In fast jedem steckt das Rampensau-Gen!

5 Tipps für bühnenreife Auftritte

Bühne-Theater

Auftreten und Stimmgewalt, Kostüm oder Auf- und Abgang bleiben stärker in Erinnerung als des Pudels Kern. Nur sieben Prozent eines Vortrags machen den Inhalt aus. Der Löwenanteil fällt mit 55 Prozent auf die Haltungsnote. Die Stimme kann immerhin noch 38 Prozent der Aufmerksamkeit für sich verbuchen. Lesen Sie hier die 5 Lektionen von Prof. Dr. Elisabeth Heinemann für bühnenreife Auftritte!  

Jeder kennt das Gefühl: Man hat ein Publikum vor sich, weiß genau, was es an den Mann zu bringen gilt und wird trotzdem das Gefühl nicht los, dass die Zuhörer ganz woanders sind – und eben nicht zuhören. Die Sache wird nicht leichter, wenn mein präsentiertes Produkt so wenig greifbar ist wie etwa ein Event. Was hilft? Zunächst einmal heißt es, sich zu entscheiden: Bin ich ein Star? Oder doch eher der Typ „Formatvorlagenbastler“, der das Rampenlicht meidet?

Heinemann richtet sich an Rampensäue – und solche, die es werden wollen. Ein kleiner Exkurs zur Begriffsbestimmung hat hier auch noch Platz: Als Rampe bezeichnen Schauspieler die Kante zwischen Bühne und Publikum. Die Rampensau ist folglich jemand, der auf der Bühne gerne vorn an besagter Rampe steht und sein Publikum von dort aus bestens im Griff hat.


5 Lektionen für bühnenreife Auftritte

  1. Sind Sie der Star? Entscheiden Sie sich!
  2. Rolle, Repertoire & Co: Legen Sie sich auf „Ihre Bühne“ fest!
  3. Hamlet in Jeans? Tragen Sie das richtige Kostüm!
  4. Auf die Bühne, fertig, los: Seien Sie präsent!
  5. Applaus. Vorhang. Ab. Bleiben Sie in Erinnerung!

Was nutzt es, wenn Sie exzellent in Ihrem Job sind – und keiner weiß es? Mit anderen Worten: Wenn Sie ein Star sind, dann sagen Sie es ruhig auch! Übrigens ist das Frontschwein durchaus ein Teamplayer, es muss nur richtig eingesetzt sein.

Keine eierlegende Wollmilchsau
Niemand kann an allen Fronten zugleich überzeugen. Auch da heißt es, präsent zu haben und sich auf eine Rolle, ein Repertoire, eine „Bühne“ festzulegen. Über Expertise in einem Bereich zu verfügen ist allemal besser, als ein Themen-Allerlei halbgar zu präsentieren – die eierlegende Wollmilchsau ist KEIN Charakterfach. „Gucken Sie erst nach dem, was Sie können. Und dann auf den Markt“, rät Heinemann daher.

Markt? Zielgruppe? Genau hier liegt der Hase im Pfeffer. Nur der Rednertyp „Traktor“, so Heinemann, geht schlicht über seine Zuhörer hinweg. Doch die meisten von uns kriegen mit, wenn das Publikum gähnend auf den Stühlen hockt, statt uns gebannt zu folgen. Wenn es dann aber mitzieht, motiviert das ohne Ende. Und wie tickt nun Ihr Publikum?

Reagiert ein Mensch stärker sach- oder gefühlsorientiert, bzw. ist er eher introvertiert oder extrovertiert? Vier verschiedene Typen unterscheidet die Professorin und lehnt sich damit an ein etabliertes Modell der Persönlichkeitstypen an: das Alphatierchen oder der „auf-den-Tisch-Hauer“ (Rot), die Rampensau (Gelb), der Stetige, der viel Liebe braucht (Grün) – aber auch eine treue Seele ist, hat man ihn einmal für sich gewonnen, und schließlich der Gewissenhafte, oder auch „Formatvorlagenbastler“ (Blau).

Das ideale Publikum besteht aus allen Vieren. Und als Rampensau in spe tut man gut daran, sich darauf einzustellen und sowohl Entertainment und Selbstbewusstsein als auch Loyalität und Qualität zu vermitteln.

Und wie erkenne ich nun die farbliche Zuordnung meines Publikums? Das ist klar der schwierigste Part, zumal bei großem Forum, aber Auftreten, Haltung, Sprechweise und Reaktionen der Zuhörer, verraten viel.

„Hamlet in Jeans“
Tragen Sie das richtige Kostüm! Beim Griff in den Kleiderschrank geht es nicht nur um den eigenen Stil: Das perfekte Kostüm unterstreicht Ihren Typ, aber auch Ihre Rolle. Ich bin als Hamlet gebucht? Dann überlege ich lieber zweimal, ob Jeans die richtige Wahl sind. Auch wenn die Nachricht, dass die Optik zur gewählten Rolle (und zum Träger) passen sollte, nicht neu ist, laut Heinemann ist hier noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten, und nicht nur in punkto Sockenlänge oder Farbberatung. Ihr Rat? Professionelle Hilfe!

Ansonsten macht nicht zuletzt Übung den Meister – etwa wenn es darum geht, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Stichwort: Augenkontakt. „Auf die Bühne, fertig, los: Seien Sie präsent!“ lautet das bei Heinemann. Und auch hier lohnt Ihr Ausflug in die Bühnensprache: Haben Sie den Mut zu improvisieren. Sie versprechen sich? Na und! Ihr Publikum kennt doch das Skript nicht! Warum auf Fehler hinweisen, die ohnehin keinem auffallen? Und wenn doch, dann machen Sie was daraus – und nutzen Sie die Steilvorlage charmant aus. Selbst aus einem Fauxpas kann eine wunderbare Geschichte werden…!

„Der Abgang ist so wichtig wie der Aufgang“, weiß Heinemann. Viel passiert, bevor das erst Wort fällt. Aber auch, nachdem das letzte gefallen ist! Und auch hier zählt vor allem die vermeintliche B-Note: Sie rauschen ab im Donnerhall? Prima! Trollen sich mit einem Witzchen auf den Lippen? Wunderbar. Nur nehmen Sie ihn ernst, den Abgang und wählen Sie ihn passend – schließlich wollen Sie als echte Rampensau auch nach dem Vorhang noch in Erinnerung bleiben. Lektion gelernt? Prima, denn das war’s.

Applaus. Vorhang. Ab.


Prof. Dr. Elisabeth Heinemann
Prof-Dr-Elisabeth-Heinemannist als promovierte Wirtschaftsinformatikerin gerade KEINE Rampensau. Sagt sie. Doch ist die Inhaberin von Deutschlands einziger Professur für Schlüsselqualifikationen (FH Worms) auch Schauspielerin. Und als solche ist sie mit dem Leben an der Rampe bestens vertraut. Elisabeth Heinemann bietet insbesondere für technische Berufsbilder Trainings und Beratung zur besseren Vermarktung an.
frau-professor.de

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