Meet Luxembourg

Bekannt für große Emotionen bei Großevents – Luxemburg


Luxemburg
© Claude Piscitelli
In Luxemburg haben Public Events eine große Tradition. Das können sich Veranstaltungsplaner zu Nutzen machen. Kulissen, Venues und Expertise sind da!

Dass in Luxemburg Kongresse und Konferenzen von internationalem Niveau an der Tagesordnung sind, dürfte sich längst herumgesprochen haben. Nicht nur das neue Kongresszentrum im Europaviertel auf dem Plateau Kirchberg, auch zahlreiche spannende Venues und neue Hotels haben dazu beigetragen. Mittlerweile entfallen rund 57 Prozent aller Hotelübernachtungen (913.000 pro Jahr) in Luxemburg auf den Geschäftstourismus, 230.000 davon gehen auf das Konto des Kongresstourismus.

Jüngste Akquisition: Die Vollversammlung der 71. Jahreskonferenz der Internationalen Pilotenvereinigung (IFALPA) in New Orleans hat beschlossen, den 73. Kongress im Jahr 2018 in Luxemburg durchzuführen. Die IFALPA repräsentiert mehr als 100,000 Piloten in über 100 Mitgliedsverbänden weltweit.

Francine-Closener
© Luc Deflorenne
Francine Closener

Im gleichen Jahr 2018 feiert der luxemburgische Verband Association Luxembourgeoise des Pilotes de Ligne seinen 50. Geburtstag. In der Regel wird der Kongress von etwa 500 Delegierten besucht und mit Teilnehmern aus der Luftfahrt-Industrie wie Airbus, Boeing, Bombardier und Embraer verstärkt. In den letzten sieben Jahrzehnten hat sich die Veranstaltung zu „dem“ Leuchtturm-Event der internationalen Luftfahrt entwickelt.

Für das Großherzogtum ist es an der Zeit, stärker Flagge zu zeigen, eine Art „Nation Branding“ zu betreiben. Der Anfang ist gemacht. Denn Anfang September 2016 hatte die Destination erstmals ein mehrtägiges Programm aufgelegt für etwa 110 Hosted Buyer aus mehreren Nationen, 90 Kongressorganisatoren und 40 lokale Keyplayer. Unter dem Oberbegriff „Meet Luxembourg“ zeigten die Akteure, was sie können. Und sogar eine Begegnung der Großherzogin waren „drin“. Wir haben am Rande des Events kurz mit Staatsekretärin Francine Closener sprechen können.

 

Ist die heutige Veranstaltung ein Erfolgsprodukt des „MICE-Clusters2?

Francine Closener: Das neue MICE-Cluster arbeitet an vielen Projekten, aber das heute ist das erste konkrete und ich bin sehr glücklich, dass die politischen Institutionen das „Meet Luxembourg“ mittragen. Aber mittlerweile geht es von den Branchenakteuren selbst aus und das ist das, was wir wollen.

 

Kann es ein Wahrnehmungsproblem für Luxemburg geben? Dergestalt, dass Planer von größeren Veranstaltungen befürchten müssen, aufgrund der starken Auslastung durch die europäischen Institutionen und entsprechend auch hochpreisige Phasen keine bezahlbaren Slots zu bekommen?

Francine Closener: Das mag auf das European Convention Center zutreffen, weil das natürlich sehr abhängig ist von den europäischen Ratssitzungen. Aber trotzdem wissen die Profis, in welche Lücken man problemlos planen kann.

Was mir sehr am Herzen liegt, sind die Hotelkapazitäten. In den letzten Jahren war da oft das Nadelöhr. Aber jetzt haben wir eine Trend-Umkehr. In den nächsten vier, fünf Jahren werden wir etwa 1.000 neue Hotelzimmer hinzu bekommen. Hieb- und stichfest.

Was die Preispolitik angeht: Das ist ein falsches Image. Man spart viel Geld und Zeit in Luxemburg wegen der kurzen Wege! Wir wollen hohe Qualität abliefern. Wer Billigangebote sucht, ist hier falsch. Ich möchte das auch nicht unterstützen. Mir geht es sehr darum, Qualität in allen Bereichen hochzuhalten und so etwas hat immer einen berechtigten Preis.

 

Unter den als Finanzplatz bekannten Destinationen wie Zürich, Frankfurt, London, Monaco hat Luxemburg nach meiner Wahrnehmung das geschäftstouristisch schwächste Image. Zugegeben: Weltklasse-Infrastruktur, aber eingebettet in das ländliche Konstrukt der Eifel. Da ist Europa, da ist der Großherzog, aber wo ist der Rest, die „Seele“? Schön und gut: Welche Assets können sonst ins Feld geführt werden?

Francine Closener: Genau das versuchen wir jetzt: Luxemburg ist nicht nur der Boulevard Royal mit den Banken, nicht nur Plateau Kirchberg mit den Europa-Institutionen. Deswegen haben wir dieses Format „Meet Luxembourg“ ja hier auch mit 160 Teilnehmern aus mehreren Nationen ins Leben gerufen. Die Leute sehen, wie gut man hier aufgehoben ist, erleben die schöne Mischung aus Gemütlichkeit klein und fein und Weltbürgertum. Das findet man selten und muss es erleben. In einem Weltkulturerbe übrigens!

 

Streetevent-Clervaux
Warum nicht einmal am Rande eines Kongresses Teile der reizvollen Stadt zur Bühne machen? In Luxemburg sind die Planungswege zum „Roten Teppich in der City“ unkompliziert und kurz.

 

Muss man nicht auch die Menschen verkaufen und nicht immer nur die Flächen?

Francine Closener: In der Tat: Immer wenn man an Nahtstellen Menschen zusammenbringen muss, braucht man Mehrsprachigkeit, Internationalität. Auch Gastlichkeit, die nicht von urbaner Atemlosigkeit geprägt ist, sondern Elemente ländlicher Contenance hat.

Das ist uns hier nicht immer bewusst. Wir nehmen das als selbstverständlich hin, dass die Kinder hier drei-, viersprachig aufwachsen. Jede Familie hat diese Selbstverständlichkeit. Sie haben vollkommen Recht: Die Menschen gehören nach vorne. Die Luxemburger sind Überlebenskünstler, haben von allen Eroberern, die hier waren, das Beste zusammengetragen.

Nicht zu vergessen aber: Unser Wirtschaftsstandort ist enorm dynamisch und wir haben in den letzten zehn Jahren sehr stark an der Differenzierung gearbeitet. Die Früchte, die wir jetzt einfahren, sind bemerkenswert. Im IT- und im Satellitenbereich mit den ESA-Initiativen, auch Öko- Innovationen und Automotive, sind wir weit gekommen. Und dann geht man nach Clervaux und trinkt dann gemütlich sein Bierchen auf der Terrasse, schlürft unseren sensationellen Crémant in einem Weindorf an der Mosel oder schaut sich in Vianden ein mittelalterliches Schloss an, während im Nachbardorf Windkraft- und Satelliten- Anlagen stehen.

 

Sie erklären schön die einzelnen Aspekte dessen, was Sie unter Nation-Branding verstehen …

Francine Closener: Ja, wir müssen anfangen, Geschichten zu erzählen. Und arbeiten in der Tat an einem Konzept des Nation-Branding.

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