der Event-Organisation ein großes Thema derzeit. Es begegnet mir auch im Rahmen von Podiumsdiskussionen in den verschiedensten Branchen. Fast jede Preisverleihung, die ich moderiere, wartet mittlerweile auch mit einer Nachhaltigkeitskategorie auf. Das zeigt, dass die Sensibilität für das Thema Umwelt und Nachhaltigkeit geweckt ist und das ist gut. Trotzdem müssen wir aufpassen, dass das Thema nicht nur als Feigenblatt fungiert. Wenn z. B. riesige Teppiche für Veranstaltungen angeschafft und bedruckt werden, die nach nur einer Nacht auf dem Müll landen, dann bekommt auch die in dieser Nacht prämierte Nachhaltigkeitskategorie einen schalen Beigeschmack. Ich glaube, dass wir da noch viel tun können, um kohärenter zu handeln. Aber privat geht es mir natürlich genauso: ich trenne z.B. Müll, verzichte auf Plastiktüten im Supermarkt, aber hole mir eben doch auch manchmal einen Coffee-to-go im Wegwerfbecher. Das ist auch nicht wirklich vorbildlich.

events: Sie haben kürzlich auf ihren Social-Media-Kanälen einen engagierten Aufruf zur Organspende veröffentlicht, der dann am nächsten Tag auch von der Presse aufgegriffen wurde. Warum liegt Ihnen das am Herzen?

Judith Rakers: Es entspricht meiner tiefsten überzeugung. Ich persönlich trage schon seit mehr als 25 Jahren einen Organspendeausweis bei mir, weil ich davon überzeugt bin, dass es richtig ist, seine Organe zu spenden. An dem Abend, an dem ich über Facebook und Instagram spontan den Aufruf gestartet habe, hatte ich in der 20-Uhr-Tagesschau die Meldung, dass die Zahl der Organspender in Deutschland derzeit so niedrig ist wie schon seit 20 Jahren nicht mehr. Weniger als 800 Menschen spendeten im vergangenen Jahr ihre Organe – 797, um genau zu sein. Und jedes Jahr sterben Menschen, denen ein Spenderorgan das Leben hätte retten können. Wenn ich durch meinen Aufruf auch nur eine einzige Person davon überzeugen konnte, ebenfalls zum potenziellen Spender zu werden, hat es sich schon gelohnt.

events: Sie äußerten in einem Interview einmal, dass Ihre größte Schwäche die Perfektion sei. Ist es nicht gleichzeitig auch eine Ihrer größten Stärken, wenn man sich Ihren beruflichen Werdegang einmal näher ansieht?

Judith Rakers: Ja, alles hat zwei Seiten. Natürlich. Ich setze mich mit dem Wunsch, alles möglichst perfekt zu gestalten, manchmal unter unnötigen Druck, weshalb ich diese Eigenschaft oft verfluche. Aber die Teams, in denen ich arbeite, und meine Auftraggeber schätzen natürlich genau das. Das Schöne ist, dass ich mit zunehmendem Alter offenbar entspannter werde in dieser Hinsicht (lacht). Und das ist dann jaa auch gut.

events: Apropos Schwächen: Was sind die größten Fehler bei einer Moderation?

Judith Rakers: Der Perfektionist in mir sagt jetzt: Schlechte Vorbereitung. Ich würde keine Podiumsdiskussion moderieren und kein Interview führen, auf das ich mich nicht 100prozentig vorbereitet habe. Für mich ist das dann auch das sichere Fundament, um mit Humor und Schlagfertigkeit, die sich ja oft aus der spontanen Situation ergeben, nicht ins Fettnäpfchen zu treten.

events: Ihr jüngster Karriere-Step, die Gründung von JukersMedia, einer eigenen Produktionsfirma zusammen mit Endemol Shine Germany. Wie wichtig ist Kreativität für Sie? Welche Formate wollen Sie zukünftig selbst produzieren?

Judith Rakers: In Ihrer Frage sprechen Sie den Grund für die eigene Produktionsfirma bereits an: Kreativität. Ich gestalte gern und habe ständig Ideen, die ich mit meiner Firma nun auch umsetzen kann. Wir entwickeln mit JukersMedia Formate für den klassischen TV-Bereich und liefern bei Bedarf auch Bewegtbildmaterial für den Event-Bereich – vom Trailer bis zum Einspielfilm und der anschließenden Event-Dokumentation.

events: Vor rund 1,5 Jahren machten Sie erstmals einen kleinen Ausflug in Richtung Schauspiel und drehten an der Seite von Til Schweiger den Tatort Fegefeuer. Wie kam es dazu und dürfen wir in Zukunft mehr solcher Auftritte erwarten?

Judith Rakers: (lacht) Nein, ich werde nicht ins Schauspielfach wechseln. Ich bin mit Tagesschau, Talkshow, dem neuen ARD-Format “Kriminalreport”, den Reportagen, meiner Firma und den Event-Moderationen auch wirklich genug ausgelastet. Ich bin mit der Mini-Rolle im Tatort dem Wunsch meines Senders nachgekommen. Es hat Spaß gemacht, war aber nur ein Ausflug in die Traumfabrik. Das reale Leben finde ich am Ende spannender.

events: Ihre Leidenschaft gilt bekanntermaßen den Pferden. Helfen Ihnen ein morgendlicher Ausritt oder ein paar Tage Reiterferien den anstrengenden Beruf auszugleichen?

Judith Rakers: Frühmorgens bringen mich ehrlich gesagt noch nicht einmal zehn Pferde freiwillig aus dem Bett. Wenn ich Ausgleich von meinem Beruf, den anstrengenden Nacht- und Frühschichten bei der Tagesschau suche, dann schlafe ich erst mal richtig aus. Aber dann gerne raus in die Natur. Mit Pferd über die Felder und Hindernisse jagen. Das macht mich in Lichtgeschwindigkeit glücklich und frei.

events: An dieser Stelle würden wir gerne einmal von Ihnen wissen, was Sie schon immer einmal loswerden wollten …

Judith Rakers: Ich habe nach Event-Moderationen kein Verständnis für Minibars ohne Schokolade. Sagte ich das schon? (lacht) [6043]

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