Produkt: events Magazin digital 01/2018
events Magazin digital 01/2018
Managementpraxis: Die fünf wichtigsten Trends der Event-Branche +++ Agenturen: 30 Jahre Planworx +++ Destinationen: Schmelztiegel Jamaika +++
Gefahrenpotenziale minimieren:

Smartphone-Videos im Einsatz für die Sicherheit bei Events

Smartphone_App_Anwendung für Sicherheit(Bild: link instinct, Harry Flint)Schon bei einer Veranstaltung mittlerer Größe müssen Flucht-, Rettungs- und Verkehrswege dokumentiert und festgelegt sein. Das bedeutet: Ab 5.000 erwarteten Teilnehmern ist zwingend vom Veranstalter nach § 43 Abs. 2 der VStättV ein mit Polizei, Rettungs­diensten und Behörden abgestimmtes Sicherheitskonzept vorzulegen. Bisher geschieht das in Schriftform und bleibt meist verschlossen in den Schubladen der Verantwortlichen. Zunehmend gewinnt die Videodokumentation im Rahmen von Katastrophenprävention im Veranstaltungsbereich nun mehr an Bedeutung.

Spätestens seit der Loveparade-Katastrophe in Duisburg sollte jeder Veranstalter wissen, wie wichtig eine ordnungsgemäße Dokumentation von Fluchtwegen, Rollen des Personals und Sicherheitsvorkehrungen für die Teilnehmer von Veranstaltungen ist. Nur wenn im Ernstfall jeder weiß, was zu tun ist, kann man davon ausgehen, dass alles reibungslos läuft. Bereits im Vorfeld einer Veranstaltung können Videos eingesetzt werden, um z. B. ein Rettungs- und Sicherheitskonzept zu veranschaulichen. Auch in der Ausbildung von Sicherheitspersonal können Videosequenzen quasi realistische Situationen zeigen und die Verantwortlichen so besser auf alle Eventualitäten vorbereiten. Eine wertvolle Hilfe stellt eine Video­dokumentation aller vorgeschriebenen Maßnahmen dar. Die link instinct® Methode für schnelles, einfaches und intuitives Storytelling bietet hierfür einen praxisnahen Werkzeugkasten.

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Das Dreiphasen-Modell

Dieses Modell gliedert den Prozess des Videomakings in die Phasen Analyse, Umsetzung und Verbreitung. Oder neudeutsch „Determine“, „Do“, „Deliver“.

Analysephase:

In der Analysephase geht es darum, die richtige Aussage zu finden und den Film inhaltlich zu strukturieren. Ziel ist es, die Zielrichtung des Films mit einem Wort zu umschreiben und die Aussage so zu schärfen, das sie für den Zuschauer einleuchtend und eindeutig ist. Wir bedienen uns dazu der journalistischen Grundfragen, den sogenannten „fünf Ws“. Wer definiert die Zielgruppe der Botschaft. Was definiert das Thema oder den Sachverhalt. Wo legt den Ort der Handlung fest. Wie definiert die Art, wie erzählt wird. Und last but not least: Warum definiert den Anlass. Beantwortet man diese Fragen, ergibt sich das Gerüst des Films wie von selbst, wie man am Beispiel des Stadtfestes „Kaarst Total“ sehen kann.

Kaarst ist eine mittelgroße Stadt im Rheinland mit ca. 40.000 Anwohnern. Einmal im Jahr findet dort das große Stadtfest mit ca. 100.000 Besuchern statt. Auf mehreren Bühnen sind Live-Acts vorgesehen, die Innenstadt ist komplett gesperrt und an den Straßenrändern stehen Verkaufsbuden. Das Stadtfest endet mit einem Höhenfeuerwerk am Sonntagabend.

In der Sicherheitsbesprechung werden die Bühnen als Hauptrisikoträger definiert. Die Hauptbühne befindet sich auf dem Rathausvorplatz mit einer Kapazität für ca. 10.000 Menschen. Einzelne Bierverkaufsstellen befinden sich auch während der Konzerte auf dem Platz in Betrieb. Im ersten Sicherheitsvideo muss gezeigt werden, dass der Rathausvorplatz von mehreren Seiten erschlossen wird, dass die Fluchtwege nicht verstellt werden können und eine alternative Fluchtroute über das angrenzende Parkhaus möglich ist.

Die Dramaturgie des Films ergibt sich aus den fünf Ws:

Wer ist die Zielgruppe des Videos? (Verwaltung, Ordnungsbehörde, Sicherheitskräfte)
Was muss durch das Video gezeigt werden? (Fluchtwege und Sicherheitsvorrichtungen)
Wo spielt das Video? (Rathausvorplatz und Parkhausdeck)
Wie wird der Sachverhalt gezeigt? (Ortsbegehung und das Ablaufen der einzelnen Location)

Warum wird das Video gemacht? Schulung von Ordnungskräften (Darstellung der Fluchtwege vom Rathausplatz)

Aus diesen Antworten ergibt sich das Hauptthema des Films „Fluchtwege“. Ziel ist es zu erfahren, ob die Fluchtwege für eine große Menge von Menschen ausreichen, um sicherzustellen, dass im Falle einer Notfalllage der Platz zügig evakuiert werden kann. Das Video soll quasi in einem Selbstversuch zeigen, ob die Fluchtwege erkannt und benutzt werden können.

Umsetzungsphase:

In der Umsetzungsphase entsteht zunächst ein Drehkonzept. In diesem werden die Antworten aus der Analysephase in Bilder gefasst. Auf diesem Weg werden die Bilder des Films (Szenen) und die dramaturgische Anordnung der Szenen festgelegt. Aus dem Drehkonzept ergibt sich das Storyboard, das als Vorgabe für die Kameraarbeit später beim Dreh dient. Es hat sich gezeigt, dass es Sinn macht, das Storyboard sehr gründlich zu entwickeln. Nur so gelingt es, einen Film herzustellen, der sein Ziel erreicht und seine Zielgruppe findet. Dieses Vorgehen unterscheidet einen Film nach der link instinct® Methode von einem spontan gedrehten Video mit dem Smartphone. Das Storyboard definiert jede einzelne Szene nach Länge, Handlung und Inhalt. Es ist die Auflistung der Bilder, die später den Film ergeben und chronologisch abgefilmt werden. Um das Storyboard festzulegen, sollte man eine Tabelle anlegen. Sie erleichtert später die Arbeit vor Ort. Hier ein Beispiel, das die Inhalte des Fluchtwege-Videos abbildet. Das Video wird im „POV-Modus“ – die Kamera sieht, was das Auge des Protagonisten sieht – gedreht und aus dem Off heraus vertont.

Bild-Nr.

Bildinhalt OFF-Text Länge
001 Übersichtsaufnahme Rathausplatz mit Drohne oder vom Parkdeck in den Rathausarkaden Der Rathausplatz. Hier befindet sich bei unserem Stadtfest die Hauptbühne. An den Abenden werden hier ca. 10.000 Zuschauer sein und den Main-Acts zuhören.   8 Sek.
002 360 ° -Drehung auf der Mitte des Platzes Der Platz wird durch fünf Zugänge erschlossen, sodass Zuschauer von allen Seiten den Platz betreten und verlassen können. An jedem Zuweg stehen Ordner, die durch Uniform klar zu erkennen sind. 14 Sek.
003 Kamera geht von der Straße durch die Absperrungen auf den Platz. Dies ist die Hauptrichtung, in der sich der Platz füllt und entleert.   5 Sek.
004 Die Kamera geht vom Zebrastreifen Girmeskreuzstraße bis zum Eingang in die Arkaden. Dieser zweite Hauptweg kanalisiert die Zuschauer, die nicht direkt vom Stadtfest kommen.   5 Sek.
005 Kamera schwenkt in Richtung Pizzeria. Während der Veranstaltung ist der Terrassenbetrieb der Pizzeria voll in Betrieb. Hier kommt es zu Staus und Menschen können nur schrittweise vom oder zum Platz laufen. Dieser Gang wird daher zu einem neuralgischen Punkt bei einer Massenpanik. 12 Sek.
006 Kamera schwebt durch den Arcadengang in Richtung Treppe zum Parkdeck neben dem Papalapap-Club. Wie man sieht, muss hier ein Ordnungsdienst stehen, der einerseits den Zuschauerstrom kanalisiert, andererseits verhindert, dass es mit den Gästen der Pizzeria zu unschönen Szenen kommt.   8 Sek.
007 Kamera geht die Treppe hoch. Diese Stelle ist ein besonderer Gefahrenpunkt, da vor allem Jugendliche die Treppe nutzen, um über die Köpfe der Zuschauer hinweg dem Act auf der Hauptbühne zu folgen. Die Treppe ist regelmäßig überfüllt und es hat sich gezeigt, dass es Sinn macht, an dieser Stelle Ersthelfer zu platzieren. 10 Sek.
008 Blick von Parkdeck auf den Rathausplatz: Die Kamera schwebt durch die Parkboxen an das Gitter, bis man den Rathausplatz vollständig sieht. Auch hier stehen dicht gedrängte Zuschauer. Es muss sichergestellt werden, dass sie über die Abfahrt des Parkdecks und nicht über die Treppe abgeleitet werden. 10 Sek.
009 Grafikeinblendung der Wege von und zum Stadtfest Hier noch einmal die grafische Darstellung der Wege vom und zum Stadtfest.   5 Sek.
010 Logo Stadt / Veranstalter

Die Tabelle (oben) zeigt genau den Wegeplan des Stadtfestes. Dadurch, dass die Kamera die Funktion des Auges des Betrachters übernimmt, kann man erkennen, wo Probleme entstehen können. In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine Ortsbegehung per Video nachhaltigere Konzepte nach sich zieht, als eine theoretische Erörterung anhand von Plänen.


In der Praxis hat sich gezeigt, dass eine Ortsbegehung per Video nachhaltigere Konzepte nach sich zieht, als eine theoretische Erörterung anhand von Plänen.


Verbreitungsphase:

Die Verbreitung von Videos geschieht heutzutage nicht mehr zufällig. Vielmehr übernehmen heute Dienstleister für ein Kampagnenbudget die Streuung von Videos, das sogenannte seeding. Das ist im Rahmen von Image- und Produktvideos durchaus sinnvoll, aber im Rahmen von Eventmanagement und Sicherheit nicht notwendig. Die Videos werden für ein bestimmtes Thema bereitgestellt und sollen eine eng definierte, relativ kleine Zielgruppe informieren und Schwächen eines Konzeptes durch virtuelles Erleben aufdecken. Außerdem bilden sie die Grundlage von Face-to-Face-Mitarbeiterschulungen im Vorfeld des Events. Aus diesem Grund kommt in der Regel nur eine Verteilung innerhalb einer geschlossenen Nutzergruppe im Rahmen einer Schulung (online oder offline) oder im Intranet in Frage. Trotzdem solle das Video den Ansprüchen professioneller Videos genügen, also über eine grafische Verpackung und eine Urheberkennung verfügen. Die professionelle Verpackung des Videos transferiert den professionellen Anspruch des Videos und der Urheber (Sender) unterstreicht durch den Imagetransfer seinen Kompetenzansatz.


So geht der Videodreh & -schnitt schnell und intuitiv

LINK INSTINCT_Videodreh- und -schnitt per Smartphone(Bild: link instinct® Harry Flint)

Mit der StoryBox-App können komplizierte Sachverhalte dargestellt werden ohne Vorkenntnisse. Einfach, sicher und anwenderfreundlich. Sie automatisiert das Filmen und im Anschluss an die Dreharbeiten den Filmschnitt. Eine automatische Vertonung des Films ist ebenso möglich, wie das Einbinden von Grafik und Text- Charts. Mit ihr können auch Laien ein gutes Video erstellen. Schon nach ca. zehn Minuten hält man mit der StoryBox ein fertiges Video in den Händen.

Die StoryBox-App enthält drei wichtige Tools:

StoryBox-App(Bild: storyBox)Erstens die App, die auf dem Smartphone installiert wird und den Prozess des Filmens quasi automatisiert. Zweitens den Editor, mit dem man Storybords entwickeln und verwalten kann. Mit ihm kann man unterschiedlichen Nutzern personalisierte Storyboards zukommen lassen und diese dann auch eigenständig verwalten. Drittens die Cloud, in der die Filme in einer Hochsicherheitsumgebung geparkt werden. Hier hat man die Möglichkeit Zugriffshierarchien zu vergeben und individuelle Rechte bei der Videoerstellung und Nutzung zu vergeben. Mit der Cloud werden die selbst erstellten und verwalteten Videos verteilt, sodass sie aus einer gesicherten Umgebung in die Zielnetzwerke versandt werden können. Der Server der Cloud steht in Deutschland und erfüllt die Richtlinien der DSGVO. Die StoryBox-App ist einfach zu administrieren, doch sollte man im Bereich des Storytellings einige Grundtechniken beherrschen oder durch Seminare, z. B. bei link instinct®-Academy, erlernen.

Man kann mit der StoryBox auch Event-Kommunikation betreiben: Selfie-Videos vom Event – verbreitet über die sozialen Netzwerke – sind glaubwürdige Zeugen des Erfolges und gleichzeitig kostenlose Imagewerbung für den Veranstalter. Zusätzlich können zur Erhöhung der Reichweite noch Statements der Protagonisten und Main-Acts über Instagram, Facebook oder Twitter veröffentlicht werden.

Über den Autor

Norbert Vander(Bild: link instinct® Harry Flint)Norbert Vander ist international ausgezeichneter Drehbuchautor und Filmregisseur und gilt weltweit als einer der Väter des modernen 3D-Films. Seine Werke sind Werbespots für führende Agenturen und Konzerne, aber auch Spielfilme und Dokumentationen für TV & Kino. Norbert Vander vertritt die These, dass selbstgedrehte Videos mit Smartphone und Tablet sowie „Smart Storytelling“ die Grundlage für Unternehmenserfolg sind und auch in der Event-Sicherheit effizient eingesetzt werden können. Mit der link instinct® Methode beweist er die Stichhaltigkeit dieser Aussage.

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Produkt: events Magazine 03/2018
events Magazine 03/2018
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Kommentar zu diesem Artikel

  1. „Schon bei einer Veranstaltung mittlerer Größe müssen Flucht-, Rettungs- und Verkehrswege dokumentiert und festgelegt sein.“
    Diese Aussage in der Einleitung ist zumindest irreführend, da im Baurecht nicht die Veranstaltung, sondern die bauliche Anlage maßgeblich ist – unabhängig von der Größe der Veranstaltung. Im Rahmen der Verkehrssicherung kann auch nicht die Größe der Veranstaltung eine Rolle spielen.
    Und es heißt in der Einleitung weiter:
    „Ab 5.000 erwarteten Teilnehmern ist zwingend vom Veranstalter nach § 43 Abs. 2 der VStättV ein mit Polizei, Rettungs¬diensten und Behörden abgestimmtes Sicherheitskonzept vorzulegen.“
    Diese Aussage ist in mehrfacher Hinsicht falsch (siehe § 43 Absatz 2 (M)VStättVO): Es geht gerade nicht um die „erwarteten Teilnehmer“, das betrifft auch nicht den Veranstalter, auch muss niemand etwas „vorlegen“).

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