MICE-Destination Frankreich

Jerôme Poulalier: Es ist Zeit für Positiv-Meldungen aus Frankreich!

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© VIS-PARIS, L'AUTRE IMAGE

Die Terror-Ereignisse in Paris und Nizza sind im Tourismus nicht ohne Folgen geblieben. Die gesamte Hotelbranche im Großraum Paris beziffert ihre Umsatz-Rückgänge im ersten Halbjahr mit etwa 15 Prozent. Nicht viel anders dürfte es auch, gerade was die letzten Monate angeht, in Nizza aussehen.  

Jerôme Poulalierevents hat mit Jerôme Poulalier, dem deutschen Repräsentanten des französischen Meeting- und Convention Boards von Atout France, über die allgemeine Lage in Frankreich gesprochen. Er meint: „Es ist Zeit für Positiv-Meldungen!“

events: Herr Poulalier, können Sie die Einbußen etwas näher erläutern?
Jerôme Poulalier: 
Ja, besonders stark ist die Zurückhaltung in den Quellmärkten China, Japan, USA. Innerhalb Europas ist das nicht so dramatisch. Das betrifft aber vorwiegend den Individualtourismus. Im MICE-Segment gab es keine Rückgänge, obwohl wir ein wenig skeptisch auf die nächste Monate schauen. Man sollte beim Blick auf die Ereignisse in Paris und Nizza übrigens nie vergessen, dass Frankreich zu fast 90 Prozent aus sehr reizvollen ländlichen Regionen besteht – und die sind ohnehin genauso sicher wie ländliche Regionen in anderen Teilen Europas.

Bordeaux Cite du Vin
Bordeaux Cite du Vin
Bordeaux Cite du Vin

events: Nun haben sie leider auch die öffentlichen Medien nicht gerade auf Ihrer Seite . . .
Jerôme Poulalier: 
Ja, in der Tat erleben wir in den Medien für meine Begriffe etwas zu viel „French Bashing“. Es wird immer nur über Negativ-Schlagzeilen kommuniziert und nicht über die vielen Dinge berichtet, die in Frankreich positiv in Bewegung sind. Die Arbeitslosigkeit hat sich verringert, das Wirtschaftswachstum ist stärker als erwartet ausgefallen und viele neue Projekte zeugen von einem großen Schwung im Land. 2015 sind 273 Millionen Euro in Investitionen im MICE-Segment geflossen, auch 2014 waren es bereits 203 Millionen Euro.

Zitat Jerome Poulier

events: Was gibt es denn Positives für 2016 und darüber hinaus zu erzählen aus Frankreich?
Jerôme Poulalier: 
Nun, da ist zum einen das boomende Bordeaux, das nicht zuletzt wegen der Eröffnung des spektakulären Museums „Cité des Civilisations du Vin“, immer beliebter wird für MICE-Anfragen. Aktuell liegt eine Anfrage aus dem deutschen Markt vor für einen großen Product Launch.

Beeindruckend sind auch die neu eröffnete Fondation Louis Vuitton, ein spektakuläres Kunstmuseum im Pariser Bois de Boulogne und Jean Nouvels Philharmonie im Osten von Paris. Ein sehr großes Projekt ist die Erweiterung der Kongress-und Messekapazitäten an der Porte de Versailles, verkehrsgünstig gelegen direkt an der Peripherique. Die Eröffnung des 500 Millionen Euro teuren Komplexes mit 220.000 qm Fläche ist für 2018 geplant. Ein neuer Plenarsaal wird über 5.000 Delegierte aufnehmen können und zwei neue Hotels mit über 400 Zimmern bieten weitere Übernachtungskapazitäten.

Auch in Roissy am Flughafen Charles de Gaulle investiert die Stadt für die Eröffnung in 2019 in ein neues Kongresszentrum mit Shopping Mall, Hotels und Büros. Schnell noch ein Ausflug ins Disneyland: Das maritime Newport Bay Club Hotel, mit 1.000 Zimmern größtes Haus im Park, ist komplett renoviert und weiterhin wird am Rand des Geländes ein Öko-Resort, Village Nature, entstehen.

Frankreich-Locations

events: Was tut sich in anderen Städten?
Jerôme Poulalier: 
In Lyon, der zweitgrößten Stadt Frankreichs, ist für 2018 die Eröffnung der Cité de la Gastronomie geplant. Ein spannendes Konzept im Herzen der Stadt und einer Mischung aus Interconti-Hotel, Tagungszentrum, Themenmuseum u.v.m. Das Besondere: Das Ensemble entsteht im historischen Gemäuer des Hotel Dieu aus dem 17. Jahrhundert.

Weiter Richtung Süden, in Nizza, machen zwei Projekte auf sich aufmerksam: Vom Flughafen bis in die City wird eine moderne Tram gebaut und 2022 soll am Flughafen ein neues Kongress- und Messezentrum mit 75.000 qm Ausstellungsfläche in Betrieb gehen. Im Hospital Pasteur ist ein Tagungszentrum mit ganz modernen Infrastrukturen in medizinischer Themenanbindung entstanden.

Toulouse ist die an Deutschland optimal angebundene Destination und baut für 2021 ein neues Kongresszentrum und weitere Hotelkapazitäten auf. Spannend in Annecy und passend zum Anfrage-Trend in den französischen Alpen ist die Eröffnung eines neuen Kongresszentrums auch dort, nur 25 Minuten vom Flughafen Genf entfernt. Im nahe gelegenen Chamonix schließlich sind neue Hotels entstanden, Heliopic und RockyPop-Hotel, die durchaus Maßstäbe setzen.

events: Kommen wir noch einmal auf Boomtown Bordeaux zurück – die Anbindung könnte besser sein, oder?
Jerôme Poulalier: 
Wir rechnen in Kürze mit einer deutlich verbesserten Fluganbindung an Deutschland und sind in aussichtsreichen Gesprächen mit Airlines.

Ein Kommentar zu “Jerôme Poulalier: Es ist Zeit für Positiv-Meldungen aus Frankreich!”
  1. Andrea Roux

    Die zweitgrößte Stadt Frankreichs ist Marseille mit ca. 860.000 Einwohnern. Mir ist schleierhaft, wie man die Strecke Genf – Annecy in nur 25 Minuten zurücklegen will. Das schafft man nicht unter 45 Minuten.
    Solche Fakten muss ein Übersetzer prüfen. Ich mache das prinzipiell. [ANMERKUNG DER REDAKTION: LINK ENTFERNT]
    Mit freundlichen Grüßen

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