Interview mit planworx Vorstandsmitglied Christian Münch

Ein Besuch bei planworx in Schwabing

planworx-30-Jahre
(v.l.n.r.): planworx Geschäftsführer Christian Münch und Chris Boehm-Tettelbach

Die Agentur planworx feiert 30-jähriges Jubiläum. Und scheint immer wieder gute Ideen zu haben, sonst wäre diese „Überlebensbilanz“ in mitunter rauen Zeiten schwer möglich gewesen. Auf der Toilettentür steht sinnigerweise der Spruch: Ideas can happen in the most unlikely places.

Wie wahr. 60 Mitarbeiter am Standort München können diesen Satz täglich neu verinnerlichen. Und sich nun auch am Erfolg beteiligen: Die Agentur wurde gerade in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Was macht planworx eigentlich aus? Seit einigen Jahren verlassen sich mittelständische und global agierende Unternehmen offenbar zunehmend auf planworx, wenn es darum geht, Change-Prozesse mit maßgeschneiderten Tools und stringent konzeptionierten Events zu unterstützen. Für die nachhaltige Kommunikation der Unternehmensstrategie bei Mitarbeitern und Partnern liefert planworx interaktive, digitale und maßgeschneiderte Tools, um das Storytelling über einen Methodenmix erlebbar zu machen und Content optimal zu inszenieren. Credo: die vier großen „C“: Concentrate, Contemplate, Collaborate and Communicate. Vorstandsmitglied Christian Münch:

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Was uns vom Markt unterscheidet ist, dass wir heute schon 4.0 arbeiten. Wir haben die Vertrauensarbeitszeit und die freie Arbeitsplatzwahl eingeführt, die Präsenzpflicht aufgehoben. Es wird zu 95 % papierlos gearbeitet!

Münch ist verheiratet und hat eine achtjährige Tochter. Sein Handwerk hat er auf der Berufsakademie Ravensburg gelernt und anschließend bei der Münchner Messe und in einer Event-Agentur gearbeitet bis er im Jahr 2000 bei planworx einstieg. Im Gespräch mit events teilt er seine Ansichten über das Agenturgeschäft, alte Hüte und moderne Kleider.

events: 30-jähriges Agenturjubiläum, das ist in der deutschen Agenturszene durchaus ein bemerkenswerter Zeitraum. Sie sind als geschäftsführender Gesellschafter seit 2001 an Bord. Was hat sich von 2001 bis 2018 eigentlich so alles verändert?

Christian Münch: Nun, wir haben in der Agenturlandschaft alle ein kontinuierliches Up and Down erlebt. Von Goldgräberzeiten, in denen Budgets keine Rolle spielten und so mancher Kleinstagentur-Inhaber von heute auf morgen im Maserati saß, bis hin zur wachsenden Macht der Einkaufsabteilungen. Wir haben uns in der Zeit ebenso kontinuierlich anpassen und professionalisieren müssen. Inhalte haben eine stärkere Bedeutung bekommen und so mussten wir, um zu überleben die Lücke finden, ein deutliches Upscale unseres Geschäftsmodells durchführen. Wir sind von der reinen Umsetzung in die Beratung gegangen und wir merken, dass genau das am Markt gefragt ist. Im traditionellen Umsetzungsbereich tummeln sich einfach zu viele.

Zitat-Christian-Muench

events: Dass eine Livekommunikations-Agentur einmal in der Lage sein wird, klassische Beratungshonorare, Tagesätze u. ä. zu berechnen, war vor einigen Jahren noch Wunschdenken. Das ist angekommen?

Christian Münch: Zumindest auf einem guten Weg. Die Digitalisierung – Stichwort Industrie 4.0 – ist ein zentrales Thema, das unsere Kunden beschäftigt. Dass wir da ansetzen und unsere Beratungsqualität ins Spiel bringen können, ist ein tragfähiges Asset für die Zukunft.

events: Ist die Digitalisierung mehr als ein kurzlebiger Hype für die Live-Kommunikation?

Christian Münch: Wir haben den Anspruch, die modernste Agentur Deutschlands zu sein und für uns ist das kein Hype. Im Gegenteil: Ich glaube, dass sich jedes Unternehmen, ob klein oder groß, damit sehr intensiv auseinandersetzen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben in Zeiten der Globalisierung. Wir haben mächtige IT-Unternehmen, auch amerikanische, die hier ihre Dependancen haben. Zu unseren Kunden zählen Microsoft, Intel, Fujitsu, IBM – all diese Schwergewichte, die hier als Treiber unterwegs sind. Auch in der Automobilindustrie, für die wir arbeiten, stellen wir fest, dass die sich gerade mächtig ins Zeug legt, um Digitalisierungs-Rückstände aufzuholen.

events: Inwiefern ist das Digitale eigentlich umsetzungsrelevant bei Maßnahmen in der Live-Kommunikation?

Christian Münch: Natürlich werden Events an sich auf der Begleit-Ebene immer digitaler. Denken Sie an Abstimmungs-Tools oder Präsentations-Tools bis hin zu 3D. Aber ich glaube, unsere Aufgabe ist nicht der Event an sich, sondern viel mehr, Unternehmen auf dem Weg in die Digitalisierung zu begleiten, Mitarbeiter abzuholen und mitzunehmen in die Zukunft. Wir überlegen uns, wie es gelingt, Mitarbeiter gut mit auf die Reise zu bringen, neue Werte zu leben und helfen dabei den Firmen, die Menschen nicht zu verlieren.

events: Sie setzen auf und bieten an Basis-Knowhow für Kunden, die sich in punkto Digitalisierung von starren Prozessen aus auf den Weg machen oder dort im Geschäftsmodell bereits zuhause sind?

Christian Münch: So ist es.

events: Bestimmt der Einkauf eigentlich alles?

Christian Münch: Es gibt bei unseren Kunden alles. Da gibt es Unternehmen, da hat der Marketingleiter das letzte Wort und kann auch Einkaufsentscheidungen wegen der Qualität überstimmen und dann gibt es andere wo wir denken: Wahnsinn, so eine große Veranstaltung alleine am Preis fest zu machen! Zunehmend stellen wir Gott sei Dank fest, dass Unternehmen die Grenzen, ab denen der Einkauf einbezogen werden muss, wieder weiter stecken. Bei einigen Kunden liegt die Marke schon wieder bei 100.000 Euro, bis zu der die Fachabteilung selbst entscheiden darf. Da hat man offenbar dazu gelernt.

events: Wo pitchen Sie eigentlich mit und wo nicht? Und welche Veränderungen stellen Sie fest?

Christian Münch: Wir haben auch da alles durchlebt und anfänglich jeden Pitch mitgenommen ohne zu hinterfragen, wie viele beteiligt sind und ob es Pitch-Honorare gibt. Mittlerweile analysieren wir jeden Pitch im Pitchanalyse-Flow. Und entscheiden nach Überschaubarkeit des Teilnehmerfelds, der Möglichkeit zum persönlichen Re-Briefing und ab einer gewissen Summe wollen wir auch die Möglichkeit, das Konzept persönlich vorzustellen. Gewisse eng gefasste Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Was sich im Wesentlichen verändert hat, ist die Bedeutung des Re-Briefings. Wir geben keinen Pitch mehr ab, ohne ein persönliches Re-Briefing mit dem Kunden geführt zu haben, damit wir alle Nuancen und Zwischentöne auch verstanden haben, ehe wir beginnen zu arbeiten. Seitdem wir das so konsequent praktizieren, hat sich unsere Erfolgsquote von 33 % auf über 50 % entwickelt!

events: Lassen Sie uns vor dem Hintergrund „30 Jahre“ einmal kurz über alte Hüte und neue Kleider sprechen und: Wo liegt die Zukunft für eine strategisch aufgestellte Agentur – und nur die kann ja letztlich auch Zukunft haben?

Christian Münch: Früher war unsere Hauptaufgabe, einen stringenten roten Faden zu entwickeln, der sich meistens erschöpfte in schöner Dekoration, guter Grafik, gutem Catering usw. Das aber kann mittlerweile fast jeder in der Dienstleistungskette und bietet es auch an. Heute ist es die inhaltliche Komponente, die den Unterschied macht. Wie mache ich Unternehmenswerte, Botschaften, Produkt-Features vor Ort erlebbar, wie fühlt sich das an? Viel mehr Budget als früher fließt heute auf Kundenseite in eine dreißigminütige Präsentation – die absolut „sitzen“ muss. Darauf muss alles einzahlen.

events: Wenn man heute zunehmend Beratungskompetenz verkauft, dann muss das auch einen Einfluss auf Recruiting und Mitarbeiterstruktur haben. Stichworte Psychologie, Taktik, Pädagogik und zwar nicht nur „angelernt“ – wie sieht das aus, wenn man dem anspruchsvollen Kunden als Agentur auf Augenhöhe begegnen will und muss?

Christian Münch: Absolut richtig. Das Mitarbeiterprofil bei uns hat sich verändert. Wir holen uns zunehmend Digital-Spezialisten und Strategen an Bord. Wir haben beispielsweise auch Mitarbeiter, die den Master in SCRUM-Arbeitstechniken gemacht haben. (Anmerkung der Redaktion: SCRUM = neue Arbeitsmethodik aus den USA, mit der man u. a. schneller und effektiver Zusammenarbeit organisiert oder Produkteinführungen entwickelt.)

events: Thema Technik und Didaktik als sich ergänzende Komponenten in der Live-Kommunikation: Werden die technischen Materialschlachten zunehmen (3D, Holografie usw), wird der Kostenanteil dort höher? Wie schätzen Sie das Verhältnis Kreation, Didaktik, Raum, Technik ein?

Christian Münch: Zwiespältig. Da gibt es zum einen die große Inszenierung, das Plenum, wo der Vorstand vor einem ausgewählten Kreis spricht. Da wird sehr viel Wert auf Präsentationstechnik und Innovation gelegt. Wenn man ans Arbeiten geht, vor allem in Kleingruppen, dann wird die Technik zunehmend weniger relevant. Es kann auch sein, dass traditionelle Arbeitsmethoden wie beschreibbare Wände, Whiteboards wieder gefragt sind, um Dinge schnell und effektiv auf den Punkt zu bringen. Manchmal unterstützt von Scribblern, die den Workshop begleiten und dokumentieren.

events: Ein stärkerer Akzent auf Content heißt: Weniger exotische Trips, weniger Luxus, weniger feiern?

Christian Münch: Ja, Content ist King. Die Message zählt 1.000 Mal mehr als das Drumherum. Man geht nur noch nach Übersee, wenn ganz große Leistungen ausgeschrieben und belohnt werden. Botschaften effizient vermitteln kann man überall ohne aufwendig zu reisen. Ich glaube, dass es bei der Eventausschreibung zunehmend einerseits starke Strategie-Agenturen geben wird und komplementär die ausführenden Logistiker. Den Bauträger sozusagen und die daran hängenden Einzelgewerke

events: Wie relevant sind Fachmessen noch für Sie?

Christian Münch: Ich brauche sie nicht, bin eher oft enttäuscht und fühle mich meist meiner Zeit beraubt. Für Famtrips gilt das Gleiche, aber es gibt Ausnahmen.

events: Compliance – wie stellt sich die Situation für planworx heute dar?

Christian Münch: Entspannter als noch vor ein paar Jahren. Man weiß heute, wie man damit umzugehen hat. Die Diskussion hat sich versachlicht. Rechtzeitige Abstimmung mit den Unternehmen hilft, richtig beraten zu können. Und übrigens: Fünfsterne-Hotels sind überhaupt kein Problem!

events: Ball der Eitelkeiten: Schmücken Sie sich eigentlich mit Branchen-Awards?

Christian Münch: Abgesehen von zwei neutralen großen Auszeichnungen sind wir eigentlich „priceless happy“! Wir machen keinerlei Einreichungen für Awards und stecken Zeit und Geld lieber in andere Dinge. Solche Awards sind für Kunden kaum noch relevant und aus den Agenturfragebögen mittlerweile weitgehend verschwunden. Man hat sie als inflationär und teilweise wenig aussagekräftig erkannt.


Über planworx:

1987 in München als Reise-Agentur gegründet, spezialisiert auf Firmenreisen, Film- und Fotoproduktionen sowie Kongresse. Zehn Jahre später sichert man sich in der unternehmerischen Rock ‘n’ Roll Ära die europäischen Merchandise-Rechte für Konzert-Tourneen von Stars wie den Rolling Stones und Tina Turner, bevor mit dem Fokus auf internationale Konzerne die nächste Stufe der Unternehmensentwicklung beginnt. 2000 wird Christian Münch Gesellschafter und zweiter Geschäftsführer, 2005 zieht planworx auf die Münchner Praterinsel und vermarktet 2010 die Veranstaltungsflächen auf der Praterinsel über die Tochterfirma Praesidion GmbH. 2011 wird die Agentur zum besten Arbeitgeber in München gekürt. 2013 zeichnet das Deutsche Institut für Service-Qualität planworx als „Beste Eventagentur Deutschlands“ aus. planworx ruft mit dem Praterstrand einen legendären Sommer-Hotspot ins Leben, den in den sonnigen Monaten ca. 300.000 Gäste frequentieren. 2016: Umzug von der Insel in die Parkstadt Schwabing und Umbau nach dem Arbeitsmodell 4.0. Eine komplett neue IT-Infrastruktur ermöglicht die 100 prozentige Digitalisierung. [4199]

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