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events im Gespräch mit Branchenexperten

Die MICE-Branche im Krisenmodus: Überlebenskampf

Last des Coronavirus(Bild: photoschmidt - stock.adobe.com)Die Auswirkungen der Corona-Krise treffen die deutsche Veranstaltungs-Branche derzeit in ihrer gesamten Breite. Ab der zweiten Jahreshälfte könnte es nach Einschätzung von Wirtschaftsforschern allmählich wieder aufwärts gehen. Solange jedoch müssen alle Beteiligten noch einen langen Atem haben und sich weiterhin auf die veränderten Bedingungen einstellen. Keine leichte Aufgabe, zumal nicht absehbar ist, wann der momentane Ausnahmezustand wirklich endet und ein „normales“ Geschäft wieder möglich sein wird. events hat vor einigen Wochen namhafte Markt-Player u. a. zu Umsatzeinbrüchen, Personalaufstellung und geschäftlichen Perspektiven für die Zukunft befragt.


events im Gespräch mit:

  • Georg Broich, Geschäftsführender Gesellschafter Broich Premium Catering GmbH
  • Robert Hansmann, Geschäftsführer upstairs GmbH
  • Dr. Achim Stegmann, Geschäftsführender Gesellschafter / Managing Director welcome Veranstaltungs GmbH
  • Marc Mundstock, Geschäftsführer AXICA Kongress- und Tagungszentrum
  • Ingo Stegmann, Geschäftsführer / Managing Director Intercom GmbH
  • Peter Gastberger, Visionär und Geschäftsführer Eventresort scalaria am Wolfgangsee
  • Vera Viehöfer, Director Live-Marketing EREIGNISHAUS und Vorstandsmitglied des FAMAB Kommunikationsverband e.V.
  • Christian Eichenberger, CEO der Party Rent Group AG und Geschäftsführer von Party Rent Frankfurt

Mit welchen Einbußen hatten Sie bisher zu rechnen, wie ist die derzeitige operative/personelle Aufstellung?

Christian EichenbergerChristian Eichenberger: Wir haben einen Umsatzeinbruch von 96 bis 98 %. Daher verlieren wir aktuell pro Monat einen Jahresertrag. Teile der Belegschaft sind in Kurzarbeit. Da jedoch bereits Veranstaltungen für Ende 2020, Anfang 2021 geplant werden, können wir nicht für alle Kollegen davon Gebrauch machen. Über die Hälfte der Personalkosten laufen also weiter.

Vera ViehöferVera Viehöfer: Im März erreichten uns die ersten Absagen, diese betrafen zunächst das Thema der Messen. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch den Hoffnungsschimmer, dass das zweite Quartal vielleicht nicht ganz der Pandemie zum Opfer fällt. Nach und nach wurden dann alle Live-Formate abgesagt und die aktuellen Verbote begleiten uns ja mindestens bis zum 31.08.. Zum Glück haben wir uns als EREIGNISHAUS sehr früh, sehr breit aufgestellt, sodass bereits vor Corona digitale Formate zu unserem Portfolio gehörten. Gemeinsam mit unseren Kunden haben wir schnell die Ziele und Zielgruppen in den Fokus gestellt und hierfür die besten Lösungen gefunden. Es leidet ja nicht nur die Branche, es leiden auch die Unternehmen, die Live als einen der wichtigsten Kanäle für sich entdeckt haben, um in Verbindung mit Kunden und Interessensgruppen zu bleiben. Im EREIGNISHAUS ist das ganze Team noch aktiv, wenn wir auch auf Grund der veränderten Auftragslage und Budget-Einbußen individuell und aufgabenbezogen Kurzarbeit in Anspruch nehmen.

Georg BroichGeorg Broich: 98 % bis Ende August. Wir haben 90 % unserer 230 Mitarbeiter in Kurzarbeit.

Peter GastbergerPeter Gastberger: Dass wir seit Ende Februar / Anfang März keine Veranstaltungen und Gäste beherbergen, unser Team in Kurzarbeit ist und wir einen Teil der Mitarbeiter abgebaut haben, dürfte wenig überraschend sein. Seit der Betriebsschließung Anfang März 2020 tätigen wir auch keine Umsätze. Es ist wie beim Fallschirm, der funktioniert auch nur, wenn er offen ist…

Robert HansmannRobert Hansmann: Seit Beginn der Krise haben wir uns mehr oder minder mit Stornierungen und Verschiebungen von Events beschäftigt. Die gute Nachricht ist, dass alle Beteiligten meist sehr kooperativ und lösungsorientiert vorgehen, was in der Regel immer gute Resultate für alle Stakeholder erbracht hat. Aktuell stehen wir in den Quartalen 2 bis 4 vor einem Umsatzrückgang von rund 80% gegenüber dem Vorjahr. Aufgrund der exzellenten digitalen Infrastruktur der Agentur konnten wir unsere Arbeit nahtlos ins Homeoffice verlagern, so betreut das Agentur-Team die Projekte derzeit vom Sofa & Co. Aktuell arbeitet das gesamte Agentur-Team in Kurzarbeit in unterschiedlichen Staffelungen.

Dr. Achim StegmannDr. Achim Stegmann: Der Shutdown im März war für alle radikal, rasant und umfassend. Wir hatten in den ersten beiden Monaten gerade Fahrt aufgenommen, um in der ungewissen Zwischenphase vor dem Lockdown zwischen Vollgas und Vollbremsung gefährlich zu schlingern. Dann Shut und Schluss: alles storniert, abgesagt oder verschoben. Vernünftig mit Kunden und Partnern reden hat geholfen, einen fairen finanziellen Ausgleich für beide Seiten zu finden. Natürlich bei allem nur ein Bruchteil dessen, was das Ergebnis einer geplanten Durchführung ergeben hätte. Seit April sind die Kolleginnen und Kollegen in Kurzarbeit. Homeoffice und Video-Meetings wurden schnell gelernt. Die Krise hat uns nach dem ersten Schock motiviert, notwendige Veränderungen unseres eigenen Business mit Kreativität, Mut und auch finanzieller Investition zu begegnen. In dem Jahr unseres 25-jährigen Bestehens fühlen wir uns nun als echtes Start-up: Viel Arbeit. Viel Enthusiasmus. Kein Verdienst. Aber: Die zarten Pflänzchen eines Changes beginnen langsam Früchte zu tragen. Wir schaffen das.

Marc MundstockMarc Mundstock: Wir haben, hatten trifft es eher, ein gutes Jahr mit einem sehr guten Buchungsvorlauf vor uns. Großer Optimismus im Team und gute Zahlen.

Ich rechne mit einem Umsatzverlust in 2020 von 5 Millionen und damit ca. 2/3 des Geschäfts, welches wir normalerweise machen bzw. budgetiert haben. Das trifft uns unfassbar hart. Noch viel härter wird es uns treffen, wenn es um eine belastbare Prognose für 2021 geht. Was budgetieren wir denn? Hoffnung, Realismus oder Weltuntergang? Das Team steht eng zusammen und selbstverständlich gibt es Bereiche, die derzeit alles dafür tun können und auch tun, dass wir in den Köpfen unserer Kunden nicht vergessen sind, sondern dass wir gemeinsam neu denken. Was sind die Chancen, was sind die neuen Formate und wie wird sich das Geschäft (auch inhaltlich) neu entwickeln? Andere Bereiche, insbesondere die operativen Bereiche, stehen still. Es bewegen sich aber die Gedanken im Kopf. Wir unterstützen Partner und soziale Einrichtungen und denken neue Produkte, räumen die Ideen-Schubladen leer und tun, was schon immer getan werden wollte. Es gilt das Team durch diese Zeit zu tragen, denn das Team ist unsere Zukunft – für die Bedeutung der Begegnung im Sinne unserer Kunden.

Ingo StegmannIngo Stegmann: Die Intercom ist in verschiedenen Standorten mit ca. 60 festen Mitarbeitern in allen MICE Bereichen tätig. Wir haben seit Beginn der Coronakrise ein Team aus Geschäftsführung, Controlling und externen Consultants gebildet, um strukturiert nach dem jeweiligen Geschäftsfeld Szenarien zu planen. Diese sind sehr agil und werden spätestens alle zwei Wochen aktualisiert:

Geschäftsfeld Incentives

Dieser Bereich ist sehr schwer getroffen. Fast alle für 2020 geplanten Veranstaltungen sind storniert oder in das kommende Jahr verschoben worden.

Die zunächst in die zweite Jahreshälfte verschobenen Veranstaltungen wurden aufgrund von ausgefallenen vorgeschalteten Wettbewerben auch storniert oder verschoben. Alle Teams aus diesem Segment befinden sich seit Anfang März in Kurzarbeit. Die Mehrkosten durch die Projektverlängerung bei Verschiebungen gehen zum großen Teil zu Lasten unserer Agentur. Bisher haben wir noch keine Kündigungen in diesem Segment ausgesprochen, da es sich insbesondere in diesem Segment um sehr erfahrene und langjährige (im Durchschnitt über 20 Jahre Betriebszugehörigkeit) Mitarbeiter handelt.

Geschäftsfeld Meetings

In diesem Geschäftsfeld sind wir insbesondere im Pharmabereich mit zum Teil größeren Teams unterwegs. Leider mussten wir bisher über 150 Meetings stornieren oder verschieben. In diesem Segment konnte bisher kaum Kurzarbeit realisiert werden, da diese Arbeiten und die „Virtualisierung“ möglicher Formate sehr intensiv war und ist. Wir sind seit Anfang der Krise in Verhandlungen mit unseren Kunden, um diese Kosten gemeinsam zu tragen. Bei einer weiteren Fortdauer der Krise und einer mangelnden Planungsgrundlage wird es hier zu einem Personalabbau kommen.

Geschäftsfeld Events

Einen großen Teil der Events konnten wir virtualisieren oder in innovative Formate wie z. B. Autokino Events umkonzipieren. Im Vergleich zu Präsenzveranstaltungen verlieren wir auf der einen Seite Umsatz / Ertrag, auf der anderen Seite können wir hier am besten unseren „Digitalisierungsvorsprung“ unter Beweis stellen. In den letzten Wochen haben wir bereits zwei Jahrestagungen, eine Produkteinführung und ein Autokino Event umgesetzt.

Geschäftsfeld Kongresse

Auch in diesem Segment haben wir schon vor der Krise an digitalen Umsetzungskonzepten gearbeitet und diese realisiert. Nicht alle Formate lassen eine virtuelle Umsetzung zu, aber zumindest kann so ein Teil der geplanten Veranstaltungen durchgeführt werden.

Fühlen Sie sich politisch ausreichend wahrgenommen und unterstützt?

Christian EichenbergerChristian Eichenberger: Wir haben für die Regierungen in Bund und Ländern zusammen mit dem R.I.F.E.L.-Institut Empfehlungen erarbeitet: den Stufenleitplan zur Wiederermöglichung von Veranstaltungen. In Hessen waren wir damit sehr erfolgreich. Die politische Entscheidungsfindung hat – angesichts der beschränkten Möglichkeiten – doch viele Vorschläge berücksichtigt. Für diesen ersten Schritt in Richtung Normalisierung sind wir dankbar. Ebenfalls mit dem R.I.F.E.L-Institut haben wir wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Rettung der Veranstaltungswirtschaft publiziert. Sie enthalten etwa die Verlängerung der Förderkreditlaufzeiten, die Ausweitung der steuerlichen Verlustrückträge und einen Fixkostenzuschuss- Fonds. Denn im Juni stehen 60 % der Branche vor Massenentlassungen und Insolvenzen. Die Geschäftsgrundlage ist den Unternehmen entrissen. Außer Kreditgeld sind von der Regierung leider noch keine Lösungen formuliert. Hier herrscht dringender Handlungsbedarf!

Vera ViehöferVera Viehöfer: Durch die schnelle und gute Öffentlichkeitsarbeit des FAMAB und anderer Interessenvereinigungen fühlen wir uns zumindest wahrgenommen und gesehen. Lösungen für unsere und andere stark betroffene Branchen sehe ich noch nicht, rechne aber fest damit. Durch die Öffentlichkeit wurden aber auch Kunden und Netzwerke darauf aufmerksam, was gerade bei uns passiert. Und auch das ist wichtig, um gemeinsam aus der Krise eine Chance zu machen. Da wir als Agentur Teil der genossenschaftlichen Gruppe sind, ist uns das Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe sehr geläufig und wir wissen, dass es nur funktionieren kann, wenn wir jetzt alle gemeinsam der Krise trotzen. Was einer alleine nicht schafft, das schaffen viele…

Georg BroichGeorg Broich: Es wird besser. Wir gehören aber zu einer kleinen Nische, die kaum jemand auf dem Schirm hat.

Peter GastbergerPeter Gastberger: Wie schlimm es auch kommt, unternehmerische Eigenverantwortung ist mehr denn je gefragt. Mit den vielversprechenden Ankündigungen „whatever it takes“ oder „was immer es koste“ der Politik, würde ich nachsichtig sein. Die dramatischen wirtschaftlichen Folgen für die Event-Branche waren von Beratern und Politik nur bedingt einzuschätzen. Ab dem Zeitpunkt der möglichen Betriebsöffnung liegt es an uns, das Beste daraus zu machen. Trotz aller Herausforderungen dürfen wir unseren Humor und die Zuversicht nicht verlieren. Wie hart es auch kommt, es geht vorbei. Meine „innere Stimme“ sagt mir in solchen Situationen: „Wer weiß, für was es nicht gut ist.“

Robert HansmannRobert Hansmann: Die Wahrnehmung ist vorhanden, nicht zuletzt durch die Aktivitäten der Branchen-Verbände, die hier seit Beginn der Krise hervorragende Arbeit leisten. Allerdings zeigt sich jedoch auch die Systemrelevanz der Event-Branche. Wir arbeiten in einer Luxus- Branche, die eben für viele als verzichtbar gilt, das wird aktuell mehr als deutlich. Mit einem Rettungsschirm, der über der Branche aufgespannt wird, rechne ich daher nicht. Es wird sein wie in den verschiedenen Krisen in den vergangenen Jahren, dass wir uns als Branche oder als Unternehmen durch kreative Ansätze selbst retten müssen und auch werden. Baron von Münchhausen würde sich in so einem Fall ja auch selbst am Haarschopf aus dem Sumpf ziehen.

Dr. Achim StegmannDr. Achim Stegmann: Wie laut muss man sein, um gesehen und gehört zu werden? Seit Beginn an sind unsere Branchen-Begleiter stärker in den Schlagzeilen: Messebauer, Caterer, Reisebüros, Gastronomen und jetzt auch die Busunternehmer. Unsere Veranstaltungs- Branche mit ihren Agenturen und Kreativen stehen für meinen Geschmack, trotz aller Bemühungen der Verbände, noch im toten Winkel. Es muss doch klar sein, dass die Veranstaltungs-Branche und die Live-Kommunikation simultan mit den anderen Genannten betroffen sind. Und eins ist klar: Agenturen sind keine Friseure. Wenn die Haare lang sind, stehen die Kunden bei uns nicht auf der Matte. Agenturen sind die ersten, die es traf und die letzten, bei denen es wieder anfängt „normal“ zu werden.

Marc MundstockMarc Mundstock: Niemand, der am Boden liegt und seine Arbeit einstürzen sieht, in eine unbekannte Zukunft schaut, fühlt sich wahrgenommen. In dieser Zeit – die für alle neu ist – geht es darum, mit Kritik zu geizen und den Dialog zu suchen. Wir brauchen einen Schulterschluss. Auch mit der Politik. Dass wir keine ausreichende Wahrnehmung der Branche haben, liegt ja an der Branche, die es über Jahre nicht geschafft hat, ausreichend Wahrnehmung zu erzielen – obwohl die Politik jeden Abend bei uns zu Gast war. Es braucht einen Marshall-Plan für diese Branche, den die Politik unterstützen muss. Kurzfristiges Überleben sichern, ja! Aber mittelfristig müssen wir – mit aller Hilfe – und gemeinsam, den Veranstaltungsmarkt Deutschland zum nachhaltigsten, innovativstem und modernsten Veranstaltungsmarkt gestalten. Wir müssen unsere Ausbildung deutlich verbessern, technisch aufrüsten und wirklich sehr zeitnah weltweit für diesen Standort und damit für die hunderttausenden Mitarbeiter der Branche werben. Handeln!

Ingo StegmannIngo Stegmann: Ich bin im regen Austausch mit meinem Netzwerk in der Event-Branche. Ich sehe die Bemühungen verschiedener Verbände und auch eine größer werdende Wahrnehmung. Leider ist der Chor aus unserer Branche sehr vielstimmig und aus der Politik gibt es – wenn überhaupt – bisher nur Lippenbekenntnisse.

Welche Signale für Belebung nehmen Sie derzeit wahr (und für wann?) und wie sehen Sie die kurz- und mittelfristigen Perspektiven für Ihr Unternehmen ein?

Christian EichenbergerChristian Eichenberger: In Hessen, Bremen und Schleswig-Holstein werden bis Ende August erste kleine Veranstaltungen umgesetzt. Diese wollen wir unter Infektionsschutzbedingungen und gleichzeitig für die Gäste attraktiv durchführen. Dafür wurden einige sehr gute Lösungen und Produkte entwickelt. Wenn wir hiervon einige Formate realisieren können, werden wir eine sukzessive Belebung in den kommenden 18 Monaten erfahren.

Vera ViehöferVera Viehöfer: Signale, die die Messen im zweiten Halbjahr betreffen, sind aktuell vielversprechend. Die Paralysephase ist weitestgehend vorbei und erste Unternehmen schauen wieder nach vorne und sind offen für Neues. Auch die Akzeptanz der veränderten, medienvermittelten Kommunikations- und Meeting-Kultur nehme ich sehr positiv auf und hoffe, dass wir sie aus ökologischen Gründen auch im „New Normal“ aufrechterhalten können. Ich bin Optimistin, wir werden das Beste aus dieser Situation machen und viel lernen.

Georg BroichGeorg Broich: Es ist sehr schwierig! In NRW sind wieder Kongresse, etc. erlaubt, aber vor Herbst wird nicht viel passieren.

Peter GastbergerPeter Gastberger: Die guten Nachrichten: Wir öffnen wieder am 29. Mai mit 104 neuen Designer-Rooms & Suiten. Geschäftlich Reisende dürfen ab sofort wieder über die Grenze und eine generelle Öffnung nach Österreich gibt es ab Mitte Juni. Im Juni beginnen wir mit kleineren Führungskräfte-Tagungen. Mit größeren Veranstaltungen rechnen wir ab August, September, denn dann dürfen unter Auflagen wieder Veranstaltungen bis zu 500 Personen bzw. 1.000 Gästen durchgeführt werden.

Robert HansmannRobert Hansmann: Aktuell setzen Unternehmen in der Kommunikation auf digitale Lösungen wie Online-Konferenzen, Company-Broadcast etc. In diesem Bereich konnten wir bereits in den vergangenen Jahren eine sehr umfangreiche Expertise aufbauen. Dies verschafft uns als Agentur und natürlich auch unseren Kunden große Vorteile. Wir wissen, wie es geht und konnten sofort loslegen, sei es live, hybrid oder zu 100 % virtuell. Ein weiteres neues Thema liegt im Bereich Hygienekonzepte für Events. Das gesamte Thema ist sehr dynamisch und beinahe täglich werden wir mit neuen Erkenntnissen und Vorgaben konfrontiert. Eigens für den Bedarf an Hygienekonzepten haben wir im Mai eine strategische Allianz mit den Sicherheitsexperten von Protect GmbH in Frankfurt gegründet, um Veranstaltern diese Aufgabe als One-Stop-Shop anbieten zu können.

Dr. Achim StegmannDr. Achim Stegmann: Die Veränderung durch die Krise war allumfassend. Das Virus hat nicht Halt gemacht vor Kunden und Anbietern. Fast alle sind zunächst mal Verlierer, kommen nun langsam wieder aus der Deckung. Hat Corona unser Leben und unser Business verändert? Die Welt wird nach Corona anders sein. Zum Beispiel digitaler. Die Branche öffnet gerade erst die Türen und Möglichkeitsräume einer noch neuen, virtuellen Veranstaltungswelt bei allem Credo auf das analoge, echte Face-to-Face-Gefühlserlebnis. Unternehmen, Verbände, Institutionen müssen raus und stehen unter starkem Druck: Wie und nach welcher Rezeptur können die geplanten analogen Formate in digitale Events überführt werden? Das Digitale und das Hybride werden Treiber einer neuen, nachhaltigen und beständigen langfristigen Entwicklung. Pop-up-Autokinos als Drive-in-Events und Events-to-Go sind gefeierte kreative Raffinessen, sie werden zukünftig allerdings nur marginale Randerscheinungen sein.

Marc MundstockMarc Mundstock: Keine Signale, nur Hoffnung und Glaube, dass Begegnung gewünscht und gewollt ist. Da ich liebe was ich tue, wo ich es tue und mit wem ich es tue (Mitarbeiter und Kunden), sehe ich jede Perspektive für unser Unternehmen. Wenn wir mutig sind, handeln und so blöd sich das in dieser Zeit anhört, die Situation auch als Katalysator von Chancen und Entwicklung sehen, dann sehe ich jede Perspektive – auch wenn sie uns bisher keiner gibt. Aufgeben ist keine Option.

Ingo StegmannIngo Stegmann: Natürlich machen die verschiedenen angekündigten und bereits umgesetzten Lockerungen Hoffnung. Aber die unterschiedlichen Handhabungen in den Bundesländern machen eine sichere Planung unmöglich. Diese ist aber Voraussetzung für eine positive Geschäftsentwicklung. Solange politische Entscheider auf Sicht fahren und keine sicheren Planungsgrundlagen für Veranstaltungen und Reisen schaffen, fahren auch wir nur auf Sicht. Bei der Intercom haben wir schon vor der Krise begonnen, Transformationsprozesse bei unseren Kunden zu begleiten. Digitalisierung ist bei uns nach innen und außen bereits gelebt. In den letzten Wochen gehören wir zu den wenigen Agenturen, die virtuelle Gesamttagungen, Meetings, Autokino-Events und andere innovative Formate umgesetzt haben. Wir investieren – trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation – weiter in das Know-how unserer Teams und auch in technische Tools. Hybride Formate können zum Teil emotionale Defizite der rein virtuellen Formate ersetzen, aber – aus meiner Sicht – sind diese nur „Ergänzungsformate“ zur Überbrückung der jetzigen Sondersituation. Außerdem benötigen wir mittelfristig Präsenzveranstaltungen, um in unserer Größe in etwa bestehen zu können.

Wie schätzen Sie die Veränderungen ein, die insgesamt das Branchengeschehen in den nächsten 6-12 Monaten beeinflussen werden?

Christian EichenbergerChristian Eichenberger: Wir sollten hier lieber über 18 Monate sprechen. Nach zwei Monaten Event-Lockdown sind schon 30 bis 40 % der Branchenbetriebe existenziell schwerstbedroht, wie Blitzumfragen zeigen. Doch leider ist vielen Politikern nicht bewusst, wie relevant unser Wirtschaftszweig ist. Jährlich 2,89 Millionen Veranstaltungen in Deutschland bringen 400 Millionen Besucher in unsere Städte. Das erzeugt viele Milliarden Euro Umsätze, und zwar in etlichen anderen Marktsegmenten. Kurz: Events bringen Umsatzsteuer. Events sind aber auch das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. All das ist für die nächsten Monate und Jahre gefährdet.

Vera ViehöferVera Viehöfer: Die Veränderungen werden gravierend sein, weil nicht alle diese Krise überstehen werden. Der Markt wird sich neu sortieren und wir werden uns untereinander unterstützen müssen, damit wir voneinander lernen. Es wird sicherlich auch veränderte Planungen bei vielen Unternehmen geben, bis die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Risiken überschaubar sind. Ob live oder nicht, steht aber gar nicht zur Debatte. Wir Menschen sind so sozialisiert, dass das persönliche Treffen und multisensorische Erleben einer der wichtigsten Bestandteile unserer Gesellschaft sind. Ja, Dinge werden sich verändern, manche aber vielleicht mit unser aller Zutun zum Guten.

Georg BroichGeorg Broich: Sehr hoch! Die Verunsicherung auf allen Seiten ist groß. Es wird viel Überzeugungskraft kosten, Veranstalter und Besucher zurückzugewinnen.

Peter GastbergerPeter Gastberger: Wir können die Welt nicht verändern, wir können – wenn überhaupt – nur uns verändern. Für die Monate Juli und August sind unsere Türen für Privatgäste im Sunset Wing Club geöffnet. Für ein breit gefächertes Angebot haben wir einerseits Designer-Rooms und Suiten und Budget-Kategorien sowie andererseits Incentives mit einem 33-Stunden-Event- Paket. Das „Fokus 33 Special“ beinhaltet einen short-stay sowie ein konzentriertes Meeting für Schnellentschlossene zur Schärfung der Strategie- & Jahresplanung (https://www.scalaria.com/node/293). Das Ganze ist wie bei einem Labyrinth: Man kommt leicht hinein – das Heraus kann dann zur Herausforderung werden. Cheer up, it could be worse!

Robert HansmannRobert Hansmann: Ich habe dazu kurz einen Blick in meine Kristallkugel geworfen, die Sache ist ganz klar: Die Corona Pandemie ist kein schlechter Witz, es ist die bittere Wahrheit. Die von vielen heraufbeschworene Marktbereinigung ist unvermeidlich und bereits in vollem Gange. Einige sehr geschätzte Player sind schon vom Markt verschwunden. Wir versuchen durchzuhalten, entwickeln Ideen für die Krise und vor allem für die Zeit danach. Tatsache wird sein, dass auch die Budgets unserer Kunden nicht mit denen der vergangenen Jahre auf Augenhöhe sein werden. In Verbindung mit der beschriebenen wirtschaftlichen Situation in den Agenturen, könnte das den Boden für Dumping-Angebote bereiten. Ich hoffe, dass uns diese Entwicklung erspart bleibt, es sei denn die Branche will sich nach dem Überstehen von Corona selbst abschaffen. Hier kann meine Empfehlung nur lauten, sich auf den Wert der eigenen Arbeit zu besinnen und diese am Markt durchzusetzen. Zusammenfassend: Unser Herz schlägt für Live-Events und wir glauben an deren Rückkehr. Wir hoffen, bald wieder echte Menschen bei realen Events vor Ort begrüßen und beglücken zu dürfen, gemeinsam Inszenierungen zu erleben und in lächelnde Gesichter zu blicken. Das ist unsere Passion, dafür brennen wir!

Dr. Achim StegmannDr. Achim Stegmann: Wer sein Geschäftsmodell nicht verändert oder erweitert, wird als Event-Dinosaurier leider untergehen. Ebenso diejenigen, deren Masse und Kostendruck keine Flexibilität zulassen. Wir erwarten daher eine gewisse Marktbereinigung, wobei es um jeden schade ist, der es aus eigener Kraft nicht schafft. Corona wird die Branche erst aus seinen Tentakeln lassen, wenn es ein zuverlässiges Impfserum gibt. Die Sicherheit von Veranstaltungen wird um ein zentrales Kapitel „Hygiene, Gesundheit und Abstand“ ergänzt. Jeder durchgeführte Auftrag auf Basis ganz neuer Leistungen im Portfolio wird helfen, die geschäftliche Negativbilanz im Jahr 2020 abzumildern. Die gute Nachricht: Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich ein neue. Der Optimismus ist die beste Triebkraft für die Chancen-Erkennung und -nutzung.

Marc MundstockMarc Mundstock: Dramatisch, weil die Schäden immens sein werden. Wirtschaftlich, in der Vielfalt der Unternehmen, die wir auch verlieren werden und auch im Vertrauen von Mitarbeitern und Kunden. Das wird keine lustige Zeit. Wir werden Verluste beklagen, Menschen und Unternehmen verlieren, das wird die Branche prägen. Ich hoffe sehr, dass wir in der Branche eine gute Balance aufzeigen können zwischen digitalen Formaten, hybriden Events und klassisch analogen Erlebnissen. Denke ich an die Kreativität der Branche, glaube ich an viele positive und vor allem spannende Veränderungen. Da ich an den Mut der Kunden glaube, glaube ich an die Chance unserer Branche wieder aufzustehen. Und die wichtigste Veränderung ist hoffentlich, dass wir lernen, alle lernen, dass Leistung auch einen Wert hat und nicht ständig unter Preis verkauft wird, denn diese Rücklagen fehlen uns jetzt.

Ingo StegmannIngo Stegmann: Die Coronakrise hat insgesamt die Dynamik der Veränderungen in unserer Branche deutlich erhöht. Das gilt zum einen für die Probleme wie z.B. mangelnde Wertschätzung zum anderen auch für die Chancen der Digitalisierung. Agenturen, die schon vor der Krise wirtschaftlich auf Kante genäht waren, werden diese Krise nicht überleben. Agenturen, die nicht schon vor der Krise Transformationsprozesse begleitet haben, werden von den innovativen, kreativen und agilen Agenturen abgehängt. Ich sehe somit eine große Marktbereinigung und einen großen Digitalisierungsschub. Die Kombinationen von kreativen Ideen mit perfektionierten logistischen Prozessen werden Gewinner dieser Krise. Auch werden Netzwerke und Partnerschaften – seien es Kunden oder Dienstleister – einem Stresstest unterzogen. Diese Krise hat auch etablierte große Agenturen wie die Intercom in die Startblöcke zurückgezwungen und es wird sich zeigen, wer sich am schnellsten auf die veränderten Rahmenbedingungen einstellen kann…

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