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Digitalisierung: Deutschland verschenkt 500 Milliarden Euro Potenzial

Kopfkino

Deutschland schöpft den wirtschaftlichen Nutzen der Digitalisierung bei weitem nicht aus. Aktuell nutzt das Land nur zehn Prozent seines digitalen Potenzials – und damit weitaus weniger als der EU-Durchschnitt (12 Prozent) oder Länder wie Großbritannien, die Niederlande und Schweden (je 15 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt die McKinsey Studie “Digital Europe”.

Wenn Deutschland sein digitales Potenzial optimal nutzen würde, davon ist McKinsey-Seniorpartner Karel Dörner überzeugt, könnte das Bruttoinlandsprodukt bis 2025 um einen Prozentpunkt jährlich zusätzlich wachsen – das wären umgerechnet insgesamt rund 500 Milliarden Euro. Für ganz Europa ergebe sich ein zusätzliches Potenzial von 2,5 Billionen Euro.

Die Digitalwirtschaft macht der Studie zufolge mittlerweile 5,4 Prozent der deutschen Gesamtwirtschaft aus. Damit liegt Deutschland leicht über dem EU-Durchschnitt von 5,0 Prozent. Überdurchschnittlich ist auch die Zahl der Internetnutzer: Rund 85 Prozent der 16- bis 74-jährigen Deutschen surfen regelmäßig im Internet, im EU-Durchschnitt sind es 75 Prozent. Beim Thema Netzabdeckung ist Deutschland allerdings Schlusslicht in Europa: Schnelle mobile Datenverbindungen (3G) gibt es nur für 92 Prozent der Haushalte. Der EU-Durchschnitt liegt bei 98 Prozent.

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Am stärksten digitalisiert sind in allen EU-Ländern die Informations- und Telekommunikationsbranche sowie Medien und Finanzdienstleistungen. Zurück liegen vor allem kapitalintensive Branchen wie die Fertigungsindustrie, überwiegend staatliche Sektoren wie Gesundheits- und Bildungswesen sowie fragmentierte und lokale Branchen wie Bauwirtschaft und Hotelgewerbe. Dies gilt auch für Deutschland – allerdings auf einem im EU-Vergleich in vielen Branchen niedrigeren Niveau: Vor allem im Dienstleistungs-, Transport- und Logistikbereich schneidet Deutschland unterdurchschnittlich ab.

In Summe ist Europa der Studie zufolge mehr Konsument als Produzent von digitalen Dienstleistungen wie z.B. Software oder Onlineplattformen: Das Handelsbilanzdefizit gegenüber den USA liegt bei 5,6 Prozent des gesamten Dienstleistungsverkehrs. Hier schneidet Deutschland mit 4,2 Prozent besser ab. Innerhalb der EU ist Deutschland mit einem Bilanzplus von 1,0 Prozent Nettoexporteur von digitalen Dienstleistungen.

Voraussetzung dafür, die Digitalisierung in Europa zu beschleunigen, sind der Studie zufolge mehrere Faktoren:

  • Unternehmen sollten kontinuierlich im Blick haben, welche Digitalisierungsmöglichkeiten es für ihr Geschäftsmodell gibt, gezielt priorisieren und Prozesse anpassen. Gleichzeitig sollten Firmen digitale Werkzeuge nutzen, um ihre internen Prozesse und ihre Kommunikation mit den Kunden zu verbessern.
  • Behörden und Regierungen können den Übergang zur digitalen Ökonomie unterstützen, indem sie den entsprechenden regulatorischen Rahmen schaffen (z. B. den digitalen Binnenmarkt für Europa), die Möglichkeiten des E-Government stärker nutzen sowie Bildungsinitiativen für digitale Kompetenzen auflegen – über alle Schul- und Ausbildungswege hinweg.
  • Bürger und Arbeitnehmer sollten sich auf eine neue, technologiebasierte Arbeitswelt einstellen, sich durch entsprechende Weiterbildungen qualifizieren und die Möglichkeiten zu flexiblerer und selbstständiger Arbeit nutzen. Auch als Konsumenten sollten sie alle Vorteile des Internets zur Information, Vernetzung und zum Austausch gezielter nutzen.
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