Karrierekiller Kind?

Frauen in der Eventbranche: Im Dilemma zwischen Schnuller und Karriere

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Trotz eines allmählichen Umdenkens in den Unternehmen und dem Lösen von alten klettern Frauen noch immer schwerer auf der Karriereleiter hinauf als ihre männlichen Kollegen. Tendenziell auch in der MICE-Branche trotz zahlenmäßig starken Übergewichts.

Dabei brillieren „unsere“ Frauen nicht nur im Job, sondern führen meist den perfekten Haushalt, sind aufmerksame Geliebte oder Ehefrau und basteln zwischendurch noch fürs Frühlingsfest im Kindergarten. Im Idealfall zumindest.

Karriere und Familienplanung unter einen Hut zu bringen, ist für die Frau von heute – insbesondere bei jungen Frauen mit einem hohen Bildungsstandard – eine große Herausforderung. Ein Großteil der Frauen, die zum ersten Mal schwanger werden, ist zwischen Mitte bis Ende Dreißig. Mehr als jede zweite Frau stimmte 2012 der Aussage zu „Wer Kinder hat, kann keine wirkliche Karriere mehr machen.“ Alarmierend: 2007 waren es nur 36 Prozent. Obwohl die befragten Frauen heute eher als 2007 finden, dass Unternehmen auf die Belange von Eltern eingehen, sehen dennoch 53 Prozent ihre Chance auf eine Karriere mit Kindern dahinschwinden. Das sind Ergebnisse der Studie „Frauen auf dem Sprung“ – einem Gemeinschaftsprojekt des Infas-Instituts für angewandte Sozialwissenschaft, der Zeitschrift „Brigitte“ und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). Für die Untersuchung wurden 2007 und 2010 über 2.000 Frauen und Männer im Alter zwischen 17 und 19 Jahren sowie zwischen 27 und 29 Jahren befragt. 2012 wurde erneut eine Teilmenge von ca. 500 Personen interviewt. (Die hier genannten Zahlen und Erkenntnisse resultieren auf diesen Erhebungen.)

Strukturelle Barrieren und die hormonelle Zwickmühle
Dass mittlerweile mehr Frauen ihrer Qualifikation gemäß in gehobene Positionen aufsteigen, ist zum großen Teil das Ergebnis eines bewusst angenommenen Hindernislaufs, häufiger Überforderung und eines täglichen Drahtseilakts in Sachen Logistik – gerade wenn Kinder mit im Spiel sind. Viele Unternehmen haben zwar mit der Einrichtung von Betriebskindergärten und mit neuen, flexibleren Arbeitszeitmodellen schon einiges zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Kindern getan, aber rundum tragfähige Dauerlösungen für Frauen mit Ambitionen liegen noch in weiter Ferne…

Hand aufs Herz: Es sind nicht nur die strukturellen Probleme, wie z. B. ausreichend zur Verfügung stehende Kitaplätze, sondern „Frau“ sitzt auch aus anderen Gründen gleich nach der Ausbildung in einer psychologische Patsche! Sie will beruflich auf die Erfolgsspur und zugleich ausreichend Zeit haben für wichtige familiäre Lebensentscheidungen. Hinzu kommt, dass sich immer mehr junge Männer (76 Prozent) eine Partnerin wünschen, die wirtschaftlich unabhängig ist. Im Vergleich zu 2007 waren es noch 54 Prozent. Auch hier gerät Frau leicht unter den Druck eines Paradoxons, wenn zu ihrer Lebensplanung voraussichtlich auch ein, zwei Kinder gehören sollen.

Das andere Extrem: Auch für die Frauen selbst scheint das Rollenmodell „Sie arbeitet und er bleibt zuhause!“, wie eine Allensbach-Studie herausfand, nicht der Weisheit letzter Schluss zu sein. Gerade einmal 9 Prozent der Frauen wollen daheim einen „Hausmann“, bei den Männern sind immerhin 13 Prozent nicht abgeneigt, „sie“ das Geld nach Hause bringen zu lassen, während „er“ sich um Kind und Küche kümmert! Das Gros der Frauen bewegt sich beruflich wohl eher in der Mitte und verfolgt balancierend einen Berufsweg zwischen dem Spannungsdreieck Job, Kindern und Haushalt – von dem sie letzten Endes nie weiß, ob er karrieretechnisch Ziel führend sein kann.

Was bedeutet das für unsere Branche?
Was für Frauen allgemein gilt, kann auch Auswirkungen innerhalb des MICE Segmentes haben: Helfen moderne Arbeitszeitmodelle „Eventfrauen“ mit Kindern auf dem Weg in eine gesicherte und langjährige Karriere? Wie sieht es in der Praxis aus, wenn Familie und berufliche Laufbahn gleichzeitig gelebt werden ? Leidet dann auch unmittelbar der Job? Oder entwickeln sich Frauen (wie viele Männer derzeit) immer öfter zu einsamen Business-Nomaden mit einem ambulanten Leben, um allen beruflichen Erfordernissen uneingeschränkt zu genügen und Karriere zu machen? Gibt es Anzeichen in unserer Branche für eine gestiegene Fluktuationsrate wegen des höheren Frauenanteils, wenn die biologische Uhr tickt und tickt? Wenn ja, gehen der Veranstaltungsbranche dabei wichtiges Wissen und Kompetenz verloren oder bringen neue Personalressourcen auch wieder neue Impulse?

Was sicher ist: Der Bereich Eventmanagement steigert stetig seinen Beliebtheitsgrad – gerade bei jungen Frauen. Laut Umfrageergebnissen der IMEX in der Meeting-, Incentive-, Kongress- und Eventbranche ist der Frauenanteil hier so hoch wie in kaum einer anderen Branche.

Britta Wirtz Geschäftsführerin der Karlsruher Messe- und Kongress-GmbH (KMK) berichtet davon, wie sie ihr Leben als Business-Woman und Mutter meistert. Ende 2012 wurde ihr Vertrag als Geschäftsführerin der KMK um weitere fünf Jahre verlängert. Als Kommunikations- und Wirtschaftswissenschaftlerin hat sie zuvor acht Jahre in der Führungsetage von Reed Exhibitions (Düsseldorf) erfolgreich ihre Spuren hinterlassen. Seit ihrem Amtsantritt hat sie den Umsatz bei der KMK erheblich gesteigert. Sie war „Spitzenfrau“ des Monats August 2011 und unter ihrer Führung hat die Messe Karlsruhe drei Jahre hintereinander einen Preis im Wettbewerb „365 Orte im Land der Ideen“ erhalten. Eine stattliche Erfolgsbilanz! Und: Sie ist Mutter zweier Kinder und hat zudem mehrere Ehrenämter inne.

events: Hätte man Sie als kleines Mädchen gefragt, was Sie später einmal werden wollen, was wäre Ihre Antwort gewesen?
Britta Wirtz: Jedenfalls nicht Geschäftsführerin einer Messegesellschaft (lacht).

events: Frauen in Führungspositionen sind in Deutschland unterrepräsentiert. Laut einer aktuellen Umfrage von statista unter Führungskräften zu den Gründen für den niedrigen Frauenanteil gaben 73 Prozent der Befragten die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Welche Faktoren haben Ihren Karriereweg gefördert? Familiäre Unterstützung, gute Betreuungseinrichtungen, familienfreundliche Arbeitgeber…?
Britta Wirtz: Ein Faktor war sicherlich der unbedingte Wille, dem Beruf weiter die Stange zu halten. Dass mein beruflicher Werdegang immer auch von meinem Ehemann mitgetragen wird und wurde, ist ebenfalls ein wichtiger Baustein. Das Thema gute Kinderbetreuung spielte für mich und meinen Mann auch schon immer eine wichtige Rolle: Am Anfang als die Kinder noch klein waren, hatten wir eine Tagesmutter für unsere Söhne und wenn ich bzw. wir beide auf Dienstreisen waren, sprangen auch schon mal die Großeltern ein. Das war sehr hilfreich, insbesondere da wir das Glück hatten, dass die Großeltern in erreichbarer Nähe wohnten. Seit wir in Karlsruhe wohnen, haben wir eine wundervolle Kinderfrau, die eine wichtige Konstante für uns ist und uns den Rücken freihält.

events: Welche drei persönlichen Eigenschaften haben Sie beruflich dahin gebracht, wo Sie heute stehen? Hatten Sie ein weibliches Vorbild?
Britta Wirtz: An erster Stelle zielorientiertes Handeln. Also genau zu wissen, was man will und dann auch danach zu agieren. Eine ordentliche Portion Fleiß und keine Scheu davor, richtig mitanzupacken, helfen bei der Umsetzung der eigenen Ziele. Eine weitere Stärke von mir sehe ich im kommunikativen Bereich. Sprachliche Gewandtheit und ein bewusster Umgang mit kommunikativen Mitteln ist eine wichtige Ebene im Zwischenmenschlichen.

events: Mangelndes Selbstbewusstsein, schlechte Selbstdarstellung sowie fehlende Durchsetzungsfähigkeit – das sind einige typische Eigenschaften, die Frauen von männlichen Arbeitgebern oftmals unterstellt werden. Was glauben Sie, sind Führungseigenschaften eine Frage des Geschlechts oder der Persönlichkeit?
Britta Wirtz: Ich glaube, dass Frauen anders führen als Männer – jedoch sind Führungseigenschaften prinzipiell keine Frage des Geschlechts. Die richtige Fachkompetenz ist die Grundvoraussetzung, um eine führende Position zu bekleiden. Gleichsam sehe ich im Umgang mit Mitarbeitern, Kunden und Partnern Eigenschaften gefordert, die die Fähigkeit zum Perspektivwechsel erfordern. Will heißen, dass man die Ziele des Gegenübers versteht und sich selbst richtig einsortieren kann. Zu einem guten Führungsstil gehört meiner Meinung nach eine gewisse Selbstreflexion, die das Eingestehen eigener Fehler zulässt. Außerdem finde ich es wichtig, dass man berechenbar für sein Umfeld ist und klare Positionen bezieht. Somit entsteht ein verlässlicher und konstanter Rahmen, in dem sich ein Unternehmen bewegt. In überwiegend männlich geprägten Strukturen ist es ungemein wichtig, Präsenz zu zeigen, ja regelrecht Raum einzunehmen. Das dürfen Sie in diesem Falle ganz wörtlich nehmen. Körpersprache bewusst einsetzen, wo sie unbewusst wahrgenommen wird, etwa bei Treffen oder zu offiziellen Anlässen ist ein grundlegendes Element und im Prinzip eine Erweiterung der Kommunikation.

events: Wurden Sie schon einmal für Ihre eigene Sekretärin gehalten, weil man dachte, auf Ihrem Chefsessel müsste ein Mann sitzen?

B. Wirtz: Nein.

events: Ist Ihnen das Phänomen der „gläsernen Decke“ (ursprünglich aus dem amerikanischen: glass ceiling) begegnet und wenn ja, was haben Sie unternommen, um sie zu durchbrechen?
Britta Wirtz: Wenn man eine gläserne Decke erkennt, muss man sich überlegen: Wie viel Energie muss ich aufbringen, um sie zu durchbrechen? Oder welche anderen Wege führen mich an mein Ziel?

events: Hatten Sie einen Mentor/ Mentorin, der/die Sie unterstützt hat?
Britta Wirtz: Einen Mentor hatte ich eher indirekt. Hans-Joachim Erbel möchte ich an dieser Stelle erwähnen. Er hat meine Arbeit bei Reed über viele Jahre geschätzt und mich gefordert und so quasi auch gefördert.

events: Welche Tipps können Sie Frauen für ihren Aufstieg auf der Karriereleiter mit auf den Weg geben?
Britta Wirtz: Immer deutlich machen, was man will. Sagen Sie, welche Ziele Sie verfolgen, welche Fortbildungen Ihnen etwa auf diesem Wege helfen könnten. Warten Sie nicht, bis Ihr Umfeld erkennt, was in Ihnen steckt! Eine Schulkameradin schrieb mir einmal folgenden Spruch in mein Poesiealbum: ‚Blühe wie das Veilchen im Moose und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein.‘ Pffff….Dazu sage ich nur: Wer will denn schon ein Veilchen sein?

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