Geschäftstourismus soll sich verdoppeln

Moskau putzt sich raus für die FIFA-WM

Moskau
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Konstantin Goryainov (Moscow Government of Sport & Tourism) schwärmt, denn Russlands Hauptstadt zieht wieder die Massen an. Und dies trotz Sanktionen des Westens und Massenbaustellen quer durch Moskau. Nach schwierigen Jahren 2014 und 2015 (der Incoming-Tourismus brach teilweise zur Hälfte ein) hat man sich wieder erholt.

Einerseits bearbeitet Goryainov bewusster den Binnenmarkt und andererseits kam auch in Moskau der neue Tourismusgigant China zur Hilfe. Und obwohl chinesische Gruppen das touristische Stadtbild Moskaus prägen: Der Großteil der Kunden sind Geschäftsleute und von den 17,5 Millionen Ankünften kommen zwei Drittel aus Russland. Das gibt der Branche Stabilität, denn diese beiden Segmente verschieben sich nicht so schnell.

Moskau kann sich also in Ruhe auf die WM 2018 vorbereiten, wobei es nicht wirklich eine Ruhe vor dem Sturm ist. Denn die Stadt ist eine wahrliche Großbaustelle, die auch im vergangenen Sommer während der wenigen Confed-Spiele keine Pause machte. Die 12,2-Millionen-Einwohner-Metropole (manche glauben, dass es deren 16 sind) putzt sich für den FIFA-Weltcup heraus. Goryainov erzählt beispielsweise, dass man über 200 km Spazier- und Flanierwege anbieten kann; entsprechend schießen Straßencafés und Einkaufs-Alleen wie Pilze aus dem Boden. Über den Winter werden die dann zwar geschlossen sein, aber Moskau dürfte sich zum großen Treffen der Fußballbesten schön und modern präsentieren.

Geschäftstourismus explodiert

Auch als MICE-Destination bietet sich die russische Hauptstadt an, aber Aufträge aus dem Westen sind dennoch relativ rar. Zumindest was die Segmente Incentives und Firmen-Events betrifft. Interessanter, auch aus nationaler Perspektive, ist das Kongressgeschäft. Da kann sich Moskau ziemlich gut in Szene setzen und tut dies beispielsweise mit fast 50 Kongress- und Ausstellungszentren.

Moskau-in-ZahlenViele der Geschäftsreisenden kommen für die jährlich über 500 Fachausstellungen und Konferenzen. Konstantin Goryainov schätzt, dass aus Deutschland beispielsweise jeder dritte Besucher aus beruflichen Gründen nach Moskau reist. Direktverbindungen gibt es genügend; Moskaus vier Flughäfen werden von Berlin, Frankfurt, Stuttgart, Karlsruhe, Dresden, Düsseldorf und München bedient. Goryainov ist sich sicher: „Nach der Fußball-WM und in den kommenden Jahren wird sich der Geschäftstourismus verdoppeln.“

Die internationalen Hotel-Player sind alle da und zwar mit exzellenten Häusern. Das Hotel Kempinski Baltschug beispielsweise ist schon seit Längerem auch in den europäischen Märkten erfolgreich positioniert. Westliche Gäste machen 75% der Logiernächte aus. Zwölf Tagungsräume stehen im Angebot, darunter beispielsweise die „Library“ mit fantastischer Sicht auf den Roten Platz. Auch das Marriott Grand ist beliebt: Es offeriert zehn Seminarräume und mehrere Säle, den größten für Empfänge mit bis zu 600 Gästen. Auch Swissôtel Krasnye Holmy, Four Seasons oder das Radisson Royal Hotel (im alten Sowjet-Stil) sind im Angebot und präsentieren sich derzeit allesamt ziemlich günstig. Vergleiche auf Buchungsportalen zeigen, dass diese Luxushäuser auf Grund der Entwertung des Rubels bis zu 50% günstiger sind als ihre westlichen Pendants. Das wird nicht lange Jahre so bleiben, aber laut mehreren Aussagen in Moskau sicher weit über die Fußball-Geschichte hinaus.

Zwar freuen sich die Tourismusmacher auf das FIFA-Abenteuer, aber man spürt schon, dass man die dann anreisenden Fußballfans eher als Episode sieht. Mittelfristig setzt Moskau auf die großen Massen der Fernmärkte oder eben auf die Geschäftswelt. Im Individualreisesegment hingegen will man sich nach der WM als schöne, schicke und klassische europäische Lifestyle-Metropole anbieten. Der FIFA-Auftrag dient also quasi als Motor, sich schnellstmöglich ins richtige Bild zu setzen. [2284]

www.mos.ru/en/

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