Lufthansa verprellt wichtigste Kundengruppe

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Deutsche Unternehmen ziehen ihre Konsequenzen aus der von der Lufthansa Group eingeführten Distribution Cost Charge (DCC). Sie prüfen nicht nur verstärkt alternative Buchungsmöglichkeiten, sondern wechseln auch gezielt zu anderen Fluganbietern. So lautet das Fazit der Branchenverbände Deutscher ReiseVerband (DRV) und Verband Deutsches Reisemanagement (VDR). Seit rund 100 Tagen berechnet die Lufthansa für Buchungen von Flugtickets über Globale Reservierungssysteme (GDS) ein zusätzliches Entgelt in Höhe von 16 Euro.

Mit einem Verweis auf eine internationale Umfrage der Global Business Travel Association (GBTA), die belegt, dass mehr als 90 Prozent der Unternehmen Direktbuchungen über Lufthansa nicht nutzen, stellt VDR-Präsident Dirk Gerdom fest:

Der Vorstoß der Lufthansa stellt einen massiven Eingriff in die hocheffektiven Buchungs- und Abwicklungsprozesse der Unternehmen dar. Für Firmenkunden ist die nicht kostenpflichtige Buchung über die Websites der Lufthansa absolut keine Alternative. Hier geht es zudem sowohl um das Thema Datenschutz als auch um die Fürsorgepflicht der Unternehmen für die auf Geschäftsreisen befindlichen Mitarbeiter.

Buchen Mitarbeiter direkt über die Websites der Lufthansa, sind Reiseverlauf und Reisedaten für Unternehmen und deren Travel Manager kaum noch nachvollziehbar. Im Krisenfall wie etwa bei einem Anschlag oder anderen Notsituationen kann das fatale Folgen haben.

GDS-Buchungen fließen hingegen direkt über Schnittstellen in Buchhaltungs-, Abrechnungs- und Auswertungssysteme von Firmenkunden und Geschäftsreisebüros ein. Zudem sind Umbuchungen oder Stornierungen heute schnell und elektronisch über die GDS machbar.

Die Ergebnisse einer aktuellen Trendabfrage des DRV unter seinen Mitgliedern zeigen zudem, dass Kunden ihr bisheriges Buchungsverhalten überdenken und Angebote anderer Airlines prüfen. Fast 75 Prozent der befragten Reisebüros, Ticketgroßhändler (Consolidator) sowie Reiseveranstalter berichten, dass sich das Buchungsverhalten ihrer Kunden durch die Einführung der Lufthansa-DCC verändert hat. Über 40 Prozent geben an, dass sich das Verhalten stark bis sehr stark verändert habe.

Wichtige Entscheidungskriterien wie Transparenz und Vergleichbarkeit werden durch die DCC außer Kraft gesetzt und können nur durch einen erheblichen Kostenaufwand auf anderem Wege hergestellt werden, warnen die Branchenverbände. Dies wirke sich langfristig auf die gesamte Branche negativ aus, insbesondere dann, wenn die Lufthansa auch zukünftig keine tragfähigen Alternativen anbieten könne oder diese erst entwickelt werden müssten. Als Extra-Posten würde das Distributionsentgelt zudem im Stornofall nicht erstattet werden, was weitere Kosten erzeuge.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Ergebnisse rufen VDR und DRV die Lufthansa gemeinsam dazu auf, ihr weiteres Vorgehen den Bedürfnissen des Marktes anzupassen und die Einführung der DCC zu überdenken.

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