Editorial von Hans Jürgen Heinrich

Scheiß auf Reichweite!

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Ja, genauso knallhart hat es W&V Blogger Thomas Koch geposted.
Langsam räumt man auf mit den Irrlehren, denen so viele Marketer unkritisch hinterherlaufen. Er sagt, man müsse sich davon verabschieden, dass man Reichweite, egal auf welchem Kanal, einfach so dazubuchen kann.

Es reicht heute nicht aus, einfach nur Nutzerzahlen für seinen Media-Mix zugrunde zu legen. Man muss auch sicher sein, dass die Botschaften tatsächlich ankommen. Nun mag ich nicht in die immer selbe Leier von den sinkenden Klickraten einstimmen. Viel wichtiger ist es, den Nutzern einfach mal zuzuhören. Denn sie lehnen die Art und Weise, wie wir sie online mit Werbung zumüllen, schlichtweg ab.

Für die meisten Werbekunden ist „Reichweite“ daher mittlerweile völlig uninteressant. So viel aus dieser Ecke zum goldenen Kalb.

Auch die Titelgeschichte im „Horizont“ vom 25. 5. 2016 bricht eine unerwartet starke Lanze für Print.
Kein Geringerer als Boris Schramm, Chef von Group M und einer der einflussreichsten Media-Agentur-Manager kritisiert, dass in zahlreichen Media-Agenturen mittlerweile die Digitalfraktion den Ton angibt. Er kritisiert auch die Verlage, dass sie auf diesen Kurs unkritisch einschwenken und dabei vergessen, die Vorteile von Print stärker herauszuarbeiten und zu argumentieren. Genau das tun nämlich die digitalen Giganten mit enorm hohen Budgets und viel Ballyhoo.

Die Verlage müssen deutlicher herausstellen, welchen hohen funktionalen Wirkungsbeitrag das Gattungssegment immer noch und weiterhin leistet.
Die ganze Diskussion wird seiner Ansicht nach fälschlicherweise nur auf der Kontaktebene geführt und nicht auf der Akzeptanz- und Tiefenwirkungs-Ebene. Wer angeblich keine Zeit hat zu lesen, der hat sie auch nicht für digitalen Lesestoff. Der klickt und guckt nur. Als einleuchtendes Beispiel für die anhaltende Bedeutung von Print, und dies sogar im anerkanntermaßen schwierigen Segment der Tageszeitungen, führt Schramm den Lebensmittel-Einzelhandel an, der extrem auf die Effizienz seiner Werbemaßnahmen schaut: Die Rückverlagerung erheblicher Budgets von ALDI in den Zeitungsmarkt ist nach kurzer Print-Abstinenz für ihn ein deutliches Signal. Es geht eigentlich so: Beide Kanäle, die digitale Kommunikation und Print, müssen ausgebaut und bespielt werden. Die Wirkungen bedingen und befruchten einander und nicht das eine ersetzt das andere. Das sollten Anzeigenkunden verinnerlichen und wir von Seiten der Verlage gleichermaßen.

Das war schon immer meine Meinung. Daher finden Sie alles, was zum Thema „Nachrichten“ gehört, in unseren Daily & Weekly Newsletters, auf SM-Kanälen und unserer Website.
Und ab sofort kaum noch im Heft. Denn wem nutzt es, wenn längst Bekanntes nach zwei Monaten in Print aus „politischen Gründen“ und alter Gewohnheit noch einmal wiedergekäut wird? Das Print-Produkt ist für die längeren Beiträge da, für Haptisches und Sinnliches, für Meinung und Analyse. Und vieles mehr. Nach einer, wie ich meine, starken IMEX-Ausgabe liegt nun ein etwas abgespecktes Sommerheft vor Ihnen. Trotz der komprimierten Form durchaus mit Nährwert. Denn wir haben uns einmal ausführlich mit dem Thema „Hosted Buyer“ beschäftigt und zahlreiche Meinungen dazu eingeholt.

Besonderen „Nährwert“ verspricht auch die Veranstaltung, die wir im September 2016 im wunderschönen Alpbach durchführen und die gleichzeitig der Launch für WERTE 2.0 Austria ist.
Damit haben künftig auch Branchenvertreter aus Süddeutschland und Österreich einmal im Jahr räumlich näheren Zugang zu diesem besonderen Veranstaltungsformat.

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Eine etwas ruhigere, entspannte Sommer- & Urlaubszeit wünscht Ihnen

Hans Jürgen Heinrich
Chefredakteur

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