Eros und Resonanz beim micelab:explorer II

micelab:bodensee: Veranstaltungen die berühren, sind auch lebendig

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micelab:bodensee/Jaron Gyger
Resonanzbeziehungen nähren lebendige Veranstaltungen, stellten die Forscher des zweiten micelab:explorer im Oktober 2017 fest.

Mitte Oktober fand auf Schloss Marbach am Bodensee das zweite Forschungsmodul der Weiterbildungsplattform micelab:bodensee statt. Beim micelab:explorer II spürten 13 Branchenvertreter und drei Impulsgeber, der Resonanzpädagoge und Motivationsforscher Wolfgang Endres, der Musikvermittler und freischaffende Künstler Johannes Voit und der Wildnispädagoge und Personal Trainer Chris Schorpp, dem Themenfeld „Eros und Resonanz – was Verbundenheit ermöglicht“ nach. Die Erkenntnisse fließen in die kommenden Lernmodule sowie in das zweite micelab:extract ein, das für Sommer 2018 geplant ist. 

Im ersten Labor – dem micelab:explorer I im Jahr 2016 – widmeten sich die Forscher dem Themenfeld „Angst und Vertrauen“. Kürzlich ist dazu das erste micelab:extract erschienen.

Gerhard Stübe, Geschäftsführer Kongresskultur Bregenz und Leadpartner der Weiterbildungsplattform für Veranstalter micelab:bodensee:

In den Forschungsmodulen gehen wir jeweils interdisziplinär der Frage nach, wie wir Veranstaltungen lebendig gestalten können. Unsere These lautet: Jede Veranstaltung ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos und spiegelt wider, wie Menschen leben, lernen, kommunizieren und einander begegnen.

Resonanz nährt Lebendigkeit

Schon Kleinigkeiten führen zu Resonanz, stellten die 13 Teilnehmer gleich zu beginn des micelab:explorer II fest: Morgendliches Singen und Bewegen sowie der gemeinsame Tagesablauf mit Übernachtung im selben Haus sorgten für Verbundenheit und eine wertschätzende, wache Atmosphäre. Dabei, so betont Tina Gadow, Veranstaltungsdramaturgin und Kuratorin des micelab:bodensee, sei Resonanz kein esoterischer Vorgang, sondern Ausdruck für lebendige Beziehungen:

Wenn der Funke überspringt, uns etwas berührt, sind wir in Resonanz und es kann Neues entstehen. Besteht ein Verlangen danach, dran zu bleiben, ist auch Eros im Spiel.

Wie wichtig archaische Rhythmen sind, zeigte Wildnispädagoge Chris Schorpp. Als Teil der Natur sei der Mensch vom natürlichen Tagesablauf abhängig – auch seine Lernprozesse. Die natürliche Abfolge von Inspirations-, Aktivitäts-, Entspannungs-, Reflexionsphasen usw. sorgt für Resonanz und Verankerung von Erfahrungen. Fehlende Ruhephasen führen schlimmstenfalls zu Erschöpfung und Erlahmen von Resonanzen. Die Teilnehmer des micelab:explorer II erkannten dabei, dass sich von den acht, der Natur nachempfundenen Lernphasen in Veranstaltungen meist nur drei widerfinden.

Resonanz braucht Zeit und Muße

Schorpp leitete die Forscher zudem an, auf die eigenen Sinne zu vertrauen und mutig die Umgebung zu erkunden: Barfuß und blind gingen sie entlang einer dünnen Schnur durch ein Waldstück. Auf die MICE-Branche übertragen heißt das: Mit offenen Sinnen, Zeit und Muße nehmen wir die Umgebung wahr. So können wir in Resonanz treten, die Sinne anderer berühren und Gelerntes vertiefen. Auch mit geschärften Sinnen durchs eigene Haus zu gehen, macht sichtbar, welche Ressourcen – Resonanzräume – schon da sind. Meist liegt der Fokus auf dem was fehlt.

Resonanzverstärker versus Resonanzkiller

Wie Resonanzen verstärkt werden können, zeigte Resonanzpädagoge Wolfgang Endres an einem Beispiel: Ein Rätselbild blendete er nur kurz ein und blieb die Antwort zunächst schuldig. Die Motivation wachse, wenn ein Bedürfnis verstärkt wird, so Endres. Die Zuhörer schenken dem Redner volle Aufmerksamkeit, bis dieser das Rätsel auflöst. Zu viel Zeit dürfe nicht verstreichen, sonst droht der Vortragende seine Zuhörer zu verlieren. Den richtigen Zeitpunkt spüre man in Resonanzbeziehungen – so seine These.

Resonanz lässt sich nicht planen, stellten die Teilnehmer fest. Sie erkannten jedoch „Resonanzkiller“ in Veranstaltungen: Neben fehlender Zeit und Muße gehören vorweggenommene Ergebnisse sowie das Denken in Richtig oder Falsch dazu. Wolfgang Endres betonte: “In Resonanzbeziehungen gibt es weder Gewinner noch Verlierer.“ Negative Bewertungen lösen meist Gegenwehr aus und das Gegenüber begibt sich in die innere Emigration. Heftiges Argumentieren wirkt ähnlich: In beiden Fällen wird Resonanz unterbunden.

Lerntypen ansprechen

Menschen haben unterschiedliche Lernbedürfnisse. Da sich jede Gruppe aus vielen Lerntypen zusammensetzt, sollten verschiedene Resonanzkanäle bedient werden: Während die einen mit System lernen, tun dies andere durch Lehren, durch Intuition (Bauchgefühl) oder Paradoxie. Endres brachte ein anschauliches Beispiel für letzteres: Die Aussage „Das ist unwichtig, das können sie vergessen!“ macht meist neugierig auf das, was kommt. Sie verstärkt das Verlangen (Eros), mehr zu erfahren. Gut dosiert bleiben die Zuhörer „am Ball“.

Plädoyer für Offenheit

Durch den Input von Musikvermittler Johannes Voit erfuhren die Teilnehmer außerdem, dass Schwingungen nur entstehen, wenn Hörer offen sind. Am Beispiel eines zeitgenössischen Musikstücks machte er klar: „Man muss moderne Musik nicht ‚verstehen’. Die Hörhaltung ist entscheidend – die Neugier, sich einzulassen. Dann ist Resonanz möglich, auch wenn das Stück letztlich nicht gefällt.“ Fixe Meinungen sind demnach ebenfalls Resonanzkiller, lautete die Erkenntnis – auch in Beziehungen zu Kunden und Geschäftspartnern.

Einen Schritt weiter geht „Aktives Zuhören“. Die Teilnehmer testeten dies beim „Gehspräch“ im Park. Sie erfuhren dabei, dass aktives Zuhören und Gehört werden Muße zulässt und Resonanzräume öffnet. Ein Teilnehmer bezeichnete das Gehspräch sogar als „Lernspaziergang, bei dem man ins Schwingen gerät und Gedanken weiterentwickeln, davon abschweifen oder sie verwerfen kann.“ Eine Haltung, die auch bei der Planung von Veranstaltungen hilft.

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