Old School ist Trumpf :

Darum sollten sich Marketer wieder auf das Grundprinzip der Live-Kommunikation stützen – echte Erlebnisse

smartphone-businness-interaktion-netzwerken-networking-digital-digitalisierung-handy-app(Bild: Pexels)

Digitale Gadgets und Anwendungen sorgen heutzutage für reichlich Faszination. Die digitale Revolution macht dabei vor keiner Branche halt – auch nicht vor der Live-Kommunikation. Aber nicht jedem neuen Trend sollten Marketer mit glasigen Augen hinterherjagen.

Denn zu oft werden die Vorteile, die die Live-Kommunikation einer Marke bietet, auf sogenannten Hybrid-Events durch den übermäßigen Einsatz von digitalen Tools gemindert. Frank Mielke, Geschäftsführer von B+D Events, erklärt, warum Marken sich wieder auf das Grundprinzip der Live-Events stützen sollten – auf echte Erlebnisse!

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Digitale Faszination kennt keine Grenzen

Die schöne neue Welt, in der wir dank neuen Technologien leben und die sich in einem atemberaubenden Tempo entwickelt, versorgt Menschen mit faszinierenden technischen Innovationen. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) beispielsweise ermöglichen virtuelle Erlebnisse, die dem Otto-Normalverbraucher noch vor wenigen Jahren wie aus einem Science-Fiction-Roman erschienen.

Auch in der Live-Kommunikation kommen neue Technologien und Gadgets zum Einsatz – Voting-Apps, Livestreams und zahlreiche Live-Vernetzungs- sowie Mitwirkungssysteme kennen wir heute am Markt. Seitdem sich beispielsweise Interessenten auf Fachkongressen und Recruiting-Veranstaltungen in Echtzeit beim Gegenüber durch eigens angefertigte oder vorhandene Profile in sozialen Netzwerken vorstellen, bewerben, anwerben oder anstellen lassen können, sorgt diese unkonventionelle, aber höchst innovative Technologie für große Augen aller Teilnehmer und reichlich Beachtung in der Branche. Bei aller Begeisterung für die Digitalisierung ist es aber wichtig, dass Marketer den besonderen Nutzen eines Live-Events nicht vergessen.

Authentische Erlebnisse für eine beschleunigte Gesellschaft

Der schnelllebige Alltag der meisten Konsumenten führt nach meiner Überzeugung dazu, dass diese sich nach bekannten Werten und Stabilität sehnen. Um diesen Insight zu verdeutlichen, genügt ein Blick auf unsere Umgebung, wenn wir einkaufen. Viele Marken handeln heute nach folgender Maxime: Produkte, Dienstleistungen und Geschichten müssen wieder lokal, authentisch, am liebsten handgemacht und ursprünglich sein. Bewusster Konsum läuft dem massenhaften Konsum den Rang ab.


Clicks, Shares und Likes sind keine konvertierbare Währung, wenn es das Ziel ist, Menschen und Marke zusammenzubringen!


Hier sollten Marketer ansetzen, denn Live-Kommunikation ist in der Lage, genau diese Bedürfnisse zu bedienen. Die direkte, reale Interaktion mit Menschen macht’s möglich. Verglichen mit anderen Disziplinen ist „live“ zwar ein teures Marketing-Instrument, aber fördert in besonderem Maße die Awareness und das Involvement für Produkte und Brands. Marketingverantwortliche sollten dieses enorme Potenzial nicht mit digitalen Vehikeln in Frage stellen.

Das Phänomen der Hybrid-Events

Sicherlich können digitale Tools einiges für die Live- Kommunikation leisten. Wegen der Verschmelzung von Live- und Digital-Maßnahmen spricht die Branche seitdem von sogenannten Hybrid-Events. Eine Veranstaltung wird aber mithilfe von Gadgets nicht automatisch zum digitalen Erlebnis – hybride Live-Kommunikation gibt es so gar nicht.

Teilnehmer von Events erleben und empfinden diese nach wie vor „real“ – das wird auch in Zukunft so bleiben. In welcher Form sie diese Empfindungen mitteilen oder weiterleiten wollen, hat sich mit zunehmender Digitalisierung unseres Alltags natürlich verändert. Der Zeitpunkt und die Art des Erlebnisses beziehungsweise der Empfindung jedoch nicht.

Eine allzu starke Digitalisierung von Live-Experiences würde zudem den Nutzen und das Potenzial zunichte machen, das die direkte Kommunikation mit den Kunden ermöglicht. Auf Veranstaltungen wollen Menschen sprechen, kommunizieren, sich austauschen und gemeinsam etwas erleben. Dies sollte immer im Zentrum aller Bemühungen um eine gelungene Live-Experience stehen.

Digitale Elemente können den Dialog aber sehr wohl unterstützen. Im Prinzip sind sie digitale Helferlein, die bei der Durchführung von Erlebnissen und Erfahrungen durchaus praktisch sind. Aber kein Gadget, kein Tool und keine App kann Inhalte und ihre Inszenierung ersetzen.

Live-Events sind keine Fotokulissen für Influencer

In der Praxis werden Werkzeug und Inhalt zu oft gleichgesetzt oder verwechselt. Dabei gibt es natürlich fantastische Werkzeuge, sie bleiben aber genau das: Mittel zum Zweck. Technische Gimmicks – darum nur handelt es sich schließlich oft genug – erzeugen aber keine inhaltliche Dichte. Sie können guten Content lediglich noch besser machen.

Die Entwicklung hin zu vermeintlichen Hybrid-Events scheint allerdings so weit zu gehen, dass Veranstaltungen zur Fotokulisse für Influencer und zur Bespielung von Instagram & Co. dienen. Sicherlich kann eine Verzahnung von Live-Events und Social-Media-Marketing Synergien erzeugen – eine Live-Experience, die darauf basiert, hinterlässt bei den Konsumenten aber keinen nachhaltigen Eindruck für Produkte oder Marken.

Den digitalen Tunnelblick überwinden

Digital ist zwar überaus cool, trägt aber nicht zu echten Erlebnissen bei. Diese Erlebnisse gehören aber zum Grundprinzip im Wirkungsmechanismus von Live-Experiences. Daran wird sich nichts ändern. Live-Kommunikation kann nur einen wertvollen Mehrwert leisten, wenn echte Erlebnisse und direkte, reale Kommunikation und Interaktion im Zentrum der Experience stehen. [4934]



Am Rande bemerkt …

Prima, Herr Mielke! Denn die unermüdlich herbeigeredete Digitalisierung von Events dient in erster Linie denen, die damit ihr Geld verdienen. Live-Kommunikation – wie der Begriff eigentlich dem dümmsten „User“ schon signalisieren müsste! – lebt von der intensiven und persönlichen, multisensorischen Auseinandersetzung mit Inhalten und Menschen. Alles andere ist allenfalls eine digitale Verlängerung der Werkbank mit emotional extrem reduzierter Brennweite. Eben nicht multisensorisch. Oder für die Vor- und Nachbereitung einer Veranstaltung sinnvoll. Wobei wir den Sinn von Abstimmungstools nicht gleich mit in Abrede stellen wollen. Würden manche Veranstalter inszenatorisch nur halb so viel Wert auf die persönliche Qualität der Begegnung mit Produkten, Menschen und Marken legen, wie sie es für die digitale Aufrüstung immer dünnerer Pädagogik und Dramaturgie tun, dann hätten die Juroren von Marketingevent-Awards endlich einmal wieder ihre helle Freude. Ja, it’s all about People and not about Bits & Bytes.

Der große Vorteil der Live-Kommunikation liegt in der emotionalen Verankerung. Dazu braucht es Tiefe, auf die man sich einlassen kann und muss. Nicht immer mehr Ablenkung. Stellen Sie sich einen Tanzkurs vor, bei dem das tanzende Paar eine 3D-Brille mit den Schrittfolgen und Kopfhörer im Ohr trägt. Sehr erotisch. Finden Sie nicht auch die Messebesucher etwas seltsam, die wie Teletubbies blind an einem Stand umher tappen und sich wie in einer künstlichen Existenz-Blase per 3D-Brille anschauen, was man Ihnen besser klassisch erklären und zeigen könnte? Oder eher müsste. Wenn man denn könnte!

Oder schauen Sie sich die Pärchen in den Restaurants an, bei denen jeder mehr mit dem Handy beschäftigt ist als mit dem Anderen. Get them out of that – wenigstens bei Events! So manche Erstlings-Hypes der falschen Propheten der Interaktion wie die blöden Twitter Walls geraten gottlob langsam wieder ins Abseits. Ebenso wie der blindwütige Wahn langsam abebbt, für alles und jedes eine Veranstaltungs-App einzusetzen.

Merke: Dass immer mehr Autos eine elektronische Einparkhilfe haben, bedeutet schließlich auch nicht, dass man verblöden muss und am Ende nicht mehr selbst einparken kann. Schlussendlich: Der Absatz von Sexdolls hat erstaunliche Größenordnungen erreicht und entlockt uns doch bestenfalls ein lakonisches „To whom it concerns!“. Es heißt nämlich nicht, dass damit der Liebe ein Gefallen getan wird, der schönsten Urform der menschlichen Interaktion. Eigentlich schade, dass man das immer wieder neu sagen muss …

Hans Jürgen Heinrich


Frank_Mielke_B+D Events(Bild: Achim Hehn)Über den Gastautor:

Frank Mielke ist gelernter Werbekaufmann und hat Germanistik & Anglistik studiert. Nach ersten Stationen in nationalen & internationalen PR- und Event-Agenturnetzwerken ist er seit über zehn Jahren innerhalb der Kölner B+D Agenturgruppe, einer der größten inhabergeführten Kommunikationsagenturen Deutschlands, tätig. Seit mehr als fünf Jahren verantwortet er dort als Geschäftsführer den Bereich Live-Kommunikation. www.bplusd.de

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