Erfahrungen einer Eventmanagerin:

Du bist Eventmanager? Ohje, du arme….

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Laut Forbes-Magazin gehört der Job als Eventmanager zu den Top 5 der stressigsten Berufe der Welt¹. Woher kommt das? Können neue Denkansätze in der Branche vielleicht Rahmenbedingungen schaffen, mit denen die Attraktivität eines ehemals schillernden Berufsbildes für Arbeitnehmer, Aussteiger und Neueinsteiger wieder wächst? Lesen Sie hier einen Beitrag von Sara Pamina Bartsch, der sicherlich Diskussionsstoff bietet und den einen oder anderen Arbeitgeber durchaus herausfordern könnte, seine Sicht der Dinge darzustellen.

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Ja, Eventmanager sind klasse: Sie sind kreativ, organisiert und aufgeschlossen. Sie entscheiden sich für diesen Beruf, weil sie Herausforderungen lieben, gerne Erlebnisse für Menschen kreieren, Veränderungen leben und mit den unterschiedlichsten Charakteren gerne zusammenarbeiten. Spaß und Leidenschaft sind die Grundantriebe zur Berufswahl und haben in der Vergangenheit dafür gesorgt, dass hohe Belastungen relativ klaglos hingenommen wurden. Als Arbeitnehmer und Freelancer bringen sie eine hohe Eigenmotivation, Stressresistenz, gute Kommunikationsfähigkeiten und vielzählige weitere Fähigkeiten mit. Damit sind sie ein Traum für Arbeitgeber. Die allerdings in unserer Branche selbst häufig so unter Zeit- und Kostendruck stehen, dass der verantwortungsvolle Umgang mit dieser wertvollen Ressource Mensch im Alltag gewaltig vergessen bzw. nicht beachtet wird.

Oft stehen für Arbeitgeber der Prestigegedanke von Events sowie Gewinnmaximierungen im Vordergrund. Dabei sollten doch gerade im Wandel von einer Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft und angesichts des Fachkräftemangels die Mitarbeiterorientierung und zeitgemäße Rahmenbedingungen für Personal wieder stärker im Vordergrund stehen. Nur wenige Arbeitgeber erkennen allerdings den Wandel im Arbeitsmarkt. Sie reden zwar viel von Employer Branding, übersetzen das aber nicht in den Arbeitsalltag und daher nimmt die Attraktivität der Eventbranche für immer mehr potentielle Interessenten ab.

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Da hat sich etwas herumgesprochen!

Frühere Aussagen wie: „Du bist Eventmanager? Oh wow, das ist bestimmt ein wahnsinnig spannender Job“ verwandeln sich in Sätze wie: „Ohje, du Arme“ oder: „Freizeit ist dann ja eher ein Fremdwort für dich“. Überstunden, Ausbeutung, komplette Erschöpfung bis zum Burnout sind keine Seltenheit mehr, sondern gehören zum allgemeinen Alltag eines Eventmanagers. Nach der Einhaltung der Arbeitsschutzgesetze fragt niemand. Die Fürsorgepflicht wird von vielen Arbeitgebern systematisch verletzt, obwohl jeder Eventmanager optimale Fähigkeiten und Voraussetzungen mitbringt. Die Fluktuation ist mittlerweile hoch, denn jeder versucht, aus der Überforderungsfalle zu fliehen und DEN passenden Arbeitgeber zu finden. Nach sechs Monaten dann oft die Erkenntnis: Oh je, ich bin schon wieder in die Falle getappt. Die Fachkräfte steigen schließlich aus dem Beruf aus, suchen sich bessere Rahmenbedingungen beim Kunden und auch die Neueinsteiger merken schnell, dass die aktuellen Rahmenbedingungen nicht zu ihren Zukunftsvorstellungen passen.

Die Generation Z sind aktuell die jungen Eventmanager und Einsteiger und die gehen mit ganz anderen Vorstellungen ins Arbeitsleben. Sie sind geprägt von Selbstbewusstsein, Digitalisierung, neuen Werten und müssen ganz anders motiviert werden, als die Generationen zuvor. Auch hier gilt es, Wandel und Trends zu erkennen und für sich als Arbeitgeber zu nutzen. Der Job als Eventmanager gehört zu den Top 5 stressigsten Berufen der Welt Die Frage stellt sich jedoch, ob das zwangsläufig so sein muss. Wie können Agenturen heute noch junge Menschen begeistern und vor allem halten, wie auch erfahrene Projektmanager in den stressigen Alltag langfristig einbinden?

Das Mindset muss verändert werden

Die Eventbranche wächst und es gibt viele unterschiedliche Arten, den Beruf eines Eventmanagers auszuüben. Die Kernkompetenz liegt jedoch nach wie vor beim Organisieren und Strukturieren von Prozessen. Warum aber werden Fähigkeiten wie Organisation und Struktur nicht auch eingesetzt, um die Rahmenbedingungen für angestellte Eventmanager zu optimieren? Die Herausforderungen an die Fähigkeiten eines Eventmanagers steigen nämlich mit jedem neu dazukommenden Trend und auch die Kunden werden immer fordernder. Eine klare Unternehmensvision- und -struktur könnten das Handeln und den Umgang mit Kunden vereinfachen. Die Ressource Mensch und auch die Digitalisierung sollten neu betrachtet und die Vorteile für die Zusammenarbeit genutzt werden.

Die Zeiten der Discount-Preise und des absoluten Kapitalismus sind vorbei. Was wäre, wenn Agenturen mit größeren Teams und mehr in Schichten arbeiten würden? Wäre die Gewinnspanne langfristig kleiner, würde die Qualität der Events abnehmen? Wohl eher nicht. Viele Gewerke wie auch Locations der MICE Branche arbeiten bereits mit diesen Systemen und sind trotzdem erfolgreich. Die Studie zum Fachkräftemangel der Technischen Universität Chemnitz von 2018 lädt zu einem aktiven Mindset-Wandel der Arbeitgeber in der Eventbranche ein und gibt einen guten Überblick über die aktiven Handlungsfelder.

Mehr Miteinander von Jung und Alt

Eventmarketing gehört immer noch zu den Wachstums-Disziplinen und immer wieder werden neue Agenturen gegründet. Viele achten bei der Neugründung vor allem auf die Arbeitsbedingungen und ihnen ist bewusst, dass sie erfahrenes und hochwertiges Personal an sich binden müssen. Nur mit gutem Personal sind schließlich auch Existenzsicherung und Wachstum garantiert. Umso wichtiger ist eine Veränderung im Denken für viele etablierte Agenturen, um weiter am Markt wettbewerbsfähig zu bleiben. Nicht nur die Generation Z profitiert von Veränderungen der Arbeitsbedingungen. Je älter Eventmanager werden, desto mehr ist ihnen die Notwendigkeit zur qualitativen Nutzung der eigenen Lebenszeit bewusst und je mehr Berufserfahrung ein Eventmanager hat, desto wertvoller ist er für Arbeitgeber und den Eventmarkt. Jung und alt sollten im Arbeitsalltag mehr miteinander statt gegeneinander arbeiten. 2060 wird jeder Dritte in Deutschland über 60 Jahre alt sein. Alleine hier zeigt sich, wie notwendig der Wandel ist.

Ein Generationen übergreifendes Miteinander stellt eine wichtige Chance für die Branche dar. „Es wird nötig sein sich zu zeigen und dafür zu sorgen, dass die Würde von Menschen nicht länger mit Füßen getreten, verletzt und untergraben wird.“² Floskeln wie: „Das war schon immer so… die Eventwelt ist halt so, entweder du liebst es oder du hasst es … früher haben wir noch mehr gearbeitet…“ sind einfach nicht mehr zeitgemäß und sollten überdacht werden. Es wird Zeit zu handeln und für das eigene Wohlergehen, die eigene Würde und die Würde anderer aufzustehen und eine Lösung für die aktuellen Herausforderungen zu finden. Langfristig gesehen kann mit einer überfälligen Optimierung der Arbeitsbedingungen das Potenzial aller Generationen besser genutzt werden. [6990]

Bei Interesse können Sie hier die Studie der TU Chemnitz anfordern: https://www.studieninstitut.de/studien-und-reports

Quellenangaben:

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Absolut! Das stimmt! Viele Player der Branche reden eine Menge von Employer Branding, übersetzen das aber nicht in den Arbeitsalltag. Die meisten vergessen dabei, dass vor allem unternehmerische Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle für das Employer Branding spielt.

    Zur Arbeitgebermarkenbildung gehört die Integration von Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft. Diese Unternehmen sind beim Recruiting schnell weit vorne. Mit transparent belegbaren und glaubwürdigen CSR-Kampagnen werden Unternehmen attraktiv für neue Talente, die nur kommen, wenn sie sich mit dem Unternehmen identifizieren können. Verbindlichkeit ist hierbei der Treiber zwischen Rhetorik und Realität! Denn diese schauen sehr genau hin, wie und in welchem Maße und wie ernst die Arbeitgeber in der Veranstaltungswirtschaft ihre gesellschaftliche Verantwortung nehmen. Nachhaltigkeitslethargiker sind leicht erkennbar. (Link von der Redaktion entfernt.)

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