Mehr als nur ein Bauchgefühl

Aktivierung der subjektiven Wahrnehmung erhöht Sicherheit bei Events!

Veranstaltungssicherheit-Eventsicherheit-Unsicherheit-Angst-subjektive-Sicherheit(Bild: DDRockstar – Fotolia | Andrey Popov – Fotolia)

Mit 22 Terrorakten in 2017 – davon mit Veranstaltungsbezug „nur“ der Selbstmordanschlag beim Konzert von Ariana Grande in Manchester – ist die Zahl der Anschläge mit terroristischem Hintergrund glücklicherweise drastisch gesunken. Trotzdem spielt die Furcht vor terroristischen Angriffen eine bedeutende Rolle: In der repräsentativen Umfrage „Die Ängste der Deutschen 2017“ des Info-Centers der R+V Versicherung rangiert die Angst vor Terroranschlägen mit deutlichem Abstand auf Platz eins und erreicht mit über 70 Prozent einen der höchsten Werte, der jemals in der Langzeitstudie gemessen wurde.

Die Angst vor Terroranschlägen kann das Verhalten der Menschen bewusst oder unbewusst beeinflussen und beispielsweise dazu führen, dass öffentliche Plätze oder auch Großveranstaltungen gemieden werden. Obwohl die Untersuchungen tatsächlicher Anschläge belegen, dass Veranstaltungen (noch) nicht im Fokus von Terroristen stehen.

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In der Regel befindet sich bei Veranstaltungen eine große Ansammlung von Menschen auf einem ihr unbekannten, teilweise recht engen Raum, der zudem nur über eingeschränkte Flucht- und Rückzugsorte verfügt. Auch die Polizei hat nur eingeschränkte Interventionsmöglichkeiten und Attentäter können die Anonymität der Masse zur Tatvorbereitung und ggf. anschließenden Flucht nutzen. All das löst ein subjektives Unwohlsein und ein Gefühl der Unsicherheit aus.

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Wer ist für welche Sicherheit zuständig?

Veranstaltern sind nur veranstaltungstypische Gefahren im Rahmen ihrer Verkehrssicherungspflicht zuzurechnen. (Die Sicherheit eines Events kann von Veranstalterseite jedoch durch eine Gefährdungsanalyse und ein umfassendes Sicherheitskonzept erhöht werden.) Dementsprechend liegen die Bewertungs- und Entscheidungsgewalt zur Gefahrenabwehr bei Terrorverdachtslagen in vollem Umfang bei der Polizei. „Ein Veranstalter ist weder tatsächlich noch rechtlich in der Lage, wirksame Maßnahmen gegen mögliche Terrorangriffe zu treffen.“, so Frank Hilbricht, Polizeioberrat und Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Köln. Es liege an der Polizei, eine Veranstaltung bei Verdacht auf einen geplanten terroristischen Anschlag abzusagen, zu unterbrechen oder komplett abzubrechen. Außerdem sei die Polizei beim Auftreten einer akuten Situation u. a. dafür zuständig, die Situation zu stabilisieren, die Täter zu bekämpfen, den Gefahrenbereich zu räumen und Menschen zu retten.

Auch subjektives Sicherheitsempfinden erhöht die Besuchersicherheit

Gerade durch die Angst vor terroristischen Akten entstehen neue Gefahrenquellen. So können Besucher durch äußere Stimuli, wie z. B. einen fehlgezündeten Feuerwerkskörper, schnell in Panik geraten. Neben der Erhöhung der objektiven Sicherheit, z. B. indem der Polizei eine schnellstmögliche Intervention ermöglicht wird, durch eine Schwachstellenanalyse oder den Einsatz von Sprengstoffspürhunden, führt auch ein erhöhtes subjektives Sicherheitsempfinden zu einer insgesamt sichereren Veranstaltung.

Diese subjektive Wahrnehmung der Gäste kann auf vielfache Weise beeinflusst werden: Entscheidend gerade bei Großveranstaltungen ist dabei immer auch das Wohlbefinden. Ist die Personendichte in einer Venue beispielsweise zu hoch, gibt es nicht genügend Bewegungsfreiheit, wird dies die subjektive Wahrnehmung der Gäste maßgeblich beeinflussen – es kann aber auch zu einem objektiven Sicherheitsrisiko werden. Im Rahmen eines Sicherheitskonzepts sollten daher immer auch die Zu- und Abgänge mit adäquater Berechnung des Personenflusses sowie eventuell auch Warteschlangenkonzepte betrachtet werden. So können Dichte und Verweildauer der Teilnehmer eines Events reduziert und die Bewegungsfreiheit, gleichzeitig aber auch Ausweichmöglichkeiten erhöht werden.

Das führt wiederum zu einer objektiven wie auch subjektiven Steigerung der Sicherheit. Ebenfalls zur Erhöhung der subjektiven Sicherheit beitragen können laut Polizeioberrat Hilbricht Sperren auf Zufahrtsstraßen zum Veranstaltungsgelände, Einlasskontrollen, Mitführverbote von Taschen, Flaschen etc., die Erhöhung der sichtbaren Präsenz des Veranstaltungsordnungsdienstes, Videoüberwachung im Raum sowie eine proaktive Öffentlichkeitsarbeit ganz immer Sinne von „Tue Gutes und rede darüber!“.

Fazit:

Die objektive Gefahr eines terroristischen Anschlags auf eine Veranstaltung in Deutschland ist aktuell eher als gering einzuschätzen, vielmehr besteht eine deutlich höhere Eintrittswahrscheinlichkeit für Terrorakte im urbanen Alltag. Somit zählen Terroranschläge zu den allgemeinen Lebensrisiken. Dennoch: Das Szenario eines Terroranschlags sollte in jedem Fall bei größeren Veranstaltungen in ein Sicherheitskonzept oder eine Notfallplanung mit aufgenommen und Maßnahmen, die sowohl der objektiven als auch der subjektiven Sicherheit dienen, in die Veranstaltungsplanung integriert werden. [4603]


So schützen Sie Ihre Mitarbeiter:

Als Veranstalter sind Sie nicht nur für die Sicherheit der Besucher zuständig, auch das Personal muss geschützt werden. Gerade das Thema Arbeitsschutz wird dabei gerne vernachlässigt. Worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie in unserem kostenlosen eDossier.

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