Hannes Jaenicke mit starkem Auftritt!

greenmeetings und events Konferenz 2015 mit Promi-Statement

Claudia Göhnermeier mit Hannes Jaenicke
Claudia Göhnermeier von events hat nach dem Vortrag mit Hannes Jaenicke gesprochen.

Schauspieler und Umweltaktivist Hannes Jaenicke hielt zum zum Abschluss der greenmeetings und events Konferenz 2015 im Frankfurter Kap Europa eine Abschlussrede zur Macht und Verantwortung als “mündiger Verbraucher”. Lesen Sie hier das Interview, dass events im Anschluss mit ihm führte.

events: Vielen ist Ihr Durchbruch als Filmschauspieler in „Abwärts“ von 1983/84 noch in guter Erinnerung. Heute verbindet man mit Ihnen neben vielen Hauptrollen in nationalen und internationalen Produktionen besonders das Engagement für bedrohte Tierarten und die Umwelt. Wann und wodurch hat sich Ihr Bewusstsein für den Tierschutz und die Umwelt entwickelt …?
Hannes Jaenicke: Es gab nicht wirklich ein Schlüsselerlebnis, es waren mehrere Dinge, die da zusammenkamen. Zum Beispiel die Sandoz-Katastrophe 1986 am Rhein, das größte Fischsterben der deutschen Geschichte, hervorgerufen durch ein Großfeuer in einer Lagerhalle des Schweizer Chemieunternehmens. Dann war ich als Kind mit meinem Opa jeden Sonntag im Zoo. Das war das Highlight meiner Kindheit. Und als ich zwischen 2005 und 2007 mit meinem jetzigen Dokupartner, Markus Strobel von Tangofilm in München, “Voxtours Extrem” gedreht habe und an die abgelegensten Ecken der Welt gereist bin, dachte ich: “Ohhh! Das ist aber bedenklich, was hier mit der Umwelt passiert.” Wir haben dann versucht, das in den Reisedokumentationen zu thematisieren. Meistens wurden diese Parts herausgeschnitten – verständlicherweise – weil es ja eine Reisesendung sein sollte, aber so entstand die Idee, ein eigenes Format zu entwickeln. Dann gab es noch das berühmte Buch von Douglas Adams “Die letzten ihrer Art” (Originaltitel “Last chance to see”), das in Madagaskar, Indonesien, Neuseeland, Zaire, der Volksrepublik China und Mauritius die am stärksten bedrohten Tierarten aufzeigt. Ich habe mich immer gewundert, warum das keiner fürs Fernsehen verfilmt hat. Gerade die BBC nicht.

events: Mit Ihren preisgekrönten ZDF-Tierdokumentationen sorgten Sie in der Vergangenheit immer wieder für Aufsehen. Ist Ihr Engagement mittlerweile ein Teil Ihres Berufes oder sehen Sie es als Berufung?
Hannes Jaenicke: Mein Beruf ist und bleibt die Schauspielerei. Davon lebe ich und das macht mir auch nach wie vor einen Riesenspaß. Der Rest ist Freizeitgestaltung. Ich spiele kein Golf und ich fahre auch nicht mit irgendwelchen Sportwagen durch die Gegend, sondern ich hatte nach 30 Jahren Spielen irgendwann das Bedürfnis etwas zu machen, was vielleicht ein bisschen was bewegen könnte. Und deshalb mache ich das mit großer Begeisterung, es wird auch immer mein Steckenpferd bleiben, aber ganz bestimmt nicht hauptberuflich.

events: Gab es aufgrund der Dokumentationen konkrete Resonanz aus der Industrie und der Wirtschaft?
Hannes Jaenicke: Ich bekomme wütende Briefe von Christel Sembach-Krone oder dem Zoodirektor aus Nürnberg, die schrecklich finden, was ich mache und sage. Aber ich bekomme auch großen Zuspruch. Ein REWE-Manager, der meinen Hai-Film gesehen hatte, teilte mir mit, dass er ab 2011 seinen Fischeinkauf mit dem MSC (Marine Stewardship Council) für Fisch aus zertifizierter nachhaltiger Fischerei koordiniert. In meinem Stammhotel in Köln wird seit dieser Hai-Doku kein Thunfisch mehr serviert. Und das KaDeWe hat seine kompletten Hai-Produkte aus dem Sortiment genommen. Da ist viel passiert, Filme können tatsächlich viel bewegen!

events: Sie sagten einmal: “Nachhaltigkeit ist für mich, ein bisschen sanfter mit unserer Erde umzugehen, als wir es derzeit tun.” Und Sie setzen Ihre Bekanntheit dafür ein, auf Missstände aufmerksam zu machen. Sind Sie manchmal wütend, wie gedankenlos wir alle mit unserer Welt umgehen?
Hannes Jaenicke: Ich bin eigentlich weniger wütend als manchmal sprachlos vor dem Hintergrund der menschlichen Dummheit. Wir gehen mit diesem Planeten um, als hätten wir einen zweiten im Kofferraum. Plündern die Welt für Wohlstand und Schnickschnack und kapieren nicht, dass das alles nicht nachhaltig ist. Und: dass wir unseren Nachfahren eine Erde hinterlassen, die völlig versaut ist …

events: Sie waren Gastredner bei der “greenmeetings und events Konferenz” in Frankfurt. Welche grundsätzlichen Maßnahmen sehen Sie bei Meetings und Events, um diese nachhaltiger zu gestalten?
Hannes Jaenicke: Das gilt für jedes Konzert, für jedes Fußballspiel, jeden Kongress, jede Messe: Gerade bei der Müllvermeidung gibt es unglaublich viel zu tun, auch in Bezug auf die Materialien. Zum Beispiel, wenn man sieht, wie viele Plastikbecher alleine bei einem Konzert zusammenkommen! Wenn sich die Veranstaltungsbranche grün und nachhaltig verhält, macht das einen Riesenunterschied und kann sehr viel Gutes bewegen.

events: In der Branche wird der Aspekt “Nachhaltigkeit” gerne als Aushängeschild genutzt, budgetbedingt bleibt aber oft einiges auf der Strecke. Ihr neues Projekt, eine Dokumentation für ARTE/ZDF, setzt sich mit der Fair Trade Produktion aus Hannes einander. Skizzieren Sie uns einige Beispiele, wie faire Produkte bei Veranstaltungsformaten sinnvoll eingebunden werden können?
Hannes Jaenicke: Bei Veranstaltungen gehören Naschereien und Getränke zum Standard. Den kann man größtenteils mit Waren, die fair produziert und gehandelt werden, abdecken. Klassiker sind Kaffee, Schokolade, Nüsse, Bananen, Baumwolle, Tee, Gewürze oder Reis, die wunderbar ins gesamte Verpflegungskonzept integriert werden können. Wenn da endlich einmal mehr passieren würde, könnte man den Bauern vor Ort wirklich helfen!

events: Sie haben zwei Wohnsitze, in München und den USA. Gibt es Unterschiede im Bewusstsein und der Durchführung von Großveranstaltungen in Amerika im Vergleich zu solchen in Deutschland?
Hannes Jaenicke: Man kann die USA nicht über einen Kamm scheren. Das Land ist zu groß, um zu sagen, die Amerikaner machen es so oder so. Es gibt Bundesstaaten, die sind extrem umweltbewusst, gerade die Westküste. Es gibt aber auch Staaten wie z. B. die Südstaaten, die in punkto Umweltschutz und Nachhaltigkeit sehr hinterherhinken, also auch im Handling von Veranstaltungen. Dennoch – das meistverkaufte Luxusauto in Amerika ist der Tesla, ein Elektroauto, und es fahren auch unzählige Hybridfahrzeuge herum. In diesem Punkt sind die Amerikaner schon sehr viel weiter als wir. In Los Angeles und Kalifornien sind z. B. Plastiktüten verboten und in einigen Gegenden wurde die Mindestgröße für eine PET-Flasche festgelegt. In manchen Bundestaaten passiert also sehr viel, andere haben noch einen langen Weg vor sich.

events: Sie sind selbst viel unterwegs. Was stößt Ihnen am meisten auf, wenn Sie auf Reisen sind: auf Flughäfen, in Hotels, beim Transfer …
Hannes Jaenicke: Katastrophal verhält sich in meinen Augen die Lufthansa, die auf Langstreckenflügen bei jedem Getränk gleich einen neuen Plastikbecher mitserviert. Es ist jedes Mal ein Kampf, wenn ich den gleichen Becher wieder benutzen möchte. Bei Hotels fällt mir auch der enorme Plastikkonsum auf. Unverständlich finde ich es, wenn Hotels – gerade in 5 Sterne Häusern ist das oft üblich – den Hinweis vermissen lassen, “Bitte Handtücher der Umwelt zuliebe noch einmal benutzen!”. Es gibt aber auch Hotels, die wirklich schon Vieles richtig und nachhaltig machen. Ich finde toll, auch wenn es ein wenig eine Alibifunktion hat, dass manche Hotels ihren eigenen Bienenhonig auf dem Dach produzieren. Grundsätzlich regt mich hierzulande die ungeheure Verschwendung auf, bei Reisen in ärmere Länder ist es mehr das fehlende Recycling. In Deutschland produziere ich etwa alle vier bis fünf Wochen eine Mülltüte, denn man kann ja hierzulande fast alles zum Wertstoffhof oder Recycling bringen.

events: Kann jeder einzelne von uns die Welt ein wenig retten?
Hannes Jaenicke: Man kann einfach hemmungslos draufloskonsumieren, das sind für mich die Nichtdenker und Dummköpfe oder es gibt Leute, die denken beim Konsumieren ein bisschen nach. Und das finde ich ist unsere Verantwortung, denn mit dem richtigen Konsumverhalten kann man eine Menge verbessern. Zum Beispiel werfen viele Menschen an Autobahnausfahrten den Inhalt ihres Aschenbechers oder ihren Müll einfach aus dem Fenster. Oder die Mc-Donalds-Verpackungen, die gedankenlos überall herumfliegen, nur nicht unbedingt im Abfallbehälter. All das muss nicht sein! Und: Das Problem ist ja nicht nur die Industrie, sondern fast immer auch und gerade der Konsument!

events: Ihre Umweltaktivitäten sind mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht worden. Was gibt Ihnen Ihr Engagement ganz persönlich?
Hannes Jaenicke: Das ganze Bemühen gibt meinem Leben natürlich einen Sinn, den ich mir in dieser Form bei der Schauspielerei nicht holen kann. Aber: Auch wenn die Preise schön sind, schlussendlich zählt im Fernsehen einzig und allein die Quote. Ich brauche die Quote um weitermachen zu dürfen. Es ist ein unglaublicher Kampf solche Filme im Fernsehen unterzubringen, viel schwerer als eine Seifenoper oder einen Krimi. Deshalb ist es mir am wichtigsten, dass die Menschen, die meine Filme sehen, sich ans ZDF oder an die jeweiligen Fernsehsender wenden und sagen, dass sie solche Dokus auch weiterhin sehen wollen.

events: Wie reagieren Freunde und Schauspielerkollegen auf Ihren Einsatz in Umweltfragen?
Hannes Jaenicke: Manche belächeln mich, manche finden das ganz schön versponnen. Andere wiederum finden das gut. Ich denke, die Branche ignoriert das weitestgehend, die ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Aber ich mache das ja auch nicht, um Freunde und Kollegen zu beeindrucken, sondern weil ich etwas bewegen möchte.

events: Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, was würde das sein?
Hannes Jaenicke: Oh, die Liste wäre lang … natürlich Bombenquoten für meine Filme, geniale Drehbücher, eine Weltumsegelung, Surfen auf Tahiti und Hawaii, dass meine Eltern gesund werden – und – und – und.

events: Was denken Sie? Wie sieht die Welt 2050 aus? Werden Menschheit und Wirtschaft bis dahin bewusster und verantwortungsvoller sein im Umgang mit Ressourcen und Menschen?
Hannes Jaenicke: Ich bin ehrlich gesagt trotz allen Engagements eher ein Pessimist. Ich glaube, dass der Zug abgefahren ist. Die Erde wird sich munter weiterdrehen und gegebenenfalls auch ohne uns. Ich glaube, was Umweltschutz und Klimawandel betrifft, haben wir zu lange gepennt. Bestimmt ist an kleinen Baustellen noch etwas zu bewirken, aber im Großen und Ganzen sind die Meere wohl nicht mehr zu retten und der dritte Pol, sprich Himalaya, und die beiden Polkappen werden verschwinden mit vermutlich katastrophalen Folgen.

Das könnte Sie auch interessieren: