Produkt: events Magazine 03/2018 Digital
events Magazine 03/2018 Digital
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Verdrängt digital real?

Das Grundprinzip von Veranstaltungen: Real schlägt virtuell!

In Krisenzeiten melden sich gerne die Auguren zu Wort und verkünden ihre Einschätzungen zur Zukunft. Auch in der Event-Branche werden solche Stimmen laut – eine beliebte These: Die zahlreichen Unternehmungen, gegenwärtig ausgefallene Veranstaltungen durch digitale Zwillinge zu ersetzen, werden dazu führen, dass künftig digitale Events verstärkt reale Veranstaltungen verdrängen. Eine Vorhersage, die Digitalprofis Hoffnung und Event-Profis Angst macht ..!

Publikum_Konferenz(Bild: David Mark - Pixabay)Events sprach mit Georg Lichtenegger, Gründer und Geschäftsführer der Düsseldorfer etvance GmbH, und Christoph Knöbel, der seit rund 30 Jahren in der Konzeption für Live-Kommunikationsagenturen tätig ist, warum sie denken, dass man mit dieser Prognose schlichtweg auf dem Holzweg ist:

Stärken & Schwächen von real & virtuell

Das Wesen von realen Veranstaltungen ist Kommunikation. Und zwar nicht nur in der schlichten Form von Informationsvermittlung oder -austausch, sondern auch in Form von Atmosphäre, Emotion, Begegnung, Gemeinschaft, Genuss, Aktion oder Interaktion. Direkt, persönlich, ganzheitlich und unkompliziert. Ein multisensorisches Erlebnis aus Ort und Raum, Farben und Formen, Musik und Sprache, Reden und Zuhören, Denken und Lachen, Essen und Trinken. Live-Kommunikation im Wortsinn: Lebendige Kommunikation.

Virtuelle Events funktionieren hingegen anders. Locations wie Formate, alles ist digital: Webseiten, Apps, Webinare, gefilmte Interviews, Umfrage-Tools etc.. Keine Anreise ist mehr nötig, die Teilnehmer loggen sich von zuhause ein und sind unvermittelt Teil einer „Community“.

Zweifelsohne entstehen derzeit eine Menge interessanter Techniken und Formate im digitalen Raum, so die beiden Event-Experten. Virtuelle Events können vieles nachvollziehen und auch auf eigene Weise entstehen lassen. Das reicht von der reinen Informationsübermittlung bis zur hochgradigen Interaktion. Sie haben theoretisch eine schier unbegrenzte Teilnehmerkapazität und Reichweite. Und: Auch Informelles (also Party-Elemente) wird gegenwärtig in digitale Welten übertragen, wie z. B. virtuelle Kaffeetreffen im Kollegenkreis oder auch Abschluss-Partys beweisen.

Etwas Wichtiges aber fehlt virtuellen Events: das Direkte, Persönliche und Ganzheitliche. Die Begegnung und die Kraft des gemeinsamen Erlebens. Es ist wie der Unterschied zwischen Theater und Fernsehen, zwischen Publikum und Zuschauern. Publikum ist stets eine Gemeinschaft und kann als solche magische Momente erleben. Zuschauer zu Hause sind isoliert und im Erleben auf sich alleine gestellt.

Prio 1: die Inhaltlichkeit

Sobald das Virus besiegt ist und die Menschheit die Folgen der Pandemie erfolgreich abgeschüttelt hat, wird in der Event-Branche alles wieder sein wie zuvor? Vielleicht ist das gar nicht wünschenswert, meinen Lichtenegger und Knöbel. Denn die Event-Branche kann von dem virtuellen Genre auf einem Gebiet einiges lernen, auf dem sie selbst oftmals etwas schmalbrüstig daherkommt: Dem Content-Design. Gerade weil virtuelle Veranstaltungen nicht auf die Karte des persönlichen, sinnlichen Erlebens setzen können, weil die Nähe via Screen nur eine Simulation ist, konzentriert sich bei ihnen von Anfang an alles auf den Inhalt. Sie werden in hohem Maße vom Inhalt her konzipiert, um wirklich außergewöhnliche Kommunikationserlebnisse zu bieten – wenn auch nur im digitalen Raum. Hier nehmen Planer eine Schlüsselrolle ein.

Content-Design ist wichtiger Erfolgsfaktor

Macher (und mehr noch die Auftraggeber!) von realen Events verließen sich in der Vergangenheit viel zu oft darauf, dass ihre Veranstaltungen dank der Stärken der echten Live-Kommunikation schon erfolgreich sein würden. Da wurde mit Hochdruck organisiert und gebucht, die Halle gebrandet, das Feuerwerk gezündet, Clips abgefeuert bis die LED-Wände wackeln – und durchaus auch von diesem und jenem Speaker über dies und das gesprochen.

Doch das Inhaltliche, der Leitgedanke, die Botschaften, der rote Faden – das, worum es eigentlich geht, blieb oft blass, wirkte aufgesetzt oder beliebig. Und genau das ist das Resultat, wenn der Content in Veranstaltungsprojekten, deren Planung sich ja oft über Monate hinziehen, erst kurz vor dem Tag X festgelegt und konzipiert wird. Hier kann real von virtuell lernen: Content-Design vom Projektstart an und in allen Phasen und Elementen – so können Veranstaltungen eine inhaltliche Kraft entfalten, von der Event-Owner bei realen Events in der Vergangenheit oft nur träumen konnten.

Mehr sein als „nur“ Event-Planer

Digital Events_Real World(Bild: Gerd Altmann - Pixabay)Das heißt aber laut Lichtenegger und Knöbel auch, dass die Macher eines realen Events künftig sich nicht mehr nur als Event-Organisatoren verstehen dürfen, sondern als ausgewiesene Kommunikationsexperten, die mit den Event-Ownern auf Augenhöhe den Content in die Veranstaltung bringen. Wie das gelingen kann? Zum Beispiel mit der Eventthinking-Methode (https://eventthinking.org/index.php), die beide gemeinsam entwickelt haben und Event-Planern hilft, Inhalte systematisch in die Event-Vorbereitung zu integrieren.


Event-Thinking wird in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen – trotz oder gerade wegen der Digitalisierung!


Wenn sich in dieser Weise das Berufsbild des Event-Planers abrundet und aufwertet, dann werden es Face-to-Face-Formate in der Nach-Corona-Zeit allemal mit ihren virtuellen „Pendants“ (wieder) aufnehmen und ihre Bedeutung behalten, davon sind unsere Interviewpartner überzeugt. Zumal reale Events menschliche Grundbedürfnisse bedienen, die sich nicht ändern werden, Corona-Krise hin oder her.

Produkt: events Magazin digital 02/2018
events Magazin digital 02/2018
Managementpraxis: Event Design mit #Event Canvas +++ Venues: Wiesbaden eröffnet Kongresszentrum +++ Destinationen: Kreuzfahrtschiffe für Tagungen +++

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