Editorial von Chefredakteur und Herausgeber Hans Jürgen Heinrich

Mäxchen hat das Schieben raus

Klare Worte, die zum Nachdenken anregen. Manchmal auch zum Schmunzeln. Lesen Sie hier das Editorial von Hans Jürgen Heinrich zum Thema “Warum es immer mehr Menschen im Geschäftsalltag so schwerfällt, klare und vor allem schnelle Entscheidungen zu treffen?!”

Heinrich

“Ist es falsch verstandene Höflichkeit, weil man keinen Mut zu einem klaren „Nein“ hat? Angst vor eigenverantwortlichem Handeln? Was immer es ist: Es müllt uns den Arbeitsalltag zu, verlangsamt die Prozesse, verhindert reibungslose Zusammenarbeit und Zielorientierung. Nicht selten werden von Funktionsträgern, die mit klingenden Titeln auf ihren Visitenkarten spazieren fahren, Entscheidungen über 500 Euro auf die lange Bank geschoben und/oder an Gremien verwiesen. Das macht uns zu untätigen Geiseln der Entscheidungsschwäche anderer. Beschneidung von Handlungskompetenzen, Angst vor Alleingängen und der Fluch der Partizipation um jeden Preis haben die Wirtschaft gelähmt.

Liest man die Stellenausschreibungen, so könnte man glatt glauben, es würden nur Titanen und Halbgöttinnen eingestellt. Erlebt man die Rekrutierten dann in der Praxis, dann können sie zwar lächeln, aber kaum noch beißen. Der Chef hat längst das Gebiss eingezogen und bestimmt, wann und was und wo gekaut wird. Natürlich erst, nachdem er sich vorher im Gremium vergewissert hat, dass seine Ernährungsregeln politisch korrekt sind und er keinesfalls „zur Verantwortung gezogen“ werden kann für Misstöne und Verdauungsstörungen. Eigentlich hätten wir schon genug damit zu tun, gegen die zunehmende IT-Verstrickung unsere Handlungshoheit zu bewahren. Jetzt haben wir auch noch ein Heer von „Schiebern“ am Hals …

Rufen Sie doch in drei Wochen noch mal an! Ach, können Sie mir die Unterlagen noch einmal neu zuschicken? Leider habe ich das noch nicht besprechen können. Wie lange haben wir noch Zeit? Herr im Himmel! Es ist wie beim Skat: Wer feige ist, der schiebt. Niemand kann und muss ständig Grand Hand spielen, aber nicht mauern und sein Blatt sauber ausreizen, das sollte man schon. Und wenn Null, dann ouvert und nicht verdeckt. Ja, es ist ein Kreuz mit diesen Buben und Damen, die kein Ass in der Hose haben, aber überall mitspielen und ansagen wollen. Wer nichts wagt, der muss keine Angst vor „Kontra!“ haben.

Für manche Zeitgenossen, die mir in den letzten Jahren begegnet sind, wäre eigentlich Mensch-ärgere-Dichnicht das geeignetere Spiel: Sich mit ein bisschen Glück schnell durchmogeln, andere „wippen“ und aufpassen, dass man nicht selbst „gewippt“ wird. Ein bisschen rumpfuschen und schließlich sehen, dass man seine Püppchen so schnell wie möglich ins Trockene bringt. So machen es die Kindermenschen, von denen Herrmann Hesse spricht. Die Erwachsenen aber durchblicken schnell kompliziertere Zusammenhänge, sagen wohl begründet NEIN oder trauen sich was und übernehmen dann: Verantwortung!

Die Chinesen, von denen in unserer aktuellen Ausgabe 2 so oft die Rede ist, entscheiden und handeln! Unsere unsägliche Diskussions- und Konsens-“kultur“ stößt dort auf Unverständnis. Klar, Planwirtschaft. Wollen wir auch nicht. Genauso wenig aber Planlos-Wirtschaft. Häufig liegt die Wahrheit in der Mitte. Und manchmal möchte man einfach Chinese sein. Trotz allem!”

Unterschrift-Heinrich

Ihr Hans Jürgen Heinrich

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