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Im Kampf gegen die Auswirkungen der Coronakrise

BDKV regt Erweiterung des Maßnahmenkatalogs der Bundesregierung an

Zeit ist Geld(Bild: mohamed_hassan - pixabay.com)Nicht nur der VDVO – Verband der Veranstaltungsorganisatoren e.V. – äußerte sich kritisch gegenüber den staatlichen Hilfsmaßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen von COVID-19. Auch der Bundesverband der Konzert-Veranstaltungswirtschaft (BDKV) fasste zuletzt einige Schwachstellen zusammen. Zwar begrüße er grundsätzlich den am 13. März 2020 veröffentlichten Maßnahmenkatalog, wünsche sich jedoch zusätzlich eine Erweiterung.

Die erleichterten Kreditvergaben sowie die Flexibilisierung des Kurzarbeitergeldes seien laut BDKV nicht geeignet, die nun durch mehrwöchigen Veranstaltungsausfall wegbrechenden Einnahmen sowie vor allem die bereits investierten Vorkosten von geplanten Konzerten und Tourneen zu kompensieren. Damit entstünden den Veranstaltungsunternehmen hohe Verbindlichkeiten, die über Kredite kaum mittelfristig erfolgreich abgebaut werden könnten. Auch, wenn die angekündigte Flexibilisierung des Kurzarbeitergeldes für größere Unternehmen der Branche eine durchaus hilfreiche Maßnahme darstellen könne, helfe die Erleichterung den vielen kleinen mittelständischen Unternehmern der Branche, die zumeist nur wenig Personal hätten, kaum. Abgesehen davon würden diese Mitarbeiter in der aktuellen Krise ohnehin dringend zur Rückabwicklung von Veranstaltungen benötigt.

Daher regt der BDKV ergänzend zu dem 4 Säulen-Schutzschild eine Erweiterung um folgende Maßnahmen an:

1. Kann eine Veranstaltung aufgrund eines behördlich angeordneten Veranstaltungsverbots nicht am geplanten Termin stattfinden, so sollte der Käufer einer Eintrittskarte einen Anspruch auf Rückerstattung des Kartenpreises erst dann haben, wenn der Veranstalter die Nachholung nicht innerhalb von 365 Tagen gewährleisten kann. Der aktuelle Anspruch auf Rückabwicklung des Veranstaltungsbesuchsvertrags, der bei Nichtleistung des Veranstalters zum ursprünglich angesetzten Termin zu erfolgen hat, sollte mithin für diesen Zeitpunkt nicht bestehen.

Dies wäre laut BDKV eine angemessene und für die Branche äußerst effektive Maßnahme. Sie würde die aktuelle Liquiditätslage der Veranstalter deutlich entspannen, da sie nicht mehr die gesamte Last der Veranstaltungsverbote tragen müssten.

2. Findet keine Nachholung der Veranstaltung statt und ist eine Rücknahme von Eintrittskarten unumgänglich, so sollte es dem Veranstalter vorbehalten bleiben, anstelle einer Barerstattung des Kartenpreises einen Gutschein in gleicher Höhe auszuhändigen. Auf diese Weise würde der Wert des Tickets mit hinreichender Flexibilität für eine Ersatzveranstaltung gesichert bleiben und zugleich unmittelbare existentielle Liquiditätsprobleme des Veranstalters verhindert.

Grundsätzlich sollte dem Veranstalter ein zeitlicher Aufschub von sechs Monaten ab Eingang einer Erstattungsforderung zugestanden werden. Mit der Bearbeitung der zu erwartenden erheblichen Anzahl derartiger Forderungen – insbesondere bei Tourneeabsagen – wäre von den Veranstaltern eine zeitnahe professionelle Bearbeitung personell ohnehin nicht leistbar. Würde hier keine übergangsweise Ausnahmeregelung erfolgen, müssten Veranstalter, um nicht in Verzug zu geraten, zusätzliches Personal einstellen, was den ohnehin entstehenden Schaden noch erhöhe. Dies zeigt auch, dass bei Veranstaltungsbetrieben flexible Kurzarbeitsgeldregelungen allein kaum hilfreich wären. Eine entsprechende Ausnahmeregelung hätte zudem den Nebeneffekt des zumindest zeitweiligen Liquiditätserhalts, wodurch Insolvenzen insbesondere von kleineren und mittelgroßen Veranstaltungsunternehmen vermieden würden.

3. Nicht nur Konzert- und Tourneeveranstaltern, sondern auch den zahlreichen Event-Dienstleistern wird kurzfristig die Insolvenz drohen, da sie außerstande sein werden, über mehrere Wochen einen Umsatzausfall zu kompensieren und zusätzlich bereits erhaltene Vorauszahlungen oder Einnahmen wieder auszuschütten. Daher sollten den betroffenen Unternehmen die verlorenen Deckungsbeiträge, die durch behördlich angeordnete Veranstaltungsabsagen nicht erwirtschaftet werden können, gegen entsprechenden Kostennachweis vom Staat ersetzt werden. Hierzu sollte umgehend ein staatlicher Nothilfefonds eingerichtet werden. Eine Kompensation durch die Aufnahme abgefederter Bankkredite würde in diesen Fällen nicht helfen, da die Veranstalter nicht nur vorübergehend keine Gewinne erwirtschaften können, sondern sich mit jeder Veranstaltungsabsage Verbindlichkeiten (Kosten für in Anspruch genommene Dienstleistungen, Vorlaufkosten für Organisation, Werbung, Vorverkauf) anhäufen, die selbst langfristig nicht durch zukünftige Gewinne getilgt werden können.

4. Ein erhebliches Problem besteht derzeit für Veranstaltungsunternehmen darin, dass es sich anstatt wirksamer und öffentlich verkündeter allgemeingültiger Anordnungen im Einzelfall noch um nach wie vor nicht umgesetzte Empfehlungen oder Maßnahmenkataloge handelt, die nicht als behördliche Anordnung öffentlich verkündet wurden. Zudem variieren die empfohlenen Maßnahmen von Land zu Land. Das ist angesichts des Föderalismus nachvollziehbar, wirkt sich allerdings bei Tourneeveranstaltungen nochmals schadenerhöhend aus. Solange Veranstalter ein Event nicht aufgrund behördlicher Anordnung zwingend absagen müssen, bleiben sie zur Leistung verpflichtet. Sagen sie allerdings eine Veranstaltung aufgrund der allgemeinen Krisenstimmung oder angesichts empfohlener Maßnahmenkataloge ab, machen sie sich gegenüber Künstlern und Kartenkäufern schadensersatzpflichtig. Da das Inkrafttreten behördlicher Erlasse zudem nach wie vor von Land zu Land variiert (Stand 15.3.2020), sehen sich Tourneeveranstalter mit einem ‚Machbarkeits-Flickenteppich‘ konfrontiert. Während es in einem Bundesland eine zwingende Anordnung gibt, ist dies in einem anderen (noch) nicht der Fall. Während im einen Land also gespielt werden müsse, müsse im anderen Land abgesagt werden. Eine Tournee, bei welcher Konzerttermin auf Konzerttermin folgt, wird daher undurchführbar. Erschwerend kommt hinzu, dass Inhalte und Umfang von Anordnungen gelegentlich untereinander von Land zu Land variieren.

Das Prognoserisiko könne laut BDKV nicht den Unternehmen aufgebürdet werden, sondern müsse bei den zuständigen Behörden verbleiben. Lägen keine rechtlich verbindlichen Vorgaben vor, würden die Veranstalter in für sie nicht akkomodierbare Haftungsszenarien gedrängt. Klare und verbindliche Absageverfügungen der zuständigen Behörden müssten die bislang teilweise erfolgte Aufstellung von Empfehlungen oder umfangreichen, oft nicht erfüllbaren Auflagenbescheiden zwingend ersetzen, um für alle Beteiligten die nötige Rechtssicherheit herzustellen.

Unterstützungsmaßnahmen europäischer Nachbarstaaten

Einige Länder haben bereits die Notwendigkeit entsprechender Maßnahmen erkannt und diese in konkrete Regelungen umgesetzt: So hat die Regierung in Frankreich inzwischen die Live Entertainment-Branche als eine der drei am stärksten von der Covid-19-Krise betroffenen Industrien eingestuft und plant spezifische Support Funds zur finanziellen Unterstützung der Branche.

In Dänemark wurde zeitgleich mit dem Erlass von Veranstaltungsbeschränkungen ein Programm aufgelegt, mit dem die betroffenen Veranstalter für die durch Absage oder Verlegung erlittenen Einbußen entschädigt werden sollen. Das Programm sieht direkte Ausgleichszahlungen für die erlittenen Umsatzeinbußen oder die Zusatzkosten von Verlegungen vor.

In Italien sind mit Blick auf die weiträumigen Verlegungen von Veranstaltungen die steuerlichen Vorschriften, die bislang eine Verlegung bei Gültigkeit des ursprünglichen Tickets nur für maximal 60 Tage zuließen, auf 365 Tage erweitert worden. Zugleich wurde kommuniziert, dass sich an dieser neuen Frist nun auch die Frage der Zumutbarkeit der Verlegung für den Besucher orientiere.

Über den BDKV

Der Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft e.V. ist der 2018 mit Wirkung zum 01. Januar 2019 gegründete Berufsverband aller Sparten und Genres des deutschen Konzert- und Veranstaltungsgewerbes sowie der Dienstleistungsberufe im Bereich der Künstlerbetreuung. Er entstand aus der Fusion des seit 1985 bestehenden Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv) und des bereits 1946 gegründeten Verbandes der deutschen Konzertdirektionen (VDKD). Die rund 450 Mitgliedsunternehmen des BDKV sowie die Mitglieder des ihm angeschlossenen Internationalen Fachverband Show- und Unterhaltungskunst e.V. (IFSU) repräsentieren den ökonomisch bedeutendsten Teil der nationalen Kultur- und Kreativwirtschaft.

Mit über 120 Mio. verkauften Tickets erzielt die deutsche Veranstaltungsbranche einen jährlichen Gesamtumsatz von rund 5 Mrd. Euro. Der geplante Umsatz aus Veranstaltungen des Live Entertainments in Deutschland beträgt auf Basis einer ersten empirischen Hochrechnung allein im Zeitraum März bis Mai 2020 rund 1,25 Mrd. Euro. Dieser verteilt sich auf etwa 80.000 geplante Veranstaltungen aller Größenordnungen. Naturgemäß wird der größte Teil dieses Umsatzes mit größeren Veranstaltungen erzielt, die nun Gegenstand von Untersagungen sind. www.bdkv.de


Lesen sie hierzu auch: Coronavirus: VDVO bemängelt staatliche Hilfsmaßnahmen

Produkt: events Magazin digital 01/2018
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