Regie mit technischem Background

Event-Regisseur Jochen Hinken: Mittler zwischen den Welten Kreation & Technik

Event-Regisseur
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Stets gefürchtet von den Technikern vor Ort: Gemeint ist der Regisseur, der grundsätzlich nie mit dem einverstanden ist, was er am Set oder auf der Location vorfindet. Als ehemaliger Technischer Leiter für Veranstaltungen (Red Bull Flugtag, der Umsetzung des Pressezentrums mit 8.000 Journalisten während des Papstbesuchs oder bei Händlertagungen wie z. B. für Mitsubishi in Portugal) hat Jochen Hinken die eine oder andere Regie-Diva kennengelernt. Eine dieser Begegnungen brachte ihn letztendlich dazu, selbst Regie mit technischem Background zu führen. events sprach mit dem Event-Regisseur über seinen kreativen Job, den er nun schon mehr als 15 Jahre ausübt.

Jochen Hinken ist sicher, dass die „Diven“ von gestern mittlerweile ausgestorben sind, denn die Anforderungen eines Regisseurs im Event-Bereich sind heute sehr viel feingliederiger geworden. Dabei hat Durchsetzungsvermögen nichts mit divenhaftem Verhalten zu tun. Ein Regisseur muss jedoch in der Lage sein, schnelle Entscheidungen sicher zu treffen, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten und so, dass die Gäste die Änderungen nicht bemerken.

Jochen Hinken
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Jochen Hinken

Zur 60. Geburtstagsfeier des deutschen Unternehmers und Sportfunktionärs Clemens Tönnies sollten Helene Fischer und Peter Maffey als unerwartete Gäste auftreten. Eine kaum lösbare Situation, da die Musiker und die Backline von Peter Maffey am nächsten Tag bereits bei einem Konzert von Udo Lindenberg in Stuttgart benötigt wurden. Das Zeitfenster für das Laden der Technik war unter normalen Umständen trotz des guten Event-Managements nicht einzuhalten. Mit einem erfahrenen Backstage Manager und der spontanen Idee, kurzfristig eine nicht mehr frequentierte Catering-Station zu schließen, um die Backline unerkannt aus dem Saal zu schaffen, konnte der Zeitplan eingehalten werden.

Das Zusammenspiel von Manpower und Technik

Ein Regisseur muss immer objektiv das Beste für die Veranstaltung herausholen. Dabei sollte er stets das große Ganze in den Mittelpunkt stellen und aus dieser Sicht agieren. 98% der technischen Fehler sind menschliche Fehler durch falsche Bedienung, Unachtsamkeit oder Übermüdung. Um diese zu erkennen, hilft es sehr, die Technik und die, die sie bedienen, zu kennen und zu verstehen. Ein Team, das seit Jahren zusammenarbeitet, ist in der Branche Gold wert. Es erhöht die Sicherheit und vereinfacht die Kommunikation, weil jeder für den anderen mitdenkt und es keine Befindlichkeiten gibt. Besonders schwierig kann das Arbeiten mit einem fremden Cast und fremden Technikern, bestehend aus unterschiedlichen Nationalitäten, sein. Denn hier treffen verschiedene Mentalitäten aufeinander. Hinken erlebte sie in ganz Europa, die aufregendsten Erfahrungen machte er aber in Shanghai und Peking auf der Auto-Show. Konzentrations- und Schlafprobleme waren die Dinge, auf die er ganz besonders achten musste. Und: Änderungen erreicht man nur über positives Feedback!

Peter Maffay und Helen Fischer Geburtstagsueberraschung
© Jochen Hinken
Überraschungsgast anlässlich einer großen Geburtstagsfeier: Peter Maffay in Concert

Event-Regisseur wird man nicht durch Ausbildung, sondern Berufung

Da es den Ausbildungsberuf Event-Regisseur, Showcaller, Director oder Show-Director – wie immer man ihn auch nennen mag – nicht gibt, haben alle Regisseure eine eigene berufliche Vergangenheit. Viele kommen aus der Konzeption und haben einen kreativen Ansatz, andere waren früher in der Künstlervermittlung oder arbeiteten am Theater. Hinken selbst hat einen technischen Hintergrund und seine Kreativität fängt spätestens da an, wo der Konzeptioner versucht hat, die Schwerkraft auszuhebeln. Dann entwickelt er machbare Alternativen, ohne das Konzept zu zerstören.

Seine Empfehlung: Die Einbindung des Regisseurs in die Event-Planung kann nicht früh genug passieren. Bei der ersten Planentwicklung der Bühne sollten seine Ideen bereits mit einfließen. Wo sind die passenden Aufgänge der Redner, von wo kommen die Künstler auf die Bühne? Macht es Sinn, die Künstler durchs Publikum zu schicken und entspricht das der Versammlungsstätten-Verordnung …?

Drei wichtige Pfeiler: Empathie, Menschenkenntnis und Erfahrung

Auf vielen Veranstaltungen ist der Regisseur auch Übersetzer und Vermittler zwischen Kunde, Künstler und der Veranstaltungstechnik. Hier muss er entscheiden können, ob ein technisches oder ein menschliches Problem vorliegt und immer wieder umsetzbare Lösungen und Vorschläge im Köcher haben. Verständliche Kommunikation und Einfühlungsvermögen, Verständnis für die Situation und die Person sind Eigenschaften, die man in diesem Job braucht.

Der Regisseur benötigt kein abgeschlossenes Psychologiestudium, aber Menschenkenntnis unbedingt. Denn innerhalb kürzester Zeit muss er sich auf die unterschiedlichsten Personen einstellen, sie verstehen und mit ihnen umgehen. Dabei ist es aus Hinkens Sicht unerheblich, ob es sich um den Vorstandsvorsitzenden oder den Gabelstaplerfahrer handelt. Jeder ist für die Veranstaltung immens wichtig und benötigt eine entsprechende Ansprache.

Nicht nur zur Show-Inszenierung sondern auch bei Konferenzen. Powerpoint- Schlachten gehören zunehmend der Vergangenheit an und die neuen Medien müssen mit der zusätzlichen Technik vernetzt und koordiniert werden. Inhalte dürfen emotional rübergebracht werden, aufgelockert durch eine oder mehrere thematische Show-Einlagen. Damit ist die beauftragte Technikfirma oft überfordert. Verständlicherweise, denn all diese Elemente und Herausforderungen gehören eigentlich nicht zu ihrem Portfolio.

Ob Parteiaufmarsch oder Bundesparteitag – ohne Regisseur gehen solche Veranstaltungen selten glatt und erfolgreich über die Bühne. Weit im Vorfeld muss im Sinne eines erfolgreichen Event-Managements minutiös geplant und im Regieplan festgehalten werden, wer von wo mit welcher Musik in welchem Licht und mit welchem Content auftritt. Neben diesen Aufgaben, die ein Event-Regisseur meistern muss, bedeutet es aber auch, einer berühmten Band beizubringen, dass nicht sie der Star des Abends ist, sondern das neue Automodell. Ein Vertrauensverhältnis zu den Speakern aufzubauen und den Vorstandsvorsitzenden mit der neuen Technik auf der Bühne vertraut zu machen. Ebenso wichtig: Den Künstlern eine Bühne zu präsentieren, auf der sie sich wohl und sicher fühlen und dafür zu sorgen, dass die Operator für Licht, Ton, Video und Kamera vernünftige Arbeitsbedingungen vorfinden.


Jochen Hinken ist seit 35 Jahren in der Veranstaltungsbranche tätig, davon über 15 Jahre als freier Regisseur, Technischer Leiter und Berater für Kreativ- und Event- Agenturen für nationale und internationale und Veranstaltungen. Neben seiner Berufung als Vermittler zwischen Kreation und Technik lehrt er zudem an verschiedenen Universtäten und Institutionen.
www.jochen-hinken.de

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