Live plus Digital… ist nicht gleich „Hybrid”

Was bringt die Zukunft für hybride Events?

Hybride-Events
Foto: COMSALUD Lizenz: CC BY 2.0

Gezielte Dämpfer auf die landesweite Digital-Euphorie bei der Planung und Durchführung von Events verteilte Prof. Dr. Hans Rück, Dekan des Fachbereichs Touristik/Verkehrswesen an der Hochschule Worms, am MICE-Day des diesjährigen ITB-Kongresses in Berlin. Präzise wog er in seiner Präsentation „SoLoMo – die faszinierenden Chancen und verdeckten Risiken der Digitalisierung von Events“ ab.

SoLoMo steht für Social-Media -Location-based-Services – mobile Applications, ein Instrumentarium wie maßgeschneidert für den Event-Sektor. Jein, sagt Rück. Das gilt nur, wenn es als digitale Anwendung eine Präsenzveranstaltung optimiert, ohne sie ersetzen zu wollen.

Als Beispiele bringt er:

1. Im Vorfeld, d.h., Planung und Konzeption

  • Social-Monitoring
  • Crowd-Sourcing (hier nicht Gewinnung von Kapital, sondern von Ideen)
  • Vorfeld-Information (Newsroom)
  • Vorankündigung und Einladung (eigene Event-Homepage)
  • Networking (Teilnehmer- Management-Systeme, z.B. Xing Events)

2. Präsenzveranstaltung/ Ablaufphase

  • Location-based Services (z.B. Virtual Reality, Kongress-Guide)
  • Live-Streaming – Social-Media-Monitoring, Event-Controlling
  • Virtuelle Parallel-Events

3. Im Nachfeld

  • File-Sharing
  • Video on Demand
  • Networking
  • Social-Media-Monitoring, Event-Controlling
  • Die Vorteile digital optimierter Events liegen auf der Hand: größere Reichweite (Nicht-Teilnehmer, Interessenten, breite Öffentlichkeit)
  • höherer Nutzen für die Teilnehmer
  • Networking
  • verbesserte Information: Informationstiefe und Verfügbarkeit
  • höhere Interaktionsfrequenz vor, auf und nach dem Event
  • Verlängerung des Event-Erlebnisses in Vor-und Nachlaufphase hinein
  • zusätzliches Marketing-Instrument, „Buzz“-Marketing

Zu viel des Guten wäre auch nicht sinnvoll, warnt Rück, und weist auf die Risiken hin wie: elektronischer Overkill, Datenschutz, abnehmende Interaktionsqualität und schließlich Phubbing als Horrorszenario für ein Event: die Teilnehmer sind physisch an-, aber mental abwesend, irgendwo „im Netz“.

Im Buch der Könige kamen aus allen Völkern Leute nach Jerusalem, um die Weisheit Salomons begeistert zu erfahren. Nach heutiger Lesart muss es eine Fülle an Events, Meetings, Sessions und Präsentationen gegeben haben. Und Salomon hat dabei sicher auf seine Weise die Prinzipien von SoLoMo genutzt. Aber, und damit hat Rück schon im Alten Testament Zeugen, alle kamen, selbst die Königin von Saba, um sich selbst davon zu überzeugen („… und konnte mit eigenen Augen sehen“) – also live! Denn Präsenz, direkt dabei sein, schafft, um Rücks Argumente gegen Online-Events ins Positive zu kehren, Interaktionsqualität, bietet Multisensorik, löst Begeisterung aus und bildet die Basis für gegenseitiges Verstehen, und darauf gründendes Vertrauen.

Folgerichtig warnt Rück abschließend davor, „Hybrid-Event“ als Gattungsbegriff für einen neuen Typ von Events einzuführen, denn falsche Begriffe lösen falsches Denken aus. „Hybrid“ könne hier allenfalls als ein Hinweis darauf gelten, dass ein konventionelles Event durch virtuelle/ digitalisierte Instrumente, also SoLoMo, ergänzt wird. Es gehe hier nicht um Hybridisierung, sondern um digitale Optimierung! Bei einem Event ist Präsenz die Pflicht, Online die Kür! Zusammengefasst: „Die Events der Zukunft sind nicht »digital«. Die Events der Zukunft sind Events plus gezielte virtuelle Kommunikation!“

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