events Magazin 02/2017

Ein ruhiger, offener Hafen für die Welt – Editorial von Hans Jürgen Heinrich

Das neue Meeting & EventBarometer ist da. Man kann sicherlich darüber streiten, ob es sich bei dem jährlichen „Pulsfühlen“ um eine exakt vergleichbare Grundgesamtheit handelt, die die Veränderungen im Jahresturnus tatsächlich vergleichbar macht.

Hans Jürgen Heinrich, Herausgeber von events
Hans Jürgen Heinrich, Herausgeber von events

Trotzdem ist signifikant: Die zunehmende Internationalisierung der Veranstaltungsbranche in Deutschland hat sich im Jahr 2016 fortgesetzt, denn die Zahl ausländischer Teilnehmer an Tagungen, Kongressen und Events ist im Vergleich zum Vorjahr um satte 18 Prozent auf 32,9 Millionen angestiegen.

Seit der erstmaligen Erhebung des „Meeting- & EventBarometers“ im Jahr 2006 hat sich die Zahl der Teilnehmer aus dem Ausland somit mehr als verdoppelt. Das ist sensationell. Es ist Beleg für unsere hervorragende Infrastruktur, unsere internationale Reputation verbunden mit innerem Frieden und interkultureller Aufgeschlossenheit. Was alle Unkenrufe ins Reich der gut gepflegten Fabeln verweist. Zumindest im Großen und Ganzen.

Das Thema Sicherheit indes wird auch uns beschäftigen müssen, stärker als bisher, wenn wir unsere Zahlen halten und ausbauen wollen. Es gibt keine sicheren Häfen mehr, Volatilität ist das Merkmal unserer Zeit. Aber es gibt sicherere und unsicherere Häfen. Das hat mit der Bauweise zu tun. Wir reden von Sicherheitsarchitektur und eine verlässliche braucht zu allererst eine gesunde Statik.

Statiker sind Leute, die Lasten berechnen. Aktuelle und wahrscheinliche. Sie planen nicht mit Wachs und Gummi sondern mit Stahl, Hartholz oder Beton. Sie verstecken die Armierungen gut, denn ihr Kunstwerk soll nicht aussehen wie eine mittelalterliche Festung. Ihre Berechnungen sollten aber auch nicht so bürokratisiert sein, dass sie wie der nimmermüde Krake Brandschutz ganze Flughäfen für Jahre in sündhaft teure und schwer entflammbare Schlummer-Watte legen.

events2_2017Was heißt das konkret? Wir können stolz sein auf eine bunte und tolerante, offene Gesellschaft. Wir müssen sie pflegen als einen Pfeiler unseres Ansehens in der Welt. Die sich in wenigen Tagen erneut in Frankfurt trifft, um gute Geschäfte im MICE-Feld anzubahnen. Auch Saudi Arabien und die Türkei sind dabei. Um nur zwei zu nennen, die mit Buntheit und Toleranz wenig am Hut haben und trotzdem keine sicheren Häfen sind.

Deutschland kann und muss ein Bollwerk gegen Intoleranz und Unfreiheit bleiben. Es muss sich dabei verteidigen gegen Extreme, die mit den alten Kategorien „Links“ und „Rechts“ längst nicht mehr zu fassen sind. Aber der Begriff des Bollwerks bedeutet auch, dass wir Mut zu einer entschlossenen Sicherheitsarchitektur haben, die sich nicht in Vorschriften und Listen erschöpft (darin sind wir ja Großmeister!), sondern auch vorausschauend auf gesellschaftliche Armierungen setzt.

Blauäugigkeit und Laissez Faire gehören nicht zu den geeigneten Baustoffen. Wachsweiche Betroffenheitskultur und markige Patentrezepte auch nicht. Aber es gilt der Satz: Was nützt es, wenn Du in einer Welt voller Wölfe ein Schäfchen bist … Wir können dankbar sein und sollten es auch nicht unnötig thematisieren, dass auf den großen Branchen-Veranstaltungen bisher nichts Dramatisches geschehen ist.

Als „Armierung“ würde ich mir allerdings weniger Symbolpolitik wünschen. Dazu gehören martialisch aussehende Uniformierte wie auf der IBTM und der ITB. Die übrigens ein gut erkennbares erstes Ziel bieten. Wäre uns nicht wohler wenn wir wüssten, dass gut ausgebildete und bewaffnete Interventionskräfte in Zivil ausreichend vor Ort sind und im Notfall schnell und beherzt eingreifen können?

Haben Sie einmal darüber nachgedacht, wie lächerlich und überflüssig ein uniformierter Sky Marshal im Flugzeug wäre? Dicke Hose ist Symbolpolitik, A…. in der Hose Realpolitik. Auf allen Lebensebenen. Leider ist Vieles in einer durchpazifisierten Gesellschaft schwer vermittelbar. Selbst wenn es einer der Wehrdienstverweigerer der ersten Stunde schreibt.

Eine in jeder Hinsicht gute Imex 2017 wünscht Ihnen

 

 

 

 

Hans Jürgen Heinrich
Herausgeber

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