Produkt: events Magazin Digital 04/2015
events Magazin Digital 04/2015
Herz führt Hirn - Wie Emotionen den Informationstransfer beeinflussen +++ Reklamations-Management +++ Veranstaltungseinkauf +++ Datenspionage
Statements von Bernd Fritzges, Vorstand VDVO

Coronavirus: VDVO bemängelt staatliche Hilfsmaßnahmen

Ausrufezeichen(Bild: pixabay.com)Der VDVO – Verband der Veranstaltungsorganisatoren e.V. – beobachtet mit Sorge die im Zuge der Corona-Krise dramatischen Entwicklungen der letzten Tage. Die dadurch in der Branche hervorgerufenen Totalausfälle würden jetzt zu einem Massensterben vieler Unternehmen führen, folgert der Verband. Zusätzlich fehle die Beachtung von Seiten der Politik.

„Ich bin fassungslos, dass wir es in den letzten Tagen nicht geschafft haben, die Dramatik für die Meeting- und Eventindustrie, Messewirtschaft, Veranstaltungsstätten und Hotellerie an den richtigen Stellen zu platzieren“, resümiert VDVO-Vorstandsvorsitzender Bernd Fritzges. Noch vor kurzem war er überzeugt, dass die Veranstaltungswirtschaft in Zeiten der Corona-Krise die notwendige Wahrnehmung erhalten würde, um auch zukünftig besser auf die Politik einwirken zu können. Diese Chance sei trotz des von der Regierung beschlossenen Schutzschilds für Beschäftige und Unternehmen mit einer halben Billion Euro nun vertan, so Fritzges.

„Es ist richtig, wer die sieben Seiten des Maßnahmenpakets gelesen hat, wird feststellen, dass dies mit riesigen Summen für mögliche Betriebsmittelkredite und Bürgschaften gespickt ist. Hierbei wird allerdings auch unter anderem direkt auf die Bedingungen für KfW-Unternehmerkredite verwiesen. Meine bisherige und aktuelle Erfahrung hierzu habe ich bereits zwei Tage zuvor geschildert. Es macht mir den Anschein, dass dieses Programm ausschließlich für die großen Unternehmen mit ausreichend Kapitalreserven aufgelegt wurde, die mit dem ersten Coronavirus-Knock-Out noch gar nicht getroffen wurden“, erklärt Fritzges.

Er berichtet von unterschiedlichen Anbietern der Branche, die das Mittel der Kurzarbeit gar nicht erst genutzt, sondern ihre Mitarbeiter direkt in die Arbeitslosigkeit geschickt hätten. Zudem gäbe es in seinem beruflichen Umfeld kaum noch Kollegen, die sich bisher nicht mit dem Thema Insolvenz beschäftigt hätten bzw. gesetzlich dazu verpflichtet gewesen wären.

Eins stört ihn besonders: Laut Fritzges seien die Prioritäten in der Berichterstattung und in den Äußerungen der Regierungsvertreter völlig verzerrt. So schaffe es die Bundesliga auf Anhieb in alle Nachrichtenkanäle, auch wenn es hier um etwa 50.000 Arbeitsplätze und Einbußen in Höhe von 750 Mio. Euro ginge und nicht um Hundertausende von Mitarbeitern wie in der Veranstaltungsbranche. Allein in der Messewirtschaft sei von einem Verlust von über zwei Mrd. Euro die Rede. Trotzdem schaffe man kaum mehr Aufmerksamkeit als über die eigenen Facebook- und LinkedIn-Kanäle.

„Es scheint keinen auf politischer Ebene zu interessieren, anders kann ich es mir nicht erklären, dass die Bundesregierung bei der Beratung des Schutzschildes nicht einen einzigen Vertreter unserer Branche an Board hatte. Wir scheinen einfach nichts wert zu sein!“, ärgert sich Fritzges.

Weitere Statements zum Maßnahmenpaket

Nicht nur von Seiten des VDVO wird Ärger laut. So stellt man sich u. a. die Frage, wie Bundesfinanzminister Olaf Scholz scheinbar tiefenentspannt in den Tagesthemen zu verstehen geben konnte, dass das Instrument der KfW-Bank in Verbindung mit der Hausbank die beste Lösung sei – viele Unternehmer in Deutschland hätten ein tolles Verhältnis zu ihrer Bank. Das persönliche Verhältnis zur Bank spiele jedoch bereits seit mehr als zehn Jahren im System des Ratings und der Eigenkapitalvorschriften keine Rolle mehr, weiß Event-Agentur Inhaberin Anja Deilmann: „Meine Hausbank, bei der ich bereits seit 22 Jahren Kunde bin, teilte mir mit, dass auch in solch einem Fall, so hart das klingen mag, ich bereits hätte Rückstellungen bilden müssen.“ Ebenfalls kritisch bewertet Michael Wagner, geschäftsführender Gesellschafter der form foundation GmbH, die bereitgestellten Maßnahmen der KfW-Banken. „Es drängt sich in der jetzigen Situation der Eindruck auf, dass mit dem Leid der Unternehmen noch Geld verdient werden soll. Es handelt sich hierbei auch um kein neues Tool und es stellt sich die Frage, ob in acht bis zwölf Wochen mit der eigenen Hausbank die Anträge durchgeprügelt werden können. Und selbst dann wird vielen schon die Luft ausgegangen sein. Ich glaube auch, dass dieses bereitgestellte Geld bei denen ankommt, die es noch am wenigsten nötig haben. Es ist für mich auch keine Soforthilfe im eigentlichen Sinne“, so der erfahrene Messebauer. Als sehr hilfreich beschreibt er hingegen die Entlastung der Lohnnebenkosten. Besser machen könnte man es seiner Meinung nach folgendermaßen: „Wir brauchen praktikable, sofort umsetzbare Lösungen. Warum soll es nicht möglich sein, den Fixkostenblock laut vorliegender BWA direkt für 4 bis 5 Monate gefördert zu bekommen?“, fragt der Berliner Unternehmer.

VDVO ruft zur Solidarität aus

Im offiziellen Statement des VDVO heißt es weiter, man brauche in den nächsten Wochen und Monaten sehr viel gegenseitige Solidarität, um diese schwere Zeit gemeinsam zu überstehen. Dies betreffe in erster Linie die zielführenden Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Im zweiten Schritt müsste jedoch sichergestellt werden, dass ordnungspolitisch nachhaltig gehandelt werde. Und der erste Fehler hierbei sei, dass die Veranstaltungswirtschaft nicht berücksichtigt wird. Die Branche hätte bereits den ersten Totalausfall zu spüren bekommen, bevor die breite, öffentliche Wahrnehmung für die zu befürchtende dramatische Wirtschaftslage unseres Landes vorhanden war. Doch schon am 04. März prognostizierte Fritzges einen Abschwung von bis zu 10 Prozent, der die Eventwirtschaft auf einen Stand von 2015 zurückkatapultieren und im Verhältnis zur Finanzkrise von 2008 einen doppelt so hoher Rückgang bedeuten würde.

„Da ich nach dieser Aussage zur Berechnung auf Basis meiner Projektdaten und den Marktzahlen von mehreren kritisiert wurde, habe ich meine öffentlichen Äußerungen hierzu im Weiteren unterlassen. Ich kann nur mit der vorhandenen Korrelation der letzten 12 Jahre argumentieren, über die Kausalität kann man streiten“, erklärt Fritzges.

Nachdem jedoch nun die etablierten Wirtschaftsexperten das Gleiche Ausmaß verkünden, warnt Fritzges erneut. „Mit der weiteren Entwicklung der Stornierungen und der Annahme, dass bis einschließlich Juni keine Veranstaltungen mehr stattfinden werden, ist die Lage nochmals anders zu bewerten. Jetzt werden wir auf einen Stand zurückversetzt, für den selbst ich über gar keine Vergleichswerte mehr verfüge.“

Auch Fritzges hat Ideen, welche Maßnahmen getroffen werden müssten. So schlägt er bereits jetzt zukunftsorientiert Änderungen in der Gesetzgebung vor. „In unserem Infektionsschutzgesetz § 65 müsste in Absatz 1, in dem die Maßnahmen beschrieben sind, die zur Vernichtung von Gegenständen führen, ebenfalls § 28 aufgenommen werden und für Veranstaltungen greifen. Anderenfalls werden wir das Problem haben, dass Veranstaltern auch nächstes Jahr bei der zu erwartenden nächsten Virus-Welle die Planung von Messen und Veranstaltungen zu heikel ist“, erklärt Fritzges.

Darüber hinaus plädiert er für eine vollständige Aussetzung aller Sozialabgaben und Steuern der betroffenen Branche: „Wir können gerne darüber sprechen, für den Fall, dass die Unternehmen dies überleben, Steuern und Sozialabgaben mit einem Förderschlüssel nach Gewinn- und Verlustrechnung abzurechnen. Standardmaßnahmen werden uns nicht retten. Dies ist eine exogen verursachte Ausnahmesituation und benötigt in gleichem Maße Gegenreaktionen!“

www.vdvo.de

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