Buchtipp

Mit Currywurst auf Haifischfang?

Matthias Kindler, gelernter Betriebswirt und bekannter Event-Konzeptioner, hat ein Buch geschrieben. Ein ungewöhnliches, unsperriges Fachbuch. Schon von der Aufmachung her. Und auch wegen des Titels: „Mit Currywurst auf Haifischfang?“. Schon der lädt zum Nachdenken und Schmunzeln ein – ganz nach Kindlers Art eben. 

Mit-Currywurst-auf-HaifischfangDas locker illustrierte 160 Seiten-Werk mit belletristischem Anstrich beleuchtet in 12 Kapiteln die von ihm so genannten 12 steinernen Regeln für Events. Es bietet Lesevergnügen pur, Déjà-vues für die Wissenden, Erhellendes für die Suchenden und nette kleine Rempler für die unverbesserlich Unbelehrbaren.

Sogar die Fußnoten sind lesenswert – dort verteilt er die schönsten, manchmal süffisanten Spitzen. Das Buch überzeugt mit Inhalt und Aufmachung, gefällt durch den flotten, narrativen Stil. Ganz so, wie man es von seinem „Newsletter aus München Ost“ kennt.

Die Regel über dem Kapitel 6 heißt schlicht und ergreifend: Eventerfolg ist planbar. Die perfekte Weihnachtsgeschenk-Idee für Branchen-Akteure ist jetzt auch planbar: Verschenken Sie Lesespaß pur und gebündelte Wahrheiten um das Thema Event Konzeption.

Ehe wir bei events ins Schwärmen geraten: Kein Geringerer als Professor Dr. Hans Rück hat das Buch laudiert. Wir geben ihm hier gerne den Vorrang mit Auszügen aus seiner Bewertung und einer anschließenden Leseprobe.

„Matthias Kindler ist ein Wanderer zwischen zwei gegensätzlichen Welten: Studiert hat er BWL, doch seinen Ruf erworben hat er sich als Kreativer – zahlreiche internationale Auszeichnungen und der jahrelange Jury-Vorsitz in der Disziplin „Event“ nicht nur beim Art Directors Club e.V. legen hiervon beredtes Zeugnis ab.

Darum beherrscht er sowohl das strategisch-konzeptionelle Element von Marketing-Events als auch ihre inszenatorisch-theatrale Seite. Er bringt beides zusammen – und dem Leser die Wirkungsweise von Events dadurch ganzheitlich nahe. Darin liegt der besondere Vorzug dieses Buches.

Es ist ein Buch zum Nachdenken. Zum Neudenken. Zum Andersdenken. Und dazu besteht bei Events auch aller Anlass; denn die Geschichte dieses vergleichsweise jungen Kommunikationsinstruments ist bisher eine Ansammlung von Missverständnissen. Missverständnisse wie jenes, wonach Events vor allem eine logistische Aufgabe seien.

Gewiss, kein Event-Manager kommt ohne Organisationstalent aus. Aber bei Events geht es nicht zuvorderst um das Stühle stellen und Tische decken. Es geht eigentlich um etwas ganz anderes – nämlich um die Inszenierung von Kommunikationsbotschaften. Es geht um Erlebnisse, die sich in die Erinnerung der Teilnehmer einbrennen und dort weiterwirken. Events sind nicht logistische Aufgaben, sondern Kommunikationsprobleme. Die Logistik ist nur eine Voraussetzung (wiewohl eine wichtige). Doch wer bei Events nicht über die Logistik hinausblickt, produziert bloß satte Gäste und keine unvergesslichen Erlebnisse.

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Die Welt der satten Gäste und die Welt der unvergesslichen Erlebnisse trennen Lichtjahre.

Sie liegen in unterschiedlichen Galaxien. Es ist die Welt der unvergesslichen Erlebnisse, die Matthias Kindler beschwört. Auf sie müssen wir uns immer wieder konzentrieren und ausrichten, um zu verstehen, warum Events, wenn sie richtig gemacht werden, das überwältigendste Kommunikationsinstrument sein können, das es gibt. Erfolgsbeispiele finden Sie hier reichlich.

Doch warum in aller Welt gelten Events dann immer noch als die „leichte Muse“ im Konzert der Marketing-Kommunikationsinstrumente? Tatsächlich denkt man über Events noch immer weithin so: Events sind lustig, Events machen Spaß, Events sind nicht wirklich ernst zu nehmen. Sie sind Kosten, nicht Investitionen, die sich langfristig bezahlt machen. Und Event-Manager sind eine bessere Art von Party-Organisatoren – und nicht die Kommunikationsexperten, die sie sein sollten.

In diesem Buch wird darum das Fell kräftig gegen den gewohnten Strich gebürstet. Kindler benennt geradeheraus all die Bequemlichkeiten, Oberflächlichkeiten und Verständnislosigkeiten, die verantwortlich dafür sind, dass wir alle uns so oft auf mittelmäßigen, lieblosen, zwecklosen Veranstaltungen langweilen müssen.

Dagegen stellt er „12 steinerne Regeln“ für erfolgreiche Events. Logisch hergeleitet, verhaltenswissenschaftlich fundiert, reichlich garniert mit Best-Practice-Beispielen für die kreative Umsetzung. Wer Regeln in Steine hauen will, gerät literarisch in die Nähe von Grundgesetzen oder noch weiterreichenden Normenkatalogen, und Kindler weiß das.

So ist denn der „Stein“ rhetorisches Augenzwinkern, doch bei den Regeln ist „Schluss mit lustig“: Dieses Buch ist kein beliebiger Praxis-Ratgeber, der einem unverbindlich sagt, wie man dieses oder jenes vielleicht noch besser machen kann. Es ist eine Management-Anleitung, wie man es anfangen muss, wenn man es richtig machen will. Und das Anfangen ist hier wörtlich zu nehmen: Im Mittelpunkt dieses Buches steht die Event-Konzeption – also genau das, was in der Praxis allzu oft zu kurz kommt.

Ungeschminkte Kritikfreude und intellektuelle Durchdringungstiefe

Die Darstellung kreist um die elementaren Fragen von Events, die Fragen nach dem Warum (dem Zweck der Veranstaltung), dem Was (den genauen Zielen der Veranstaltung) und dem Wie (der Inszenierung). Fragen, die in der Praxis viel zu selten und viel zu wenig systematisch gestellt werden. Und die dieses Buch genau aus diesem Grund stellt.

Kurzum: Dies ist ein ungewöhnliches Buch. Ungewöhnlich in seiner ganzheitlichen Herangehensweise. In seiner ungeschminkten Kritikfreude. In seiner intellektuellen Durchdringungstiefe. Und ungewöhnlich schließlich auch in seinem normativen Anspruch.

Viele der Sätze sind übrigens wirklich wie „in Stein gehauen“, sie klingen jedenfalls lange nach. Es sind Sätze wie diese: „Jubiläum feiern ist kein Ziel.“ Oder: „Wenn der Gast den Gastgeber nur an dem auf alles aufgedruckten Firmenlogo erkennt, ist in der Konzeption etwas grundlegend schief gelaufen.“

Dies ist tatsächlich ein Buch wie ein Grundgesetz. Nur, dass es die Begründungen für die Regeln gleich noch mitliefert. Und viel unterhaltsamer ist es auch. Lesen Sie es. Auf den Gewinn werden Sie nicht lange warten müssen.“
|Prof. Dr. Hans Rück, Hochschule Worms|

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Leseprobe:

… Vorhang auf und Bühne frei. Um die Funktionsweise der Perlenkette und ihre Tücken besser zu verstehen, begleiten wir einen imaginären Gast auf seinem Weg durch eine Abendveranstaltung. Nennen wir ihn Herrn K. Warum Herr? Bis heute besteht der überwiegende Anteil der zu den sogenannten „Corporate Events“ geladenen Gäste aus Männern. Dies spiegelt die noch immer vorherrschende Entscheiderstruktur deutscher Unternehmen wider, sieht man von einigen wenigen Branchen wie Kosmetik, Gesundheit oder Mode ab. Da wir diesen Zustand nicht schönreden können, bleibt es für diese Abhandlung also bei Herrn K. Und der ist inzwischen am Ort des Geschehens eingetroffen.

Die Ouvertüre
Nach der Anreise, die dank guter Wegbeschreibung und perfekter Parkplatz-Logistik stressfrei verlief, findet sich Herr K. am Eingang zur Location (Das klingt doch viel schicker, besser, moderner als „Veranstaltungsort“, oder?) wieder. Wegen der überall angebrachten Logos des Gastgebers besteht kein Zweifel, dass Herr K. am richtigen Ort ist, auch wenn vom Gastgeber selbst weit und breit keine Spur zu sehen ist. Aber immerhin, eine freundliche Hostess begleitet ihn zum Check-in, an dem Herr K. nach gar nicht so langer Suche sein Namensschild bekommt.

So gerüstet steuert Herr K. auf das freundliche Cateringpersonal zu, versorgt sich mit einer Kleinigkeit zu trinken und erwischt hier und da eines der köstlichen, aber doch recht raren Häppchen. Nun schweift sein Blick durch den Raum auf der Suche nach jemandem, der sich für ihn interessiert – leider vergeblich.

Diejenigen, die eigentlich zu seiner Begrüßung und Betreuung anwesend sind, die Sales-Manager oder Key-Accounter, haben sich an einem Tisch zusammengerottet und beschäftigen sich dort intensiv mit sich selbst. Über das Wiedersehen mit den Kollegen freuen sie sich so sehr, dass ihre Rolle als Gastgeber im Moment leider hintenanstehen muss. (Vielleicht liegt das daran, dass sie nicht mehr Verkäufer heißen. Bei der Berufsbezeichnung wäre nämlich gleich klar, was ihre Aufgabe ist.)

Von seiner sicheren Ecke an einem Stehtisch aus scannt Herr K. weiter die Location, nun auf der Suche nach vertrauten Gesichtern. Denn er weiß, dass sich dieser Teil des Events Get-together nennt und er networken soll. Nur mit wem? Herr K. konzentriert sich auf seine Primärbedürfnisse und stillt Hunger und Durst. Wer weiß, wann es das nächste Mal etwas gibt. Er lauscht der sehr vertraut klingenden Hintergrundmusik. Es muss wohl wieder etwas von Klassik Lounge sein. Oder doch eine ältere Café-del-Mar-CD?

Nach etwa 45 Minuten wird Herr K. erlöst, denn die Tür zu einem Nachbarraum öffnet sich und die freundlichen Hostessen bitten die Gäste, ihnen zu folgen. Herr K. ist ein wenig enttäuscht, denn diesen Programmpunkt hat er schon deutlich spektakulärer erlebt. Projektionsflächen, die sich als fahrbare Wände entpuppen, Stoffbahnen, die wie von Geisterhand in die Höhe schnellen oder umgekehrt blitzschnell zu Boden fallen. Natürlich immer verstärkt durch choreografierte Licht- und Toneffekte. Herr K. ist aber froh, dass die Show nun beginnt, und sucht sich dankbar einen Platz im Auditorium.

Zumindest die Stühle machen einen bequemen Eindruck, allerdings könnte dies auch ein erster Hinweis auf einen recht langen Abend sein. Als Herr K. dann eine Frau auf der Bühne sieht, ist er beruhigt. Frau auf Bühne bedeutet nach seiner langjährigen Event-Erfahrung eine externe Moderatorin, und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Ereignisse, die vor ihm liegen, zumindest professionell und unterhaltsam präsentiert werden.

Charmant begrüßt die Moderatorin nun alle Gäste und bringt ihre Freude Ausdruck, dass man so zahlreich erschienen sei – und das trotz des Streiks, der Messe, des schönen (beziehungsweise schlechten) Wetters oder des parallel stattfindenden Fußballspiels. „Und trotz der außerordentlich zähen Vorgänger- Veranstaltung im letzten Jahr“, ergänzt Herr K. in Gedanken und überlegt kurz, ob es nicht doch ein Fehler war, heute hierherzukommen. Eine Fanfare reißt ihn aus seinen Gedanken und der Vorsitzende der Geschäftsleitung des Gastgebers, Herr C., betritt die Bühne. „Wo war der denn vorhin, als ich kam und alleine die Zeit überbrücken musste?“, fragt sich Herr K. Sollte ein guter Gastgeber seine Gäste nicht eigentlich an der Tür willkommen heißen?

Nun dankt der oberste Chef ebenfalls für das zahlreiche Erscheinen und betont, wie wichtig es ihm sei, dass man hier und heute zusammenkomme. Der Anlass sei ein gewichtiger und die Gäste erwarte ein unvergesslicher Abend, an dem sie das neue Produkt mit allen Sinnen erleben könnten. (Bitte ersetzen Sie je nach Anlass das Wort „Produkt“ durch „neue Strategie“, „Preisverleihung“, „Jubiläum“ etc.). Applaus, Abgang von der Bühne. Das war ja halb so schlimm, denkt sich Herr K., aber als routinierter Eventbesucher weiß er, dass dies lediglich die Ouvertüre war. Schließlich gab es bisher weder einen Film noch PowerPoints und vom Produkt selbst war auch noch nichts zu sehen.

Der erste Akt
Korrekt, Herr K., denn nun betritt Herr Dr. F. die Bühne, verantwortlich für Marketing und Sales. In einem 40-minütigen Vortrag wird er darlegen, dass der Markt im Speziellen und die Welt im Allgemeinen nach diesem Produkt verlangt haben und dass man diesem Wunsch als kundenorientiertes Unternehmen natürlich folgen musste. Da Herr Dr. F. in der Materie nicht ganz sattelfest zu sein scheint und seine Fähigkeiten als unterhaltsamer Redner ausbaufähig sind, lenkt er davon mit jeder Menge Folien ab, die ausnahmslos bis an den Rand beschrieben sind. Darauf und auf die 12 Punkt kleine Schrift muss sich Herr K. so konzentrieren, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Ermattet wartet Herr K. nun auf den Höhepunkt, auf den Reveal6 – die feierliche Präsentation des von allen so sehnsüchtig erwarteten neuen Produkts. Da hat Herr K. aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Wenn so viele Kunden, Interessenten, Mitarbeiter und sogar Journalisten in einem Raum versammelt sind, kann Herr H., zuständig für die Finanzen des Unternehmens, die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen. Er hat zwar inhaltlich mit Produkt und Anlass nichts zu tun, aber wie oft durfte Herr H. in letzter Zeit auf eine große Bühne? Eben. So ein Forum muss man nutzen und schließlich ist Herr H. auch Geschäftsführer, und wenn die Kollegen ans Pult dürfen, dann darf er auch. Gleiches Recht für alle. Bei Herrn K. stellen sich nun deutliche Ermüdungserscheinungen ein und er beginnt auf seinem nun-doch-nicht-mehr-ganz-so-bequemen Stuhl herumzurutschen.

|Copyright 2016, Matthias Kindler, Prinzregentenstr. 64, D 81675 München, www.matthiaskindler.com|


Und so munter geht es weiter, bis es dann irgendwann „ernst wird“. Soweit eine kleine Leseprobe.

>>>Das Buch kostet 32,50 € und kann hier im events Shop bestellt werden.

[CP “185 “]

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