Der Tagungshotelier des Jahres 2017 kommt aus St. Goar! 

Tagungshotelier-des-Jahres-2017-Gerd-Ripp

Als Privat-Hotelier brauche man vor allem gute Instinkte meint Gerd Ripp, Besitzer des ****superior Romantik Hotels Schloss Rheinfels am schönen Mittelrhein. Derlei gute Instinkte bewiesen wohl auch die Juroren der diesjährigen Wahl zum „Tagungshotelier des Jahres“, als sie den umtriebigen Rheinländer auf das Siegertreppchen wählten.

Top-Tgaungshotelier-InfoPünktlich zum 60. Geburtstag, dem 35-jährigen Berufsjubiläum auf Rheinfels und dem 25-jährigen Bestehen der vielfach preisgekrönten Tagungsvilla durfte er im September 2017 im Pforzheimer Gasometer vor mehr als 200 geladenen Gästen aus der deutschen Hotelszene den vorläufigen Höhepunkt in einer Reihe von Auszeichnungen feiern. Mit stehenden Ovationen aus dem Kollegenkreis und einer respektvollen Laudatio durch die Vorjahres-Preisträgerin. Im Oktober kam eine weitere Auszeichnung hinzu: In Dublin wurde das Romantik Hotel Schloss Rheinfels mit dem „Historic Hotel Castle Award“ als romantischstes Schlosshotel in Europa ausgezeichnet! Wenn’s läuft, dann läuft’s!

Romantikhotel Schloss Rheinfels

 

>> Lesen Sie direkt hier das Interview mit Gerd Ripp, dem Tagungshotelier des Jahres 2017.

 

Gastgeber des Jahres, dreimal bestes Tagungshotel Deutschlands, Deutschlands bestes Event-Hotel, TOP-Arbeitgeber im deutschen Mittelstand – nur einige Schlagworte, die Wegmarken der letzten 15 Jahre markieren.

Der gelernte Kellner und Koch mit Stationen im legendären Hotel Bareiss, Baiersbronn und der Auberge du Cheval Blanc im Elsass war 1981 bereits jüngster Hotelbetriebswirt Deutschlands. Nur ein Jahr später ging er am romantischen Mittelrhein bereits als Geschäftsführer des damals noch mit drei Sternen bewerteten Hotels Schloss Rheinfels vor Anker. Die exponierte Hotelanlage war seinerzeit noch im Besitz der Fabrikanten-Familie Homann und die gab ihrem Angestellten mit dem ausgeprägten Unternehmer-Gen viel Spielraum, dieses besondere Haus zu entwickeln. Heute allerdings kann man nicht mehr von einem „Haus“ sprechen, sondern erlebt in St.Goar eine weitläufige Hotel- und Event-Arena, die wie eine Landmarke hoch über dem UNESCO-Welterbe thront. Investition in Vertrauen und Vertrauen in Investitionen.

Was war geschehen? 2003 entschloss sich die Fabrikanten-Familie, das Anwesen zu veräußern und nahm das Défilee der Kaufwilligen ab. Einer war schneller als alle Interessenten, erkannte den Mantel des Schicksals, den man ergreifen muss, wenn man gute Instinkte hat (Mut und Unternehmergeist nicht zu vergessen!) und griff zu: Gerd Ripp. Gemeinsam mit seiner Frau Petra bekam er auf der Basis langjährig gewachsenen Vertrauens den Zuschlag. Und begab sich auf den Kreuzweg der Suche nach Kapital. 95% Fremdfinanzierung mussten her und dass etwas Derartiges am Kapitalmarkt fast unmöglich ist, war ein bitteres Learning. Aber eben nur fast. Die heimische Kreissparkasse stieg letztlich „quid pro quo“ in den Ring, setzte Geld gegen Unternehmerqualitäten und bewies damit ebenfalls: gute Instinkte!

Für die umfangreichen Renovierungs- und Erweiterungsvorhaben waren nun bereits im ersten Schritt weitere Fremdmittel erforderlich. Gerd Ripp, im Übrigen auch Autor eines Zauberbuches, zauberte sich mit einer guten Idee bis in Wirtschaftswoche und Handelsblatt: Er mobilisierte „mezzanines Kapital“, machte 50 seiner Stammgäste, bis heute zufriedenen Genussschein-Inhabern, zu stolzen Besitzern von Rheinfels-Aktien mit regelmäßigen Zinsausschüttungen und VIP-Status. Auch hier kam ein längst vergessener Spruch zum Tragen: Wo der Stein am längsten liegt, begrünt er. Vertrauen erwies sich einmal mehr als die Grundlage von allem. Die AHGZ sprach gar „von einer Revolution in punkto Finanzierung“!

Muckelig an der Loreley

Ein unkonventioneller Innovator und Querdenker

2017 und viele Millionen-Investitionen später hat der „gelernte Kölner“ Gerd Ripp sein zweites Buch veröffentlicht mit dem Titel „Gegen den Strom zur Spitze“, war er Präsident der Hotelkooperation „Gast im Schloss“ und erster Hotelier im Wirtschaftssenat des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft , unterrichtete an der Hotelfachschule in Koblenz und verwandelte das Schlosshotel Villa Rheinfels zum ersten elektrosmogfreien Hotel.

Guten Marketing-Ideen ging er nie aus dem Weg. So trat er 2007 gemeinsam mit seiner Hausdame und stilecht mittelalterlich gewandet in der ARD-Quizshow mit Jörg Pilawa auf. Die 10.000,- Euro-Gewinnsumme investierte er in eine feucht fröhliche Mitarbeiterparty: Bodenständigkeit ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis eines „Chefs und Gastgebers zum Anfassen“! In der VOX-Serie „Mein himmlisches Hotel“ räumte er den ersten Preis ab und verschaffte sich und seinem Haus damit erneut bundesweite Publizität.

Lebe Deinen Traum

„Inzwischen ist aus dem Romantik Hotel Schloss Rheinfels ein Traumhotel geworden, das ich um keinen Preis der Welt mehr hergeben möchte“, schwärmt der passionierte Zigarrenraucher, der soeben ein weiteres Buch über Rum und Zigarren veröffentlicht hat. Diesen Traum zu leben, bedeutet ständige Innovations- und Investitionsbereitschaft. Die sich auch in kleinen Dingen manifestiert. Mit seiner neuen Yacht „Buona Vista“ schippert er Gäste durch das einzigartige Tal der Loreley, mit dem nostalgischen Oldtimerbus „Rheinfels-Schnauferl“ Entschleunigungs-Romantiker zum Picknick in die Weinberge.

Apropos Picknick: Die neueste Groß-Investition ist eine weitere Arrondierung des Angebotes in das nur wenige Fahrminuten entfernte Waldchalet Maria Ruh mit Picknickpark und großer Open Air-Bühne, mit Kaffee-Rösterei, Barrista und edlen Quittenbränden. Einzigartig ist der Blick direkt auf das unmittelbar gegenüber liegende Loreley-Plateau. Auch hier erinnert man sich unwillkürlich an das Erfolgsmotto des Hotelpioniers Conrad Hilton: Lage, Lage, Lage.

VDVO_Muckelig-Romantikhotel Schloss Rheinfels
(Bild: VDVO)

Fast 150.000 Euro wurden 2017 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums in die Tagungsvilla investiert – vornehmlich in modernste Technik und zeitgemäßes Ambiente im Pausenbereich. Der Verband der Veranstaltungsorganisatoren e.V. hatte anlässlich eines Verbandsfestes auf Schloss Rheinfels Anfang Oktober die Gelegenheit, den historischen Gewölbekeller im weitläufigen Burgareal, die Tagungsvilla, das Schlosshotel mit der Welterbe-Terrasse, die Erlebniskneipe „Backes“ und das Waldchalet unter die fachliche Lupe zu nehmen – mit begeisterten Kommentaren.

Befragt nach den weiteren Plänen meint Ripp:

Bei einem so weitläufigen Areal wird man letztlich nie fertig. Wir haben in den letzten knapp 15 Jahren so viel entwickelt, dass ich mich jetzt einfach überraschen lasse, welche Ereignisse an mich herantreten – und vielleicht wieder Ideenreichtum und entschlossenes unternehmerisches Handeln fordern!

8 Fragen an den Tagungshotelier des Jahres 2017

Herr Ripp, was halten Sie von dem derzeitigen Hype um alternative Tagungsformate?

Gerd Ripp: Man muss nicht jedem Borstentier gleich hinterher laufen, das durchs Dorf getrieben wird. Ich habe da eher eine aufgeschlossen konservative Haltung. Wo es passt, beispielsweise bei Ideenfindungs-Prozessen, gerne. Aber nicht als Heilsbringer schlechthin. Schauen Sie: Es läuft doch zumindest bei Seminaren letztendlich alles über die Persönlichkeit des Trainers. Oder auch des Tagungsleiters. Sind die richtig gut, dann ist die Veranstaltung Ziel führend. So oder so. Der ganze Kult um die Interaktion ist meines Erachtens in der Hauptsache darauf zurück zu führen, dass „vorne“ oft so schlecht und unqualifiziert gearbeitet wurde, dass die Teilnehmer einschliefen. Und was die Örtlichkeit angeht: Bei uns konnten Sie schon immer draußen im kleinen Amphitheater tagen oder sogar im Wald, wenn das sinnvoll erschien.

Wie wichtig ist die Hardware in einem Tagungshotel?

Gerd Ripp: Die muss auf einem guten Stand sein, keine Frage. Aber viele Hotels glauben, dass sie automatisch in die Pole Position kommen, wenn sie in der Hardware etwas verändern. Letztlich gilt aber: It’s all about People! Zuwendung, Umgangskultur, Servicequalität und eine insgesamt positive menschliche Präsenz geben dem Tagungsteilnehmer das berühmte „gute Gefühl“. Alle, der Tagungsleiter und die Hotelmannschaft, die außen herum wirkt, müssen zu einem positiven Gesamtergebnis beitragen. Wir haben Tagungsfirmen hier, die ihren Seminarprozess so mit unserem Haus verknüpfen, dass wir zum Teil der Dramaturgie werden, weit über Technik und Flächenangebot hinaus. Aber natürlich darf es nicht sein, dass sich Referenten oder Teilnehmer heutzutage noch fragen müssen, wie sie diese oder jene Visualisierung auf die Leinwand bekommen. Die Kunst besteht darin, sich nicht von der digitalen Welt abhängig zu machen, sondern sie sinnvoll zu nutzen, Überflüssiges von Wichtigem zu unterscheiden.

Stichwort Personal: Zehn Mitglieder Ihres Teams sind nach Pforzheim gereist, um sie während der Preisübergabe zu überraschen. Was ist Ihr „Personalgeheimnis“?

Gerd Ripp: Das Verhältnis ist eng bei einem Privathotel, sagen wir mal: sollte es sein. Aber im Ernst: Bei uns lernen die Leute das, was für die Branche essentiell ist: den Umgang mit Menschen. Ohne die mancherorts in der Hotellerie üblichen ausgeleierten Floskeln. Das führt zu einer Persönlichkeitsentwicklung, mit der man überall gute Chancen hat. Im Tagungsbereich erfahren sie schon früh, was es heißt Teilnehmer zu sein, denn wir führen inhouse viele Mitarbeiter-Seminare durch.

Die Tagungsvilla hat 25-jähriges Jubiläum. Was hat sich in den letzten 25 Jahren verändert?

Gerd Ripp: Klaus Kobjoll und Rudi Neuland waren in den Anfangsjahren der Didaktik die Gurus. Viele Ihrer Forderungen sind heute selbstverständlich. Gewandelt haben sich die Ansprüche an Möblierung, Technik und Flächenkonfiguration – wir haben gerade wieder 150.000 investiert! – die Teilnehmerzahlen wurden kleiner, die Rhythmik der Veranstaltungen häufig höher, die Buchungen kurzfristiger. Früher machte die Industrie Druck und suggerierte, dass ohne ISO-Zertifizierung bald kein Blumentopf mehr zu gewinnen sei. Heute lachen wir darüber. Aber die Zertifizierung als Certified Business Hotel oder Certified Conference Hotel halte ich für enorm wichtig und entscheidungsrelevant.

Hat der Preisdruck zugenommen?

Gerd Ripp: Viele sagen ja, ich meine nein. Wir machen keine Rahmenverträge und geben keine Rabatte. Dafür liefern wir individuelle Zuschnitte. Wir sagen: Lass uns über Deine Ziele sprechen und nicht über das, was Du ausgeben kannst. Wir haben die Tagungspauschale sogar erhöht. Denn vielen Firmen ist klar, dass eine externe Veranstaltung mit allen Nebenkosten so teuer ist, dass es keinen Sinn macht an der Stelle um ein paar Euro zu feilschen, wo am meisten schiefgehen kann, die am Ende entscheidend ist für den Erfolg der Gesamtmaßnahme. Die aus Hoteliers-Sicht vermeintlich „Goldene Gans Veranstaltung“ wird von klugen Kunden längst nicht mehr isoliert betrachtet, sondern muss eingebettet sein in ein stimmiges Hospitality-Gesamtkonzept. Honoriert wird ein maßgeschneiderter Rahmen für menschliche Interaktion und emotionale Begleitkomponenten zur besseren Verankerung der Inhalte. Das können inhouse-Seminare beispielsweise nicht leisten und das ist umso mehr seinen Preis wert, je besser es gemacht ist. Dafür haben wir im Übrigen unter dem geschützten Begriff „TradiVision“ spannende Konzepte entwickelt: aus der Tradition heraus Visionen entwickeln.

Bitte ein paar Worte zum Thema Marketing, das ja auch ein Mitentscheidungs- Kriterium für Ihre Wahl war…..

Gerd Ripp: Die erste Grundlage für erfolgreiches Marketing ist ein stimmiges Produkt. Die neue Transparenz und die Bewertungsportale verzeihen keine Marketing-Lüge. Und wenn die Positionierung stimmt, ist der Verkauf ohnehin immer auf der sicheren Seite. Wir setzen auf einen vernünftigen Mix aus Digital und Print. Gerade mit Print können wir eine hochwertige und sehr individuelle Zielgruppenansprache erreichen, haptisch und sinnlich auftreten, ganz so, wie es auch unserem Produkt entspricht. Wir arbeiten nicht mit der digitalen Gießkanne.

Sind die Privathotels eigentlich im internationalen Marketing gut aufgestellt?

Gerd Ripp: Klares Nein. Da sind wir noch „grün hinter den Ohren“ und haben hohen Nachholbedarf!

Was hat Sie in den letzten Jahren eigentlich am meisten geärgert?

Gerd Ripp: Die völlig unsinnigen Auswüchse rund um das Thema Compliance. Dass man guten Kunden nicht einmal mehr zu Weihnachten eine Flasche Sekt schicken kann, ohne gleich unter den Generalverdacht des Bestechungsversuchs zu geraten. Das ruiniert unsere Umgangskultur und ist ein großes Ärgernis.

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