Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
Managementpraxis: Die fünf wichtigsten Trends der Event-Branche +++ Agenturen: 30 Jahre Planworx +++ Destinationen: Schmelztiegel Jamaika +++
Kritische Betrachtung von MICE-Messen

Attraktivität & Bedeutung von Messen aus Agentursicht

Illustration Kreativität(Bild: happyvector071 - stock.adobe.com)Mit einer Messebeteiligung verfolgen Aussteller im Durchschnitt mehr als acht verschiedene Ziele. Laut der Studie „AUMA MesseTrend 2019“, bei der Ende vergangenen Jahres 500 Fachmesse-Aussteller befragt wurden, steht der persönliche Kundenkontakt dabei meist im Fokus. Aktuelle Umfrageergebnisse von statista zur künftigen Bedeutung von Messen im Marketing-Mix von Unternehmen in den nächsten fünf Jahren weisen aus: Knapp zwei Drittel der befragten Unternehmen glauben, dass die Bedeutung von Messen konstant bleiben wird.

Auch MICE-Messen, wie z. B. IMEX, IBTM, ITB, mbt meetingplace, Locations-Messen, BOE usw. werden jedoch im Zeitalter der Digitalisierung zunehmend kritisch betrachtet. events hat bei einigen Agenturen nachgefragt:

Anzeige

events: Welche Messe betrachten Sie nach wie vor für Ihr Geschäft als wichtig und warum? Welche Messen haben für Sie eher einen geringen bis kleinen Stellenwert?

Ingo Schwerdtfeger
Ingo Schwerdtfeger arbeitet seit über 25 Jahren in der Event-Branche, kann auf Projekterfahrung in mehr als 40 Ländern zurückblicken und ist seit 20 Jahren verantwortlich in der Geschäftsführung der Agentur für Live-Kommunikation marbet Marion & Bettina Würth GmbH & Co. KG.

Ingo Schwerdtfeger: Grundsätzlich sind einige Messen für uns interessant – gerade in Zeiten der Digitalisierung bieten diese doch ein wichtiges Umfeld, um mit seinen Preferred-Partnern ebenso mit seinen DMCs und den Hotelketten weltweit in persönlichen Kontakt zu bleiben – von Angesicht zu Angesicht. Eine der wichtigsten Messen für uns ist die IMEX. Nicht nur um unsere bekannten Ansprechpartner persönlich zu treffen, sondern auch, um neue Kontakte zu knüpfen. Die BOE hat für uns in der Vergangenheit nicht die größte Rolle gespielt, wird allerdings aufgrund der BrandEx jetzt immer wichtiger, da sich dort die gesamte Branche trifft, um sich über aktuelle Event-Trends auszutauschen. Für uns von Relevanz sind auch die verschiedenen Treffen, bei denen die Geschäftsführer der Agenturen in Dialog untereinander treten können – beispielsweise die MICE Hall of Fame sowie das Agentur-GF-Treffen, welches marbet in 2019 bereits das 3. Mal in Folge organisiert. Weniger interessant ist für uns die ITB, da diese eher dem Tourismus und weniger MICE zugeordnet ist. mbt meetingplace oder Locations-Messen bieten uns zu wenig Mehrwert, da marbet ein eigenes Location-/Research-/Booking-Tool entwickelt hat.


Andreas Laube
Diplom-Kaufmann Andreas Laube ist seit 1989 in der Live- Kommunikations-Branche tätig und führt seit Januar 2016 – nach Stationen als Geschäftsführer der Agentur p’concept – zusammen mit Thomas Wüthrich als Managing Director MCI Deutschland mit ihren Niederlassungen in Berlin, München, Stuttgart und Düsseldorf.

Andreas Laube: MICE-Messen werden zukünftig nur dann legitimiert und erfolgreich sein, wenn sie sich wegbewegen von herkömmlichen Branchen-Meetings, bei denen nur zögerlich neue kommunikative Ansätze zur Anwendung kommen und das Treffen der „altbekannten“ Teilnehmer im erlernten Format im Vordergrund steht. Ohne die klare Öffnung für neue Zielgruppen, die Nutzung digital-partizipativer Kommunikationstechniken und ohne echte inhaltliche Mehrwerte, die nur live erlebt werden können, sehe ich keinen Grund, warum man an solchen Veranstaltungen teilnehmen sollte.


Vera Viehoefer
Vera Viehhöfer, Director Live- Marketing EREIGNISHAUS, Prokuristin geno kom Werbeagentur GmbH

Vera Viehhöfer: Messen haben für mich immer noch den Charme und den Nutzen, dass wir uns in der Branche austauschen, Ideen diskutieren und uns außerhalb des operativen Geschäfts begegnen. Weniger interessant sind Messen, auf denen sich Dienstleister wie im Katalog aneinandergereiht präsentieren. Ich will Neues sehen oder Bekanntes neu erleben. Es geht um Impulse, Visionen und den Mut anders zu denken. Egal, ob es sich hierbei um Acts, Locations oder andere Dienstleistungen/Produkte handelt. Wichtig sind für mich Messen, die sich immer wieder neu erfinden. So habe ich in diesem Jahr die Nähe des BrandEx zur BOE als Bereicherung empfunden. Diese Art der Vernetzung kann in Zukunft viele wichtige Potenziale wecken. Die ITB in Berlin, die ich erstmalig als Nachwuchsjournalistin 1996 besucht habe, ist für die Tourismus-Branche immer noch ein wichtiger Anker- und Treffpunkt. Vor allem, da Regionen immer mehr den Stellenwert von Marken einnehmen. Ideen sammle ich aber auch immer wieder auf Messen, die nicht zu den klassischen MICE-Messen gehören, wie zum Beispiel der ArtCologne, der EXPONATEC oder der ORGATEC. Eines kann die Digitalisierung in meinen Augen nicht ersetzen – den persönlichen Austausch, die Begeisterung, mit der Menschen ihre Ideen, Locations, Produkte oder Themen präsentieren und die multisensorischen Erlebnisse, die uns gute Messeauftritte bescheren.


Portrait Colja Dams
Colja M. Dams ist seit 1998 geschäftsführender Gesellschafter der VOK DAMS Agentur für Events und Live-Marketing, die sich seit Gründung im Jahr 1971 mit ihrem Leistungsangebot auf direkte, erlebnis- und ergebnisorientierte Marketing-Kommunikation spezialisiert hat.

Colja M. Dams:  Die Digitalisierung hat nicht weniger als eine Revolution in  der Markenkommunikation ausgelöst, Social Media, Chatbots,  KI, Marketing-Automation, Blockchain, Influencer,  Mobile Applications – die Liste ließe sich noch eine Weile fortführen – haben nicht nur die individuelle, sondern auch die Markenkommunikation verändert. Es stellt sich nun die Gretchenfrage, wie viel Live-Kommunikation brauchen wir eigentlich noch? Kaum eine Disziplin im Live-Marketing wird so heiß diskutiert wie der Messeauftritt. Und das betrifft natürlich auch die MICE-Messen. Messegesellschaften kämpfen um ihre Kunden, Marketing-Verantwortliche überlegen, ob eine Messebeteiligung noch sinnvoll ist und ob der ROI stimmt?  Warum eigentlich? Jeder weiß, dass nur die persönliche Kommunikation eine Differenzierung vom Wettbewerb ermöglicht. Messen sind Marktplätze des Marketings und eine einzigartige Begegnung von Mensch und Marke. Der Messeauftritt bietet die ideale Möglichkeit, mein Unternehmen, meine Produkte und Leistungen einem bereits interessierten Publikum im Rahmen des unmittelbaren Wettbewerbs zu präsentieren. Gerade die IMEX und die BoE sind zwei Messen der MICE-Branche, die man nicht verpassen darf. Die entscheidende Frage lautet also nicht: „Macht ein Messeauftritt Sinn?“, sondern „Wie mache ich meinen Messeauftritt sinnvoll?“ Die Zukunft liegt eindeutig in der Verbindung von Live-Erlebnis mit seiner Kontakttiefe und den digitalen Medien mit ihrer Reichweite. Diese Verbindung – also die Messe als Hybrid-Event – bietet wesentliche Vorteile. Sie verstärkt die Awareness durch die User-Aktivierung vor der Messe, sie steigert das Involvement, denn der Teilnehmer ist mit Herzblut und in Echtzeit dabei, und schließlich erhöht sie die Kontakt-Intensität und die Kontakt-Zahl. Es gibt jetzt bereits keinen erfolgreichen Messeauftritt mehr ohne die Einbindung von digitalen Medien. Aber diese Kanäle müssen mit Inhalt gefüllt werden. Diesen Inhalt liefert der Messe-Auftritt vor und nach der Messe. Wir nennen es Live Campaign.


Christian Münch
Christian Münch, Vorstand der planworx AG, ist ein Querdenker und liebt es, Change-Prozesse für internationale Konzerne umzusetzen. Auch intern stellt er gerne vieles in Frage: Zusammen mit seinem Geschäftspartner Chris Boehm-Tettelbach hat er vor zwei Jahren planworx in die Welt der „New Work“ geführt, die damit  zu einer der modernsten Agenturen Deutschlands geworden ist.

Christian Münch: Die Erfahrung für mich ist bei allen MICE-Messen immer die Gleiche: Im Vorfeld der Messen wird einem durch unzählige Einladungen, Meeting- Anfragen, News-Ankündigungen und dem Ausdruck von  Vorfreude auf allen verfügbaren Kanälen das Gefühl vermittelt, dass ziemlich sicher die Welt untergeht, wenn man  sich entscheidet der Messe fernzubleiben. Aufgrund von Zeitmangel und negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit gelingt es dann doch der Versuchung zu widerstehen und der Messe zu entsagen – um im Nachgang festzustellen, dass die Welt sich immer noch weiterdreht und man außer ein paar Freibier nichts verpasst hat …!

Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
Managementpraxis: Die fünf wichtigsten Trends der Event-Branche +++ Agenturen: 30 Jahre Planworx +++ Destinationen: Schmelztiegel Jamaika +++

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren